Samstag, 15. September 2012

Es gibt keine Zuweisungen von Variablen

Heute nacht hatte ich im Schlaf wieder so einen Geistesblitz: Es gibt keine Zuweisungen von Variablen. Es gibt nur Zuweisungen von Konstanten oder Berechnungen.

Man kann einer Variablen nur entweder einen konstanten Wert zuweisen oder einen Wert, der durch Berechnung entstanden ist. Dagegen ließe sich vielleicht der Einwand bringen, dass man Variablen ja den Wert beliebiger Speicheradressen zuweisen könne. Aber wie sind diese Werte entstanden? Auch sie entweder durch Zuweisung von Konstanten oder durch Berechnung.

So ist etwa der Timer eine Variable, die beim Einschalten des Computers auf den konstanten Wert 0 gesetzt und dann per Interrupt jede Millisekunde um 1 erhöht wird.

Somit sind auch Zufallsvariablen nur durch Berechnung entstanden. Sie sind ja ohnehin nur Pseudozufallszahlen. Entweder ist der Seed eine Konstante oder durch Berechnung entstanden, wie es beim Timer der Fall ist.

Die Benutzereingaben sind auch als Konstante zu betrachten.

Somit ergibt sich eigentlich, dass alle Programme deterministisch ablaufen.

Montag, 10. September 2012

My favourite PC game: Civilization IV

Die meisten Websites, die ich gefunden habe, enthalten nur allgemeine Tipps zu Civilization IV. Im Folgenden möchte ich meine strategische Vorgangsweise erläutern.

Normalerweise fängt man zumindest mit einem Siedler und einem Krieger an. Mit dem Siedler sollte man gleich auf dem Feld, wo er sich anfangs befindet, die Hauptstadt gründen, damit es zu keinen Verzögerungen kommt. Da es anfangs keine Barbaren gibt, die einem gefährlich werden könnten, muss man mit dem Krieger nicht die Stadt bewachen, sondern kann ihn nutzen, um das Gelände zu erkunden und Barbarendörfer zu plündern. In der Hauptstadt baut man am besten entweder gleich einen neuen Krieger, der dann zur Wache abgestellt wird, oder ein Gebäude, das den kulturellen Ausstoß erhöht, wie etwa einen Obelisken. Zwar sollte man immer ans Expandieren denken, doch ist es nicht sinnvoll, gleich als erstes einen Siedler auszubilden, weil dann die Stadt nicht wächst. Wenn man die Stadt erst einmal ein bisschen wachsen gelassen hat, kann sie neue Einheiten schneller ausbilden.

Es empfiehlt sich, zuerst religiöse Technologien zu erkunden, damit man mit ein bisschen Glück eine Staatsreligion bekommt. Dies wird sich als nützlich erweisen, sobald man über die Theologie verfügt, denn dann kann man die Regierungsform Theokratie wählen, und alle Einheiten, die in Städten mit der Staatsreligion ausgebildet werden, erhalten zusätzliche Erfahrungspunkte. Wenn man darüber hinaus Kasernen gebaut hat, hat man dann schon sehr starke Einheiten. Um die Religion innerhalb des Reichs zu verbreiten, baut man ein Kloster und bildet Missionare aus. Die Theologie ist eine relativ teure Technologie, weshalb es ratsam ist, zuerst das Priestertum zu erforschen und dann ein Orakel zu bauen. Mit dem Orakel kann man eine freie Technologie wählen. Es ist möglich, die Theologie (deren Entdeckung das Mittelalter begründet) schon vor Christi Geburt zu entdecken.

Als Defensiveinheiten empfehlen sich zuerst Bogenschützen, dann Langbogenschützen, Musketiere, Grenadiere, Schützen, Infanterie und schließlich Mechanisierte Infanterie.

Da große Zivilisationen bessere Chancen auf den Sieg haben, ist es sinnvoll, möglichst stark zu expandieren. Sobald es nicht mehr auf friedlichem Weg geht, muss man sich auf Krieg vorbereiten. Das sollte man frühestens tun, sobald man über Ritter verfügt. Ritter kann man ausbilden, sobald man Reiterei und Gilden erforscht hat. Für die Technologie Gilden sind Feudalismus und Maschinen Voraussetzung.

Man sollte sich mehrere Möglichkeiten offen halten, das Spiel zu gewinnen. Wenn man in der Forschung weit vorangeschritten ist und über produktionsstarke Städte verfügt, ist das Gewinnen des Weltraumrennens eine realistische Option. Zudem sollte man danach trachten, immer Nummer eins aller Zivilisationen in der Punktebewertung zu sein, weil man auf diese Weise Sieger wird, sofern keine andere Zivilisation vor dem Jahr 2050 den Sieg errungen hat. Für eine hohe Punktebewertung ist vor allem Kultur wichtig.

Liberalismus versus Sozialdarwinismus - Zwei ungleiche Geschwister

Diesen Aufsatz habe ich im November 2011 geschrieben. Er ist im Stil einer geisteswissenschaftlichen Arbeit verfasst, obwohl ich nicht Geisteswissenschaftler bin. Geplant war er als Beitrag zu einer Textesammlung von Mitgliedern meiner Partei. Dieses Projekt wurde aber auf Eis gelegt. So wird die englische Fassung (ohne Fußnoten) nun in der Zeitschrift THINK erscheinen. Hier das deutsche Original.

1. Einleitung

So sehr "Freiheit" von den meisten Menschen auch geschätzt wird [1]: Der Begriff Liberalismus - die Weltanschauung, deren vorrangigstes Ziel es per definitionem ist, den Menschen zu mehr Freiheit zu verhelfen [2] - weckt bei vielen Medienkonsumenten nicht nur positive Assoziationen. Der Grund dafür ist einfach, dass seit den 1990er Jahren in Tageszeitungen und Fernsehen immer wieder der "Neoliberalismus" als Ursache zunehmender sozialer Unsicherheit postuliert wird. Unter diesem Terminus wird eine radikale Ausrichtung der Politik auf ökonomische Gesichtspunkte verstanden, wobei die Gewinnmargen der Konzerne mehr zählen sollen als die Versorgung sozial Schwacher mit lebensnotwendigen Gütern. Dieser Neoliberalismus wird für den zunehmenden "Sozialabbau", also die Reduktion staatlicher Sozialleistungen, verantwortlich gemacht [3]. Bisweilen wird liberal denkenden Menschen auch der Vorwurf gemacht, für eine Ellenbogengesellschaft einzutreten, in der sich jeder nur um sich selbst kümmert und die Schwachen auf der Strecke bleiben [4]. In diesem Zusammenhang fällt manchmal sogar das Stichwort "Sozialdarwinismus", ein Begriff, der die Ideologie bezeichnet, wonach die Gesellschaft so gestaltet werden soll, dass, wie in Flora und Fauna, die von Charles Darwin (1809 - 1882) entdeckten natürlichen Ausleseprozesse zur Geltung kommen [5]. Ich möchte im folgenden Aufsatz aufzeigen, dass, anders als mancherorts behauptet wird [6], auch radikale Liberale im Allgemeinen keine Sozialdarwinisten sind, wenngleich es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass durch die konsequente Umsetzung liberaler Prinzipien ohne Berücksichtigung der sozialen Komponente eine Gesellschaftsform im Sinne sozialdarwinistisch orientierter Ideologen entstehen könnte . Die Lehre daraus ist schlicht, dass liberale Politiker im Falle, dass der Liberalismus eines Tages mehrheitsfähig sein sollte, die Pflicht haben, sich auch über soziale Fragen Gedanken zu machen. Solange die Liberalen aber eine Minderheitenpartei sind, haben vermutlich andere Themen Vorrang.

