Mittwoch, 31. Juli 2013

Union der Nordstaaten

Viele Politiker vertreten die Meinung, die Südstaaten der Europäischen Union seien nicht mehr tragbar, weil sie hoffnungslos überschuldet seien und die Nordstaaten für sie blechen müssen, was wiederum deren Wirtschaft schade. Mancherorts hört man daher, die Nordstaaten sollten aus der Europäischen Union austreten und eine eigene Union bilden.

Hierbei wird rein wirtschaftlich argumentiert, dabei geht es in der Europäischen Union eher um politische Dinge. Politisch gesehen könnte es aber in der Tat sinnvoll sein, eine Union der Nordstaaten zu bilden, wobei diese Union nach Osten erweitert werden könnte - konkret könnte auch die Russische Föderation Teil dieser Union werden. Ich werde nun begründen, warum ich diese Idee für gut halte.

Die Europäische Union wurde vor allem gegründet, um zu verhindern, dass Deutschland wieder auf die Idee kommen könnte, Frankreich militärisch anzugreifen. Die deutsch-französische Freundschaft war seit jeher das Leitmotiv der Europäischen Union. Dabei war Frankreich aber immer nur ein Nebendarsteller in den Konflikten, die zu den beiden Weltkriegen führten. Vielmehr waren die beiden Weltkriege in erster Linie deutsch-russische Konflikte. Deswegen ist es seltsam, warum - wenn die Europäische Union denn eine Frieden stiftende Funktion haben soll - ausgerechnet Russland nicht Teil dieser Europäischen Union ist.

Im Ersten Weltkrieg ermordete ein Serbe den österreichischen Thronfolger, daraufhin erklärte Österreich Serbien den Krieg. Es folgte die Kriegserklärung Russlands an Österreich, die wiederum Deutschland veranlasste, Russland den Krieg zu erklären. Im Vordergrund stand also der deutsch-russische Konflikt; die mit Russland alliierten Westmächte waren nur Nebendarsteller.

Ähnlich war es im Zweiten Weltkrieg. Da wollte Deutschland Gebiete im Osten gewinnen, also im damaligen Polen und der Sowjetunion. Auch hier war der Konflikt mit den Westmächten nur ein Nebenschauplatz.

So gesehen, ist die Freundschaft Deutschlands mit Russlands das Entscheidende, wenn man verhindern will, dass es zu einem weiteren Konflikt dieser Art kommen könnte. Aus diesem Grund sollte man meines Erachtens eine politische Union mit Russland ernsthaft in Betracht ziehen.

Eine Union der Nordstaaten könnte folgende zwanzig Länder umfassen: Island, Großbritannien und Nordirland, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Weißrussland und die Ukraine. Auf der Landkarte würde diese Union (ohne Island, das in diesem Ausschnitt nicht eingezeichnet ist) so aussehen:



Diese Länder haben zusammen etwa 420 Millionen Einwohner.

Selbstverständlich wäre das keineswegs eine Union ausschließlich wirtschaftlich erfolgreicher Staaten. Wie gesagt, geht es mir aber um politische Dinge und weniger um rein Wirtschaftliches.

Durch eine solche Union wäre der Frieden in Europa noch stärker gesichert als durch die derzeitige Europäische Union, die das entscheidende Manko hat, dass Russland nicht Mitglied von ihr ist.

Zwischenmenschliches

Ich habe mich oft gefragt, warum manche Leute (wohlgemerkt: hauptsächlich solche, die mich nur aus dem Internet kennen und mit denen ich nie persönlich zu tun gehabt habe) sagen, dass sie mich nicht mögen. Darüber habe ich jetzt wieder nachgedacht, weil ein Bekannter aus dem echten Leben mir heute gesagt hat, dass er mich für sehr nett hält, und mir eine hohe soziale Intelligenz attestiert hat. Einige Gedanken dazu:

Wenn manche Leute gesagt haben, dass sie mich für "böse" halten, oder versucht haben, mich so darzustellen, dann hat das immer dazu geführt, dass ich mich nach dem Warum gefragt habe. Ich konnte mir das gerade deswegen nicht erklären, weil ich mich doch immer bemüht hatte, den Anforderungen meiner Mitmenschen zu entsprechen, anstatt nur an mich selbst zu denken und nur das zu tun, was mir unmittelbar nützte. Manchmal habe ich geglaubt, dass die Leute einen falschen Eindruck von mir hätten. Inzwischen bin ich aber auf eine Idee gekommen, die mir wegen meiner früheren Naivität noch vor zehn Jahren gar nicht eingefallen wäre. Nämlich dass in Wirklichkeit diese Leute gar nicht so "gut" sind bzw. keinesfalls sie "die Guten" und ich "der Böse" bin, sondern eher umgekehrt. Nur wird das natürlich niemand von ihnen zugeben.

