Sonntag, 28. April 2013

Warum Altruismus ein Zeichen von Unreife ist

Als ich nach der Matura einmal einem Lehrer begegnete und ihm erzählte, dass ich nun Medizin studierte, war ihm seine Enttäuschung deutlich anzumerken. Er hatte wohl schon fix damit gerechnet, dass ich Informatik studieren würde und dass ich, wo ich so ein guter Schüler gewesen war, wohl auch ein entsprechend guter Informatiker werden würde, dessen Dienste er dann in Anspruch nehmen könnte.

Ich frage ich, ob sich dieser Lehrer jemals die Frage gestellt hat, warum sich so viele gute Schüler für ein Medizinstudium entscheiden. Ich könnte ihm jedenfalls nicht nur diese Frage beantworten, sondern noch mehr: warum viele gute Schüler sich für ein Medizinstudium entscheiden und dann am Studium scheitern!

Das lässt sich nämlich damit erklären, dass gute Schüler oft moralisch sehr hohe Ansprüche haben: Sie möchten anderen Menschen helfen, Großes leisten, die Menschheit voranbringen. Und wegen dieser edlen Motive erwarten sie sich, entsprechend Unterstützung zu bekommen, um diese Ziele zu erreichen. Doch diese wird ihnen verwehrt: denn die Lehrenden an der Universität sind gar nicht daran interessiert, hochmotivierte Studierende zu fördern. Ihnen geht es vielmehr um die eigene Karriere. Die Lehrtätigkeit wird als Belästigung betrachtet, und es wird daher versucht, sie möglichst zu reduzieren. Das hat zur Folge, dass nur das gesetzlich vorgeschriebene Minimum an Lehrveranstaltungen abgehalten wird und durch verschiedene Maßnahmen die Studentenzahl abgebaut wird, sei es durch Zugangsbeschränkungen oder durch besonders strenge Prüfungen.

Ich habe in meiner Jugend die Ansicht mitbekommen, es sei moralisch höherstehend, altruistisch als egoistisch zu handeln. Altruismus bedeutet Selbstlosigkeit, Altruisten verfolgen in erster Linie nicht ihre eigenen Interessen, sondern die der Anderen, opfern sich für ihre Mitmenschen auf, vernachlässigen eigene Bedürfnisse, nur damit es den Anderen besser geht. Tatsächlich hat es, auch wenn moralisch gesehen der Altruismus tatsächlich höherstehen sollte, einen gewaltigen Haken, selbstlos zu sein: Man bekommt dafür keinen Dank, im Gegenteil, man hat eher Ablehnung zu erwarten. Das hängt auch mit dem moralischen Anspruch zusammen: Viele Menschen neigen dazu, Altruisten vorzuwerfen, sich auf eine höhere Stufe stellen zu wollen. Aber in vielen Fällen werden die selbstlosen Motive gar nicht anerkannt, zum Teil auch, weil Altruisten oft glauben, anderen Menschen einen Dienst zu erweisen, das Zielpublikum jedoch daran gar nicht interessiert ist.

Ich würde sogar behaupten: Altruistisches Verhalten ist ein Zeichen von Unreife. Denn Altruisten haben meistens ein sehr leichtes Leben gehabt und nicht gelernt, dass es notwendig ist zu kämpfen, um seine eigenen Ziele zu erreichen.

Durch meinen Altruismus habe ich viele Jahre verloren. Denn ich habe mich aus altruistischen Motiven für ein Medizinstudium entschieden, obwohl mich Informatik schon damals mehr interessiert hätte. In meinen Augen ist es absolut falsch, die Interessen anderer Personen vor seine eigenen Interessen zu stellen. Wie es auch sprichwörtlich heißt: "Undank ist der Welten Lohn."

Wer selbstlos handelt, hat selbst weniger Erfolg im Leben! Das lässt sich damit begründen, dass sein Streben eben der Erfolg anderer Personen ist. Das eigene Wohlergehen wird dabei vernachlässigt. Tatsächlich sind auch diejenigen, die im Medizinstudium besonders erfolgreich sind, nicht Altruisten, sondern Karrieristen, also solche, denen es nur um das eigene Fortkommen geht. Diese Karrieristen werden irgendwann dann zum Teil selbst Lehrende an den Hochschulen, und so perpetuiert das System immer weiter.

