Samstag, 27. Januar 2007

Über den Umgang von Menschen miteinander

Ich muss mich umerziehen und zu den Werten zurückkehren, die mir ursprünglich anerzogen worden sind (Toleranz; wenn möglich, loben; sich mit Kritik zurückhalten, sich dreimal überlegen, bevor man Kritik äußert, wem man sie äußert, und wenn, dann sie in mildem Ton äußern; usw.). Dank dieser Erziehung war ich in bescheidenem Maße (nämlich dann, wenn ich schriftlich kommunizierte) eine Integrationsfigur und Vorbild. Ich konnte Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft einen und zu einem _friedlichen_ Zusammenleben verhelfen. Ich war bürgerlich sozialisiert, zeigte dies jedoch nicht offen, sondern nur indirekt (gute Rechtschreibung, höfliche Anrede, freundlicher Umgangston usw.). Ich unterhielt Brieffreundschaften mit allen möglichen Menschen, zuerst im deutschen Sprachraum, später dann auf der ganzen Welt. Ich lernte so, dass man sich auch mit Menschen aus dem Arbeitermilieu und ebenso mit "Alternativen" gut und vernünftig über gemeinsame Interessen (wie etwa Computer; Politik versuchte ich natürlich zu vermeiden) unterhalten konnte, und dass dies auch mit Menschen möglich war, die in anderen europäischen Staaten aufgewachsen waren und lebten.

Ich habe viel Porzellan zerschlagen, weil ich seit meiner Matura versucht habe, auch in Gefilde einzudringen, welche mir bislang verschlossen waren; wobei ich in manchen Fällen einfach naiv war (Mensa-Mitglied hätte ich ja auch schon als Fünfjähriger werden können, nur ließen meine Eltern nicht zu, dass ich getestet werde, um eben zu verhindern, dass ich zu einem so arroganten Kerl werde, wie ich es in den letzten Jahren dann leider Gottes eben war. Intelligenz ist nur Voraussetzung, um in ein Milieu einzuwachsen. Mit Menschen im Erwachsenenalter, mit denen man nichts außer einen gewissen Intelligenzquotienten gemeinsam hat, sollte man sich eigentlich nicht abgeben. Einzige Ausnahme: Wenn es sich um GLEICHALTRIGE handelt. Denn wie sich ein Mensch benimmt, wenn man ihm irgend etwas ins Gesicht sagt, ist nicht etwa vom Intelligenzquotienten, sondern von seinen individuellen Wertvorstellungen abhängig).

Betont elitäre Kreise hatte ich während meiner Jugendzeit stets gemieden. (Ich werde jetzt nicht sagen, wen ich hier dazuzähle; die Leute, die gemeint sind, wissen es bestimmt.) Nach meiner Matura nutzte ich meine Statussymbole Notendurchschnitt und Mensa-Mitgliedschaft, um auch hier einzudringen - und meine Vorurteile bestätigten sich. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Ich möchte dennoch, ganz ehrlich, sagen, dass sich in den letzten Jahren vieles gewandelt hat und einige der mir bekannten "konservativen" Kreise in der Tat relativ weltoffen und tolerant geworden sind. Vor einigen Jahren waren diese nämlich noch ziemlich elitär. Mehr werde ich jetzt nicht sagen. Die Zunahme der Toleranz ist im übrigen evolutiv zu begründen; das hat sich nach und nach entwickelt.

Ich vermute, dass dies auch der Grund ist, warum sich zunehmend eine größere Zahl neokonservativer Sekten bilden, die - Euphemismus par excellence - behaupten, den Menschen noch mehr Freiheit geben zu wollen. Mehr werde ich dazu nicht sagen. Ich schließe nicht aus, dass Leute aus diesen Kreisen mitlesen; falls sie dies doch tun sollten: Sie wissen, dass sie gemeint sind.

Ich weiß, dass ich Wunden hinterlassen habe; und ich weiß nicht einmal, bei wem. Ich bin jedenfalls keine Person, nach welcher man sein Weltbild ausrichten kann. Das hätte ich eigentlich schon während meiner Schulzeit erkennen können, aber...

Ich nehme mir vor, ab jetzt nur mehr zu versuchen, mich in die Gruppen zu integrieren, in welche ich mich einordnen muss; zu versuchen, die Regeln zu erkennen, die in diesen Gruppen herrschen, und mich danach zu richten; Kritik für mich zu behalten bzw. mir hundertmal zu überlegen, bevor ich irgend etwas sage.