Als ich meine Homepage zu Beginn meiner Studienzeit ins Internet stellte (das ist nun auch schon über zehn Jahre her), meinte ein Bekannter aus dem IRC zu mir, die Leute hätten im Channel über meine Homepage diskutiert und keiner würde mich sympathisch finden. Vor allem sei es dumm von mir, öffentlich bekannt zu geben, dass ich mit einem Notendurchschnitt von 1,0 maturiert habe. Das zeige, dass ich mir zu wenig bewusst sei, dass ich nicht alleine auf der Welt bin.

Diese Aussagen muss man analysieren. Wenn ich sie richtig verstanden habe, heißt das, dass die Leute auf mich wegen meiner schulischen Erfolge neidisch gewesen sind. Dann mag ich vielleicht dumm gewesen sein, weil ich nicht bedacht habe, dass meine Homepage bei den anderen Menschen Neid erwecken könnte, aber wer hat denn in diesem Fall moralisch verwerflich gehandelt: derjenige, der den Neid erweckt hat, oder derjenige, der auf den Anderen neidisch geworden ist und ihm seine Erfolge missgönnt hat?

Jedenfalls ist klar: Auch wenn man moralisch im Recht ist, kann man nichts gegen eine Masse von moralisch falsch handelnden Menschen ausrichten. Letzten Endes sind Letztere zusammen die Stärkeren.

Meine Naivität oder "Dummheit" mag wohl damit zusammenhängen, dass ich vermutlich in einem Umfeld sozialisiert worden bin, das für die Gesamtheit der Gesellschaft nicht repräsentativ sind. Alle Mitschüler sehr nett, recht intelligent und durchaus an Bildung interessiert. Die Erfahrung, dass mir jemand meine Erfolge missgönnt hätte, habe ich nie gemacht. Ich glaubte zwar manchmal, meine Schulklasse hätte kein allzu hohes Niveau, aber im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung hatte sie es offenbar sehr wohl.

Mein Vereins-Kollege

Dass ich mir immer noch über meinen Vereins-Kollegen Gedanken mache, von dem mein inzwischen fast auf den Tag genau einen Monat altes Blog-Posting "Kognitive Begabung und Intellektualität" handelt, zeugt einerseits davon, dass ich derzeit keine wirklich großen Probleme habe, andererseits aber auch davon, dass mir seine Gedankenwelt immer noch absurd erscheint und ich nicht verstehen kann, wie ein Vereins-Mitglied (also jemand, von dem man annehmen dürfte, dass er nicht ganz dumm ist) so denken kann.

Natürlich habe ich nie erwartet, dass er meinen Standpunkt übernehmen würde, aber als ich mit ihm diskutiert habe, habe ich zumindest geglaubt, auf ein wenig Verständnis zu stoßen. Mir scheint jedoch selbst das vergebene Liebesmüh gewesen zu sein. Seit einigen Wochen halte ich mich im übrigen von den österreichischen Vereins-Foren fern, nicht nur seinetwegen.

Wie kann jemand einem ernsthaft verübeln, Medizin zu studieren und dafür recht lange zu brauchen? Die lange Studiendauer ist dem Studium immanent. Es gibt zahlreiche Dinge im Studium, die nicht optimal gelöst sind; das größte Problem ist die Willkür mancher Prüfer, die den Hauptgrund für Verzögerungen darstellt. Im Durchschnitt brauchte offiziellen Statistiken zufolge ein Medizinstudent nach dem alten Studienplan, der nichts anderes nebenbei machte, für sein Studium 9 Jahre (und dabei rede ich nur von solchen, die ihr Studium erfolgreich zum Abschluss brachten). Ich habe gleichzeitig auch Informatik studiert (Mindeststudiendauer: 5 Jahre) und für beide Studien insgesamt 11 Jahre gebraucht - das ist objektiv gesehen wirklich nicht schlecht, wer darüber anders denkt, der sollte sich fragen, ob er selbst seinen extremen Ansprüchen genügen würde.

