Sonntag, 30. Juni 2013

Freiheit und Gleichheit

In Rahims interessantem Büchlein über den Orient wird auch Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn zitiert, dessen Werke mir reizvoll genug erscheinen, um sich mit ihnen näher zu beschäftigen.

Kuehnelt-Leddihn, geboren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bezeichnete sich selbst als "katholischen, rechtsradikalen Liberalen" und meinte damit vor allem, dass er gegen jede Form von Kollektivismus eingestellt sei, also gegen Sozialismus, Nationalsozialismus und Faschismus. Aber auch der Demokratie gegenüber war er kritisch, denn er betrachtete sie als eine Vorstufe dieser kollektivistischen Regierungsformen und als selbst inhärent totalitär.

Sicher muss sein Schaffen unter dem Aspekt analysiert werden, dass er noch in der Zeit der Monarchie aufgewachsen ist und den Verlust alter Adelsprivilegien als schmerzhaft empfunden hat. Aber seine Ansichten sind dennoch interessant genug, um sich zu fragen, ob sie zutreffend sein könnten.

Er meinte jedenfalls, dass Freiheit und Gleichheit einander entgegen gesetzte Pole seien. Man könne in einer egalitären Gesellschaft nicht frei sein, und eine freie Gesellschaft bedeute automatisch, dass die Menschen ungleich seien. Er persönlich zog natürlich die Freiheit vor und sah vor allem die Monarchie als einen Garant derselben.

Dem stehe ich etwas skeptisch gegenüber, denn in der Monarchie ist ja der Platz jedes Individuums in der Gesellschaft fix vorgegeben; nur in absoluten Ausnahmefällen kann daran etwas geändert werden, beispielsweise indem man für besondere Verdienste in den Adelsstand erhoben wird. Ob die Monarchie wirklich der Weisheit letzter Schluss sei, bezweifle ich daher. Zudem wirkt sich eine hierarchische Ordnung, wie sie in der Monarchie gegeben ist, in meinen Augen auch auf das Aufkommen von Parallelgesellschaften ungünstig aus; gerade die Existenz solcher Parallelgesellschaften (und Subkulturen) erachte ich jedoch als sehr reizvoll.

Jedenfalls wurde Kuehnelt-Leddihns Werk in paläokonservativen Kreisen der USA rezipiert. Auch Hans-Hermann Hoppe, einer der bedeutendsten zeitgenössischen libertären Philosophen, argumentiert in eine ähnliche Richtung wie Kuehnelt-Leddihn; sicher wurde Hoppe von Kuehnelt-Leddihns Werk inspiriert.

Ich werde, wenn ich Zeit und Lust habe, sicherlich in der nächsten Zeit versuchen, einige Originalwerke von Kuehnelt-Leddihn aufzutreiben und zu lesen.

Der letzte liberale Edelmann

Ich habe Jörg Guido Hülsmanns umfangreiche Mises-Biografie "The Last Knight of Liberalism" kurz angelesen, vor allem um festzustellen, welche Gemeinsamkeiten es zwischen Mises' Leben und meinem eigenen bisherigen Werdegang gibt. Dabei habe ich doch Einiges gefunden, das uns verbindet. Hier einige Zitate und Anmerkungen.

Mises wurde 1881 geboren, also ungefähr 100 Jahre vor mir. Er besuchte das Gymnasium in Wien, was ich, hundert Jahre nach ihm, ebenfalls getan habe.

Hülsmann behauptet, die heutigen Schulen wären mit den Schulen zu Mises' Zeiten nicht vergleichbar. Damals seien die Anforderungen höher gewesen, und die an Gymnasien unterrichtenden Personen seien eher mit Universitätsprofessoren als mit den heutigen Lehrern vergleichbar gewesen. Wenn ich mir aber durchlese, was Hülsmann über die Schulzeit Mises' schreibt, dann muss ich sagen, dass mich vieles an meine eigene Schulzeit erinnert. Zitat Seite 33: "While at the Akademischen Gymnasium, Mises read Caesar, Livy, Ovid, Sallust, Cicero, Virgil, and Tacitus in Latin." All diese Schriftsteller habe auch ich an meiner Schule in Latein gelesen! Und auch wir haben unsere Lehrer als "Herr (bzw. Frau) Professor" angesprochen! Viele unserer Lehrer hatten auch einen Doktortitel, waren also gleichermaßen hoch qualifiziert wie Universitätslehrer! So gesehen, trifft Hülsmanns Bemerkung darüber, dass die Schulen heute nicht mehr so gut wären wie damals, auf meine eigene Schullaufbahn nicht zu. Ich habe noch eine Schule wie zu Mises' Zeiten besucht. Nur Griechisch habe ich nicht gehabt.

Auf Seite 38 heißt es dann: "Then as now, young students endured school as a routine. It was not where they found their interests or passions. But while students today might look forward to sports or movies after school, their Viennese counterparts at the end of the nineteenth century looked forward to reading and writing what was not taught in school—in other words, to their real educations. In school, a fourteen-year-old would read the Latin and Greek classics; he stuffed his brain with the minutiae of German and European history, and he did so without enthusiasm. But after school he would devour modern writings on science and the arts. Why did these Viennese boys have such a different notion of having a good time from virtually all other generations at virtually all other places? The answer is, in brief: traditionalist Jewish culture let loose in a secular environment. The true passion of these young men, who came from families that just a generation before had left the rural rabbinical order, was intellectual adventure in the secular realm—a pursuit unavailable to their ancestors. They threw themselves into literature, theater, opera, whatever aroused their curiosity. Raised to value religious scholarship, they found in Vienna the intellectual delights of the secular world."

Das, und nur das, ist der große Unterschied zu meiner eigenen Schulzeit. Unsere Schule war zwar gut, vergleichbar mit den Schulen zu Mises' Zeiten, aber die Schüler waren eben nicht so intellektuell veranlagt wie die hier beschriebenen jüdischen Kinder des 19. Jahrhunderts. Dazu habe ich mich in diesem Blog schon mehrere Male geäußert.

Die Bemerkung auf Seite 97, "On November 1, Nicolas’s October Manifesto was read in the Austrian parliament and the social democrats began singing the Marseillaise", hat mich daran erinnert, dass ich auf unserer Romreise in der 6. Klasse des Gymnasiums einmal ebenfalls (einfach zum Vergnügen) begonnen habe, die Marseillaise zu singen. Mein Lateinlehrer daraufhin zu mir: "So, du bist also ein Republikanerschwein?" Er war Monarchist und damit Anhänger einer politischen Richtung, die ich bereits für ausgestorben hielt.

Über die damaligen Möglichkeiten, eine Hochschulkarriere zu machen, heißt es schließlich auf Seite 177: "In those days, such an enterprise [Habilitation] required unusual private financial means or unusual energy. There were no university positions for these young scholars to earn a living while they pursued a long-term research project. They were private scholars with only loose university affiliations; they could hope for academic employment only after the successful completion of a Habilitation thesis. Meanwhile they had to survive a prolonged period of professional and material insecurity. If they could not rely on their family, or did not wish to do so, they had to earn their living in some other occupation while pursuing scholarship at night. This was science the hard way, and it was Mises’s way from March 1906 until December 1911, when he finally sent his completed manuscript to the publisher."

Heutzutage ist das auch nicht wesentlich anders. Anstellungen als Universitätsassistent sind auf kurze Zeiträume limitiert, so dass nicht einmal gesichert ist, dass man solange angestellt bleibt, bis man seine Dissertation fertig hat. Nur sehr wenige können ihren Traum erfüllen, Professoren zu werden. Die meisten Hoch- und Höchstbegabten müssen (leider oder zum Glück?) andere Wege finden, ihre Fähigkeiten und Neigungen beruflich zu verwerten.

Samstag, 29. Juni 2013

Guten Tag und Grüß Gott

Früher glaubte ich, "Guten Tag" und "Grüß Gott" würden das gleiche bedeuten und es wäre egal, welchen Gruß man verwendet. Durch den Artikel über die österreichische Gesellschaft, der vor kurzem in der FAZ veröffentlicht wurde, wurde ich nun eines Besseren belehrt.

Hier in diesem Zusammenhang zwei interessante Begegnungen, die ich kürzlich gemacht habe.

In einer Arztpraxis:
Rezeptionistin: Grüß Gott!
Ich: Guten Tag!
Rezeptionistin: Grüß Gott!

Beim Institut für Wertewirtschaft:
Rezeptionist: Grüß Gott!
Ich: Guten Tag!
Rezeptionist: Guten Tag!

Ich glaube, das sagt alles... Die Arztpraxis liegt in einem Nobelviertel Wiens, und die Leute dort sind nicht ohne Grund sehr konservativ eingestellt. Das Institut für Wertewirtschaft ist hingegen liberal, sie nehmen es nicht so eng. Allerdings grüßen sie vermutlich defaultmäßig mit "Grüß Gott", weil die meisten Kunden als wirtschaftsliberal orientierte Menschen eher der christdemokratischen Partei als der SPÖ nahe stehen.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Wenn ich Professor wäre...

Wie schon öfter gesagt, wäre mein absoluter Traumberuf Universitätsprofessor. Dazu braucht man aber mehr als ein Doktorat; vor allem müsste ich ein Institut finden, das mich als wissenschaftlichen Mitarbeiter akzeptiert, damit ich mich nach Jahren harter Arbeit endlich habilitieren kann.

Meine Lieblingsfächer im Medizinstudium waren jedenfalls Biochemie und Genetik, und wenn ich Professor wäre, dann wäre ich es am liebsten für diese Fächer.