2. Das Wesen des Liberalismus

Es ist sicherlich zulässig zu behaupten, dass liberales Denken im Prinzip dem Drang entspringt, sich frei zu entfalten, ohne auf gesellschaftliche Zwänge und Repressionen Rücksicht nehmen zu müssen. In unserer Gesellschaft ist dies nicht grenzenlos möglich. Schon als Kinder werden uns meist von unseren Eltern Grenzen gesetzt, und nach einigen Jahren schlägt der staatliche Erziehungsapparat zu, der hierzulande zumindest die nächsten neun Jahre unseres Lebens entscheidend prägt. Pflichten und Verbote beherrschen das Dasein der Minderjährigen. Und hat man einmal die Mündigkeit erreicht, so ändert sich nichts daran. Bei allem, was man tut, sind von Menschen gemachte, von staatlichen Autoritäten beschlossene Gesetze zu beachten. Wer sich nicht darum kümmert, riskiert, gegen irgendeine Vorschrift zu verstoßen und dafür belangt zu werden.

Das Ziel liberaler Politik ist es in erster Linie, die Einschränkung der Entfaltungsfreiheit durch Gesetze zu vermindern [7]. Der Liberalismus ist somit ein Versuch, auf politischer Ebene die Spielregeln derart zu verändern, dass die freie Entfaltung, die Selbstverwirklichung des Individuums, gefördert wird. Damit ist der Liberalismus freilich nur ein Puzzlestein im Kampf des Menschen um seine persönliche Freiheit. Diese tatsächlich einzufordern, obliegt dem Einzelnen. Die Politik legt nur den gesetzlichen Rahmen fest.

Im klassischen Liberalismus, wie er spätestens im 19. Jahrhundert in Zentral- und Westeuropa in Mode kam, wurde vor allem der Staat als Übel aller Unfreiheit angesehen. Damals herrschten in Europa absolutistische Monarchien vor, und das gekrönte Staatsoberhaupt hatte viel Macht über seine Untertanen, die es willkürlich walten lassen konnte. Insofern ist es verständlich, dass klassisch Liberale vor allem am Beschluss einer Verfassung interessiert waren, die die Rechte des Monarchen beschränkte und allen Bürgern Grundrechte wie das Recht auf Leben und Eigentum zusicherte. Im Wesentlichen konzentrierte sich der klassische Liberalismus auf die "negativen" Freiheiten, auf die Freiheit VON Zwang, Bevormundung und Willkür. [8] Das steht im Unterschied zu manchen politischen Strömungen, die sich als moderne Liberale begreifen und "positive" Freiheiten einfordern, etwa Stipendien, welche Menschen aus weniger privilegierten Schichten ein Studium an der Universität ermöglichen. Während die klassischen Liberalen des 19. Jahrhunderts also dem Staat grundsätzlich skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden, sehen manche, die sich als moderne Liberale betrachten, den Staat sogar als ein Instrument an, das Menschen helfen kann, Freiheit zu erlangen. [9]

Nun gibt es im heutigen Liberalismus verschiedene Strömungen. Oder, besser gesagt: Es gibt verschiedene politische Bewegungen, die ihre Wurzeln im Liberalismus sehen, aber sich in ihren konkreten Zielsetzungen voneinander unterscheiden. Neben dem "modern liberalism", der in den Vereinigten Staaten vor allem jene Bevölkerungsschichten anspricht, die in Europa sozialdemokratisch wählen, und der staatliche Eingriffe in die Wirtschaft als sozialpolitische Maßnahme befürwortet [10], gibt es nach wie vor politische Bewegungen, die sich eher auf den klassischen Liberalismus berufen. Dazu zählen inbesondere die "Libertarians" (Libertäre) in den Vereinigten Staaten, die auch in Europa Anhänger haben [11]. Die radikale Ablehnung des Staates, die der Weltanschauung der Libertären zu Grunde liegt, schließt logischerweise auch die gänzliche Ablehnung staatlicher Sozialleistungen ein [12]. Diese Forderung, den Sozialstaat abzuschaffen, ist der Grund, warum radikale Formen des Liberalismus, wie ihn die Libertären verkörpern, von dem Liberalismus neutral bis ablehnend gegenüberstehenden Beobachtern und Analysten oftmals mit der Ideologie des Sozialdarwinismus in Verbindung gebracht werden.

3. Sozialdarwinismus

Nachdem Charles Darwin sein vielbeachtetes Werk "Über die Entstehung der Arten" publiziert hat, haben andere Denker des 19. Jahrhunderts die darin enthaltenen Ideen über die natürliche Auslese auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Zu diesen gehörte Darwins Cousin Francis Galton (1822 - 1911), der unter anderem als Verfasser des Buchs "Hereditary Genius" in die Geschichte eingegangen ist. Galton vertrat die Meinung, dass geistige Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, die Personen zu hervorragenden Männern und Frauen machten, angeboren seien, also eine genetische Grundlage hätten. [13] Diese Anlagen seien in jungen Menschen aus allen möglichen Bevölkerungsschichten vorhanden. Es gelte daher, ein Bildungssystem einzurichten, in dem diese Begabungen frühzeitig erkannt und gefördert würden. Es solle durch ein großzügiges Stipendiensystem begabten jungen Menschen ermöglicht werden, ein Studium zu absolvieren, das für einen Beruf qualifiziert, in dem sie ihre Talente voll entfalten können.