Wenn mein Vereins-Kollege seinen Sohn nicht so lange studieren lassen hätte, dann wäre sein Sohn höchstwahrscheinlich nicht Arzt geworden. Mag sein, dass der Kollege das ohnehin nicht wollte, aber es ist unzulässig zu fordern, dass jeder Vater seinen Sohn oder seine Tochter so behandeln müsse. Denn dann gäbe es überhaupt keine Ärzte. Ohne abgeschlossenes Medizinstudium darf man ja nicht als Arzt arbeiten. Ich nehme an, eine Welt ohne Ärzte wäre auch nicht im Sinne des Erfinders.

Wie kann sich ein intelligenter Mensch daher anmaßen, dass seine persönlichen Maßstäbe für alle Menschen zu gelten hätten? Kann sich ein intelligenter Mensch denn nicht ausmalen, was das für Konsequenzen hätte? Jedenfalls ist das für mich ein Grund, an seiner kognitiven Begabung und ergo an der Validität der vom österreichischen Hochintelligenzverein anerkannten Intelligenztests zu zweifeln! Und deswegen meide ich diesen Verein nun.

Dienstag, 30. Juli 2013

Das Bildungsniveau der Bevölkerung

Wenn man - wie es manche Beobachter tun - sagt, das allgemeine Bildungsniveau sei in den letzten Jahren und Jahrzehnten gesunken, dann beruht dieses Urteil meines Erachtens auf einer oberflächlichen (beurteilt wurden wahrscheinlich nur bestimmte Komponenten der Bildung, wie Rechtschreib- und Rechenkenntnisse, und nicht das Wissen über neue Dinge, das vor einigen Jahrzehnten noch gar kein Thema war, wie Computer) und einseitigen (nur aufgrund des möglicherweise niedrigeren Niveaus der Studienanfänger wurde eine Aussage über die Gesamtbevölkerung getroffen) Analyse, und das Urteil ist höchstwahrscheinlich sogar falsch, denn ich vermute, dass das allgemeine Bildungsniveau im Verlauf der Zeit eher zugenommen hat.

Tatsache ist, dass immer mehr Menschen hierzulande einen höheren Bildungsabschluss erreichen. Es ist also zumindest das Streben nach höherer Bildung in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden. Nun mag freilich das durchschnittliche Niveau heutiger Maturanten niedriger sein als früher, als nur eine kleine Elite der Bevölkerung überhaupt Matura machte. Das ist auch nicht unlogisch, schließlich hat die grundsätzliche geistige Leistungsfähigkeit der Bevölkerung, selbst wenn James Flynn Recht hat, im Lauf der Jahrzehnte nur geringfügig zugenommen. Wenn heute viel mehr Menschen Matura machen als vor zwanzig, dreißig Jahren, dann ist anzunehmen, dass darunter auch solche sein werden, deren geistige Leistungsfähigkeit den Anforderungen der Matura früher nicht entsprochen hätte.

Für viele Menschen scheint es heutzutage aber für ihr Selbstwertgefühl wichtig zu sein, einen akademischen Abschluss zu haben. Die Universitäten haben einen geschickten Weg gefunden, wie man relativ vielen Menschen einen solchen Abschluss ermöglichen kann, ohne dass das Niveau der Absolventen mit Diplom oder Doktorat darunter leidet: Durch den Bologna-Prozess wurden ja die Bachelor-Abschlüsse eingeführt, und diese werden nun genutzt, um das grundlegende Bedürfnis nach einem akademischen Abschluss zu stillen. Die Anforderungen an ein Diplom sind in Folge dessen aber keineswegs gesunken, ganz im Gegenteil! Ein Diplom in Informatik beispielsweise ist heutzutage mit weit höherem Aufwand verbunden als vor zwanzig Jahren. Das kann man bereits durch den Vergleich der Studienpläne erkennen; während früher ein Diplomstudium der Informatik laut Gesetz nur 160 Semesterwochenstunden Umfang haben musste (was im Vergleich zu anderen Studienrichtungen immer noch viel war; Wirtschaftsinformatiker zum Beispiel mussten nur 100 bis 130 Semesterwochenstunden absolvieren), kommt man heute mit Bachelor und Master auf insgesamt 200 Semesterwochenstunden an Lehrveranstaltungen, über die man Prüfungen ablegen muss [1]. Die Studienpläne an der TU Wien wurden zudem in den letzten Jahren mehrmals verschärft; wer heute mit dem Informatik-Master-Studium "Computational Intelligence" anfängt, muss schon eine große Zahl an Pflicht-Lehrveranstaltungen bewältigen, die ich noch nicht unbedingt machen musste - ich konnte mir noch die meisten Fächer entsprechend meiner Interessen frei aussuchen (sofern sie zum Thema des Studiums passten und im Katalog des Studiengangs enthalten waren).