Ich habe mir überlegt, wie ich prüfen würde (das würde mich genauso reizen, wie Vorlesungen zu halten), und habe mir Folgendes gedacht:

Ich würde mündlich prüfen und fünf Fragen stellen, eine zu jedem der folgenden Themengebiete:
1. Stoffwechselzyklen
2. Zellbiologische Grundlagen
3. Molekulargenetik
4. Populationsgenetik / Erbgänge
5. Humangenetik / Erbkrankheiten

Hier eine kleine Fragensammlung:

1. Stoffwechselzyklen
- Zitratzyklus
- Harnstoffzyklus
- Glykolyse / Glukoneogenese
- Pentosephosphatweg
- Atmungskette
- Lipolyse / Lipogenese (Beta-Oxidation)
- Porphyrin-Biosynthese

2. Zellbiologische Grundlagen
- Aufzählung der Organellen
- Zellkern
- Mitochondrien
- Lysosomen
- Endoplasmatisches Retikulum
- Golgi-Apparat
- Zellmembran
- Natrium-Kalium-ATPase

3. Molekulargenetik
- Replikation
- Transkription
- Translation
- Posttranslationale Modifikation
- Spleißen
- Der genetische Code
- RNA-Interferenz

4. Populationsgenetik / Erbgänge
- Hardy-Weinberg-Gesetz
- Gegeben ist ein Stammbaum, gesucht der Erbgang

5. Humangenetik / Erbkrankheiten
- Chromosomenaberrationen allgemein
- Down-Syndrom
- Edwards-Syndrom
- Pätau-Syndrom
- Klinefelter-Syndrom
- Turner-Syndrom
- Triplo-X-Syndrom
- Fragiles-X-Syndrom
- Cri-du-Chat-Syndrom
- Phenylketonurie
- Ahornsirupkrankheit
- Hämophilie
- Rot-Grün-Blindheit
- Tay-Sachs-Syndrom
- Williams-Beuren-Syndrom
- Zystische Fibrose
- Gentherapie

Wer möchte von mir geprüft werden? :)

Ein letztes Mal: IQ-Tests

Da ich nun Diplom-Ingenieur und Doktor der Medizin bin, habe ich keinen Bedarf mehr, Intelligenztests zu machen, um mich selbst zu bestätigen. Ich habe zwei anspruchsvolle Studien abgeschlossen, das ist schon Bestätigung genug. Aber nun ein letztes Posting über meine kognitive Begabung.

Ich habe jetzt eine Liste der wichtigsten Tests erstellt, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe. Die meisten sind Online-Tests gewesen. Ich werde noch kurz auf jeden einzelnen Test eingehen. Hier sind jedenfalls meine Resultate:

* 3SmartCubes: 156
* C-09: 142
* CCAT: 142
* CFIT: 142
* ENNDT: 172
* Gigi Pro: 144
* GIQ2: 143
* iq-test.cc: 149
* IQ Test Labs (intelligencetest.com): 154
* IQTestClub.com: 154
* Lux25: 152
* Mathema: 155
* MCST40: 144
* NIT Form I: 153
* Numerus Basic: 152
* SLSE I: 140
* Tensa Admission Test: 152
* World Intelligence Test: 157

Das arithmetische Mittel beträgt (wenn man vom höchsten und vom niedrigsten Wert als "Ausreißern" absieht) ca. 150. Es scheint sehr wahrscheinlich zu sein, dass mein tatsächlicher IQ bei ungefähr 150 liegen dürfte. Was bedeutet das?

Diese ganzen Tests messen in erster Linie Mustererkennung und folgerichtiges Denken. Das sind zwei verschiedene Dinge. Bei der einen Sache geht es darum, Gesetzmäßigkeiten, etwa in Bildern oder in Zahlenreihen, zu erkennen. Das andere hat mehr mit der Präzision des Denkens zu tun. Mein eigener Logiktest, den ich auf meiner Homepage veröffentlicht habe, überprüft nur die zweite Komponente. Aber die meisten Intelligenztests legen auch auf die Mustererkennung wert. Tatsächlich kenne ich einen Informatiker, der sehr gut im folgerichtigen Denken ist, mindestens so gut wie ich, aber beim Erkennen von Mustern nicht ganz so gut ist und deswegen in Intelligenztests insgesamt schlechter abschneidet. Im Studium hat er auf einige Prüfungen, darunter Theoretische Informatik 1, eine um einen Grad bessere Note als ich bekommen (ich habe auf die genannte Prüfung einen Zweier bekommen). Dafür hat er sich halt beim Lösen der Übungsbeispiele für Mathematik und verwandte Fächer etwas schwerer getan.

Mit einem IQ von 150 ist man einerseits recht gut im folgerichtigen Denken, man macht selten Denkfehler, aber andererseits erkennt man auch Zusammenhänge, die für andere nicht erkennbar sind. Dabei ist aber zu sagen, dass im echten Leben nicht jeder vermutete Zusammenhang auch tatsächlich bestehen muss, die Beobachtung kann auch auf Zufall passieren. Für "normale" Menschen mögen manche Zusammenhänge, die der Hochintelligente sieht, auch unsinnig erscheinen und der Hochintelligente als "Spinner" verkannt werden.

Der Test, in dem ich das beste Ergebnis hatte, war der ENNDT von Marco Ripà. Dabei handelte es sich um einen neuartigen, experimentellen Test. Jeder bekam ca. 30 vom Computer generierte Aufgaben. Diese waren nach einem bestimmten Muster zu lösen. Worum es ging, wurde in einem beiliegenden wissenschaftlichen Paper erklärt, das man sich vor der Test-Sitzung durchlesen konnte. Dies habe ich auch getan und den Inhalt verstanden. Viele der Test-Teilnehmer haben das Paper offenbar nicht verstanden; deswegen haben die allermeisten von ihnen nicht einmal ein einziges Beispiel lösen können. Ich konnte innerhalb des Zeitlimits immerhin zehn Aufgaben lösen, und alle meine Lösungen waren richtig. Deswegen schätzte Marco Ripà meinen IQ auf 172, denn viele der Probanden, die versagt hatten, hatten laut anderen Tests einen IQ von wenigstens 145.

Dieser Wert ist aber insgesamt gesehen ein Ausreißer. Von den übrigen Ergebnissen waren neun über 150 und acht zwischen 140 und 150. Den niedrigsten Wert erzielte ich im SLSE I, einem Test, in dem es um (sehr komplizierte) Zahlenreihen ging. Viele meiner Lösungen waren als falsch gewertet worden. Dazu ist zu sagen, dass alle Lösungen durchaus sinnvoll waren, sie stellten eine Möglichkeit dar, wie die Zahlenreihen fortgesetzt werden konnten. Doch offenbar entsprachen sie nicht exakt jenen Fortsetzungen, an die der Autor gedacht hatte. Ohnehin sind Zahlenreihen aber etwas dubios, weil es oft viele mögliche Lösungen gäbe und nur eine oder einige wenige als richtig gewertet werden.

Der CFIT war der einzige Test, den ich bei einem niedergelassenen Psychologen gemacht habe. Das Ergebnis, 142 (Hinweis: alle in diesem Artikel genannten Werte beziehen sich auf dieselbe Skala, mit einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15), zählt zu den niedrigeren Werten, die ich im Lauf der Jahre erzielt habe, aber es ist eigentlich nicht schlecht. Der CFIT ist ein Speed-Test, bei dem es also vor allem darauf ankommt, wie schnell man in der Lage ist, die Aufgaben zu lösen. Sämtliche Aufgaben sind grafischer Natur.

144 hatte ich im MCST40, einem Multiple-Choice-Test von Paul Laurent Miranda, in dem es um Erkennung grafischer Muster ging, 142 im ähnlich aufgebauten (und von einem Fachmann, dem Psychologen Xavier Jouve, erstellten) C-09. Im ähnlich gestrickten GIQ2 hatte ich fast das gleiche Ergebnis, nämlich 143. Der CCAT stammte auch von Xavier Jouve und bestand aus grafischen und verbalen Aufgaben; in beiden Teiltests erreichte ich einen IQ von 142.

Der Gigi Pro ist ein Test im Internet, der offiziell als Eingangstest von der International High IQ Society genutzt wird und ebenfalls seinen Schwerpunkt in der Mustererkennung hat. Das Ergebnis, 144, im Vergleich mit den anderen Werten nicht herausragend, aber respektabel.

Den Test auf iq-test.cc habe ich erst gestern gemacht. Mit 149 habe ich in diesem Test schon eine recht schöne Zahl erzielt. Die meisten Aufgaben (sie alle befassten sich mit der Erkennung grafischer Muster) fand ich recht einfach, aber bei einer oder zweien fand ich keine zufriedenstellende Lösung und musste raten.

In gleich drei Tests erreichte ich einen IQ von 152, nämlich Lux25, Numerus Basic und Tensa Admission Test. Die meisten dieser Tests enthielten eine Mischung verschiedener Aufgaben, nur Numerus Basic beschränkte sich auf Zahlenreihen. Wenn man sich das bis jetzt Gesagte nochmals durchliest, wird man feststellen, dass ich offenbar vor allem in den Tests mit dem Schwerpunkt Mustererkennung "nur" Werte zwischen 140 und 150 erreicht habe, während ich in den Tests mit einem breiteren Aufgabenspektrum besser abschnitt. Sowohl die Tests von IQ Test Labs als auch IQTestClub.com, in denen ich 154 hatte, enthielten verschiedenartige Aufgaben, ebenso NIT Form I (153), Mathema (155), 3SmartCubes (156) und der World Intelligence Test (157).

Es scheint also, dass meine Fähigkeit, Muster zu erkennen, zwar durchaus gut ausgeprägt ist, ich aber in abwechslungsreicheren Tests, die verschiedenartige Aufgaben enthalten, noch besser abschneide. Das mag damit zusammenhängen, dass manche Menschen in bestimmten Dingen gut und in anderen schlecht sind. In Tests mit gemischten Aufgaben finden sie also sowohl Aufgaben vor, die ihnen liegen, als auch solche, die für sie zu schwierig sind. Ich hingegen tue mir offenbar bei allen Aufgabenarten, die in IQ-Tests vorkommen, relativ leicht; so erklären sich meiner Meinung nach meine noch höheren IQ-Werte bei Tests mit gemischten Aufgaben im Vergleich zu den reinen, grafischen oder numerischen Mustererkennungs-Tests.

Tatsächlich bin ich aber bei einer Sache, die manchmal in IQ-Tests vorkommt, recht schwach, nämlich bei Anagrammen. Anagramme liegen mir nicht sonderlich. Auch bei reinen Merkfähigkeitstests bin ich nicht immer gut.