(Top-Management würde ich wahrscheinlich ohnedies nicht schaffen; denn ich bin eine Person, die einen Aufpasser braucht, vor allem, um emotionale Ausrutscher zu vermeiden.)

Ich muss mich zurückhalten. Inzwischen erkenne ich dank Literatur noch ein paar Codes mehr als jene, von denen ich schon früher wusste. Ich kann an ihnen erkennen, aus welchen Milieus Führungspersönlichkeiten stammen und welchen Führungsstil ich daher zu erwarten habe. Ich darf aber nicht offen Kritik üben. Dazu bin ich nicht befugt. Mir bleibt nichts übrig, als zu lernen, mit den verschiedenen Führungsstilen zurechtzukommen. Querulanten mag keiner. Ich muss mich anpassen.

Es war ein Fehler, nach der Matura nicht mehr auf meine Eltern zu hören...

("Act like a jerk and piss everybody off." Ja, ich habe mir diese Formulierung gemerkt.)

Ich weiß im übrigen sehr wohl, dass ich persönliche Dinge, die in privatem Rahmen gesagt wurden, für mich behalten muss. Das wurde mir anerzogen. Soweit ich mich erinnere, habe ich auch seit der Matura nie anders gehandelt. Ich muss allerdings mir angewöhnen zu vermeiden, Zusammenhänge zwischen einander bekannten Personen herzustellen, die ich in zwei verschiedenen Kontexten kennengelernt habe. "Geheimnisse" des einen "Rudels" sind nur für dieses eine Rudel gedacht, "Geheimnisse" des anderen "Rudels" müssen bei eben diesem anderen Rudel bleiben. (Die ärztliche Schweigepflicht ist mir wohlbekannt; diese habe ich auch immer peinlich genau eingehalten. Also nie Namen nennen, sondern höchstens die Fälle beschreiben, ohne auch nur den geringsten Hinweis auf die Identität der Person zu geben. Mein Statement bezog sich hier auf andere Dinge.)

Ich muss lernen, mehr Mitgefühl zu entwickeln, und zwar für alle Menschen, mit denen ich zu tun habe. Jetzt habe ich es mir vorgenommen, und so wird es auch klappen.

Anarchie ist prinzipiell abzulehnen; was im Gesetz steht, muss eingehalten werden. Die Tatsache, dass sich manche Vorbilder nicht daran halten (ich meine jetzt allgemein, nicht im konkreten Fall), darf nicht dazu verleiten, es ihnen gleichzutun. Deswegen sind Kontrollinstanzen wichtig; DEREN, und nur deren Aufgabe ist es, den Menschen zu sagen, welche Fehler sie machen. (Wieder ein allgemeines Statement.) Wenn jemandem gesagt wird, dass ihm ein Fehler unterlaufen ist, muss er diesen Fehler in Zukunft vermeiden.

Diese Führungsstrukturen sind wichtig, denn wenn hier geschlampt wird, geht die Gesellschaft zugrunde.

Samstag, 20. Januar 2007

Karriere

Heute bin ich darauf gekommen, wie abnorm mein Lebensstil ist.

Ich meine nicht "abnorm" im Sinne von "schlecht", sondern im Sinne von "ungewöhnlich" bzw. "andersartig", verglichen mit dem Lebensstil der breiten Masse.

Die meisten Menschen leben in den Tag hinein, tun, was ihnen Freude bereitet. Irgendwann machen sie eine Ausbildung, dann gehen sie hackeln, machen jeden Tag ihre Routine und danach das, was sie wollen.

Ich hingegen bereite mich schon ungefähr, seit ich denken kann, auf eine wissenschaftliche Laufbahn vor.

Ein Universitätsprofessor muss nicht unbedingt hochbegabt sein, aber wenn er es nicht ist, wird er ein sehr anstrengendes Leben führen, denn zu seinem Beruf gehört es ja, sich auf seinem Gebiet ständig auf dem neuesten Stand der Forschung zu halten. Er lernt nie aus, er muss sich viel intensiver weiterbilden als andere Akademiker, die, wie die meisten Menschen, vorwiegend Routinetätigkeiten ausüben und zwar laufend durch ihre Erfahrung dazulernen, sich jedoch nur ab und zu auch theoretisch weiterbilden müssen.

Ich glaube, ich wäre für eine Hochschulkarriere gut geeignet, vielleicht sogar besser als so manche, die schon jetzt Professoren sind. Allerdings sehe ich, dass es auch andere Lebensstile gibt, bzw. mir eigentlich niemand vorschreibt, dass ich unbedingt diesen Weg einschlagen muss.