Bis dahin erinnert Galtons Gedankengang an den "modern liberalism": Der Staat soll den begabten Jugendlichen ermöglichen, ihre positive Freiheiten zu verwirklichen. Nun erschöpfte sich Galtons Idee aber nicht in der Begabtenförderung. Vielmehr war ihm auch daran gelegen, die Bevölkerung selbst zu verbessern, indem der Anteil der Begabten erhöht werden sollte. Dies sollte durch Maßnahmen erreicht werden, die gewährleisten, dass sich Begabte früher und häufiger vermehren als weniger Begabte. Ein Grundpfeiler dieses Galtonschen Plans bestand in der Abschaffung der Sozialleistungen. Dadurch sollten Menschen, die sich nicht selbst erhalten können, an ihrer Fortpflanzung gehindert werden. Galton aber aber auch menschlich genug, um nicht dafür einzutreten, die sozial Schwachen einfach sterben zu lassen: Vielmehr sprach er sich auch dafür aus, den Schwachen ein gesichertes Leben in zölibatären Klöstern zu ermöglichen. Einzig die Fortpflanzung sollte ihnen verboten sein. [14]

Diese Galtonschen Ideen gelten als der Ursprung der Erbgesundheitslehre, auch Eugenik genannt. Sie wurden in ganz Europa und vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgegriffen. Dort wurden in weiterer Folge von Politikern tatsächlich Maßnahmen beschlossen und von Behörden umgesetzt, deren Ziel es war, Menschen mit unerwünschten Eigenschaften an der Fortpflanzung zu hindern, wie beispielsweise die Zwangssterilisation von geistig Behinderten. Auch in Nordeuropa und in der Schweiz wurden solche Maßnahmen bis in die 1970er Jahre hinein praktiziert.

Zwangssterilisation hat mit Liberalismus freilich rein gar nichts zu tun, wie vermutlich auch Gegner des Liberalismus einsehen werden. Denn bei solchen Maßnahmen handelt es sich um Einschränkungen der persönlichen Freiheit, und das widerspricht der liberalen Lehre. Was dem Liberalismus vorgeworfen wird, sind sozialdarwinistische Tendenzen im Sinne: Wer leistungsfähig und -willig ist, kommt im Liberalismus gut durchs Leben. Wer diese Eigenschaften jedoch nicht aufweist, geht (bei einer radikalen Umsetzung liberaler Ideen, welche die Abschaffung des Sozialstaats mit einschließt) zu Grunde.

4. Sind Liberale Sozialdarwinisten?

Offenbar kann konsequent umgesetzter klassischer Liberalismus also in eine sozialdarwinistisch anmutende Gesellschaft münden. Aus diesem Grund stellt sich eben die Frage, ob der Vorwurf, dass Liberale Sozialdarwinisten seien, gerechtfertigt ist.

Nüchtern analysiert, ergibt sich aus dem in diesem Essay über das Wesen des Liberalismus Gesagten keinerlei Forderung nach Umsetzung der Darwinschen natürlichen Auslese in der menschlichen Gesellschaft. Die Forderung nach mehr individueller Freiheit und der Wunsch nach Selbstverwirklichung implizieren nicht, dass man irgend jemandem etwas Böses will. Dass es zu einer natürlichen Auslese kommen könnte, ist lediglich eine mögliche Konsequenz einer radikal-liberalen Gesellschaftsordnung.

Dabei ist aber zu beachten, dass konsequenter Liberalismus auch die Freiheit einschließt, anderen Menschen zu helfen, wenn man dies möchte. [15] Dies ist nicht im Sinne eines Sozialdarwinisten. Ein Sozialdarwinist würde, wenn er das Sagen hätte, verbieten, notleidenden Menschen zu helfen, weil es seinem Ziel, weniger lebenstüchtige Individuen auszumerzen, zuwiderliefe. Aus diesem Grund kann ein Sozialdarwinist kein Liberaler sein, und somit kann ein Liberaler auch kein Sozialdarwinist sein. Die Frage, ob Liberale Sozialdarwinisten seien, ist somit mit einem klaren Nein zu beantworten.

Eine andere Frage ist freilich, ob nicht manche Menschen, die sich selbst als Liberale bezeichnen, in Wirklichkeit Sozialdarwinisten sind. In Österreich wird beispielsweise das Liberale Forum, welches sich selbst als klassisch-liberale Partei versteht [16], von politischen Mitbewerbern desöfteren als "linksliberal" bezeichnet [17]. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass das Liberale Forum für eine Grundsicherung, also ein arbeitsloses Grundeinkommen für alle erwachsenen Personen, eintritt. Diese Forderung wird von manchen als nicht-liberal betrachtet. Tatsächlich war es aber der liberale Ökonom Milton Friedman (1912 - 2006), der die Idee eines arbeitslosen Grundeinkommens popularisierte [18]. Ein arbeitsloses Grundeinkommen verschafft Menschen die Freiheit, ohne existenzielle Sorgen zu leben. Dadurch, dass nach Einführung der allgemeinen Grundsicherung verschiedene Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe überflüssig werden, ergeben sich außerdem Einsparmöglichkeiten bei der Verwaltung. Dies ist ein angenehmer Nebeneffekt, der von ökonomisch orientierten Beobachtern bisweilen vergessen wird. Der einzige zulässige Kritikpunkt aus liberaler Sicht ist eben, dass es sich um eine staatliche Maßnahme handelt. Betrachtet man den Staat als den Feind schlechthin, will man den Staat gar abschaffen, wie es einige Radikalliberale anstreben [19], dann ist die Einführung einer Grundsicherung inkonsequent. Aber die meisten klassisch Liberalen sind eben nicht für die völlige Abschaffung des Staates, sondern nur für die Reduktion staatlichen Einflusses, wo sich dieser auf die Freiheit der Menschen negativ auswirkt.

5. Fazit

In diesem Aufsatz gelang es mir, einwandfrei zu zeigen, dass der Vorwurf an Liberale, für Sozialdarwinismus einzutreten, haltlos ist. Ich habe aber auch erklärt, warum es theoretisch möglich ist, dass eine radikalliberale Gesellschaft, wie sie etwa die Libertären in den Vereinigten Staaten anstreben, sozialdarwinistische Züge aufweisen könnte. Um dies zu verhindern, müssen sich liberale Politiker, sollte der Liberalismus jemals mehrheitsfähig werden, rechtzeitig Gedanken machen, wie ein leistungsfähiges und gerechtes Sozialsystem zu organisieren wäre. Die Idee einer Grundsicherung, also eines arbeitslosen Grundeinkommens für alle, scheint mir zu diesem Zweck recht vernünftig zu sein.
Fußnoten:

[1] So schreibt etwa Michael Klein: "Der Begriff der Freiheit wird in vielfältiger Weise gebraucht, oft auch missbraucht. Fast immer ist der Begriff positiv konnotiert." http://www.michael-klein.de/Handeln/freiheit.php (abgerufen am 04.11.2011)

[2] Siehe z. B. http://libertaer.wordpress.com/themen/liberalismus/was-ist-liberalismus/ (abgerufen am 04.11.2011)

[3] Eine ausführliche Kritik der als Neoliberalismus bezeichneten Weltanschauung aus sozialistischer Sicht stellt etwa Noam Chomskys Werk "Profit Over People: Neoliberalism & Global Order" dar.

