Samstag, 18. Juni 2011

Philosophie und Psychiatrie

Vor kurzem habe ich Karl Poppers Buch "Alles Leben ist Problemlösen" gekauft. Darin schreibt Popper unter anderem, dass seiner Meinung nach kein Wissenschaftler die Umwelt unvoreingenommen beobache, sondern stets ein Problem der Beobachtung vorausgehe und beim Beobachten systematisch Hypothesen getestet werden. Nun weiß ich aus dem Psychiatriestudium, dass bei Psychotikern eine Entkoppelung des Umwelterlebens von der inneren Seelenwelt vorliegt, wobei der Umwelt nur mehr insofern Beobachtung geschenkt wird, als versucht wird, eine Bestätigung für die eigenen (psychotischen) Gedankengänge zu erfahren. Könnte man also sagen, dass ein Psychotiker in seiner Erlebensweise sozusagen ein extremer Wissenschaftler ist?

Montag, 13. Juni 2011

Wie man unendlich langes menschliches Leben erreichen könnte

Meine These: Das Gehirn ist das wichtigste Organ des Menschen. Es ist der Sitz der Persönlichkeit und des Denkens. Alle anderen Körperteile sind nur Anhänge, die das Leben erleichtern sollen, aber nicht das Leben an sich ausmachen. Es genügt also, das Gehirn eines Menschen zu erhalten, um den Menschen selbst am Leben zu erhalten.

Das Gehirn benötigt Sauerstoff und Nährstoffe, um zu überleben. Sobald das Gehirn aus irgendeinem Grund nicht mehr ausreichend versorgt ist (und nur sobald dieser Zustand eintritt), stirbt der Mensch. Will man unendlich lange leben, ist also diese (und nur diese) Situation zu vermeiden.

Der Sauerstoff und die Nährstoffe werden im Prinzip einzig benötigt, um den Metabolismus aufrecht zu erhalten. Durch Verbrennung von Glukose und die Weiterverarbeitung der Stoffwechselprodukte im Citratzyklus und in der Atmungskette wird mit Hilfe von Sauerstoff Adenosintriphosphat gebildet, das dann durch Spaltung zur Gewinnung von Energie verwendet werden kann, die für die Finanzierung der verschiedenen Stoffwechselvorgänge benötigt werden.

Zu erforschen ist das komplette Metabolom des Gehirns, damit man weiß, welche Prozesse in diesem ablaufen und mit welchen möglichst einfachen Maßnahmen man eine künstliche Aufrechterhaltung des Lebens sicherstellen kann.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Wie sich eine neue Partei dauerhaft etablieren kann

Wenn man sich die Geschichte der politischen Parteien in Österreich ansieht, kann man eine Gesetzmäßigkeit erkennen, die bestimmt, wo sich eine Partei positionieren muss, um sich dauerhaft zu etablieren. Dies sollten Neugründer von Parteien beachten.

Bevor es Parteien gab, waren die Machthaber konservativ. Als erste Oppositionsbewegung entstanden die Christlichsozialen, die jedoch bald mit den Konservativen eine gemeinsame Partei bildeten und daher nicht als echte Opposition zu betrachten sind. Opposition zu dieser christlich-konservativen Einheitspartei kam von zwei Seiten, von rechts und von links: einerseits gab es National-Liberale (Vorgänger der FPÖ), andererseits Sozialdemokraten (Vorgänger der SPÖ). Diese drei Parteien konnten sich dauerhaft etablieren. Als schließlich die SPÖ zum Mainstream wurde und die Konservativen in dieser Rolle ersetzte, konnte sich eine vierte Kraft links der SPÖ einführen, die Grünen.

Man erkennt, dass neu gegründete Parteien nur dann dauerhaft bestehen blieben, wenn sie in Opposition zum Mainstream und am Rand des damaligen politischen Spektrums standen. Für eine neue Partei bestünden zwei Möglichkeiten: Entweder wartete man, bis die Grünen zum Mainstream würden; dann könnte man eine Partei links von den Grünen gründen. Oder man gründete eben eine Partei rechts der FPÖ, sobald diese die gesellschaftliche Mitte verkörperte. Eine Partei in Opposition zur FPÖ wurde schon einmal gegründet, das LIF - jedoch war zu diesem Zeitpunkt die FPÖ eben noch nicht Mainstream, die Zeit war also nicht reif. Inhaltlich positionierte sich das LIF, das anfangs durchaus mit wirtschaftsliberalen Positionen gepunktet hatte, rasch irgendwo zwischen SPÖ und Grünen. Und diese Positionierung zwischen zwei Parteien führte eben dazu, dass das LIF rasch als überflüssig wahrgenommen wurde, es wurde sozusagen aufgerieben. Diesen Fehler darf eine neue Partei nicht wiederholen. Rechts von der FPÖ bedeutet nicht unbedingt, nationalistischer oder rassistischer als diese zu sein. Vielmehr geht es darum, eine Partei zu gründen, die sich von der FPÖ derart unterscheidet, wie sich diese von der christdemokratischen Partei unterscheidet. Ist etwa die christdemokratische Partei für den Kammerzwang und die FPÖ ein wenig dagegen, so muss die neue Partei radikal für eine liberale Gewerbeordnung sein; ist die christdemokratische Partei stark religiös geprägt und bekennt sich die FPÖ zumindest der Abgrenzung zum Islam wegen neuerdings zum Christentum, so muss die neue Partei gegen Religiosität auftreten. Auch das BZÖ wird sich nicht dauerhaft etablieren, weil es einen ähnlichen Fehler wie das LIF gemacht hat: Anstatt sich rechts von der FPÖ zu positionieren, liegt es zwischen christdemokratischer Partei und FPÖ - und wird somit voraussichtlich dasselbe Schicksal erleiden wie das alte LIF.