Klar ist, dass es unbedingt notwendig ist, ein Forschungsgebiet zu wählen, das einen persönlich interessiert, weil man es sonst natürlich nicht lange durchhalten wird.

Oh Gott

Zitat aus Horst Seehofers Homepage:

"Politiker sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Politiker."

Allein dieser Satz macht mir Seehofer unsympathisch. Dass jemand überhaupt auf die Idee kommt, es könnte andersrum sein, zeugt von einem antiquiert-autoritären Geist.

Schon mal vom Begriff des "Volksvertreters" gehört?

XING / OpenBC

Meinen XING-Account habe ich jetzt reaktiviert, nachdem ich dort ein paar Bekannte entdeckt habe. Inaktiv war er zwar nie, aber halt nicht benutzt...

Wie sehr manche Leute wegen Unsicherheit versuchen, ihre wahre Persönlichkeit zu verbergen! Das war ein Gedanke, der mir gekommen ist...

Ich nehme es inzwischen locker; es sind ja auch nur Menschen in der Arbeitswelt. Und die Kultur der einzelnen Companies unterschiedlich.

Manche legen auf die neue Rechtschreibung Wert, anderen fällt es gar nicht auf, dass ich z.B. soeben eine Regel verletzt habe, indem ich "Companies" statt "Companys" geschrieben habe.

Business World war für mich halt bislang eine sehr fremde Welt, aber inzwischen habe ich begriffen, worum es da geht... Geld machen und Leute ausnutzen, die einem dabei nützlich sein können. Mehr nicht. Und ich lasse mir nicht einen Maulkorb umhängen, nur um sicherzugehen, dass im Internet keine Texte von mir zirkulieren, welche irgendwann gegen mich ausgelegt werden könnten. Manche Dinge sind dem einen sympathisch, dem anderen unsympathisch... Woher soll man das wissen?

Viele passen sich zwanghaft an Normen an und sterben dann irgendwann, ohne je richtig gelebt zu haben.

Freitag, 19. Januar 2007

Soziales Lernen

http://science.orf.at/science/news/146962

Diese Idee finde ich gut: in der Schule zu lehren, wie man mit Menschen umzugehen habe. Das fehlt derzeit.

Bürokratie

Heute habe ich unmittelbare Erfahrung mit der österreichischen Bürokratie gemacht, weil ich in meiner Funktion als "Gutachter für Habilitationen im Bereich 'Experimentelle Fächer' der Universitätsvertretung Medizin" gemeinsam mit einer angestellten Mitarbeiterin des Rektorats der Medizinischen Universität Wien neun Anträge auf Habilitation bewerten musste. Es gibt genaue Richtlinien, wie das zu funktionieren hat; man kann diese Richtlinien u.a. auf der Homepage der MedUni Wien (www.meduniwien.ac.at) frei herunterladen. Das heißt, die Kandidaten müssten wissen, welche Kriterien zählen, wenn man an unserer Uni Dozent werden will. Doch nur etwas mehr als die Hälfte der Kandidaten hat diese Kriterien tatsächlich erfüllt. Obwohl das alles gebildete Leute sind, von denen man aufgrund ihres Berufs auch annehmen sollte, dass sie über einen einigermaßen akzeptablen Intelligenzgrad verfügen, haben 4 von 9 Kandidaten erfolglos um Habilitation angesucht, obwohl sie eigentlich schon vorher hätten feststellen können, dass sie die Mindestanforderungen nicht erfüllen würden. Bei zweien war es allerdings eher knapp; sie werden es mit ein wenig Aufwand beim nächsten Mal schon schaffen, wenn sie vernünftig handeln. Eine dritte Kandidatin hätte es ebenfalls schaffen können, hätte sie bestimmte Dokumente mitgeliefert. Dass sie das nicht getan hat, ist insofern komisch, als sie angeblich schon zum zweiten Mal um Habilitation angesucht hat und man ihr schon nach dem ersten Versuch mitgeteilt hat, dass diese Dokumente fehlen.

Jedenfalls hat es mich gewundert, dass so gebildeten Leuten solche Fehler passieren können. Angesichts dieser Situation ist es schon eine gute Sache, dass es strenge Kriterien für die Habilitation gibt. Auch Akademikern, die sich schon in der Wissenschaft verdient gemacht haben, kann man also nicht trauen...

"Jugendsprache"

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,459192,00.html

So ein Quatsch! Die Jugendkultur ist viel zu heterogen, als dass man von "einer Jugendsprache" sprechen könnte. Jede Szene hat ihre eigene Sprache. Und es gibt garantiert auch regionale Unterschiede.