[4] So meinte etwa der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu einer Denkschrift des liberalen Politikers Otto Graf von Lambsdorff: "Sie will in der Tat eine Wende, und zwar eine Abwendung vom demokratischen Sozialstaat im Sinne des Art. 20 unseres Grundgesetzes und eine Hinwendung zur Ellenbogengesellschaft." Aus: K. Bölling, Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt - Ein Tagebuch, Reinbek bei Hamburg 1982, S. 143

[5] Siehe z. B. http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=571 (abgerufen am 04.11.2011)

[6] Siehe etwa Anarchopedia: "Libertärer Kapitalismus ist eine sozialdarwinistische Ideologie, die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den USA entstand und maßgeblich durch die Österreichische Schule beeinflusst wurde." http://deu.anarchopedia.org/Anarcho-Kapitalismus (abgerufen am 04.11.2011)

[7] Siehe z. B. das Deutschlandprogramm der FDP: "Die FDP ist die Partei der Grundrechte und des Rechtsstaats. Sie verteidigt die Freiheitsrechte der Bürger gegen staatliche Bevormundung und gesellschaftliche Einschränkungen." http://www.leutheusser-schnarrenberger.de/deutschlandprogramm-der-fdp (abgerufen am 04.11.2011)

[8] "Der negative Freiheitsbegriff hat im Liberalismus einen gewissen 'Vorrang', insofern die negative Freiheit der Individuen die positive Freiheit der Gruppe einschränken soll: Der Befugnis der Gesellschaft, kollektiv ihre inneren Angelegenheiten zu regeln, sollen also dadurch Grenzen gesetzt werden, daß dem Handeln der Einzelmitglieder keine Hindernisse in den Weg gestellt werden dürfen." R. Geuss in J. Nida-Rümelin et al., Ethische und politische Freiheit, Suhrkamp 1988

[9] Vgl.: "States should not be limited to the protection of individualism (Locke and Smith are incorrect) but should intervene in society on behalf of those whose positive liberty is violated. Modern liberals such as Green supported government action to help those who lacked the resources needed to develop their own potential." E. Grigsby: Analyzing Politics - An Introduction to Political Science, S. 102

[10] "[...] we can see from Green's writings that modern liberals believe that state intervention can promote and enhance individual freedom. Defining freedom as expansive liberty, modern liberals assert that state regulations protecting health, education and workplace conditions and generally promoting the well-being of the less powerful sectors of society prevent exploitation and the denial of (positive) liberty." E. Grigsby: Analyzing Politics - An Introduction to Political Science, S. 102

[11] Etwa die "Libertäre Plattform" innerhalb der FDP Deutschlands: http://libertaere-plattform.de/ (abgerufen am 04.11.2011)

[12] Vgl. Website der Libertarian Party: "We should eliminate the entire social welfare system." http://www.lp.org/issues/poverty-and-welfare (abgerufen am 04.11.2011)

[13] "I propose to show in this book that a man's natural abilities are derived by inheritance, under exactly the same limitations as are the form and physical features of the whole organic world." F. Galton, Hereditary Genius, 1. Aufl., Macmillan 1869, S. 1

[14] "The best form of civilization in respect to the improvement of the race, would be one in which society was not costly; where incomes were chiefly derived from professional sources, and not much through inheritance; where every lad had a chance of showing his abilities, and, if highly gifted, was enabled to achieve a first-class education and entrance into professional life, by the liberal help of the exhibitions and scholarships which he had gained in his early youth; where marriage was held in as high honour as in ancient Jewish times; [...] where the weak could find a welcome and a refuge in celibate monasteries or sisterhoods, and lastly, where the better sort of emigrants and refugees from other lands were invited and welcomed, and their descendants naturalized." F. Galton, Hereditary Genius, 1. Aufl., Macmillan 1869

[15] Auch die Libertarian Party sieht nach der von ihr geforderten Abschaffung des Sozialstaats andere Wege vor, wie bedürftigen Menschen geholfen werden kann: "Individuals who are unable to fully support themselves and their families through the job market must, once again, learn to rely on supportive family, church, community, or private charity to bridge the gap." http://www.lp.org/issues/poverty-and-welfare (abgerufen am 04.11.2011)

[16] "[...] die Begründer des LIF wollten wieder eine klassisch-liberale Partei formieren, wie sie seit Haiders Aufstieg in der FPÖ in Österreich nicht mehr existierte." http://www.liberalismus-portal.de/liberales-forum.htm (abgerufen am 04.11.2011)

[17] Vgl.: "Sie kamen aus der FPÖ, am Ende war das LiF eher 'linksliberal'." http://www.news.at/articles/0113/10/11678/ich (abgerufen am 04.11.2011)

[18] M. Friedman, Kapitalismus und Freiheit, Piper, München, 2004 (Erstausgabe 1962 Chicago), zitiert auf http://www.archiv-grundeinkommen.de/friedman/kap12.htm (abgerufen am 04.11.2011)

[19] "Die politische Philosophie der Tea Party ist dem Liberatismus [sic] zugeordnet. Quasi als Radikalliberale liegt ihnen die Beschränkung bis hin zur an die an Anarchismus erinnernde Abschaffung des Staates am Herzen." http://www.einseitig.info/html/content.php?txtid=906&print=1 (abgerufen am 04.11.2011)

Ein neues Konzept für Prüfungen (Artikel vom Mai 2003)

Einleitung

Nachdem man aus der Schulzeit im Großen und Ganzen an mehr oder minder objektive Prüfungen gewöhnt war, bei denen die Bewertung nach vorher bekannten Schemata erfolgt (Punktesystem oder Anzahl der Fehler), wird man, sobald man an die Uni kommt, mit ganz verschiedenen Prüfungsstilen konfrontiert. Da gibt es einerseits wie in der Schule die schriftlichen Tests, die nach ähnlichen Schemata beurteilt werden; und andererseits die mündlichen Prüfungen, bei denen leider Gottes nicht alles ganz so objektiv zugeht.

Bei mündlichen Prüfungen an der Universität werden für gewöhnlich die Antworten auf die einzelnen Fragen mit den Noten 1 bis 5 beurteilt; das heißt, es kommt nicht nur darauf an, ob man richtig oder falsch antwortet, sondern auch, wie man sich dabei präsentiert. Gewöhnlicher Weise wird die Gesamtnote als arithmetisches Mittel der Noten auf die einzelnen Antworten berechnet. Diese Regel gilt jedoch nicht immer: denn es kann vorkommen, dass der Prüfer eine bestimmte Falschaussage oder auch ein Fehlverhalten (Beispiel: falsche Handhabe des Mikroskops) dem Kandidaten so übel nimmt, dass er dessen Note um einen oder mehrere Grade herabsetzt oder gar die Prüfung abbricht, was bedeutet, dass der Prüfling zu einem späteren Termin noch einmal antreten muss.

