Dienstag, 28. November 2006

"Wie schlechte Bildung vererbt wird"

http://www.orf.at/061127-6449/?href=http%3A%2F%2Fwww.orf.at%2F061127-6449%2F6450txt_story.html

Na, ist doch klar. Man darf eines nicht vergessen: Das Schulsystem ist weniger darauf ausgelegt, den Kindern etwas beizubringen (das tun eher die Eltern bzw. die Nachhilfelehrer), als die Kinder zu prüfen. Und wenn die Eltern nicht Wert auf Bildung legen, wird das Kind auch nicht viel lernen; es sei denn, es ergreift selbst die Initiative. An der Schule werden z.B. Rechtschreibfehler in Aufsätzen korrigiert, aber ob das Kind daraus eine Lehre zieht und in Zukunft diese Fehler vermeidet, liegt nur an ihm oder an den Eltern, welche das Kind auf die Wichtigkeit der Rechtschreibung aufmerksam machen könnten. Da an unseren Schulen u.a. auf Rechtschreibung viel Wert gelegt wird, kann es sein, dass jemand, den Rechtschreibregeln weniger interessieren, auch das Interesse an der Schule bald verliert und die Schule frühestmöglich verlässt.

Manchmal sagt man ja, gute Rechtschreibung wäre ein Zeichen für kognitive Begabung. Ich meine: vielleicht nicht unbedingt für kognitive Begabung, aber für eine positive Einstellung zur Schulbildung! An den Rechtschreibkenntnissen kann man die Bildung(schancen) eines Menschen in unserem Bildungssystem gut abschätzen.

Ob das gut ist?

Freitag, 17. November 2006

Vierprozenthürde

In Österreich gilt bei bundesweiten Parlamentswahlen (Nationalratswahlen) die Vierprozenthürde: Parteien, die weniger als vier Prozent der Wählerstimmen haben, können nur ins Parlament einziehen, wenn sie in einem Wahlkreis ein Direktmandat erlangt haben. Die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) ficht nun diese Hürde an.

Meines Wissens nach wurde diese Hürde erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt, um den Aufstieg kleiner, radikaler Parteien zu verhindern. Die Nazi-Partei NSDAP war ja ursprünglich auch nur eine Zwei-Prozent-Partei gewesen, hatte aber dennoch im Weimarer Reichstag einige Sitze, weil es damals diese Hürde eben nicht gab; und so hatten ihre Politiker mit dem Parlament eine Plattform, wo sie Reden schwingen und Einfluss nehmen konnten. Kalkül der Gesetzgeber nach dem Krieg war es offenbar, dass man durch diese Hürde solche Parteien künftig marginalisieren könnte, weil es außerparlamentarische Oppositionsparteien schwerer hätten, in den Wahlen Stimmen zu bekommen.

Vier Prozent, das sind bei 6.108.044 Wahlberechtigten etwa 244.321 Personen. Man stelle sich also vor: Wenn eine Partei von weniger als 244.321 Personen gewählt wird, dann hat diese Partei überhaupt keinen Einfluss auf die Gesetzgebung, also effektiv null Gestaltungsmöglichkeiten. Sie kann höchstens Stimmung machen, wie die Medien, aber an Abstimmungen über Gesetzesvorlagen kann sie sich nicht beteiligen, und es ist auch weniger wahrscheinlich, dass ihre Stimme von den Abgeordneten der anderen Parteien gehört werden wird.

Ob diese Hürde wirklich ihren Zweck erfüllt, ist fraglich. Radikale Parteien wie die FPÖ sind im Parlament vertreten; und die KPÖ ist wohl nicht nur wegen der Hürde so klein, sondern auch, weil trotz der Sympathie von Teilen der Bevölkerung für "linke" Ideen die wenigsten den Kommunismus wollen. Aber es mag schon sein, dass die KPÖ an Popularität gewinnen könnte, wenn sie im Parlament vertreten wäre und dort in den Augen mancher Wahlberechtigter gute Arbeit betriebe. Oder auch nicht! Wer weiß?