Und, was bringt's? Im Studium habe ich für meinen IQ nichts geschenkt bekommen; die Prüfungen musste ich genauso machen wie jeder andere. Nur im Informatikstudium werde ich mir bei einigen Dingen wahrscheinlich leichter getan haben als andere Studierende; es könnte aber auch sein, dass für einige Prüfungen im Informatikstudium ein überdurchschnittlicher Intelligenzgrad Voraussetzung war, um überhaupt durchzukommen. Im Medizinstudium kam es jedenfalls eher auf eine gute Merkfähigkeit, Interesse, Ausdauer und Disziplin an; in diesem Studium plagte ich mich sehr und musste hart arbeiten, monatelang Tag und Nacht lernen, um durch einige der Prüfungen durchzukommen. Da hat die kognitive Begabung nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

In der Praxis geht man ja davon aus, dass man vor allem für die Forschung sehr viel an kognitiver Begabung benötige. Es sieht derzeit aber nicht so aus, als ob ich Forscher würde, aus Gründen, die ich in anderen Artikeln in diesem Blog erklärt habe - hierzulande hat man es als Nichtmitglied einer katholischen Studentenverbindung sehr schwer, einen guten Posten an einer Hochschule zu bekommen. Nicht auf die kognitive Begabung, sondern auf das Parteibuch kommt es an, und diese "Qualifikation" kann ich leider nicht erfüllen.

Es wird sich also noch zeigen, ob ich "etwas aus meiner Begabung machen" werde, wie man umgangssprachlich sagt. Sicher, irgendetwas werde ich schon machen (und habe ich ja auch schon gemacht, man denke nur an meine Zeitschriften und Computerprogramme), nur wird es wahrscheinlich nicht das sein, woran man so im Allgemeinen denkt, wenn von "hoher Intelligenz" die Rede ist.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Loyalität und Brillanz

Vorhin war ich beim Institut für Wertewirtschaft, um mir ein Büchlein abzuholen, das mich interessierte. Dort betreute mich ein junger Mann, Doktorand der Wirtschaftswissenschaften, der offenbar am Institut eine Art Praktikum absolvierte und für verschiedene Routinetätigkeiten, wie eben die Interessentenbetreuung und den Verkauf der Büchlein, zuständig war. Da dachte ich mir: Als Doktorand mit Schwerpunkt "Austrian Economics" (die Schule um Mises, Hayek und Co.) hat man es eigentlich schwer, nach dem Studium einen adäquaten Posten zu finden. Das Institut für Wertewirtschaft ist eines der wenigen mir bekannten Institute hier in Österreich, zu dem seine Ausbildung gut passen würde.

In diesem Zusammenhang gingen mir daraufhin folgende Dinge durch den Kopf: Zunächst einmal sei gesagt, dass ich hier vom konkreten Fall abstrahiere. Ich kenne den Mann nicht so gut, dass ich eine Aussage über seine Begabungen machen könnte. Ich weiß nur, dass der Gründer des Instituts für Wertewirtschaft, Dipl.-Ing. Rahim Taghizadegan, den ich schon aus früheren Zeiten kenne, als er noch eine Website über die Weltanschauung des Liberalismus betrieb, ein Mann von überragender intellektueller Brillanz ist, zumindest verglichen mit den meisten Zeitgenossen, denen ich bisher begegnet sind, einschließlich Mitgliedern des österreichischen Hochintelligenzvereins.

Angenommen, ein durchschnittlich intelligenter, aber fleißiger, loyaler und zuverlässiger Mitarbeiter arbeitet sich an so einem Institut hoch und erklimmt im Laufe der Jahre die Karriereleiter. Irgendwann wird er, vor allem mangels Alternativen (im zweifachen Sinn: es gibt zu wenige alternative Arbeitgeber, aber wahrscheinlich auch zu wenige alternative Kandidaten), für die Nachfolge des Institutsvorstands in Betracht gezogen werden. Was ist nun, wenn auf einmal ein intellektuell äußerst brillanter Mensch auftaucht, der sich zwar noch nicht allzu sehr durch Leistungen verdient gemacht hat, aber in seiner Brillanz dem Institutsgründer in nichts nachsteht? Wer würde in diesem Fall das Rennen um die Nachfolge machen?

Menschlich konsequenter wäre es wohl, die Loyalität des Mitarbeiters zu belohnen. Doch darunter würde wahrscheinlich der wissenschaftliche Output des Instituts leiden, es wäre nicht mehr dasselbe wie früher. Dennoch nehme ich an, dass in der Praxis Loyalität meist mehr zählt als Brillanz. Und das erklärt zum Teil, warum Hochbegabte es oft schwer haben, Karriere zu machen - oder zumindest nicht leichter als durchschnittlich Begabte.

Konklusion: Hochbegabte müssen lernen, loyal zu sein. Loyalität, Zuverlässigkeit, Fleiß - diese Eigenschaften muss auch ein Hochbegabter haben, wenn er Chancen auf einen Posten haben will, in denen er seine Fähigkeiten verwirklichen könnte.

Dienstag, 25. Juni 2013

Die Naivität der "Wunderkinder"

Zumindest in den Medien wird es als erstrebens- beziehungsweise bewundernswert dargestellt, seine Ausbildung schnell abzuschließen und schon in sehr jungen Jahren als Akademiker arbeiten zu gehen. Deswegen erregen von den zahlreichen Hochbegabten, die es gibt, vor allem "Wunderkinder" wie Marian Kogler besondere Aufmerksamkeit. Marian hat die Matura mit 15 gemacht, mit 16 war er (da er schon während der Schulzeit mit dem Studium angefangen hatte) Bachelor und mit 17 Diplom-Ingenieur, der jüngste Österreichs. Aber als er danach an der TU Wien sein Doktoratsstudium betrieb, wurde er nach kurzer Zeit von den Professoren hinausgeekelt; jetzt ist er in (Ost-)Deutschland. Manche Leute werden vielleicht den Wiener Professoren Vorwürfe machen: Wie kann man denn ein solches Wunderkind nicht in seiner Arbeitsgruppe haben wollen? Wer Marian aber kennt, kann das durchaus nachvollziehen. Und ich nehme an, er steht nur exemplarisch für viele "Wunderkinder" dieser Art.

Es genügt eben nicht, nur Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, sondern man muss auch menschlich reifen. Und das ist ein Prozess, der vieler Zeit bedarf.

Gründe für Antisemitismus

Früher habe ich nie verstanden, warum manche Leute antisemitisch eingestellt sind, wo doch Juden bekanntlich so viel für die Menschheit geleistet haben, von der Relativitätstheorie bis zur Anti-Baby-Pille. Wenn ich nach den Gründen gefragt habe, habe ich keine befriedigenden Antworten erhalten. Das mag daran liegen, dass manche Leute zwar solche Einstellungen haben, es aber nicht offen zugeben würden.

Inzwischen verfüge ich aber schon über so viel Wissen, dass ich mir auf manche Dinge einen Reim machen kann.

Grundsätzlich glaube ich, dass es in der Natur religiöser Menschen liegt, Anhängern anderer Religionen misstrauisch gegenüber zu stehen. Das wird ursprünglich sicher eine Rolle gespielt haben. Es galt früher das Prinzip "cuius regio, eius religio" - die Untertanen mussten also die Religion des Feudalherren annehmen. Nur die Juden taten es nicht. Es wurde versucht, sie zum Übertritt zu bewegen, indem ihnen der Zugang zu allen möglichen Berufen verwehrt wurde. Doch dann kam man darauf, dass die Juden sogar nützlich sein könnten: denn Christen war es verboten, Zinsen einzutreiben. Somit konnten sich Juden als Geldverleiher nützlich machen.

Durch diese Beschränkung auf den Beruf des Geldverleihers, der eher intellektueller Natur war und vermutlich eine für damalige Verhältnisse überdurchschnittliche kognitive Begabung erforderte, begab es sich, dass nur solche Juden ihr Dasein fristen konnten, die über einen entsprechend hohen Intelligenzgrad verfügten. So kam es innerhalb der jüdischen Population zu einem Selektionsdruck, der dazu führte, dass bald die meisten der überlebenden Juden im Vergleich zu vielen ihrer christlichen Mitbürger relativ intelligent waren.

Als dann durch den Liberalismus im 19. Jahrhundert die Juden in den meisten Aspekten des Lebens den Christen gleichgestellt wurden, führte die auf diese Weise entwickelte intellektuelle Begabung und die im Judentum traditionell stark positive Einstellung zur Bildung bei den Juden dazu, dass sie überdurchschnittlich häufig ein Universitätsstudium abschlossen und in akademischen Berufen stark überproportional vertreten waren. Dadurch nahmen sie in der Gesellschaft nun Schlüsselpositionen ein, wie etwa die des Arztes oder des Juristen.

Das führte zum Neid der früheren christlichen Eliten, die Angst um ihre Futtertröge hatten. So entstand wahrscheinlich der moderne Antisemitismus. Die gebildeten Christen verfassten antisemitische Schriften und Flugblätter, und diese wurden von vielen Leuten gelesen, darunter auch von Hitler. Dieser machte dann den Antisemitismus zum Kern seiner Politik, was während des Zweiten Weltkriegs im Völkermord an den Juden gipfelte.

Wenn man sich die heutigen Verhältnisse hier in Österreich ansieht, dann fühlt man sich jedenfalls in die Zeit vor dem 19. Jahrhundert zurückversetzt. An den Universitäten stellt die christliche (vor allem katholische) Elite die meisten Professoren. Nicht an jeder Fakultät - die Informatik zum Beispiel ist wahrscheinlich weltanschaulich offener als etwa die Medizin -, aber an vielen. Das Wissenschaftsministerium ist seit Jahrzehnten in Hand der katholisch-konservativen Partei, und diese besetzt zu vergebende Posten eben meistens mit Parteigängern. Viele Professoren sind auch in katholischen Studentenverbindungen sozialisiert worden. Als Nicht-Christ, etwa als Atheist, hat man es, außer an einigen "fortschrittlichen" Fakultäten, im heutigen Österreich sehr schwer, eine Hochschulkarriere zu machen.

Montag, 24. Juni 2013

Klassische und "moderne" Informatik

Als ich mich vor einigen Jahren bei einem medizinischen Forschungsinstitut beworben habe, wurde ich von zwei Abteilungsleitern unabhängig voneinander gefragt, was mich im Informatikstudium am meisten interessiert hätte. Ich antwortete: Algorithmen. Der eine sagte daraufhin nichts, der andere: "What? But that's what computer science was like 50 years ago!"