In jedem Fall ist eine mündliche Prüfung mit einer schriftlichen nicht zu vergleichen. Denn bei einem schriftlichen Test hat der Kandidat Zeit: Er kann sich in Ruhe alle Fragen ansehen, dann zuerst diejenigen beantworten, zu welchen ihm die Antwort sofort einfällt, und daraufhin die restlichen. Zudem hat er zu jeder Zeit die Möglichkeit, Korrekturen zu tätigen, falls er erkannt haben sollte, dass er sich geirrt hat.

In einer mündlichen Prüfungssituation steht der Kandidat hingegen ständig unter Zeitdruck. Er ist gezwungen, möglichst rasch und mit sicherem Auftreten, ohne zu stottern oder zu stammeln, auf die Fragen zu antworten, sind doch Zögerlichkeit und Zaghaftigkeit die hauptsächlichen Faktoren, die zu einer schlechteren Beurteilung führen. Wenn man sich unsicher ist, muss man abwägen, ob es besser sei, eine Weile nachzudenken und dann vielleicht die korrekte Antwort zu präsentieren (mit dem Risiko, dass der Prüfer wegen der Wartezeit verärgert sein und daher trotz richtiger Antwort die Note herabsetzen könnte), oder lieber sofort zu antworten, mit dem Risiko, dass die Antwort fehlerbehaftet sein könnte.

Aus diesen Überlegungen geht hervor, dass die Note, die jemand auf eine Prüfung bekommt, eben nicht nur vom Wissen und Können des Kandidaten abhängig ist, sondern auch von der Art der Prüfung. Ja, es ist durchaus vorstellbar, dass ein Student, der auf einen schriftlichen Test ein "Sehr gut" mit maximaler Punktezahl bekommen hat, durchgefallen wäre, wenn ihm dieselben Fragen im Rahmen einer mündlichen Prüfung gestellt worden wären (oder umgekehrt)!

Ich bin daher der Meinung, dass die Art und Weise, wie mündliche Prüfungen abgehalten und bewertet werden, überdacht werden sollte. Es sollte weniger das Auftreten des Kandidaten als sein tatsächliches Wissen und Können bewertet werden.

Ein weiteres Argument, warum das mündliche Prüfungswesen an den Universitäten in meinen Augen einer Reform bedarf, ist die Tatsache, dass es ineffizient ist. Man denke nur daran, wie oft es vorkommt, dass ein Professor einen Kandidaten mehr als eine Stunde lang prüft und ihn dann erst recht durchfallen lässt, weil es sich herausgestellt hat, dass er zwar viele Fragen beantworten kann, aber er in einigen essentiellen Belangen Wissenslücken aufweist. Wie viel Zeit dies doch sowohl den Professor als auch den Prüfling kostet, welche man für andere Zwecke (z.B. Forschen bzw. Studieren) verwenden könnte! Warum stellt man dem Kandidaten denn nicht gleich als Erstes die "Kardinalfragen", die er unbedingt richtig beantworten muss, und bricht die Prüfung nicht sofort ab, sobald sich zeigt, dass er dazu nicht im Stande ist?

Im Folgenden möchte ich mein Konzept für eine gerechtere und effizientere Gestaltung der mündlichen Prüfungen darstellen.

Konzept

Die Prüfung bestehe aus n Fragen. Es soll zwei Arten von Fragen geben: zum einen so genannte Kardinalfragen. Diese muss der Kandidat richtig beantworten, wenn er die Prüfung bestehen will. Die andere Art bezeichne ich als "reguläre Fragen". Zu ihnen gehört die Mehrzahl der Fragen, die in Prüfungen gestellt werden: Kann der Kandidat eine solche Frage beantworten, so ist dies ein Pluspunkt für ihn; kann er es nicht, so ist das aber nicht gleich Grund, ihm auf die Prüfung ein "Nicht genügend" zu geben. Der Kandidat soll auf die Antwort auf jede reguläre Frage eine Note erhalten; das arithmetische Mittel dieser Noten ergibt dann die Gesamtnote.

Die Prüfung soll mit einer Kardinalfrage K1 beginnen; wenn der Kandidat sie nicht korrekt beantwortet, soll die Prüfung sofort abgebrochen werden. Hat er jedoch die richtige Antwort gegeben, so soll ihm die nächste Kardinalfrage K2 gestellt werden usw. Erst nach der letzten Kardinalfrage sollen die regulären Fragen folgen.

Somit ist also bereits klar, warum mein Vorschlag effizient ist: Das Wissen über die wichtigsten Fakten oder Zusammenhänge wird zuerst überprüft; wenn es sich herausstellt, dass der Kandidat hier Mängel aufweist, so kann die Prüfung bereits nach nur wenigen Minuten abgebrochen werden.

Die Gerechtigkeit dieses Prüfungsmodus hängt nun von drei Parametern ab:

1. von der Anzahl der Fragen (n),
2. vom Verhältnis der Anzahl der Kardinalfragen zur Zahl der regulären Fragen (v = k / [n - k]) und
3. von der Notenskala, nach der die regulären Fragen beurteilt werden.

Ich möchte für einen speziellen Fall zeigen, dass mein Modus bei richtiger Wahl der Parameter das Kriterium der Gerechtigkeit erfüllt (das heißt, dass die Kandidaten die Note bekommen, die ihnen auf Grund ihres bei der Prüfung dargestellten Wissens und Könnens zusteht, und dabei das Auftreten eher im Hintergrund steht).

Beweis

Die Parameter seien folgendermaßen festgelegt:

n := 5
v := 2 / 3

Es gebe nur drei Noten: "Sehr gut" (1) für den Fall, dass der Kandidat die Frage umfassend und fehlerfrei beantwortet hat; "Gut" (2), falls der Kandidat die Frage im Großen und Ganzen richtig beantwortet hat; und "Nicht genügend" (5), wenn der Kandidat die Frage nicht zufrieden stellend beantworten konnte.

Daraus folgt, dass es insgesamt nur 12 mögliche Prüfungsverläufe gibt:

K1 falsch
=> 5 (Nicht genügend)

K2 falsch
=> 5 (Nicht genügend)

5, 5, 5
=> 5 (Nicht genügend)

5, 5, 2
=> 4 (Genügend)

5, 5, 1
=> 4 (Genügend)

5, 2, 2
=> 3 (Befriedigend)

5, 2, 1
=> 3 (Befriedigend)

5, 1, 1
=> 2 (Gut)

2, 2, 2
=> 2 (Gut)

2, 2, 1
=> 2 (Gut)

2, 1, 1
=> 1 (Sehr gut)

1, 1, 1
=> 1 (Sehr gut)

Wenn man sich die Bedingungen ansieht, unter denen ein Prüfling die Noten "nicht genügend" bzw. "genügend" bekommt, so sieht man, dass eine in der Mittelschule allgemein gültige Regel erfüllt ist: Man muss mindestens die Hälfte der Fragen richtig beantwortet haben, um eine positive Note zu erhalten (zwei Kardinalfragen sowie eine reguläre Frage).