Jedenfalls finde ich die Vier-Prozent-Hürde keineswegs undemokratisch. Denn dass eine einzelne Wählerstimme wenig wert ist, ist nicht etwa undemokratisch, sondern, ganz im Gegenteil, systemimmanent. Gerade dass die Meinung des Einzelnen wenig Bedeutung hat, ist das Wesen der Demokratie. Ob das gut ist, ist eine andere Frage.

Mittwoch, 15. November 2006

Wenn Freiwilliges zur Pflicht wird...

Heute las ich im science.orf.at, dass früher (vor langer, laaaanger Zeit) an den Unis Prüfungen nicht Teil des Curriculums waren, sondern freiwillig abgelegt werden durften und man sogar extra Geld dafür zahlen musste. Prüfungen dienten als Serviceleistung, damit die Studierenden sehen konnten, ob sie den Stoff verstanden hatten. Dass sich das so entwickelt hat, wie es jetzt ist, dass Prüfungen eigentlich die Hauptsache im Studium ausmachen, mag verschiedene Gründe haben. Die erste Theorie, die mir einfiel: Die Gesellschaft erachtete das Bestehen von Prüfungen für so wichtig, es wurden geprüfte Hochschulabsolventen so stark gegenüber ungeprüften bevorzugt, dass bald alle Studierenden Prüfungen machten bzw. es zum guten Ton gehörte und dann schließlich fixer Bestandteil des Studiums wurde, weil man nun der Meinung war, dass ein Studium ohne Prüfungen nichts wert sei. Eine andere Theorie, die mir dann eingefallen ist: Es könnte auch sein, dass manche Absolventen "gepfuscht" haben und daher die Universitäten die Prüfungspflicht als qualitätssichernde Maßnahme einführten, weil sie um ihren Ruf fürchteten. Freilich könnte man es aber auch so erklären, dass früher einfach viel weniger Leute studierten. Würde man heute die Studierenden ungeprüft durchlassen, wäre fast jeder Akademiker. Die Prüfungen wurden daher eingeführt, um eine Selektion durchzuführen bzw. das Niveau der Absolventen zu heben.

Jedenfalls habe ich bei der Analyse dieses Sachverhalts auch an ein ganz anderes Thema denken müssen: Pränataldiagnostik. Dank der modernen Medizin können manche Behinderungen schon vor der Geburt erkannt werden. In der Regel darf die werdende Mutter entscheiden, ob eine Untersuchung durchgeführt werden soll. Wenn ja, darf sie auch bei positivem Befund (= krank) entscheiden, ob das Kind auf die Welt gebracht werden soll. Kritiker dieser "liberalen Eugenik" wenden ein, dass der gesellschaftliche Druck abzutreiben so stark sein könnte, dass letzten Endes Frauen, die behinderte Kinder geboren haben, ausgegrenzt werden könnten. Zieht man eine Analogie zu meiner ersten Theorie über die Entstehung der Prüfungspflicht, so könnte das in weiterer Folge bedeuten, dass irgendwann den Frauen die Entscheidungsfreiheit genommen würde und sie abtreiben müssten. Angesichts dieser Vorstellung wäre es wohl besser, die Pränataldiagnostik würde nicht mehr eingesetzt...

Freitag, 10. November 2006

Begabungsförderung

Ich habe mir auf www.begabtenzentrum.at einige Modelle zur Begabungsförderung kurz angesehen; mein Eindruck: Manche dieser Modelle enthalten eine noch stärkere Strukturierung der Zeit, welche die Schüler täglich an der Schule verbringen müssen. Genau das halte ich für falsch, weil Menschen nicht unbedingt so funktionieren, dass sie mit einem extern vorgegebenen Zeitplan glücklich werden. Ich bin der Meinung, man solle den begabten Kindern einfach Lesen, Schreiben, Rechnen und grundlegende Allgemeinbildung vermitteln und sie ansonsten das tun lassen, was ihnen Freude bereitet, und sie dabei, wenn sie es wollen, unterstützen (z.B. durch Anschaffen von Fachliteratur oder von Werkzeugen, durch das Ermöglichen von Kontakten zu Experten usw.).