Als ich zu Beginn meines Studiums histologische Bilder ins Internet stellte, glaubte ich, damit meinen Kommilitonen einen Dienst zu erweisen, denn diese Bilder konnten bei der Vorbereitung auf die Histologie-Prüfungen nützlich sein. Doch was für Reaktionen bekam ich darauf? Manche bedankten sich zwar, stärker in Erinnerung geblieben ist mir aber Kritik an der Qualität der Aufnahmen und die Bemerkung, wenn ich schon Bilder ins Netz stellte, so müssten diese auch hochauflösend und scharf sein. Dass meine Bilder kostenlos im Internet betrachtet werden konnten, während die Autoren der offiziellen Lehrbücher für ihre Werke Geld verlangten, war für die Studenten kein Argument dafür, mich milder zu behandeln. Und einer meinte, ich solle mich nicht "göttlicher als Gott" geben, womit er mein altruistisches Verhalten selbst im oben beschriebenen Sinne beanstandete.

Die meisten Menschen haben Probleme und müssen tagtäglich kämpfen, um durchs Leben zu kommen. Wenn man diese Probleme nicht hat, fehlt einem etwas im Leben. Viele fühlen sich dann bemüßigt, Anderen zu helfen. Offenbar ist das falsch. Was man aber stattdessen tun sollte, weiß ich nicht.

Freitag, 26. April 2013

Warum ich den Nobelpreis anstreb(t)e

Vor einigen Jahren hat ein Bekannter aus dem österreichischen Hochintelligenzverein darüber Verwunderung gezeigt, dass ich den Nobelpreis anstrebe. Er hat es überhaupt nicht nachvollziehen können. Allenfalls, meinte er, könne er verstehen, dass ich am doch recht beträchtlichen Preisgeld interessiert sei, aber dieses Geld könne man ja auch auf andere Weise verdienen.

Ich sagte ihm: Ach, haben dir deine Eltern denn nicht von Goethe, Newton, Einstein, Bohr, Heisenberg, Popper, Sokrates, Plato, Aristoteles, Kant, Spinoza, Voltaire, Gauss, Euler, Bernoulli, Hegel, Marx, Hobbes, Hume, Locke, Rousseau und all den anderen großen Persönlichkeiten erzählt? Hast du nicht wenigstens in der Schule von ihnen gehört? Hast du nicht davon geträumt, auch so wie diese zu werden und in die Geschichte einzugehen? Der Nobelpreis kann der erste Schritt sein, um diesen Traum zu verwirklichen.

Seine Antwort: Nein, seine Eltern haben ihm nichts von diesen Personen erzählt, und in der Schule hätte er auch nichts über sie gelernt; überhaupt könne er nur mit den Namen Goethe und Einstein gerade einmal etwas anfangen, der Rest sei ihm unbekannt.

Ganz ohne jede Ironie: Ein weiser Mann. Er hat mich überzeugt, dass es sich nicht lohnt, den Nobelpreis anzustreben.

Sonntag, 21. April 2013

Warum ich mich von Foren verabschiedet habe

Vor einigen Wochen habe ich mich aus zwei Foren zurückgezogen, die ich davor öfters frequentiert habe. Der Grund war in beiden Fällen derselbe: Streitigkeiten mit anderen Forenteilnehmern aufgrund von weltanschaulichen Differenzen. Im einen Forum diskutierten wir über meine politischen Ansichten (siehe meine Homepage), und dem Mitdiskutanten stieß vor allem meine Forderung nach einer Abschaffung der Bildungspflicht sauer auf; außerdem wollte er das von mir geforderte Recht auf Selbstverwirklichung nicht akzeptieren. Das entwickelte sich dann zu einer Diskussion auf persönlicher Ebene, in der er mir zum Vorwurf machte, dass ich schon so lange studiere und nicht arbeiten gehe. Im anderen Forum war es ähnlich, dort bezeichnete einer meinen Lebensstil als "Sozialismus pur" (was nicht stimmt - er hat eine völlig falsche, naive Vorstellung vom Sozialismus!). Ich gehe davon aus, dass diese Leute eifersüchtig sind, weil sie selbst nicht so nette Eltern hatten/haben wie ich. Was mich jedoch am meisten wurmt ist die mangelnde Anerkennung für meine zahlreichen nichtkommerziellen und ehrenamtlichen Aktivitäten, denn ich bin der Meinung, dass freiwillig erbrachte Leistungen höher zu werten seien als Leistungen, die man (im Beruf) erbringen muss.

