Donnerstag, 28. Februar 2013

Pressekonferenz über Begabtenförderung

Ich war heute bei einer Pressekonferenz, die mit Begabtenförderung oder, wie es heute modern ist zu sagen, Begabungsförderung zu tun hatte. Dabei waren der bekannte Physiker Prof. Zeilinger sowie mehrere Bildungswissenschaftler bzw. Didaktiker aus In- und Ausland. Diese Pressekonferenz fand anlässlich eines Symposiums statt, das heute abend beginnen wird.

Am interessantesten fand ich Prof. Zeilingers Bemerkung, dass ein guter Lehrer zwei Voraussetzungen erfüllen müsse: Er müsse von seinem Fach begeistert sein und seine Schüler ernstnehmen. Auch wenn der Lehrer den Schülern gegenüber zynisch sei, sei das immerhin besser, als würde er nur seinen Stoff vortragen und die Schüler gar nicht beachten.

Am Ende der Diskussion meldete ich mich und schilderte meine Erfahrungen als Student, der ein sehr guter Schüler gewesen war und laut Intelligenztest nachweislich hochbegabt ist. Ich erklärte, dass meine Leistungen die Professoren im Medizinstudium anscheiend nicht interessierten und Prof. Hengstschläger in seinem Buch "Die Durchschnittsfalle" sogar geschrieben hat, er würde einen Studenten auslachen, wenn er ihm sagte, er hätte einen so und so hohen IQ, denn der IQ sei eine konstante Größe und werde nicht durch all das Lernen und Experimentieren, das in einem Studium erforderlich sei, beeinflusst - wozu habe der Student es dann jahrelang getan? Meine Wortmeldung stieß im Podium auf großes Interesse, und Prof. Zeilinger meinte, er werde bei Gelegenheit Prof. Hengstschläger darauf ansprechen. Er (Zeilinger) selbst habe aber als Maturant einen IQ-Test und einen Gedächtnistest gemacht, und der Psychologiestudent, der die Auswertung vornahm, meinte, seine Antworten wären gar nicht auswertbar. Bei seiner eigenen Initiative zur Förderung begabter und naturwissenschaftlich interessierter Schüler spielt auch der IQ keine Rolle, sondern die Auswahl erfolgt subjektiv aufgrund einer schriftlichen Bewerbung, in der die Schüler über ihre besonderen Interessen und Aktivitäten erzählen sollen.

Laut der Bildungswissenschaftlerin Prof. Weigand sei es jedenfalls der aktuelle Trend, nicht nur laut IQ-Test hochbegabte Kinder und Jugendliche zu fördern, sondern alle. Nur laut IQ-Test hochbegabte Kinder zu fördern wäre ungerecht. Zudem wäre der IQ-Test kulturgebunden und würde auch nur die kognitive Begabung messen. Wichtig sei es, dass sich die Kinder nicht nur selbst verwirklichen wollen, sondern auch Verantwortung für andere übernehmen.

Prof. Renzulli aus Connecticut meinte zudem in seinem Statement, neben "giftedness" wäre auch "creativity" und "task commitment" entscheidend, um Hochleistungen hervorzubringen. Unter "giftedness" verstehe er zudem nicht nur Intelligenz, sondern auch andere Begabungen, etwa auf ästhetischem Gebiet.

Im Anschluss habe ich mich noch mit einigen der Vortragenden und auch mit anderen Gästen unterhalten.

Dienstag, 26. Februar 2013

Intelligenztest oder Hochschulstudium - Pro und Kontra

In einem Forum gab es eine Diskussion darüber, was aussagekräftiger sei: ein Intelligenztest oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Dazu meine ich: Grundsätzlich muss man zwischen verschiedenen Studiengängen differenzieren. In manchen Studienrichtungen, wie Medizin, kommt es fast nur aufs Auswendiglernen an. Wenn man ein solches Studium abschließt, liefert das ein Zeugnis für Zähigkeit, Interesse und ein gutes Gedächtnis, aber nicht unbedingt fürs logische Denkvermögen. Doch in einem Informatikstudium muss man ständig Aufgaben lösen, die kognitive Begabung erfordern. Viele Übungsaufgaben aus Fächern wie Mathematik, Algorithmik, Statistik und Theoretische Informatik sind um einiges schwieriger als die Aufgaben, die typischerweise in Intelligenztests gestellt werden. Was aber einen großen Unterschied ausmacht: Intelligenztests sind in der Regel zeitlimitiert. Für die Hausaufgaben in der Informatik hat man dagegen normalerweise ausreichend viel Zeit. Deswegen messen Intelligenztests eher, wie schnell jemand beim Lösen relativ einfacher Aufgaben ist, während das Absolvieren eines Informatikstudiums eher eine Aussage darüber erlaubt, ob man auch in der Lage ist, schwierigere Aufgaben (praktisch ohne Zeitlimit) zu lösen. Das Informatikstudium liefert also eher eine Aussage über die "Power". Und das ist meiner Meinung nach das Interessantere. Wenn es um echte wissenschaftliche Fragestellungen geht, wird doch auch eher derjenige eine Lösung finden, der in der Lage ist, schwierige Aufgaben zu lösen, auch wenn er dafür länger braucht, als jemand, der zwar einfache Aufgaben sehr schnell lösen kann, aber bei schwierigeren Aufgaben versagt. Insofern schließe ich mich hier eher der Fraktion an, die die Meinung vertritt, dass ein Hochschulstudium mehr aussagt als ein Intelligenztest, allerdings nur, wenn es sich um ein "denk"- und nicht nur "merk"-lastiges Studium handet, also um Informatik, Mathematik oder Physik.