Die Wahrscheinlichkeitswerte, bestimmte Noten zu bekommen, lauten nun wie folgt:

5 (Nicht genügend):
3 / 12
= 0.25

4 (Genügend):
2 / 12
= 0.17

3 (Befriedigend):
2 / 12
= 0.17

2 (Gut):
3 / 12
= 0.25

1 (Sehr gut):
2 / 12
= 0.17

Die Wahrscheinlichkeit, die Prüfung mit einer bestimmten Note abzuschließen, ist also nicht für jede Note gleich groß. Das ist in der Mittelschule nicht anders, ist doch die theoretische relative Häufigkeit eines "Nicht genügend" stets höher als die irgend einer bestimmten anderen Note. Dass die Wahrscheinlichkeit eines "Gut" etwas höher ist als die eines "Genügend", "Befriedigend" oder "Sehr gut", ist meiner Meinung nach kein Schönheitsfehler, sondern eine für (ehrgeizige) Studierende sehr angenehme Sache. Immerhin gibt es ja an den hiesigen Universitäten die Möglichkeit, mit Auszeichnung (summa cum laude) zu promovieren; die Bedingung hierfür ist allerdings, dass man einen Notendurchschnitt von 1.5 oder besser hat, wobei man auf keine Prüfung eine schlechtere Note als ein "Gut" haben darf. Daher sind "Streber" darauf erpicht, Dreier und Vierer nach Möglichkeit zu vermeiden, und werden sich über ein Prüfungssystem freuen, in dem die Wahrscheinlichkeit, einen Zweier zu bekommen, relativ hoch ist. Dass die Wahrscheinlichkeit eines "Sehr gut" aber wieder etwas geringer ist, ist durchaus gerecht; denn mit dieser Note sollte sparsam umgegangen werden, suggeriert sie doch, dass der Student im jeweiligen Fach absolut kompetent sei.

Aus obigen Wahrscheinlichkeitsangaben ergibt sich folgender Erwartungswert:

1 / 12 * (3 * (5 + 2) + 2 * (4 + 3 + 1))
= 37 / 12
= 3.083

Nach den Regeln der Stochastik darf also ein durchschnittlicher Student die Note "Befriedigend" erwarten. Dies ist absolut gerecht, ist doch diese Note an sich eben für durchschnittliche Studierende vorgesehen.

Schlussbemerkungen

Dies war also die Idee, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen ist. Ich bin schon gespannt, welche Reaktionen sie hervorrufen wird und ob sie an irgend einer Hochschule umgesetzt werden wird. Freilich habe ich nur für einen Spezialfall (für fünf Fragen) bewiesen, dass mein Vorschlag nicht nur effizient, sondern auch gerecht ist. Es ist mir klar, dass nicht der Stoff jeden Faches an Hand von nur fünf Fragen umfassend abgeprüft werden kann. Daher wird es notwendig sein, für jede mögliche Anzahl n der Fragen eine entsprechende Zahl von Kardinalfragen k (und damit Verhältnis v) sowie eine geeignete Notenskala zu finden, so dass die drei Bedingungen erfüllt werden, die einen gerechten Prüfungsmodus auszeichnen:

Mindestens die Hälfte der Fragen muss korrekt beantwortet werden, um eine positive Note zu erhalten.

Die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Note zu bekommen, sollte für jede Note ungefähr gleich sein; für die Note "Nicht genügend" darf sie etwas höher als der Schnitt sein; auch für die Note "Gut" wäre eine etwas höhere relative Häufigkeit durchaus sinnvoll.

Der Erwartungswert solle rund 3.0 betragen.

Man könnte das Finden der besten Variablen mit Hilfe eines Computerprogramms leichter bewerkstelligen, welches an Hand der manuell eingegebenen Werte die Wahrscheinlichkeitswerte für die einzelnen Noten sowie den Erwartungswert errechnet. Falls Interesse besteht, könnte ich ein solches Programm erstellen.

Vielleicht findet sich aber auch ein Mathematiker, der allgemein gültige Formeln entwirft, nach welchen man die zu jedem beliebigen n am besten passende Zahl k sowie eine geeignete Notenskala errechnen lassen. (Falls ich Zeit finde, werde ich mich möglicherweise selber mit dieser Aufgabe beschäftigen.)

Was ich jedenfalls für sinnvoll hielte, wäre, wenn sämtliche Fragen aus einem vorher definierten und am besten sogar öffentlich zugänglichen Fragenpool gestellt würden. Dies wäre besonders in Hinblick auf die Kardinalfragen wichtig. Denn so würden die Studierenden motiviert werden, die hier abgeprüften essentiellen Fakten und Zusammenhänge genau zu lernen.

Nach dem derzeitigen System könnte es nämlich leider Gottes sehr wohl passieren, dass Studenten ganz bestimmte wichtige Dinge einfach nicht lernen, weil es nicht oder nur selten bei Prüfungen verlangt wird. Und dies könnte später, in der Praxis (besonders in kritischen Bereichen wie der Medizin!) fatale Auswirkungen haben.

Als Beispiel möchte ich eine Gegebenheit schildern, bei der ich selbst Zeuge war. Es handelte sich um eine Teilprüfung zum 1. Rigorosum nach dem Studienplan Medizin A201 an der Universität Wien; das Prüfungsfach war Anatomie. Die Kandidaten war für einen Ordinarius ausgeschrieben, von dem bekannt war, dass er besonders viel Wert auf die Anatomie des Nervensystems legte. Deshalb hatte sich die Rigorosandin zur Prüfungsvorbereitung entsprechend gründlich mit Neuroanatomie beschäftigt. Im Gespräch unmittelbar vor der Prüfung hatte ich den Eindruck, dass sie sich auf diesem Gebiet tatsächlich sehr gut auskannte und auch recht komplizierte Zusammenhänge erklären konnte.