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch anmerken, dass in meinem sozialen Umfeld, von Kindergarten über Volksschule und Gymnasium bis zur Uni, alle "Peers" (Mitschüler und Kommilitonen) einen akademischen Abschluss angestrebt haben. Nur durch den österreichischen Hochintelligenzverein habe ich überhaupt Menschen kennen gelernt, die diese Ambitionen weder für sich noch für ihre Kinder hatten. Sollte ich jemandem "strange" erscheinen, dann wird er vielleicht in einem anderen Milieu sozialisiert worden sein als ich; für mich sind jedenfalls Menschen ohne akademische Ambitionen "strange"!

[1] Vgl. http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1997_48_1/1997_48_1.pdf

Autismus

Im Mai dieses Jahres wurde die fünfte Auflage des "Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders" der American Psychiatric Association (DSM-5) veröffentlicht. Darin findet sich die Diagnose "Asperger-Syndrom" nicht mehr. Statt dessen gibt es nun für alle Formen von Autismus die einheitliche Diagnose "autism spectrum disorder" [1]. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Einerseits fand ich den Trend bedenklich, dass Medienberichten zufolge in den letzten zehn bis zwanzig Jahren in der westlichen Welt bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger durch Ärzte und offenbar auch durch Psychologen die Diagnose "Asperger-Syndrom" gestellt wurde. In den Ohren eines Laien klingt "Asperger-Syndrom" nach einer besonders schweren Erkrankung. Auch wenn der Begriff "Syndrom" eigentlich nur das gleichzeitige Zusammentreffen mehrerer Auffälligkeiten bezeichnet und das Vorliegen eines Syndroms allein noch keinen Krankheitswert haben muss, erweckt die Bezeichnung "Asperger-Syndrom" Assoziationen mit in der Tat recht schwerwiegenden Zuständen wie "Down-Syndrom", "Tourette-Syndrom" oder "Borderline-Syndrom". Kinder und Jugendliche, bei denen das "Asperger-Syndrom" diagnostiziert worden ist, sind daher gesellschaftlich stigmatisiert. Das ist besonders deswegen problematisch, weil diese Kinder und Jugendliche in vielen Fällen überdurchschnittlich intelligent sind und viel Potenzial hätten, es zu etwas zu bringen - Potenzial, das aufgrund einer solchen Diagnose möglicherweise ungenutzt bleiben könnte. Deswegen sehe ich es mit einem lachenden Auge, dass das DSM-5 das "Asperger-Syndrom" nicht mehr kennt.

Andererseits besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche, bei denen früher das "Asperger-Syndrom" diagnostiziert worden wäre, nun die Diagnose "autism spectrum disorder" erhalten könnten. Vom Regen in die Traufe! Aus diesem Grund das weinende Auge.

Nun betrifft aber das DSM-5 in erster Linie den amerikanischen Raum, während in Europa neurologische und psychiatrische Diagnosen häufiger nach der "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems" (ICD) gestellt werden. Die aktuelle Fassung ist ICD-10, Version 2013. Und diese kennt nach wie vor ein "Asperger-Syndrom". Die Diagnose kann hierzulande also auch weiterhin gestellt werden.

Laut [2] wird das "Asperger-Syndrom" in ICD-10, Version 2013, wie folgt definiert:

"Diese Störung von unsicherer nosologischer Validität ist durch dieselbe Form qualitativer Abweichungen der wechselseitigen sozialen Interaktionen, wie für den Autismus typisch, charakterisiert, zusammen mit einem eingeschränkten, stereotypen, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Die Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. den fehlenden Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit einher. Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren. Gelegentlich treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenleben auf."