Donnerstag, 18. April 2013

Der beste Persönlichkeitstest

Viele Persönlichkeitstests im Internet basieren auf der Theorie von C.G. Jung. Das Problem: Diese Theorie ist falsch. Jung unterscheidet 16 verschiedene Typen, die sich voneinander durch die Ausprägungsgrade der acht psychischen Funktionen unterscheiden. In Wirklichkeit aber gibt es noch viel mehr als 16 Typen. Aus diesem Grund halte ich den Test auf www.keys2cognition.com für den besten Persönlichkeitstest von allen. Anstatt nur einen Typ zu ermitteln, misst er die Ausprägungsgrade sämtlicher Funktionen und gibt einem somit ein genaueres Bild von seinen Stärken und Schwächen als es gewöhnliche auf Jung basierende Tests tun.

Die acht psychischen Funktionen:

Introvertiertes Fühlen: Überprüfen, ob das Erlebte oder Erfahrene (etwa die Ansichten einer anderen Person) mit den eigenen Vorstellungen und Werten übereinstimmen.
Extravertiertes Fühlen: Mit anderen Personen Mitgefühl empfinden und dieses zeigen.
Introvertiertes Denken: Probleme logisch analysieren bzw. allgemein nachdenken.
Extravertiertes Denken: Logisch handeln, vernünftige Entscheidungen treffen, Probleme lösen.
Introvertierte Intuition: Verschiedene Gedanken und Empfindungen miteinander zu neuen Ideen kombinieren.
Extravertierte Intuition: Möglichkeiten erkennen, Vermutungen anstellen, spekulieren.
Introvertierte Sensorik: Sich an Erlebtes und Empfundenes erinnern, Fakten memorieren.
Extravertierte Sensorik: Manuelle Arbeiten verrichten, Sport treiben.

Nach Jung gäbe es bei jedem Typ genau eine dominante und eine auxiliäre Funktion, wobei entweder die dominante oder die auxiliäre Funktion eine rationale Funktion ist und die andere eine irrationale; rationale Funktionen sind Denken und Fühlen, irrationale Funktionen Intuition und Sensorik. Außerdem wäre eine der beiden Funktionen introvertiert und die andere extravertiert. Die Ausprägungsgrade aller übrigen Funktionen würden sich dann je nachdem, welche Funktionen dominant bzw. auxiliär sind, ergeben. Deshalb gibt es nach Jung nur 16 Typen.

Bei mir kamen in diversen Persönlichkeitstests nach Jung verschiedene Typen heraus; nach langer Beschäftigung entschied ich mich, dass der Typ INTP am ehesten zuträfe. Dieser hätte introvertiertes Denken als dominante und extravertierte Intuition als auxiliäre Funktion. Geringer ausgeprägt wären bei diesem Typ introvertierte Sensorik und extravertiertes Fühlen. Alle anderen Funktionen wären quasi nicht vorhanden. Tatsächlich hat der Test von www.keys2cognition.com jedoch gezeigt, dass bei mir nicht nur introvertiertes Denken und extravertierte Intuition stark ausgeprägt sind, sondern auch extravertiertes Denken und introvertiertes Fühlen. Somit trifft keiner der 16 Typen nach Jung auf mich exakt zu, denn diese Kombination kommt bei Jung nicht vor.

Dieser Test sagt meiner Meinung nach mehr als jeder andere Persönlichkeitstest, aber auch mehr als jeder IQ-Test aus. Stark ausgeprägte Denkfähigkeit macht einen beispielsweise für einen Beruf wie Mathematiker oder Philosoph gut geeignet. Für einen handwerklichen Beruf wäre es von Vorteil, wenn die extravertierte Sensorik stark entwickelt wäre. Von einem praktischen Arzt wird erwartet, dass er dem Patient gegenüber Mitgefühl zeigt; wenn das extravertierte Fühlen schwach ausgeprägt ist, ist an der Eignung der Person für den Beruf des praktischen Arztes zu zweifeln.

Ich kann also nur empfehlen, diesen Test zu machen und mehr über die eigenen Stärken und Schwächen zu erfahren.

Mittwoch, 17. April 2013

Mein Weg zur Medizin

Wie kam es überhaupt dazu, dass ich Medizin studiert habe?