Wahrscheinlich hatte er eher Dinge wie Data Mining oder Machine Learning erwartet, weil diese dem, was am Institut gebraucht wird, näherkommen. Tatsächlich sind Data Mining und Machine Learning ja relativ moderne Dinge, weil sie sehr arbeitsspeicher- und rechenzeitintensiv sind und deswegen erst seit einigen Jahren wirklich in der Praxis angewendet werden können. Aber ich vermisse dabei die Eleganz, die die Genialität des Programmierers auszeichnet. Data Mining und Machine Learning sind eher "brute force", also Holzhammermethode. Deswegen reizten mich diese Subdisziplinen der Informatik, die ich selbstverständlich auch in meinem Studium kennen gelernt habe, weniger.

Mir ist aber klar, dass gewisse Dinge eben in der Praxis gebraucht werden und es nur von Vorteil sein kann, darüber gute Kenntnisse zu haben. Nur: Meiner Erfahrung nach eignet man sich halt das am besten an, was einen persönlich (intrinsisch) interessiert und nicht nur deswegen, weil es von einem Arbeitgeber erwartet werden könnte.

Sonntag, 23. Juni 2013

Worum es im Leben (vielleicht) geht

In Anlehnung an darwinistische Theorien habe ich mich manchmal gefragt, ob das Leben nicht eine Art riesiges Spiel sein könnte, an dessen Ende ein einziges Lebewesen als Sieger stehen könnte.

Nach der Theorie des "selfish gene" sind ja Lebewesen, einschließlich Menschen, nur Träger von Erbanlagen, und der Sinn der Existenz als Individuum ist es dafür zu sorgen, dass diese Erbanlagen erhalten und weitergegeben werden.

Vieles im Leben hat damit zu tun, dass Lebewesen entweder Sexualpartner bekommen wollen, um ihre Erbanlagen weiterzugeben, oder anderen Lebewesen das Leben schwer machen wollen, um zu verhindern, dass deren Erbanlagen weiterhin im Genpool bestehen bleiben. Diese Mechanismen lassen sich auf allen Ebenen beobachten, nicht nur im Tierreich, sondern auch im menschlichen Alltag. Menschen betrachten einander nach dem Nützlichkeitsprinzip, ist jemand einem nützlich, wird er zunächst toleriert. Wird er aber als überflüssig oder gar als Bedrohung wahrgenommen, versucht man, ihn loszuwerden. Das geschieht häufig auf recht subtile Weise, immerhin sind Mord und Totschlag ja strafbar. Aber im Prinzip ist es das gleiche.

Wenn man als Informatiker davon absieht, dass ja die Evolutionären Algorithmen von der Natur inspiriert worden sind, dann könnte man es auch umgekehrt sehen: Das Leben erinnert an einen Evolutionären Algorithmus. Am Ende bleibt nur einer übrig. Allianzen, wie Staaten, sind nur temporär. Zweckbündnisse, um sich vor noch größeren Bedrohungen zu schützen.

Der Konkurrenzkampf scheint mir jedenfalls der menschlichen Natur inhärent zu sein. Ein Grund mehr, Misanthrop zu sein.

Feudale Strukturen

Auf der ganzen Welt lassen sich meines Erachtens feudale Strukturen beobachten. Es gibt lokale, regionale, nationale und supranationale Eliten, die viel besitzen und das ihnen untergeordnete Volk bei Laune halten, indem sie seine Loyalität durch gelegentliche Geschenke belohnen. Ich glaube, in dieser Beziehung gibt es keinen grundlegenden Unterschied zwischen einer traditionellen Monarchie, einem sozialistischen und einem liberalen/kapitalistischen System.

Freitag, 21. Juni 2013

Wirtschaft und Leistung

Allen Leistungsfanatikern ("Im ganzen Leben geht es nur um Leistung") sei ins Stammbuch geschrieben:

Laut Wikipedia erwirtschaften etwa 30% der österreichischen Bevölkerung etwa 70% des Bruttoinlandsprodukts.

Man überlege sich, was das bedeutet!

Wenn das wirklich bedeuten sollte, dass selbst in dem Fall, wenn 70% der Bevölkerung überhaupt nicht arbeiten gingen, Österreich dennoch wirtschaftlich gut dastünde, dann stellt sich die Frage, welchen Sinn es hat, in überschwänglichen Brandreden ständig nur "Leistung" einzufordern; denn offenbar geht es der Wirtschaft auch gut, wenn nur ein relativ geringer Teil der Bevölkerung arbeiten geht. Vielleicht habe ich die Daten aber auch nur falsch interpretiert.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Der Hochintelligenzverein vor meiner Zeit

Da ich nun viele Ausgaben der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins gelesen habe, die um das Jahr 1990 herum und danach erschienen sind, weiß ich einiges über den Verein vor meiner eigenen Zeit (ich bin im Frühling 2002 beigetreten).

Anno 1990 hatte der österreichische Hochintelligenzverein nur ca. 160 Mitglieder. Jetzt sind es an die 600. Die meisten der aktuellen Mitglieder sind nach dem Jahr 2000 beigetreten. Das wird vorwiegend auf die Internetpräsenz des Vereins zurückgeführt, die um das Jahr 2000 herum online ging.

Das hat mich daran denken lassen, dass eigentlich vor dem Internetzeitalter der österreichische Hochintelligenzverein ein ziemlich obskurer Verein gewesen sein musste. Wer wusste denn schon, dass es so einen Verein gab, und wer wusste, wen man kontaktieren musste, um Mitglied zu werden? Eventuell gab es einen Eintrag im Telefonbuch und ab und zu Werbeeinschaltungen in diversen Zeitschriften (ich weiß allerdings weder das eine noch das andere mit Sicherheit). Ansonsten wird es wohl eher so gewesen sein, dass man selbst Mitglied geworden ist, weil man mit jemandem, der bereits Mitglied war, persönlich bekannt war. Ich weiß auch, dass der Gründer des österreichischen Hochintelligenzvereins, der Psychologe Dr. Georg Fischhof, bei vielen seiner Klienten Intelligenztestungen durchgeführt und für den Verein geeignete Personen auf ihr Interesse an einer Mitgliedschaft angesprochen hat.

Ich selbst habe von diesem Verein durch ein amerikanisches Buch erfahren. Ich vermute, dass es so um das Jahr 1997 gewesen sein wird, dass ich dieses Buch gelesen habe. Da ich mich selbst aber nicht für intelligent genug hielt, kam ich nicht auf die Idee, mich näher mit diesem Verein zu beschäftigen. Erst 2002, nachdem ich eine Anzeige vom bundesdeutschen Hochintelligenzverein in der Zeitschrift "Gehirn und Geist" gefunden hatte, beschloss ich aufgrund meiner Studienerfolge den Test zu wagen, um abzuklären, ob ich vielleicht doch überdurchschnittlich intelligent und nicht bloß besonders fleißig war.

Bei alten Ausgaben der Vereinszeitschrift fällt jedenfalls auf, dass die damalige Chefredakteurin (oder "Schriftleiterin", wie sie sich selbst nannte) betont konservative und ausländerkritische Positionen vertrat. Ich glaube, heute würden solche Meinungen in offiziellen Publikationen des Vereins nicht mehr toleriert werden. Insgesamt ist das Niveau der alten Ausgaben der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins nicht ganz so hoch wie etwa das von WIN ONE, der Publikation des World Intelligence Network. Aber ganz uninteressant ist es auch nicht, die alten Ausgaben zu lesen. Heute ist das Niveau insofern höher, als sich viele Artikel weniger mit allgemein-gesellschaftlichen Problemen beschäftigen, sondern es auch viele Beiträge zu naturwissenschaftlichen und teilweise auch technischen Themen gibt. Das mag wohl auch damit zusammenhängen, dass die Autoren dank dem Internet über bessere Fachkenntnisse verfügen.

Montag, 17. Juni 2013

Ein gut gemeinter Ratschlag

Lieber Markus Hengstschläger,

vor einigen Wochen habe ich dich wieder einmal im Fernsehen gesehen. Damals wurde gerade ein Bericht über die österreichische Forschungslandschaft gebracht, in dem dieser kein gutes Zeugnis ausgestellt wurde. Zerknirscht hast du diesen Bericht kommentiert und gemeint, man müsse das Schulsystem ändern.

Lieber Markus, es ginge auch einfacher. Du hast in deinem Buch "Die Durchschnittsfalle" geschrieben, dass du einen Studenten, wenn er zu dir käme und sagte, dass er einen Intelligenztest gemacht und ein außerordentlich gutes Ergebnis bekommen hätte, auslachen würdest, weil das deiner Meinung nach völlig belanglos wäre. Und da wunderst du dich noch, dass es um die Forschung in Österreich offenbar derart schlecht bestellt ist? Vielleicht solltest du deine Einstellung überdenken, denn es ist bekannt, dass keine bekannte messbare Größe mit dem Erfolg in allen Lebenslagen so stark positiv korreliert ist wie der Intelligenzquotient - wenn man denn die Leute lässt und nicht aus Konkurrenzangst von adäquaten Posten in der Forschung fernhält.

Herzliche Grüße,
CDV.

Dienstag, 11. Juni 2013

Wer ich bin

Vor einigen Jahren meinte ein Besucher meines Blogs, ich wüsste nicht, wer ich sei. Diese Bemerkung bezog sich auf eine kritische Äußerung von mir über den Ärztestand, und er meinte damit wahrscheinlich, dass es sich als Medizinstudent nicht gehöre, seinen eigenen Stand öffentlich zu kritisieren.

Aber ich fand diese Bemerkung generell interessant, weil ich mir nie sonderlich Gedanken über meine Position in der Gesellschaft gemacht hatte. Wie im vorigen Artikel geschrieben, identifizierten sich manche Mitschüler von mir mit den Berufen ihrer Eltern ("die Arzttochter" usw.). Das habe ich nie getan. Aber überlegen wir uns mal: Wer bin ich?

Ich bin zunächst einmal Wiener - in Wien wurde ich geboren, bin ich aufgewachsen, habe die Schule besucht und studiert. Diese Stadt ist also mein Lebensmittelpunkt.