Wenigstens wird in dieser Definition offen "von unsicherer nosologischer Validität" gesprochen. Diese Formulierung wurde wohl absichtlich gewählt, weil sie schwer verständlich ist. Selbst mir ist nicht ganz klar, ob "unsichere nosologische Validität" nur bedeutet, dass nicht klar ist, ob das "Asperger-Syndrom" ein eigenständiges Krankheitsbild ist (und nicht einfach eine spezielle Ausprägungsform einer anderen Krankheit), oder ob man diese Formulierung nicht auch so interpretieren könnte, dass gar nicht klar ist, ob es dieses Krankheitsbild überhaupt gibt (bzw. ob es Krankheitswert hat, wenn eine Person der Beschreibung entsprechende Auffälligkeiten aufweist). Jedenfalls ist ganz klar: Ein Arzt oder Psychologe, der die Diagnose "Asperger-Syndrom" stellt, stellt eine Diagnose "von unsicherer nosologischer Validität". Ich persönlich würde aus diesem Grund, wenn ich auf der Neurologie oder auf der Psychiatrie als Arzt arbeiten sollte, diese Diagnose gar nicht stellen (sofern ich die Wahl hätte und mein übergeordneter Oberarzt oder Primar nicht anderer Meinung wäre).

Mir scheinen Personen, bei denen manche die Diagnose "Asperger-Syndrom" stellen würden, einfach ungewöhnliche Persönlichkeitstypen zu sein - Menschen, die sich mit bestimmten Themen intensiver als andere beschäftigen, wohl aufgrund dieser Bevorzugung intensiver solitärer Beschäftigung mit Sachthemen seltener in Situationen geraten, in denen sie mit anderen Menschen interagieren müssen, und deswegen eventuell weniger Erfahrung im Umgang mit Menschen haben als die meisten Gleichaltrigen. Muss das etwas Schlechtes sein? Man bedenke: Nicht zuletzt wird auch berühmten Wissenschaftlern wie Albert Einstein nachgesagt, "Asperger-Autist" gewesen zu sein. Wenn Einstein sich nicht intensiv im stillen Kämmerlein mit anspruchsvollen Fragestellungen der Physik beschäftigt hätte, hätte er wohl nie die Allgemeine Relativitätstheorie entwickelt und auch keine seiner übrigen Spitzenleistungen erbracht. Angesichts dessen ist es sehr bedenklich, wenn bei einem Kind eine Diagnose wie "Asperger-Syndrom" gestellt wird und dem Kind dadurch womöglich, weil es von diesem Zeitpunkt an offiziell als "behindert" gilt, die Möglichkeit genommen wird, wie Einstein Physik (oder eine andere wissenschaftliche Disziplin) zu studieren - vielleicht hätte es eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die der ganzen Menschheit zu Gute gekommen wäre.

[1] http://www.dsm5.org/Documents/Autism%20Spectrum%20Disorder%20Fact%20Sheet.pdf
[2] http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/kodesuche/onlinefassungen/htmlgm2014/block-f80-f89.htm#F84.5

Schutz vor Willkür

In der Politik herrscht babylonische Sprachverwirrung. Das hat damit zu tun, dass es keine einheitliche Sprachregelung gibt. Verschiedene Begriffe werden völlig unterschiedlich interpretiert. Beispielsweise verstehen die einen unter einem "Rechten" einen Nationalisten und die anderen einen Anhänger der freien Marktwirtschaft.

Deshalb ist es wichtig, die Begriffe zuerst zu definieren, bevor man von ihnen spricht, wie ich es im Fall des Liberalismus im Artikel [1] getan habe.

Was ich heute schreiben wollte:

Klassisch Liberale treten vor allem für die Freiheit des Individuums vor staatlicher Willkür ein. Sei es zum Beispiel, dass sie dagegen eintreten, dass jedes Individuum aus beliebigen Gründen festgenommen werden kann, ohne dass ein konkreter Verdacht in Bezug auf den Verstoß gegen ein Gesetz besteht. Auch diejenigen, die sich gegen die Wehrpflicht einsetzen, handeln im Sinne des Klassischen Liberalismus.