Im Prinzip sind meine Eltern daran schuld. Mein Vater wollte selbst Medizin studieren, durfte es aber seinerzeit nicht, obwohl er mit Auszeichnung maturiert hatte. Und meine Mutter träumte, wie viele Mütter, davon, dass ihr Sohn dereinst Arzt sein würde. So behielt ich während meiner ganzen Schulzeit im Hinterkopf, dass ich nach der Matura Medizin studieren würde. Ich akzeptierte das; es führte freilich aber nicht dazu, dass ich mich während meiner Schulzeit besonders für Biologie interessiert oder übermäßig viele Zeitschriftenartikel über medizinische Themen gelesen hätte. Mich interessierten in erster Linie Computer, vor allem Spiele und deren Entwicklung. Von meinem 9. bis zu meinem 15. Lebensjahr verbrachte ich viel Zeit damit, mir Praxis im Programmieren anzueignen. Danach widmete ich mich voll und ganz der redaktionellen Arbeit an meiner elektronischen Zeitschrift, die viel Zeit in Anspruch nahm.

Die meisten Lehrer wussten von meinem Interesse an Computern (freilich ohne genau informiert zu sein, was ich mit Computern so machte). Manche wussten auch, dass angedacht worden war, dass ich später Medizin studieren würde. Insgesamt zwei Jahre lang - ein Jahr lang in Chemie und ein Jahr lang in Biologie - hatte ich eine Lehrerin, deren Tochter selbst Medizin studiert hatte und die offenbar von der Idee, dass ich - dem sie schon im achten Schuljahr ein "universitäres Hirn" attestiert hatte - Medizin studieren würde, sehr angetan war. Aber weder sie noch andere Lehrer, die von meinem Vorhaben, Medizin zu studieren, wussten, kamen jemals auf die Idee, mit mir über meine Motivation für dieses Studium zu sprechen. Denn tatsächlich hatte mich die Medizin nie interessiert, und ich verfügte vor meinem Studium auch nur über ein sehr bescheidenes Wissen über dieses Fach. Das stand in großem Kontrast zur Informatik - davon verstand ich mehr als mein Informatiklehrer. Ich verfügte bereits vor dem Informatikstudium nicht nur über Programmierpraxis (was ja letzten Endes doch das Wichtigste ist), sondern auch über Kenntnisse der theoretischen Informatik. Vor allem hatte ich einen guten Überblick über die Inhalte des Informatikstudiums und wusste Bescheid, was mich erwarten würde. Vom Medizinstudium kannte ich hingegen nur die Namen der Prüfungsfächer, die mich noch dazu wenig begeisterten - vor allem von Anatomie, Pathologie, Chirurgie und ähnlichen, eher morphologisch orientierten Fächern erwartete ich mir viel Lernarbeit ohne echten Erkenntnisgewinn, weil es in diesen Fächern ja nicht um Verständnis, sondern nur um reines Faktenwissen geht.

So kam es, dass ich, je näher die Matura kam, umso mehr am Vorhaben meiner Eltern, mich Medizin studieren zu lassen, zweifelte. Würde ein Informatikstudium nicht eher meinen eigenen Interessen und Fähigkeiten entsprechen? Schließlich entschied ich mich: Ich würde nach der Matura Informatik studieren. Das sagte ich auch dem Direktor der Schule, als er mich bei der Zeugnisüberreichung nach meinen Zukunftsplänen fragte.

Aber es kam anders. Schuld daran ist, dass ich nach der Maturareise eine mehrere Monate lang andauernde depressive Phase hatte, in der ich an meinen Fähigkeiten zweifelte. Ich warf mir vor, mich in den letzten Jahren zu sehr auf redaktionelle Arbeiten beschränkt und zu wenig Programmiererfahrung gesammelt zu haben. Daher vermutete ich, im Studium vor allem gegenüber HTL-Absolventen im Nachteil zu sein. Diese Befürchtungen sollten sich letzten Endes zwar als substanzlos herausstellen, aber damals wusste ich es eben nicht besser. Jedenfalls ließ ich mich dann von meinen Eltern überreden, Medizin zu inskribieren. Widerstandslos ging ich zur Uni und schrieb mich ein. Zwar gab es jede Menge "rationaler" Gründe, die für ein Medizinstudium sprachen. Dennoch war meine Entscheidung nicht auf das sorgfältige Abwägen von Argumenten und Gegenargumenten gegründet, sondern es handelte sich im Prinzip um das Aufgeben meiner Selbst als Persönlichkeit.