Ich frage mich, was der Autor dieses Artikels sich dabei gedacht hat?

Donnerstag, 18. Januar 2007

Stolz, Chinese zu sein

Im StudiVZ bin ich auf eine Gruppe nationalistisch und zum Teil kommunistisch gesinnter Chinesen, die in Deutschland oder Österreich leben und studieren, gestoßen. Das war eine wichtige Entdeckung. Die Gefahr der Unterwanderung der westlichen Welt durch Rotchinesen ist also tatsächlich kein reines Hirngespinst.

Montag, 15. Januar 2007

Wieder so ein Montag morgen

Heute in der Früh waren die Fahrstühle im AKH voll. Da ersann ich einen Trick: Anstatt den Knopf zu drücken, dass ich nach oben fahren will, habe ich den nach unten gedrückt. Prompt gelangte ich in einen leeren Fahrstuhl. Denn von der Eingangsebene will kaum jemand nach unten fahren. So fand ich also Platz und fuhr danach hinauf in den 20. Stock. Bis ich dort ankam, wurde es zwar eng, aber zumindest war ich schon drinnen.

Erste Handlung: Blutabnahme. Hat diesmal perfekt geklappt, ich bin stolz auf mich. Jetzt brauche ich mich vor dem Turnus nach dem Studium nicht mehr zu fürchten. Im Doppler-Index bin ich auch schon ganz gut.

Montag, 8. Januar 2007

Chirurgie-Praktikum

Seit heute mache ich Chirurgie-Praktikum. Inhalt: ca. 6 Stunden pro Tag von 6:45 bis 13:00, manchmal auch länger, auf der Station die üblichen Anamnesegespräche und Untersuchungen durchführen. Hoffentlich wird man auch ein paar Operationen zu sehen bekommen.

Heute hatten wir u.a. einen Patienten, der im Zweiten Weltkrieg gedient hatte. Mein Studienkollege, der das Aufnahmegespräch führte, kommt aus Polen und ist im Deutschen nicht ganz sattelfest. So fragte er diesen Kriegsveteranen, ob er wisse, was für ein "Angriff" bevorstehe - gemeint war Eingriff. Der Patient ging sofort in die Höhe und rief: "Angriff? Wir sind doch nicht im Krieg!"

Donnerstag, 4. Januar 2007

Falschinformation in den Medien zum Thema U-Bahnen

Die Tageszeitung "Heute" schreibt:
Wegen Diätwahn: U-Bahnen zu spät
Unglaublich: Dass Fahrgäste aufgrund übertriebener Schlankheitskuren in Ohnmacht fallen, soll einer der drei Hauptgründe für Verspätungen bei der New Yorker U-Bahn sein. Die Rettungseinsätze für die Extremdiät-Passagiere verursachen im 'Big Apple' 395 Verspätungen pro Monat, erhob eine US-Zeitung.
...
Über diese Entwicklung in den USA können die Experten bei den Wiener Linien nur schmunzeln. Denn die 'Silberpfeile' können 'nur' gelegentliche Triebwerkschäden oder kleine Störungen des Betriebsablaufs bremsen. Aber auch das Blockieren der Zugtüren sorge für Verspätungen.
Das stimmt nicht. Im Psychiatrie-Praktikum haben wir gelernt, dass Selbstmorde bzw. Selbstmordversuche durch Werfen vor den einfahrenden U-Bahn-Zug in Wien sehr häufig seien. Allerdings gebe es eine Vereinbarung der Wiener Linien mit den Medien, darüber nicht zu berichten, um nicht noch mehr Nachahmer zu inspirieren.

Montag, 1. Januar 2007

Studiengebühren

Meine Meinung zur Frage, ob man die Studiengebühren beibehalten oder abschaffen sollte:

Auch Bildung ist ein Gut. Wer über Bildung verfügt, hat einen Vorteil gegenüber denen, die es nicht tun. Also soll er dafür auch eine Gegenleistung erbringen!

Wäre es nicht ungerecht, wenn der Staat Maturanten ermöglichte, kostenlos zu studieren und damit noch mehr Bildung zu erwerben, und alle anderen durch die Röhre blicken müssten? Das kann doch nicht im Sinne sozialer Gerechtigkeit sein, dass der Staat auf diese Weise die Klassenunterschiede verschärft!

Wenn schon keine Studiengebühren eingehoben würden, dann müsste auch der Zugang zu den Universitäten völlig frei sein, also jeder, der will, studieren dürfen, egal ob er Matura (bzw. Berufsreife- oder Studienberechtigungsprüfung) hat oder nicht!