Aber warum beschränkt sich der Klassische Liberalismus nur auf den Staat als den großen "Gegner"? Können nicht auch in Privatunternehmen die Chefs bisweilen Willkür walten lassen? Wäre das nicht auch etwas, das man bekämpfen sollte?

In Privatunternehmen gibt es für diesen Zweck ja Gewerkschaften. Diese assoziiert man meist jedoch eher mit der Sozialdemokratie als mit dem Liberalismus. So gesehen, ist die Sozialdemokratie aus meiner Sicht aber durchaus als eine sinnvolle Weiterentwicklung des Liberalismus zu betrachten.

Ich weiß nicht, ob es eine politische Richtung gibt, die sich den Schutz vor jeglicher Art von Willkür an die Fahnen geheftet hat. Aber wenn es eine solche gibt, dann könnte ich mir vorstellen, Anhänger dieser politischen Richtung zu werden.

In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass laut Wikipedia Willkür in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz verboten ist. Von Österreich steht in diesem Artikel aber nichts. Ist Österreich in dieser Beziehung anders? Oder handelt es sich nur um eine Lücke in diesem Artikel? [2]

[1] http://www.hugi.scene.org/adok/articles/liberalismus-versus-sozialdarwinismus.htm
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Willk%C3%BCr_(Recht)

Montag, 29. Juli 2013

Der Umgang mit Menschen

Den richtigen Ton im Umgang mit anderen Menschen zu finden, gehört wahrscheinlich zu den größten Herausforderungen des Alltags. Manche werden vielleicht meinen, dass ihnen das nicht schwer fällt, aber Hand aufs Herz: Wer kann von sich wirklich behaupten, mit jedem Menschen richtig umgehen zu können, egal in welcher Lebenslage? Welcher Mann meint wirklich, es mit jeder x-beliebigen Frau jahrelang in einem gemeinsamen Haushalt aushalten zu können? Die hohe Scheidungsrate hier in Wien - zwei Drittel aller Ehen werden geschieden - zeigt, dass das in der Tat nicht so leicht ist, wie man vielleicht meinen möchte.

Für mich war die Mitgliedschaft im österreichischen Hochintelligenzverein vor allem wertvoll, um ein relativ breites Spektrum an Menschen kennen zu lernen und so Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Menschen zu sammeln. Dabei muss man aber bedenken, dass die Vereins-Mitglieder, auch wenn es in diesem Verein sehr viele verschiedene Berufsgruppen gibt, von der Hausfrau bis zum Universitätsprofessor, doch einen recht speziellen Menschentyp darstellen. Man kann davon ausgehen, dass die meisten diesem Verein beigetreten sind, weil sie schwarz auf weiß bestätigt haben wollten, dass sie überdurchschnittlich intelligent sind. Für viele ist das auch noch nicht genug, sie haben noch größere Ambitionen, wie einen Doktortitel oder gar den Nobelpreis. Viele machen die Erfahrung, dass sie trotz ihrer verbrieft hohen kognitiven Begabung an ihren Vorhaben scheitern, und so erklärt es sich auch, warum Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins oft denen neidisch gegenüber stehen, die das erreicht haben, was sie eigentlich selbst erreichen wollten.

Andere Menschen außerhalb des Vereins ticken womöglich anders. Diese Menschen muss man auch kennen lernen, wenn man vorhat, in einem Beruf zu arbeiten, in dem man nicht nur einen bestimmten, wohlbekannten Menschentyp antreffen wird, etwa im Beruf des Arztes. Andererseits laufen auch in solchen Berufen die Interaktionen meistens mehr oder weniger formalisiert ab, so dass man auch bei beschränkter Erfahrung im Umgang mit Menschen in einem solchen Beruf einigermaßen gut zurecht kommen kann. Nur Laien glauben, dass es die wichtigste Voraussetzung für das Ergreifen des Arztberufs sei, gut mit Menschen umgehen zu können.

Computergrafik

Warum ich mich nie ernsthaft mit Computergrafik beschäftigt habe:

Computergrafik hat nicht nur eine technische, sondern auch eine ästhetische Komponente, und die Beurteilung dieser Komponente ist subjektiv. Zwar kann man Grafik-Demos auch nach objektiven Kriterien beurteilen, wie der Frame-Rate oder der Anzahl der gleichzeitig bewegten Objekte. Entscheidend ist aber der subjektive ästhetische Eindruck, und ich persönlich bin nicht bereit, mich einem System zu unterwerfen, in dem die Leistung nicht ausschließlich nach rein objektiven Kriterien beurteilt wird.