Dann bin ich natürlich Computerfreak und, dazu passend, ab 25. Juni dieses Jahres offiziell Diplom-Ingenieur für Informatik.

Außerdem bin ich seit Mai dieses Jahres Doktor der Medizin.

Insgesamt könnte man also sagen, dass ich ein universitär gebildeter, erwachsener, männlicher Mitteleuropäer bin, relativ gut situiert, aber keine Parteibonze oder sonstwie in herausragender gesellschaftlicher Stellung befindlich.

Gute Kontakte habe ich innerhalb Österreichs fast nur zu Leuten aus dem liberalen/libertären Lager, vor allem zu solchen in meinem Alter oder etwas jüngeren, also zu einer gesellschaftlichen Randgruppe, die in bundesweiten Wahlen selten mehr als zwei Prozent der Stimmen erreicht. Ferner zu Mitgliedern des österreichischen Hochintelligenzvereins, wobei ich selbst innerhalb dieses Vereins wahrscheinlich über einen recht hohen Bekanntheitsgrad verfüge; auch diese Gruppe ist aber eine Randgruppe und die meisten Mitglieder trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer hohen kognitiven Begabung in gesellschaftlich keineswegs herausragenden Positionen.

Außerhalb Österreichs habe ich zum einen Kontakte durch meine Beschäftigung mit Computerkunst, zum anderen seit wenigen Jahren auch durch die Mitgliedschaft in mehreren internationalen Hochintelligenz-Vereinigungen, wo mein Name inzwischen ebenfalls recht bekannt sein dürfte.

Das wäre im Wesentlichen der Status quo! Eine andere Frage wäre natürlich: Wo will ich hin? Früher wollte ich Universitätsprofessor werden und am Ende eines arbeitsamen Berufslebens mit dem Nobelpreis belohnt werden; heute bin ich nicht mehr so festgelegt. Eine Professur wäre sicherlich nicht schlecht, aber es gäbe sicherlich auch andere Möglichkeiten, glücklich zu werden. Aber zumindest kann ich mich jetzt glücklich schätzen, einen Doktortitel zu haben - (nicht nur) in Österreich ist ein solcher Titel durchaus mit viel Prestige verbunden. Was ich damit anfangen werde, wird man sehen; ich weiß es selbst noch nicht!

Samstag, 8. Juni 2013

Über Wissenschaft

Heute habe ich einige Bereiche meiner Homepage zu einer Seite zusammengefasst, die ich "Science", also zu deutsch "Wissenschaft", genannt habe. Das ist ein guter Anlass, um über Wissenschaft selbst nachzudenken.

Wissenschaft ist das, was Wissen schafft. Der Zweck ist also, das Wissen zu vermehren. Da ich selbst aber der Meinung bin, dass man sich nie ganz sicher sein kann, ob das, was man zu wissen glaubt, den Tatsachen entspricht, relativiert sich das Ganze etwas. Wissenschaft beschreibt meiner Meinung nach nicht, wie etwas wirklich ist, sondern wie es zu sein scheint. In der Praxis mögen verschiedene Hypothesen immer wieder bestätigt werden, und es mag möglich sein, den Handlungsspielraum der Menschen durch neuartige technische Entwicklungen zu vergrößern, die auf wissenschaftlichen "Erkenntnissen" basieren. Aber ob das, was man als "Naturgesetze" bezeichnet, wirklich zu hundert Prozent korrekt ist und ob diese Gesetzmäßigkeiten wirklich immer und überall im Universum gelten, darüber kann man nur spekulieren.

Damit möchte ich nicht behaupten, dass etwa der Alternativmedizin der gleiche Rang beizumessen wäre wie der Schulmedizin. Aber man kann verschiedene religiöse und esoterische Lehren zum Teil durchaus als Hypothesen betrachten, die man wissenschaftlich untersuchen könnte. Was man genau als zulässige Hypothese ansieht und wann man eine Hypothese als ausreichend gesichert betrachtet, um die dem derzeit gültigen Wissenskanon hinzuzufügen, darüber streiten sich die Experten. Letztlich ist Wissenschaftstheorie in meinen Augen Vereinbarungssache und unterliegt selbst verschiedenen Strömungen und Schwankungen.

Ich selbst sehe mich als Gelehrten, der in bestimmten Wissensbereichen einigermaßen auf dem Stand der Wissenschaft ist, in einigen mehr, in einigen weniger. Ob ich vielleicht den Wissenskanon selbst einmal durch eigene Forschungstätigkeit bereichern werde, steht noch in den Sternen; aber wenn man einsieht, dass die Wissenschaft eben nicht unbedingt die Verkünderin absoluter Wahrheiten ist, dann wird man sich auch fragen, ob es wirklich so wichtig sei, der Wissenschaft neue Erkenntnisse beizufügen, und Zweifel über die Gültigkeit der Ansicht haben, dass es erstrebenswert sei, sein ganzes Leben dem wissenschaftlichen Fortschritt zu widmen.

Von der Interesselosigkeit der Jugend

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann ist es relativ klar, was mich damals am meisten gestört hat: die Interesselosigkeit meiner Mitschüler an fachlichen Dingen. Gut, ich möchte mich nicht als strahlende Ausnahmeerscheinung präsentieren, habe ich mich doch bis zum Ende der AHS-Unterstufe selbst fast nur für Computer interessiert. Erst danach entwickelte ich auch ein Interesse an Länderkunde, Weltgeschichte und Politik und im letzten Schuljahr schließlich an molekularer Biologie und Genetik. Aber bei einigen Mitschülern hatte ich den Eindruck, dass sie sich für gar nichts interessiert haben, außer fürs Kartenspielen, Fortgehen und Saufen. Es ging ihnen mehr um "Action" und intensive Erfahrungen als um Wissen und fachliche Kompetenz. Dass jemand etwas erleben möchte, kann man ihm nicht verübeln; das möchte wahrscheinlich jeder gerne. Aber wenn man überhaupt keine fachlichen Interessen hat, obwohl man eine Schule besucht, die auf ein Studium an einer Hochschule vorbereiten soll - wie soll es dann weitergehen? Eigentlich sollte man doch als Gymnasiast wenigstens irgendein Interesse haben, das sich später in Form eines Studiums und eines akademischen Berufs verwerten ließe.

Einige Mitschüler hatten freilich auch Interesse an Computern oder an Musik, aber ich hatte den Eindruck, dass sich niemand so intensiv mit diesen Dingen beschäftigte wie einige der jugendlichen Hobbyprogrammierer, die ich damals zu meinen Brieffreunden zählte.

Meiner Meinung nach ist starkes Interesse wichtiger als hohe kognitive Begabung. Ob beides miteinander zusammenhängt, kann ich nicht sagen. Tatsache ist, dass sich viele nicht natürlich zu Experten in bestimmten Gebieten entwickeln, sondern nur unter Zwang. Dabei sollte man meinen, dass sich für jedes Studium jemand finden ließe, den der darin vermittelte Stoff interessieren würde, und umgekehrt.

Im Übrigen: Wenn man gerade gute Schüler lobt und von ihnen annimmt, dass aus ihnen etwas Großartiges werden wird, dann fördert man dadurch gerade zwanghaftes Verhalten, denn um in der Schule gut zu sein, muss man ja auch Dinge lernen, die einen wenig oder gar nicht interessieren. So gesehen, sind die Musterschüler vor allem in dieser Hinsicht begabt, dass sie bereit sind, Dinge zu tun, die ihnen eigentlich keine Freude bereiten. Aber ob das eine gute beziehungsweise die entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass man eine großartige Leistung erbringen wird? Meiner Meinung nach wäre es wichtiger, die fachlich besonders Interessierten zu fördern, als Förderungswürdige aufgrund von Intelligenztests oder Notendurchschnitten auszuwählen.

Einsamkeit

Wenn man ein Leitmotiv meiner Jugend benennen sollte, dann mag wohl Einsamkeit ein heißer Kandidat dafür sein. Nicht absolute, sondern relative Einsamkeit, hatte ich doch immer meine Eltern und auch außerhalb der Familie gewisse, wenngleich nicht allzu intensive soziale Kontakte. Aber insgesamt war ich weniger in gesellschaftliche Strukturen eingebunden, als es mir lieb gewesen wäre. Der Mensch ist doch ein Gesellschaftswesen - er fühlt sich nur dann wirklich wohl, wenn er mit anderen Menschen interagieren und irgendwie zu dieser Gesellschaft beitragen kann.

Bei mir war es so, dass ich als Einzelkind aufwuchs und nur eine kurze Zeit lang den Kindergarten besuchte. In der Volksschule hatte ich mit vielen Mitschülern ein gemeinsames Interesse an Computer- und Videospielen. Das war ein guter Anlass, um sozial zu interagieren. Jede Woche, manchmal sogar zweimal pro Woche, kam ein Großteil meiner (männlichen) Mitschüler zu mir, um gemeinsam Spiele auszuprobieren. In dieser Zeit war ich recht glücklich.

Aber am Gymnasium hatte ich dann nicht mehr diese intensiven sozialen Kontakte. Mit meinen Mitschülern dort konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Sie hatten andere Interessen, in einigen Fällen hatte ich sogar den Eindruck, dass sie gar keine sonderlich ausgeprägten Interessen hätten (wie unlängst in diesem Blog ausgeführt). Dazu kam, dass sich manche mit den Berufen ihrer Eltern identifizierten und sich deswegen für besonders toll hielten. Als Sohn einer Volksschullehrerin und eines Ingenieurs hatte ich denen, die Kinder von Ärzten, Rechtsanwälten, Industriemanagern, Großunternehmern oder Universitätsprofessoren waren, nicht viel entgegenzusetzen. Anerkennung konnte ich einzig durch schulische Leistungen bekommen; in dieser Beziehung überragte ich freilich alle in meiner Klasse.