Samstag, 13. April 2013

Lässt sich mit Informatik Geld verdienen?

In der Bevölkerung ist immer noch, trotz der Internetblase um die Jahrtausendwende und dem dramatischen Absturz der Facebook-Aktie in jüngerer Zeit, die Meinung weit verbreitet, dass sich mit Informatik eine goldene Nase verdienen ließe. Ich behaupte: Nein, das stimmt nicht. Im folgenden Artikel werde ich begründen, warum ich so denke.

Ich beschäftige mich seit der ersten Klasse Volksschule mit Computern und habe als Achtjähriger begonnen, mir das Programmieren beizubringen. Dennoch habe ich mich nach meiner Matura zuerst mit einem Medizinstudium begonnen. Ein Grund war, dass ich schon damals die Informatikbranche nicht für langfristig gewinnbringend erachtete.

Zunächst einmal: Was ist Informatik? Die Informatik beschäftigt sich ausschließlich mit der Softwareseite von Computern. Die Hardware gehört zur Elektrotechnik. Dementsprechend sollte klar sein, dass ich nicht darüber rede, ob man Geld durch den Verkauf von Computerhardware verdienen kann. DAS kann man sicher! Aber die Frage ist eben, ob man es auch mit Software kann. Und da sieht meine Prognose eher düster aus.

Heutzutage gibt es sehr viel freie Software, die man völlig legal im Internet herunterladen kann. Sogar die Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins wird seit einigen Ausgaben mit einer freien Software gestaltet, wofür vorher ein teures kommerzielles Programm verwendet wurde. Die Qualität hat darunter nicht gelitten. Und das ist kein Einzelfall. Für die meisten Standardanwendungen, von Webbrowsern über Textverarbeitungsprogrammen bis hin zu Tabellenkalkulatoren und Datenbanksoftware, gibt es kostenlose Lösungen, die man völlig legal im Internet herunterladen und frei verwenden kann.

Im Prinzip kann man daher mit Standardsoftware nur Geld verdienen, solange es noch Kunden gibt, die von freier Software nichts gehört haben oder aus irgendwelchen Gründen bereit sind, für Software zu zahlen.

Die meisten IT-Firmen haben sich daher auf das Anfertigen von Spezialsoftware für Unternehmen spezialisiert. Es wird also nicht für den normalen Markt entwickelt, sondern für einzelne Kunden. Dadurch ist es möglich, Software speziell den Kundenbedürfnissen anzupassen. Ja, so kann man durchaus noch ein wenig Geld verdienen. Aber ich meine, dass Spezialsoftware in gewisser Weise Luxus ist und Firmen durchaus auch in der Lage wären, ihre Bedürfnisse durch Standardsoftware abzudecken. Die meisten Standardprogramme sind erweiterbar, Microsoft Office etwa hat schon seit Jahrzehnten eine Makrosprache, mit der man die Funktionalität beliebig anpassen kann. Ein wirklicher Bedarf an Spezialanfertigungen besteht aus meiner Sicht nicht.

Dann gäbe es noch die Möglichkeit, mit Computerspielen Geld zu verdienen. Spiele sind sehr aufwändig und belegen entsprechend viel Speicherplatz. Somit ist es für manche Spieler nicht leicht möglich, Raubkopien aus dem Internet herunterzuladen, sondern sie sind gezwungen, Datenträger mit den Spielen im Geschäft zu erwerben. Aber mit dem zunehmenden Fortschritt in der Internettechnik und den immer schneller werdenden Verbindungen löst sich auch dieses Problem. Die letzte Bastion des Kapitalismus stellen in dieser Hinsicht Spiele für tragbare Konsolen dar, weil diese in der Regel Modulsysteme benutzen und es somit nicht so leicht möglich ist, Raubkopien anzufertigen.

Bleibt als letzter Weg die Entwicklung von "Embedded Systems", also Computerprogrammen, die in Haushaltsgeräten (wie etwa Waschmaschinen) eingebaut sind. Das ist vielleicht noch eine Möglichkeit, wie man als Informatiker reich werden könnte.

Insgesamt halte ich die Zukunft der IT-Branche jedenfalls nicht für so rosig, wie manche sie sehen. Viele Informatiker werden sich wohl auf Dienstleistungen verlegen müssen, etwa in den Bereichen Computersicherheit oder Dateneingabe. Wofür sie freilich überqualifiziert sind.