Dass ich etwas kann, auch wenn ich wegen meines Desinteresses an Computergrafik in der Demoszene bisweilen als "Lamer" betrachtet werde, habe ich schon zu diversen Anlässen unter Beweis gestellt. In Size-Optimizing-Wettbewerben erfolgt die Bewertung völlig objektiv, das entscheidende Kriterium ist die Größe des Code. Als ich anno 1998 als 14-jähriger an einem solchen Wettbewerb teilnahm, stellte sich heraus, dass meine Lösung diejenige mit dem kleinsten Programmcode von allen war, und so war ich der Sieger in diesem Bewerb.

In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass hier in Österreich zur Aufnahme an einer Kunstuniversität der Nachweis künstlerischer Begabung erbracht werden muss. Auch hier ist schwerlich vorstellbar, dass das rein objektiv vonstatten geht. Für einen in der Forschung tätigen Psychologen mag es freilich ein interessantes Betätigungsfeld sein, Tests zur Messung künstlerischer Begabung oder Kreativität zu entwickeln.

Lebenserfahrungen

Manche Menschen mögen schon Recht haben, wenn sie sagen, dass sie Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, die ich (noch) nicht gemacht habe. Umgekehrt gilt es aber auch. Vor allem habe ich durch mein Medizinstudium die Erfahrung gemacht, was es heißt, jemandem ausgeliefert zu sein, dem man selbst egal ist. Denn die Professoren an der Medizinischen Universität prüfen nur, weil es ihre Pflicht ist. Welche Note sie dem einzelnen Kandidaten geben, ist für sie ohne Konsequenzen. Wenn sie schlecht gelaunt sind, können sie den Studenten so streng prüfen, dass er versagt und durchfällt, auch wenn er noch so gut vorbereitet ist. Das alles hat für sie keine Konsequenzen, die Universität ist im Streitfall eher auf ihrer Seite. Ein Student muss schon wirklich das Kind einer besonders einflussreichen Persönlichkeit sein, damit die Prüfer Angst davor haben könnten, ihn ungerecht zu beurteilen, und er selbst keine Furcht vor der Prüfung haben muss.

Das ist anders als in der Schule. In der Schule hatten wir doch überwiegend engagierte Lehrer, die ihren Beruf ernst nahmen. Ihnen war daran gelegen, den Schülern etwas beizubringen. Die Schüler waren ihnen nicht egal. Die Noten betrachteten sie auch als Feedback über die Qualität des Unterrichts. Aber gut, vielleicht hatte ich das Glück, eine ungewöhnlich gute Schule besucht zu haben. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der erst nach der Schullaufbahn die Erfahrung des Ausgeliefertseins gemacht hat, und dass viele in ihrem ganzen Leben keine vergleichbare Erfahrung gemacht haben.

Mir ist jedenfalls auch klar geworden, dass es nicht nur einige wenige Menschen gibt, für die Religion eine besondere Bedeutung hat, sondern sogar sehr viele. Religion gibt eine scheinbare Sicherheit in einer Welt voller Unsicherheiten. Damit hat Religion eine ähnliche Funktion wie kognitive Begabung, denn auch kognitive Begabung erlaubt es in begrenztem Umfang, Voraussagen über die Zukunft zu machen. Der in der Bevölkerung verbreitete Glaube daran, dass alle Erfolge und Misserfolge auf die Intelligenzhöhe eines Menschen zurückzuführen seien, ist nicht zuletzt auch eine Art Religion.

Man bedenke zudem, dass Freiheit eine Illusion ist. Die Marxisten haben vielleicht gar nicht so unrecht, wenn sie sagen, dass Freiheit die Einsicht in eine Notwendigkeit sei; denn de facto ist es doch oft so, dass wir von Gesetz wegen zwar die freie Wahl hätten, doch eine der beiden Optionen mit derartigen Nachteilen verbunden wäre, dass sie praktisch ausscheidet. Es ist also eine Quasi-Notwendigkeit, sich für die andere Option zu entscheiden. Ein Beispiel ist die Entscheidung, ob man nach Absolvieren der Schulpflicht weiter in der Schule bleibt und für die Matura lernt oder ob man die Schule abbricht. Die Schule abzubrechen ist zwar eine mögliche Option, doch ist sie mit so vielen Nachteilen verbunden, dass sich jeder einigermaßen vernünftige Mensch für den weiteren Schulbesuch entscheidet. Genauso ist es mit dem Abbruch eines Studiums und mit vielen anderen Dingen im weiteren Leben eines Menschen.