Hier begann also meine Einsamkeit. Die Schule wollte ich nicht wechseln, weil mir die Qualität des Unterrichts behagte und ich Sorgen trug, dass der Unterricht an anderen Schulen von geringerem Niveau wäre. Nicht umsonst galt ja das Gymnasium, das ich besuchte (das Goethe-Gymnasium in der Astgasse im 14. Wiener Gemeindebezirk, unweit der Grenze zum Nobelbezirk Hietzing), ja als eine Art Eliteschule (wenn auch nicht ganz so elitär wie etwa das Theresianum oder das Schottengymnasium). So musste ich eben in Kauf nehmen, dass ich all die Jahre zwar viel lernte, aber kaum Leute kennenlernte, mit denen ich mich gut verstand.

Nur allzu gern hätte ich gemeinsam mit anderen Schülern eigene Computerspiele entwickelt. Programmieren konnte ich schon in der gymnasialen Unterstufe recht gut. Ich hatte auch zahlreiche Ideen für Spiele und einige dieser Ideen in Form von Skizzen ausgearbeitet. Aber es gab in unserer Klasse niemanden, der wirklich gut zeichnen konnte, was für die Entwicklung von Computerspielen essenziell gewesen wäre. Einzig einen an Musik interessierten Schüler, der sich auch ein wenig in Komposition versuchte, hatten wir, aber von den Techniken zur Erzeugung von Musik auf dem Computer, die für die Entwicklung von Computerspielen relevant gewesen wären, hatte er zumindest damals noch keine Ahnung. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass den meisten meiner Klassenkameraden die Schule so schwer fiel, dass sie kaum Zeit fanden, sich über den in der Schule vermittelten Stoff hinaus weiterzubilden. Das wäre aber die Grundvoraussetzung gewesen, um gemeinsam an ernsthaften Projekten arbeiten zu können.

So kam es nur dazu, dass wir eine Schülerzeitung herausgaben. Dabei blieb aber die meiste Arbeit an mir hängen, die anderen Redakteure steuerten nur wenig bei und ließen sich oft bei anderen Artikeln, zu denen sie nichts beigetragen hatten, als Co-Autoren dazuschreiben. Ich war über diese mangelnde Ernsthaftigkeit meiner Kollegen unglücklich. Nach drei Ausgaben gab ich auf.

August 1995 fing dann meine Laufbahn in der Computer-Szene an. Ich korrespondierte ab damals fast nur mehr per Post und später per E-Mail und Internet Relay Chat mit Leuten aus Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen, zum Teil auch außereuropäischen Ländern. Meine Mitschüler spielten für meine Freizeitaktivitäten keine Rolle mehr. Alles erfolgte mehr oder weniger virtuell. Den meisten meiner damaligen Freunde und Mitarbeiter begegnete ich nie persönlich. Es ergab sich letzten Endes, dass ich wiederum eine Zeitschrift herausgab, aber diesmal eben nicht eine typische Schülerzeitung, sondern ein wesentlich umfangreicheres Magazin, das in elektronischer Form verbreitet wurde und auf der ganzen Welt Leser fand.

Moralisch wurde ich dabei vor allem von meinem Vater unterstützt. Er setzte sich oft neben mich, wenn ich an meiner Zeitschrift arbeitete oder mit Mitarbeitern kommunizierte. Auf den Inhalt der Zeitschrift hatte er kaum Einfluss, außer auf gelegentliche politische Artikel, die durch seine Initiative entstanden und meistens eher seine als meine eigene Meinung widerspiegelten. Politik war in meiner Zeitschrift aber immer nur ein Randthema, meistens ging es eben um Computer und digitale Kunst. Einen größeren Einfluss hatte mein Vater auf meine Kommunikation mit Mitarbeitern; er achtete stets darauf, dass ich nicht nur knapp und "buchhalterisch" schrieb, worum es ging, sondern immer auch einige persönliche Worte beifügte, weil er das für wichtig hielt, um die zwischenmenschliche Beziehung aufrecht zu erhalten. Insgesamt möchte ich sagen, dass es in meinen Augen gar nicht gut war, dass er gewisse Dinge "auszubügeln" versuchte, weil man doch mehr lernt, wenn man wirklich frei agieren kann und deswegen unter Umständen ab und zu auch auf die Nase fällt - wie Einstein sagte: Wer nie einen Fehler gemacht hat, hat nie etwas Neues ausprobiert.

Meine Mutter meinte einmal, Jugendliche würden sich normalerweise mit anderen Jugendlichen umgeben und gemeinsamen Interessen nachgehen; ich würde es halt mit meinem Vater machen. Sicher hat es auch Vorteile, wenn man väterlichen Rat bekommt - mein Vater ist schließlich vierzig Jahre älter als ich und hat somit sicherlich viel mehr Lebenserfahrung. Insgesamt war ich aber sehr unglücklich darüber, dass ich hier in Wien keine annähernd Gleichaltrigen kannte, mit denen mich gemeinsame Interessen und die nötige Ernsthaftigkeit, diese Interessen konsequent zu verfolgen, verbunden hätten.

Das Studium der Medizin schließlich war überwiegend ein Fernstudium. Nur in den ersten zwei Jahren hatte ich noch Kontakt zu einigen Studienkollegen, mit denen ich mich in Vorlesungen und Praktika traf. Dann verlief sich alles, vor allem deswegen, weil die Leute in unterschiedlichem Tempo mit ihrem Studium vorwärts kamen und man sehr viel - eigentlich sogar fast alles - aus den Büchern lernen musste. Man hatte nicht viel Zeit für soziale Interaktionen und erst recht nicht für Projekte, wie sie mir vorschwebten. Andererseits aber war ich während des Studiums in einigen Vereinen aktiv: zuerst bei der Österreichischen Medizinerunion, in der ich mich aber nicht allzu wohlfühlte, dann im österreichischen Hochintelligenzverein und im Club Biotech, Jahre später auch bei den Jungen Liberalen. Es gab nur gelegentliche Treffen, die meiste Kommunikation erfolgte über Internetforen bzw. Facebook.

Durch diese Vereine hatte ich wenigstens während des Studiums soziale Kontakte hier in Wien, mit denen man sich treffen und Gedanken austauschen konnte. Insgesamt bin ich aber der Meinung, dass es bedauernswert und vor allem meiner Persönlichkeitsentwicklung abträglich war, dass ich während fast der gesamten Gymnasialzeit nicht über solche Kontakte verfügte.

Freitag, 7. Juni 2013

Warum ich diesen Blog in Deutsch verfasse

Während ich im alten Blog die deutsche und die englische Sprache bunt gemischt verwendet habe, habe ich diesen Blog bislang rein in deutscher Sprache verfasst. Warum? Zur Illustration zunächst drei Online-Gespräche, die ich in letzter Zeit mit Leuten aus dem Ausland hatte:

1.
Q: Why do you write in German? You aren't German.
A: I'm Austrian. What do you think is the official language of Austria?
Q: Austrian?

2.
A: There are many school children in Austria whose parents have immigrated from another country. Often they enter school without any knowledge of the German language.
Q: Why should children in Australia need to know the German language? You are a troll! I'll put you onto my ignore list!

3.
A: I believe the old medical curriculum here in Vienna (Austria) is far more challenging than at Harvard University.
Q: Yes, I believe as well that the medical curriculum may be different in different universities located in the same country.
(Er glaubte anscheinend, Wien befände sich ebenfalls in den USA.)

Kurz gesagt: Ich habe in Österreich die Schule besucht und in Österreich studiert, und in Österreich ist die Amtssprache Deutsch. Da ich vor allem über meine Schul- und Studienzeit schreibe, ist es sinnvoll, auf Deutsch zu schreiben, weil in erster Linie ein deutschsprachiges Publikum in der Lage sein wird, das, was ich schreibe, ohne nähere Erläuterungen zu verstehen. Es erscheint mir unmöglich, über das, was zu den Themen dieses Blogs gehört, auf eine solche Weise auf Englisch zu schreiben, dass jeder, der über einigermaßen gute Kenntnisse der englischen Sprache verfügt, alles nachvollziehen kann. Zu unterschiedlich sind die Bildungssysteme in den einzelnen Ländern. Da genügt es schon, wenn ich von deutschsprachigen Personen etwa die Frage gestellt bekomme: "Du hast Medizin studiert? Welche Spezialisierung?" Die Unkenntnis jener Österreicher, die nicht selbst Medizin studiert haben, über den Aufbau des Medizinstudiums ist schon groß genug, so dass ich auch so manchmal in die Lage komme, elementare Dinge erklären zu müssen; wenn ich auf Englisch schriebe, hätte ich noch viel mehr Probleme dieser Art. Diese möchte ich mir ersparen. Deswegen ist dieser Blog in deutscher Sprache gehalten.

Einstellung zu Bildung und Studiendauer

Ich gehöre ja zu der Sorte von Menschen, die gerne ihr Wissen über verschiedene Bereiche erweitern, selbst wenn das Wissen nicht praktisch anwendbar zu sein scheint. Diese Einstellung teilen nicht alle. Mir sind schon einige Menschen begegnet, die Bildung nur als Mittel zum Zweck ansehen, Geld zu verdienen. Sie honorieren es oft gar nicht, wenn sich jemand nur des geistigen Horizonts wegen weiterbildet, und betrachten es als Zeitverschwendung. Zum Teil werfen sie solchen, die an Bildung interessiert sind, sogar unmoralisches Verhalten vor.

In diesem Zusammenhang muss ich sagen, dass ich während meiner Schulzeit, die ja auch schon über 12 Jahre her ist, einige Zeit lang regelmäßig "Die Presse" gelesen habe. Ein Studienkollege meinte später im Gespräch, die Ansicht, man solle nur das lernen, was man braucht, sei "kleinbürgerlich". Nun, "Die Presse" gilt bekanntlich als Qualitätszeitung. Aber wenn mein Studienkollege recht hat, dann ist sie äußerst kleinbürgerlich. Denn gerade "Die Presse" machte damals, zu Zeiten der schwarz-blauen Bundesregierung, stets Werbung dafür, möglichst schnell das Studium hinter sich zu bringen. Ich glaubte damals, dass es wohl notwendig wäre, zügig zu studieren, um später überhaupt einen Job zu bekommen. Das war für mich die Motivation, nicht nachlässig zu sein. Aber wenn man das Ganze rational betrachtet, dann stellt sich schon die Frage, was schnelles Studieren bringen soll.