Nun war es aber so, dass der Ordinarius an diesem Tag verhindert war und vertretungsweise ein junger, außerordentlicher Professor die Prüfungen abhalten sollte, auf den die Kandidatin freilich nicht eingestellt war. Und dieser stellte ihr tatsächlich keine einzige Frage aus Neuroanatomie, prüfte sie aber ganz wichtige Fakten von großer klinischer Relevanz ab: In welcher Vene fließt das Blut aus Schädel und Gehirn ab? Woher beziehen die Venen, welche in die Pfortader münden, die Nährstoffe? In welches Gefäß mündet die Vena umbilicalis? Da die Kandidatin unvermögens war, diese Fragen zu beantworten, wurde die Prüfung abgebrochen. Wer weiß, wie sie abgeschnitten hätte, wenn der Ordinarius an diesem Tag nicht verhindert gewesen wäre: Vielleicht hätte sie fast ausschließlich Fragen aus der Neuroanatomie bekommen und ein "Sehr gut" bekommen! Man stelle sich aber eine klinisch tätige Ärztin vor, die nicht weiß, welches Gefäß blockiert sein muss, wenn es bei einem Patienten zu einer intrakraniellen Blutstauung kommt, und daher nicht im Stande ist, geeignete Maßnahmen zu treffen, weil sie das Anatomie-Rigorosum bestanden hat, ohne gelernt zu haben, dass das Blut aus dem Kopf über die an der lateralen Seite des Halses verlaufende Vena jugularis interna in die Vena cava superior und damit ins Herz abgeleitet wird.

Ich jedenfalls würde, sollte ich je in die Situation kommen, Prüfungen abnehmen zu müssen, sämtliche Fragen den Studenten per Internet zugänglich machen; natürlich müsste der Fragenpool sehr groß sein (mindestens 1000 Fragen) und den ganzen Stoff abdecken, damit die Studenten angehalten werden, sich mit der Materie gründlich zu beschäftigen. Das wäre insbesondere sinnvoll, um sicher zu stellen, dass sich die Studierenden auf die Kardinalfragen vorbereiten würden. (Es würde vermutlich auch die Effizienz des Studien- und Prüfungswesens erhöhen, weil dann die Anzahl der Studierenden, die bei einer Prüfung durchfallen, weil sie in den essentiellen Wissensgebieten Mängel aufweisen, wahrscheinlich abnehmen würde.)

Natürlich bestünde die Gefahr, dass irgend ein Student die Fragen schriftlich beantworten und das Ergebnis seiner Arbeit in Form einer ausgearbeiteten Fragensammlung veröffentlichen würde, woraufhin etliche Studenten dazu übergehen würden, lediglich diese vorgefertigten Antworten auswendig zu lernen, anstatt sich den Stoff selbständig zu erarbeiten. Um dem vorzubeugen, würde es notwendig sein, regelmäßig neue, zusätzliche Fragen zu erfinden und die Website zu ergänzen.

Bei der Prüfung könnte der Prüfer dann mit einem Computerprogramm arbeiten, welches zuerst die Kardinalfragen, dann die regulären Fragen per Zufallsgenerator auswählt und auf dem Bildschirm anzeigt. Der Prüfer würde sich die Antworten des Kandidaten anhören und dem Programm per Mausklick mitteilen, ob sie korrekt waren bzw. welche Note er dem Prüfling auf die jeweilige Frage geben würde. Das Programm würde schließlich vollautomatisch die Gesamtnote berechnen und anzeigen.

Damit bestünde der einzige subjektive Faktor darin, wie der Prüfer die Antworten auf die einzelnen Fragen bewertet. Wenn es für die Kardinalfragen lediglich die Optionen "richtig" und "falsch" sowie für die regulären Fragen ebenfalls nur wenige Abstufungen gibt, z.B. wie im oben diskutierten Spezialfall "sehr gut", "gut" und "nicht genügend", dann wären der subjektive Faktor auf ein Minimum reduziert und die mündlichen Prüfungen wesentlich gerechter, als dies heute der Fall ist.

Sonntag, 9. September 2012

Die JuLis sind nicht "rechter" als die Christdemokraten

Nach den ÖH-Wahlen 2011 habe ich in einem links orientierten Medium die Behauptung gelesen, die JuLis seien "rechter" als die der christdemokratischen Partei nahe stehende AG. Dem kann ich nicht zustimmen. Bevor ich mich den JuLis anschloss, war ich sieben Jahre lang in einer ähnlich orientierten Fraktion aktiv. Der Unterschied ist frappant: Die christdemokratische Fraktion war autoritär organisiert, alle wichtigen Entscheidungen wurden vom Vorsitzenden getroffen. Die JuLis sind viel demokratischer, programmatische und Personalentscheidungen werden auf Parteitagen (Kongressen) gefällt, jedes Mitglied hat dasselbe Stimmrecht. Außerdem kann man die christdemokratische Fraktion ohne weiteres als verlängerten Ast der christdemokratischen Partei bezeichnen, denn es wurde praktisch nie über Politik diskutiert, sondern einzig über die Aufgabenverteilung bei diversen Aktionen. Was die Mutterpartei beschlossen hatte, war Gesetz und wurde nicht in Frage gestellt. Bei den JuLis, die keine Mutterpartei haben, wird hingegen viel über allgemeine Politik geredet, und jeder kann seine eigene Meinung einbringen.

Die JuLis sind nur insofern "rechter", als sie im Gegensatz zur AG offen für Studiengebühren eingetreten sind. Man kann aber als Kenner der Szene annehmen, dass es auch in der AG zahlreiche Studiengebühren-Befürworter gibt, nur hat sich die AG nicht getraut, mit dieser Position Wahlwerbung zu betreiben.

Lust auf ein neues Diskmag-Projekt?

Ich verspüre Lust, ein neues Diskmag zu gestalten. Durch die thematische Fokussierung auf die Demoszene ist mir der Hugi zu eng geworden. Ich würde gerne ein Magazin machen, das, ähnlich wie damals die ersten zehn Ausgaben des Hugi, die eigentlichen Interessensgebiete der Autoren widerspiegelt. Wenn man die ersten zehn Hugis liest, wie ich es gestern getan habe, kann man sehr deutlich erkennen, was uns damals bewegt hat und wie weit unsere Kenntnisse, etwa der Programmierung, fortgeschritten waren. Das ist mit Ausgabe elf verlorengegangen, weil sich der Hugi ab da auf die Demoszene konzentriert hat, obwohl ich selbst nie aktiv in den Entwicklungsprozess einer Demo eingebunden war.

Wenn man ein Magazin machen will, braucht man vor allem eines: Autoren. Ein Magazin, in dem alle Beiträge von einer einzigen Person stammen, ist zu einseitig. Gerade die Vielfalt der Ansichten und Stile macht eine Zeitschrift aus. Für einen Einzelautor ist ein Blog oder eine Homepage als Medium besser geeignet.

Wo bekommt man Autoren her?

