Mittwoch, 28. September 2011

Kognitive Begabung und Moral

Mir ist jetzt wieder klar geworden, dass die Schule nicht nur Bildung vermittelt, sondern auch einen Versuch darstellt, aus den Kindern und Jugendlichen gute Menschen zu machen. Das ist ein Aspekt, den ich in den letzten Jahren wenig beachtet habe, wohingegen ich in der Schulzeit sehr darauf geachtet habe, den Idealen unserer Schule nahe zu kommen und nicht zuletzt auch aus moralischen Gründen gute Noten bekommen habe. Vielleicht wird das beim Arbeiten wieder eine Rolle spielen. Momentan habe ich ja sehr wenig mit anderen Menschen zu tun.

Donnerstag, 1. September 2011

Über Anarchismus

Ich glaube, dass zum Thema Anarchismus in der Bevölkerung Missverständnisse verbreitet sind, weil man sich eine Gesellschaft ohne Herrschaft nicht vorstellen kann und daher Anarchie mit Chaos gleichsetzt. Ein Brieffreund meinte einmal, er glaube, dass sich in einer Anarchie schnell ein Faustrecht entwickeln würde. Dazu ist zu sagen: möglich, nur - das wäre dann keine Anarchie mehr! Es ist vielmehr so, dass eine Anarchie ein hohes Maß an ethischer Gesinnung der Bevölkerung voraussetzt. Anarchie bedeutet ja nicht die Abwesenheit von Regeln des Zusammenlebens, sondern nur, dass es niemanden gibt, der Regelverstöße sanktioniert. Das hat die Konsequenz, dass es eben keine Regelverstöße geben darf. Die Menschheit ist bestimmt noch nicht so weit (wird sie es überhaupt jemals sein?), dass sich alle ohne Strafandrohung an die Regeln halten. Daher ist die Anarchie eine Utopie.

Interessant ist, dass es unterschiedliche Strömungen des Anarchismus gibt. Einerseits eher sozialistisch orientierte Anarchisten, andererseits Anarchokapitalisten. Der Unterschied hat vornehmlich mit Eigentumsverhältnissen zu tun. Es stellt sich nur die Frage, was man unter einem Anarchosozialismus zu verstehen hätte. Im Sozialismus sind alle Produktionsmittel Eigentum des Staates. Nun ist der Staat aber ein Herrschaftsinstrument, und in der Anarchie soll es keine Herrschaft geben. Also dürfte es auch keinen Staat geben. Wem würden in einer sozialistisch gefärbten Anarchie dann die Produktionsmittel gehören? Vermutlich niemandem. Das hieße, entweder dürfte niemand von ihnen Gebrauch machen, oder alle hätten das gleiche Recht auf die Verwendung der Produktionsmittel. Ob das sinnvoll wäre, müsste man diskutieren.

Der Anarchokapitalismus hat unter meinem Bekanntenkreis einige Anhänger. Wenn man meine bisherige Argumentationslinie verfolgt, bedeutet Anarchokapitalismus: eine Gesellschaft, in der jeder ein Recht auf (beliebig viel) Privateigentum hätte und keine Furcht vor Diebstahl haben müsste, weil sich alle regelkonform verhielten. Das wäre wirklich schön - aber es ist eben eine Utopie.