Meines Erachtens ist es vor allem eine Forderung von Seiten des Arbeitgebers: Der Arbeitgeber möchte, aus welchem Grund auch immer, dass seine Mitarbeiter nicht allzu viel Zeit mit dem Studieren verbracht haben. Über die Gründe kann ich nur spekulieren, weil mir bis jetzt niemand schlüssig erklären konnte, warum Arbeitgeber anscheinend so denken. Offenbar ist es Arbeitgebern wichtig, dass die Mitarbeiter möglichst jung sind oder zumindest in möglichst niedrigem Alter ins Berufsleben einsteigen. Was könnte die Begründung hierfür ein? Zunächst fällt mir ein: In jungem Alter ist man oft noch unverheiratet; vielleicht ist das der Grund, denn als unverheirateter Mensch hat man weniger Verpflichtungen (Stichwort Kindererziehung). Somit kann man sich stärker auf das Arbeiten konzentrieren und häufiger Überstunden machen. Andererseits trifft man aber auch gerade die gegenteilige Forderung oft an: dass Mitarbeiter verheiratet sein sollten. Das lässt sich ebenfalls rational begründen: Wer in einer Ehe lebt und womöglich Kinder hat, hat großes Interesse an einem regelmäßigen Einkommen. Mehr als ein Junggeselle ist er also motiviert, beständig einer Arbeit nachzugehen. Denn der Junggeselle könnte sich auch mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten und längere Auszeiten einlegen.

Es gibt also sowohl Gründe, die für einen unverheirateten Mitarbeiter sprechen, als auch solche, die für einen verheirateten Mitarbeiter sprechen. Eventuell haben Unternehmen unterschiedliche Präferenzen. Es könnte aber auch sein, dass die Forderung nach schnellem Studieren einen anderen Grund hat. Nur: welchen?

Vielleicht sind jüngere Menschen leistungsfähiger? Oder unbedarfter, so dass sie sich leichter über den Tisch ziehen lassen?

Ein anderes Argument wäre, dass eine kurze Studiendauer auch für gewisse Persönlichkeitseigenschaften spricht, wie etwa Zielstrebigkeit. Bei einem Langzeitstudenten könnte man ja seine Begabung generell anzweifeln, denn wieso hat er länger als notwendig gebraucht? Bei näherer Betrachtung werden diese Argumente aber hinfällig. Zielstrebigkeit ist nicht unbedingt eine wertvolle Eigenschaft; in der heutigen Zeit muss man eher flexibel sein, denn es kann alles anders kommen, als man vorgehabt hat. Der Studienabschluss ist im Grunde genommen das Letzte in einem normalen Leben eines modernen Menschen, das man einigermaßen genau planen kann. Auch muss jemand, der lange studiert hat, deswegen nicht unbegabt sein: Er könnte sich ja auch gründlicher mit dem Stoff befasst und eventuell sein Wissen über den eigentlichen Studienplan hinaus erweitert haben.

Wenn man versucht, aufgrund der Studiendauer auf die Motivation des Studierenden zu schließen, dann bin ich auch hierüber skeptisch. Sicher, wenn sich jemand mit dem Studium beeilt, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass er noch viel vorhat. Oder einfach rasch in das Berufsleben einsteigen will, um Geld zu verdienen. Meiner Meinung nach ist die Studiendauer aber nur ein schwacher Indikator für die Motivation des Studierenden, im Berufsleben viel zu leisten.

Insgesamt halte ich die Studiendauer für ein äußerst schwaches Argument aus Sicht des Arbeitgebers bei der Entscheidung, warum man jemanden einstellen sollte. Mich würde sehr interessieren, wie es Personaler begründen, sollte für sie die Studiendauer tatsächlich entscheidend sein, wie die Lektüre der "Presse" nahelegt.

Aus Sicht des Studierenden ist das Bemühen darum, möglichst schnell das Studium hinter sich zu bringen, in erster Linie ein Stress auslösender Faktor. Wenn er wirklich darauf aus ist, sich zu beeilen, dann leidet unter Umständen die Qualität des Studiums darunter - er wird sich auf Pflichtfächer konzentrieren müssen und wahrscheinlich viele Wahl- und Vertiefungsfächer, die ihn vielleicht interessiert hätten, nicht belegen können. Ich glaube, dass Absolventen insgesamt besser ausgebildet sind, wenn sie die Möglichkeit hatten, ohne allzu starken Zeitdruck zu studieren und ihren Bildungsinteressen nachzugehen.

Manchmal frage ich mich, ob das Achten auf die Studiendauer als Auswahlkriterium von Mitarbeitern in erster Linie gedacht ist, um vor allem nur mittelmäßig bis schlecht ausgebildete Mitarbeiter zu bekommen, die ihr Studium mehr oder weniger pro forma absolviert haben und ihre eigentliche Berufsausbildung per "training on the job" bekommen. Das Studium wird in diesem Fall weniger als Berufsvor- bzw. Berufsausbildung betrachtet als als Selektionsinstrument, um bestimmte Leute (eben diejenigen, die keinen Studienabschluss vorweisen können) von vornherein ausschließen zu können. Wie man es auch betrachtet, mir erscheint es jedenfalls absurd, die Studiendauer als vorrangigstes Kriterium bei der Auswahl der Mitarbeiter zu gebrauchen.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Die Demoszene - Ein Rückblick

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, in diesem neuen Blog nicht über die Demoszene zu schreiben, weil es sich um ein Kapitel meines Lebens handelt, das ich inzwischen als abgeschlossen betrachte. Aber ich habe mir heute gedacht, dass es vielleicht doch interessant sein könnte, jetzt, mit etwas Abstand, die Angelegenheit retrospektiv zu betrachten.

Wer die Demoszene noch nicht kennt, möge bitte zuerst auf Wikipedia nachlesen, worum es dabei geht, bevor er das Lesen dieses Blog-Artikels fortsetzt. Für diejenigen, die Wikipedia nicht erreichen können, zitiere ich den ersten Absatz aus dem relevanten Artikel: "Die Demoszene (unter Insidern 'Die Szene') entwickelte sich unter Anhängern der Computerszene in den 1980er-Jahren während der Blütezeit der 8-Bit-Systeme. Ihre Mitglieder, die häufig Demoszener oder einfach Szener genannt werden, erzeugen mit Computerprogrammen auf Rechnern so genannte Demos - Digitale Kunst, meist in Form von musikalisch unterlegten Echtzeit-Animationen."

Als 1983 Geborener habe ich die Anfänge der Demoszene nicht selbst miterlebt, weil ich noch zu jung dafür war. Aber es gibt viele, die erst später die Szene kennen lernten und dann aber darin aktiv wurden. Mich faszinierten die Computer-Demos selbst nie, aber ich fand, dass sie ausgeprochen gute Programmierkenntnisse erforderten, weswegen ich die Szene-Mitglieder mit Respekt betrachtete. Doch letzten Endes habe ich durch meine Beschäftigung mit dieser Szene vor allem eines gelernt: Es ist oft trügerisch, aufgrund von irgendwelchen Dingen, die jemand erreicht hat, darauf zu schließen, dass diese Person besonders intelligent sein müsse.

Ein gutes Beispiel ist ein deutsches Mitglied der Demoszene, das als Organisator einer früher jährlich stattfindenden, großen, internationalen Demoparty eine recht prominente Rolle spielte. Vom Erfinder eines neuartigen Internet-Routers und erfolgreichen Unternehmer, der mit seiner Erfindung viel Geld verdient hat, würde man meinen, dass er genial sein müsse. Im persönlichen Umgang hatte ich jedoch eher den Eindruck, dass er ziemlich dumm ist. Unser Verhältnis ist etwas gespannt, seit ich vor vielen Jahren in der von mir damals herausgegebenen Demoszene-Zeitschrift einen Artikel brachte, der einige Details aus seinem Privatleben enthielt, worüber er nicht erfreut war (es war aber keineswegs die Intention dieses Artikels, ihn zu diskreditieren). Das trägt er mir bis heute nach, nennt aber freilich in seinen öffentlichen Äußerungen zu meiner Person nicht, was eigentlich der Grund für diese Gegnerschaft ist, sondern bringt meistens fadenscheinige Begründungen, die in vielen Fällen gar nicht zutreffen, zum Beispiel bestimmte politische Ansichten, die ich angeblich vertrete. Außer Beschimpfungen hat er - vor vielen Jahren - auch in einem privaten Internet-Chat angekündigt, er würde mich verprügeln, falls wir einander einmal persönlich begegnen sollten. Auf mich erweckt dieses Konfliktbewältigungsverhalten jedenfalls nicht gerade den Eindruck, dass er besonders intelligent wäre. Ähnlich ist es mit vielen anderen Mitgliedern dieser Szene.

Viele Szenegänger wirken auf mich so, als hielten sie Demos für das Größte, das es auf der Welt gibt, und beurteilten andere Leute ausschließlich aufgrund ihrer für die Entwicklung von Demos relevanten Fähigkeiten. Wer sich für Demos nicht interessiert, wird rasch ohne Hemmungen als "Lamer" abgestempelt. Demoszener gehen auch mit Schimpfwörtern wie "idiot", "troll", "moron", "retard" und "asshole" nicht gerade zimperlich um. Ein einziges, sachliches (!) Posting in einem Demoszene-Forum kann bereits einen Shitstorm auslösen, gegen den etwa die so bezeichneten Beschimpfungen im Spiegel-Online-Forum völlig harmlos erscheinen.

Für mich war die Demoszene vor allem eine Möglichkeit, (scheinbar) intelligente Leute kennen zu lernen, bevor ich dann (etwa sieben Jahre, nachdem ich begonnen hatte, mich mit der Demoszene zu beschäftigen) auf die viel klügere Idee kam, dem österreichischen Hochintelligenzverein beizutreten. Die Mitglieder dieses Vereins sind im Großen und Ganzen menschlich um einiges reifer und im Umgang angenehmer als die meisten der mir bekannten Demoszener. Ich glaube, dass das sehr wohl mit der kognitiven Begabung zusammenhängt, was den Schluss nahe legt, dass die Demoszener, trotz ihrer Fähigkeiten, in Wirklichkeit im Allgemeinen gar nicht so intelligent sind, wie ich früher geglaubt hatte.