Montag, 25. Februar 2013

Österreich

Gestern und heute habe ich Sendungen im Fernsehen gesehen, die auf mich Eindruck gemacht haben. Da war zunächst Frank Stronachs Lebensgeschichte (wie ärmlich die Steiermark in den 30er bis 50er Jahren, als er dort aufwuchs, war, wie unsicher die Zukunft und wie er ohne einige glückliche Wendungen trotz seiner Persönlichkeit und seiner Fähigkeiten nichts erreicht hätte). Heute dann eine Dokumentation über die Erste Republik, konkret zu den Vorgängen rund um den Justizpalastbrand. Wie ärmlich und zerstritten das Land in der Ersten Republik war. Da dachte ich mir: Damals war das Leben gar nicht lebenswert. Man hatte keine Wahl, als ständig ums nackte Überleben zu kämpfen, und die Gesellschaft war derart polarisiert, dass man nicht ohne weiteres mit Leuten in Kontakt treten konnte - sie konnten Freund oder Feind sein.

Ich frage mich nur, ob die damalige Situation nicht zum Teil auch im heutigen Österreich fortbesteht. Rote und Schwarze bilden zwar eine Koalition, sind einander aber immer noch eher fremd. Wer einen guten Beruf hat und sparsam lebt, kann es zu Wohlstand bringen, aber viele einfache Arbeiter werden wahrscheinlich immer noch nur gerade so viel verdienen, wie sie brauchen, um über die Runden zu kommen.

Ich fand es jedenfalls schockierend, mir die Bilder von damals im Fernsehen anzusehen.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Die Mär' von der "Gleichmacherei"

Die Aufgabe der Schule ist die Selektion. Daraus folgt, dass die Schule "Ungleichmacherei" betreibt. Kritikern des Schulsystems wird oft "Gleichmacherei" vorgeworfen. Dabei ist die Selektion, die in der Schule erfolgt, künstlich. Es wird nach bestimmten Kriterien selektiert, wie Sympathie, sozialer Herkunft, Erziehung, Förderung durch das Elternhaus und nur zu einem geringen Teil eigener Leistung. Das Ergebnis ist eine "Elite", die diesen Namen nicht verdient hat. Ließe man niemanden durchfallen und jeden die Matura bestehen, würde möglicherweise so manches Potenzial verwirklicht werden, das derzeit vor sich dahinschlummert. Denn die Menschen wären nicht gleich, manche wären fleißiger, engagierter und effizienter als andere. Daher darf man in diesem Zusammenhang nicht von "Gleichmacherei" sprechen. Im Gegenteil, wenn jeder die Möglichkeit hätte, die berufliche Position zu erlangen, für die er am besten geeignet ist, würde die Konkurrenz sogar noch härter sein. So gesehen, sind eher die Verfechter der künstlichen "Eliten" die Weicheier, die Angst vor echtem Wettbewerb haben.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Hmolpedia

Hmolpedia hat eine Liste von Genies und deren (vermuteten) IQ-Werten veröffentlicht. Daneben gibt es auch eine Liste von Menschen, die in den Medien genannt wurde, weil sie hohe IQ-Werte haben, die aber in den Augen der Hmolpedia-Autoren keine Genies sind, weil sie nichts Geniales geleistet haben, und deswegen diese hohen IQ-Werte nicht verdient hätten.

Hier wird wieder einmal Intelligenz (kognitive Begabung) mit Leistung verwechselt. Intelligenz ist nur eine Fähigkeit, geistige Leistungen zu erbringen. Und nicht jeder nützt seine Intelligenz, um Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiet zu erbringen. Intelligenz hat viele Anwendungsgebiete. Ich unterstelle daher den Autoren der Hmolpedia Unreife. Sie haben sich mit dem Thema Intelligenz zu wenig auseinandergesetzt.

Link: http://www.eoht.info/page/Genius+IQs

Montag, 4. Februar 2013

Introvertiert und extravertiert

Heute nacht im Schlaf hatte ich wieder einen Einfall:

Wenn man von intro-/extravertiert spricht, meint man meistens, wie jemand mit anderen Menschen umgeht, ob er mit ihnen spricht und sie unterhält oder ob er eher still und zurückhaltend ist. Meines Erachtens kann man aber auch bei den Interessen einer Person zwischen introvertiert und extravertiert unterscheiden.

Interessiert sich jemand für die Außenwelt, ordnet er gerne Gegenstände an, gibt Unternehmen Strukturen, dann ist das der eine Pol. Beschäftigt sich hingegen jemand eher mit Formalismen und Ideen und ordnet allerhöchstens die Strukturen in seinem eigenen Kopf, dann ist das der andere Pol.

Der eher nach innen gekehrte Pol dürfte häufiger bei Formal- und Geisteswissenschaftlern sowie bei theoretischen Physikern auftreten, der nach außen gekehrte Pol häufiger bei Naturwissenschaftlern (vor allem Biologen und Chemikern) und Medizinern.

Vielleicht sollte man zwei getrennte Skalen intro-/extravertiert einführen, eine für den Umgang mit anderen Menschen und eine für die Interessen, weil ja doch jemand eher "introvertierte" Interessen haben könnte und sich dennoch gern mit anderen Menschen austauscht.

Es gibt hier sicher Überschneidungen zu den Funktionsbeschreibungen von "extroverted thinking", "introverted sensing" usw. nach Jung. Man vergesse nicht, dass bei Jung ja Extra-/Introversion nur Ausprägungs-"Richtungen" der vier psychischen Funktionen Denken, Fühlen, Sensorik und Intuition sind.