Wenn man sich ansieht, wie wenige Autoren in den letzten Jahren zu Hugi beigetragen haben, stellt sich die Frage, ob die Bereitschaft, bei einer Zeitschrift mitzuarbeiten, geringer geworden ist. 1999 war Hugi noch ein Selbstläufer. Da musste man nicht extra Leute ansprechen, ob sie Lust hätten, etwas zu schreiben, sondern die Leser ergriffen selbst die Initiative und schickten Artikel. Das hat sich stark geändert: Dieser Tage schreibt außer mir fast nur Magic. Dass die Liste der Beitragenden noch einigermaßen stattlich ist, liegt daran, dass Magics Artikel im Interviewstil geschrieben sind und somit ein großer Teil der Texte von den befragten Personen stammt, welche deshalb als Coautoren gelistet sind. Aktiv schicken Leser keine Beiträge mehr ein, man bekommt nur etwas, wenn man danach fragt, und oft nicht einmal dann.

Der Hugi war ursprünglich ein Diskmag, das für alle Themen offen war. Durch die Zusammensetzung der Autorenschaft, die hauptsächlich aus Brieffreunden von mir und meinem Mitherausgeber Kaktus bestand, ergab sich dann die Blattlinie. Wenn ein neues Diskmag Erfolg haben sollte, müsste es ebenfalls mit einem Stock an Autoren beginnen, und diese Autoren würden dann die Themen vorgeben. Nur: Wer sollen diese Autoren sein? Wer hätte Interesse, für ein Diskmag zu schreiben - unentgeltlich und möglicherweise anfangs nur für ein überschaubares Publikum?

Mittwoch, 5. September 2012

Ein höheres Wesen hat mir diktiert...

Meistens habe ich im Schlaf wirre Träume, die jeder Logik entbehren. Aber manchmal fallen mir dabei auch Dinge ein, die irgendwie vernünftig wirken. Man könnte meinen, sie seien mir von einem höheren Wesen diktiert worden. Folgendes ist ein solcher Fall. Es handelt sich offenbar um eine Art "innovativer Studienplan Medizin oder so ähnlich".

1. Semester

Mathematik
Inhalt: Analysis, Elemente der linearen Algebra
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 4 + 3
Prüfung: Vorlesungsprüfung freiwillig, bei Nichtantreten erhält man die Note "genügend"; Übung hat immanenten Prüfungscharakter

Einführung in das theoretische Jahr
Inhalt: Wiederholung und Ergänzung von Chemie und Physik auf Maturaniveau, Einführung in die Anatomie und molekulare Zellbiologie
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 5
Prüfung: mehrere Teilprüfungen im Verlauf des Semesters

Verpflichtende Studienberatung
Inhalt: Überblick über das Studium, Empfehlungen zur Lehrbuchwahl, Vorbereitung auf Prüfungen, Tipps von höhersemestrigen Studierenden
Modus: Tutorium
Semesterwochenstunden: 1
Prüfung: keine

Proteine und Genetik
Inhalt: Vererbungslehre, Erbkrankheiten, Gentechnik, Eiweißstoffe, die im Körper vorkommen und eine Rolle als Enzyme, Neurotransmitter oder Strukturproteine haben
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 3
Prüfung: Gesamtprüfung am Ende des Semesters

Laborpraktika
Inhalt: Praktische Übungen und Experimente aus Chemie, Physik und Biologie
Modus: PR
Semesterwochenstunden: 4
Prüfung: immanenter Prüfungscharakter

2. Semester

Anatomie und Physiologie
Inhalt: Bau und Funktion von Gehirn, Rückenmark, Blutkreislauf, Immunsystem, inneren Organen (Herz, Lunge, Nieren, Leber), Muskulatur, Säure-Basen-Haushalt
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 5
Prüfung: mehrere Teilprüfungen im Verlauf des Semesters

Mikroskopische Anatomie
Inhalt: Feinbau der Organe und Gewebe des Menschen, allgemeine Histologie
Modus: VO + UE
Semesterwochenstunden: 4 + 4
Prüfung: mehrere Teilprüfungen im Verlauf des Semesters

Stoffwechselprozesse
Inhalt: Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Lipiden, Aminosäuren, Purinen, Pyrimidinen usw.
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 4
Prüfung: Abschlussprüfung am Ende des Semesters

Fortgeschrittene Laborpraktika
Inhalt: Praktische Übungen und Experimente aus Chemie, Physik und Biologie
Modus: PR
Semesterwochenstunden: 3
Prüfung: immanenter Prüfungscharakter

3. Semester

Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik
Inhalt: Definitionen des Wahrscheinlichkeitsbegriffs, statistische Größen, Modelle, Gesetz der großen Zahlen, statistische Tests, Schätzer, Bayes-Statistik
Modus: VO + UE
Semesterwochenstunden: 3 + 3
Prüfung: Vorlesungsprüfung am Ende des Semesters; Übung hat immanenten Prüfungscharakter

Pharmakologie
Inhalt: allgemeine Pharmakologie, Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, Wirkstoffgruppen, Antiinfektiva, Chemotherapeutika, Psychopharmaka
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 5
Prüfung: mehrere Teilprüfungen im Verlauf des Semesters

Pathologische Anatomie und Histologie
Inhalt: allgemeine Pathologie, ausgewählte Kapitel der speziellen Pathologie wie Herz-Kreislauf-System, respiratorisches <br>System, Gastrointestinaltrakt, mikroskopische Pathologie, Pathophysiologie
Modus: VO + UE
Semesterwochenstunden: 5 + 4
Prüfung: mehrere Teilprüfungen im Verlauf des Semesters

4. Semester

Mikrobiologie und Infektionskrankheiten
Inhalt: Bakteriologie, Virologie, Mykologie, Infektionskrankheiten
Modus: VO + UE
Semesterwochenstunden: 4 + 3
Prüfung: mehrere Teilprüfungen im Verlauf des Semesters

Hämatologie und Onkologie
Inhalt: Blutkrankheiten, was ist Krebs, verschiedene Arten von Krebs, Entstehungsmechanismen und Therapie
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 3
Prüfung: Abschlussprüfung am Ende des Semesters

Ärztliche Grundfertigkeiten
Inhalt: Umgang mit Patienten, Anamnese, Blutdruckmessung, Verabreichung von Injektionen, Blutabnahme, Elektrokardiogramm, Nähen
Modus: UE
Semesterwochenstunden: 2
Prüfung: Abschlussprüfung am Ende des Semesters

Psychiatrie
Inhalt: Psychische Erkrankungen, Diagnostik und Behandlung
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 4
Prüfung: Abschlussprüfung am Ende des Semesters

Neurologie
Inhalt: Neurologische Erkrankungen, Diagnostik und Behandlung
Modus: VO
Semesterwochenstunden: 4
Prüfung: Abschlussprüfung am Ende des Semesters

Wikipedia und die ÖH

Als Ersatzmandatar in einer Universitätsvertretung wundere ich mich, dass in Biografien auf Wikipedia (z. B. http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Wutzlhofer) erwähnt wird, dass jemand ein solches Amt bekleidet hat, denn man hat da sehr wenig Gestaltungsmöglichkeiten.