Meine Freunde, die ich durch die Demoszene kennen gelernt hatte, waren ja eigentlich gar keine "Hardcore"-Szener, sondern eher Anfänger, die auch nur kurze Zeit in der Szene wirklich aktiv waren. Einer meiner Freunde aus dieser Zeit war Arturo Campos, genannt Dario Phong, damals ein Schüler aus Barcelona, der sich das Programmieren selbst beigebracht hatte und sich vor allem für Datenkompression interessierte. Sein größter Erfolg die Szene betreffend war sein Sieg in einem 4k-Intro-Wettbewerb einer spanischen Demoparty. Danach hat er sich nicht mehr allzu sehr mit dieser Szene beschäftigt. Ein anderer Freund war Ilya Palopezhentsev, genannt iliks, aus Novosibirsk, ein paar Monate jünger als ich. Er war ein begabter Programmierer und Musiker, der auch zu meiner Zeitschrift verschiedene Musikstücke beisteuerte, und machte nach dem Abschluss seines Studiums der Angewandten Mathematik in der IT-Branche Karriere. Mit diesen beiden jungen Menschen habe ich viele lange, persönliche E-Mails ausgetauscht. Damals, als es Facebook und Konsorten noch nicht gab, pflegte man eben den Austausch von Gedanken und Erlebnissen via E-Mail. Mit allen anderen Mitarbeitern meiner Zeitschrift hatte ich nicht derart intensiven Kontakt; die Kommunikation beschränkte sich im Wesentlichen auf das Sammeln von Beiträgen und das Übermitteln von Feedback. Auch die Mitarbeiter meiner Zeitschrift waren, bis auf wenige Ausnahmen, keine "Hardcore"-Demoszener. So gesehen, blieb mir der harte Kern der Demoszene ohnehin immer fremd.

Die wichtigste Frage ist wohl, ob normale Menschen eher den Demoszenern ähnlich oder doch anders, etwa freundlicher, sind. Darauf weiß ich in Ermangelung an einschlägigen Erfahrungen noch keine Antwort.

Montag, 3. Juni 2013

Physik für Mediziner

Heute hatte ich Gelegenheit, das Lehrbuch der Medizinischen Physik von Adolf Friedrich Fercher aus meinem Studium durchzublättern; es war Stoff der Prüfung über Physik, die ich im 1. Semester (also vor mehr als 11 Jahren) gemacht habe, und umfasste rund 1000 Seiten. Dass die Physik in unserem Studium einen derart hohen Stellenwert gehabt hat, ist eigentlich erstaunlich; denn in der ärztlichen Praxis spielen diese Kenntnisse kaum eine Rolle, und im neuen, stärker an der ärztlichen Praxis orientierten Studienplan Medizin wird deswegen auch fast nichts mehr über Physik gelehrt.

Auf mich wirkte das Ganze jedenfalls wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Das ganze Buch war im Stil sehr technisch gehalten, äußerst sachlich und nüchtern, überhaupt nicht didaktisch aufbereitet - keine farblichen Hervorhebungen, keine Merkkästchen (lediglich kurze Zusammenfassungen an den Kapitelenden), kurz: überhaupt nichts, was heutige Lehrbücher so auszeichnet.

In weiterer Folge ist mir bewusst geworden, dass in unserem Studium zeitweise von uns verlangt wurde, mehr oder weniger Tag und Nacht zu lernen, und wie absurd das doch eigentlich ist. Erfolg hatten hauptsächlich solche Studierende, die bereit waren, auf jegliche Freizeitaktivitäten und sonstige Interessen zu verzichten und ihre ganze Zeit dem Studium zu widmen. Ob das wirklich die Besten waren, die da durchkamen? Spielt es überhaupt eine Rolle, ob jemand zu den Besten gehört? Immerhin ist die Qualität eines Studierenden doch subjektiv zu betrachten. Etwas Zeit konnte man sich jedenfalls nur ersparen, wenn man bereits über sehr gute Vorkenntnisse verfügte.

Der Studienplan, nach dem ich studierte, stammte jedenfalls aus dem Jahr 1978. 2002 wurde der neue Studienplan eingeführt. Vielleicht war der alte Studienplan tatsächlich für die Bedürfnisse der Geburtsjahrgänge 1960 bis 1970 geeignet. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten, Dinge zu erfahren und zu lernen. Man lernt nicht mehr nur in der Schule und an der Universität. Wenn das Studium aber einen zwingt, den ganzen Tag nur das zu lernen, was im Studium verlangt wird, dann ist das nicht zeitgemäß.

Sonntag, 2. Juni 2013

Die geistige Elite und ihre Auslese

In Facebook schrieb ich heute, dass es oft Günstlinge seien, die in der Wissenschaft Schlüsselpositionen erlangen, und nicht unbedingt Angehörige der geistigen Elite. Dazu hat es einige Fragen gegeben, die ich hier beantworten möchte:

1. Was ist die "geistige Elite"? Antwort: Zur geistigen Elite gehören meiner Meinung nach all jene, die geistig flexibel sind, also nicht stur auf einem bestimmten Standpunkt verharren, logisch denken können, offen für neue Ansichten und Erkenntnisse sind (auch wenn es sich nur um Vermutungen handelt), bereit sind, über Behauptungen nachzudenken, sie zu hinterfragen, auf logischen Gehalt zu überprüfen und unter Umständen in Frage zu stellen, sich nicht auf das Urteil anderer Personen verlassen und in erster Linie der Sache verpflichtet sind und nicht irgendwelchen persönlichen/parteipolitischen Bindungen.

2. Ist der Elite-Begriff nicht problematisch? Antwort: Zu einer Elite gehört meiner Meinung nach jeder, der in einer Sache besonders gut ist. Deswegen kann man nicht von "der Elite" sprechen, sondern es gibt viele verschiedene Eliten. Was ich unter "geistiger Elite" verstehe, habe ich nun definiert. Natürlich bin ich als liberal denkender Mensch dagegen, dass mir jemand vorschreibt, was ich zu tun und zu denken habe (außer eventuell im Beruf, aber das betrifft nur das Tun, nicht das Denken). Im Wissenschaftsbetrieb braucht man jedoch Personen, die die Lehrveranstaltungen für Studierende halten und die Forschungsprojekte koordinieren. Da bin ich mir eben nicht sicher, ob es nicht besser wäre, zu diesem Zweck Angehörige der "geistigen Elite" heranzuziehen, anstelle von Günstlingen, wie dies in der Realität leider oft der Fall zu sein scheint.

3. Wie kann man die geistige Elite auslesen? Antwort: Die eine Möglichkeit wäre: durch einen IQ-Test. Dadurch werden aber nur die kognitiven Fähigkeiten überprüft und nicht die Persönlichkeitseigenschaften, die nach meiner Definition zur geistigen Elite dazugehören. Die andere Möglichkeit: So, wie jetzt, die Leute einfach machen lassen, und man wird sehen, wer Erfolg hat. Das Problem dabei ist aber, dass nicht unbedingt die geistige Elite es ist, die in diesem System den meisten Erfolg hat. Solange man in der Hierarchie unten ist, hat man nur eingeschränkten Handlungsspielraum und muss den Anweisungen der Vorgesetzten Folge leisten. Es kann auch sein, dass der Vorgesetzte den Untergeordneten als gefährlichen Konkurrenten erkennt und ihn daher künstlich niederhält, was bis zum Mobbing gehen kann. Daher sind beide Möglichkeiten unzureichend.

Ich finde diese Diskussion jedenfalls spannend. Es gibt sicherlich noch viele Aspekte, die ich noch nicht bedacht habe. Kommentare dazu sind herzlich willkommen.

Samstag, 1. Juni 2013

Lohnt sich ein Studium überhaupt?

In meiner Familie hieß es früher, dass es besser sei, Akademiker zu sein, als Arbeiter zu sein. Das möchte ich aus heutiger Sicht aufgrund meiner Erfahrungen im Studium relativieren. Wenn ich erst jetzt Matura gemacht hätte und vor der Wahl stünde, würde ich aufgrund meines Wissens über die Frustrationen und Probleme, die man als Medizinstudent durchstehen muss, mich nicht wieder für ein Medizinstudium entscheiden. Das Informatikstudium fand ich hingegen leicht, aber im Prinzip weitgehend überflüssig; denn das, was in der Praxis als Software-Entwickler gebraucht wird (und die meisten Informatiker arbeiten als Software-Entwickler, auch wenn manche ursprünglich vorhatten, in die Forschung zu gehen), habe ich mir unabhängig vom Studium, zum Teil sogar vor dem Studium selbst beigebracht. An der Uni habe ich fast nur Theorie gelernt. Diese hat mich zwar durchaus sehr interessiert, aber für die Praxis ist sie eigentlich wenig relevant.

Insgesamt hat ein Studium meiner Meinung nach nur einen einzigen Vorteil: Es bringt einem gesellschaftliche Anerkennung. Aber zu welchem Preis? Sowohl körperlich als auch seelisch und - entgegen allen Unkenrufen - sogar finanziell stellt es eine gewaltige Belastung dar. Ich musste fast die ganzen Studienjahre hindurch Studiengebühren zahlen; außerdem waren die Lehrbücher für das Medizinstudium nicht gerade billig. Insgesamt habe ich sicher 12.000 Euro für mein Studium aufwenden müssen, wenn nicht sogar mehr. Und das in Österreich, wo die Studiengebühren noch relativ niedrig sind! Allerdings möchte ich anmerken, dass, wie mir durch die Summer School bekannt ist, an der ich im Jahre 2003 teilgenommen habe, an amerikanischen Unis wie Harvard die Studierenden sämtliche Lernunterlagen von den Unis zur Verfügung gestellt bekommen; ihr Preis ist bereits in den Studiengebühren inkludiert. So gesehen, ist das Medizinstudium in den USA wahrscheinlich nicht viel teurer als hier in Österreich.

Was das Einkommen betrifft: Als gelernter Arbeiter (Handwerker) kann man durchaus gut verdienen, zum Teil sogar mehr als als Akademiker. Sogar ein Arzt verdient meines Wissens anfangs nur rund 1.200 Euro im Monat. So gesehen, ist es wirklich fraglich, ob sich ein Studium überhaupt lohnt.