Die Goldene Ära der Videospiele

Mein Eintritt in die Volksschule fiel zeitlich zusammen mit dem Beginn der "Goldenen Ära der Videospiele". Diese Ära endete 1995 mit dem Erscheinen der "Next Generation"-Konsolen, wodurch sich der Schwerpunkt auf Spiele mit dreidimensionaler Grafik verlagerte. 3D-Spiele haben mich nie begeistert, aber die Spiele der späten 8-bit- und der 16-bit-Ära, die zwischen 1989 und 1995 erschienen sind, haben mir sehr gefallen, und ich spiele sie auch heute noch, wenn ich nichts Besseres zu tun habe.

Diese Zeit zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass viele Ideen zum ersten Mal umgesetzt wurden. Dadurch herrschte ein hoher Innovationsgrad vor, was in großem Gegensatz zu den heutigen Spielen steht, die meistens nur Neuimplementierungen bekannter Konzepte darstellen.

Die Grundsteine für manche Spiele-Serien, wie beispielsweise Super Mario, Castlevania oder Mega Man, waren zwar bereits Mitte der 1980er Jahre gelegt worden, aber die Fassungen der frühen 1990er Jahre wiesen eine deutlich höhere Komplexität auf. In Super Mario Bros. 3 und Super Mario World etwa wurde nicht mehr stur von links nach rechts gescrollt, sondern man konnte sich nun auch vertikal bewegen; zudem war der Spielablauf nicht mehr linear, denn man konnte auf der Karte wandern und die einzelnen Levels in unterschiedlicher Reihenfolge betreten. Auch die anderen etablierten Serien, von denen neue Teile erschienen, wiesen solche Innovationen auf.

Völlig neu waren jedoch taktische Rollenspiele wie Fire Emblem oder Shining Force, Rennspiele wie F-Zero oder Super Mario Kart, echte Strategiespiele wie Sim City oder Civilization (die ursprünglich vom Computer kamen und für das tendenziell jüngere Zielpublikum der Konsolen speziell aufbereitet wurden), technisch aufwändige Shooter wie Axelay, Jump'n'Runs mit ungewöhnlichem Tempo wie Sonic usw.

Mir persönlich genügen die Videospiele der damaligen Ära. An neueren Spielen bin ich nur in geringem Ausmaß interessiert. Ich denke, dass auch heutige Kinder mit den 16-bit-Spielen viel Spaß haben könnten - nur werden die meisten wahrscheinlich aufgrund des Gruppendrucks an den Schulen darauf bestehen, dass ihnen Papi eine möglichst moderne Konsole anschafft.

Jedenfalls sind Videospiele meines Erachtens eines der besten Beispiele dafür, welche Chancen die Globalisierung bietet. Denn in Videospiele fließen viele Erfindungen ein, die aus ganz unterschiedlichen Erdteilen stammen. Die zugrunde liegende Computertechnik wurde ursprünglich in Europa entwickelt und in Nordamerika perfektioniert. Die Spiele selbst werden hauptsächlich in Japan, also in Ostasien, entwickelt. Und die Musik ist auf afrikanische Einflüsse zurückzuführen.

In einer Welt ohne Globalisierung, in der jedes Land für sich alleine lebte, gäbe es vermutlich keine Videospiele. Somit stellen diese Spiele ein wunderschönes Beispiel dafür dar, dass Globalisierung nicht nur negativ zu sehen ist.

Sonntag, 28. Juli 2013

"Studium zweiter Wahl"

In einem Forum meinte jemand, Informatik sei ein "Studium zweiter Wahl". Wenn dem so wäre, dann fragte ich mich, was ein Studium erster Wahl wäre? Vielleicht Mathematik oder Physik? Denn laut amerikanischen Statistiken sind Physikstudenten die Studenten mit dem im Schnitt höchsten IQ, gefolgt von den Mathematikstudenten. Aber an dritter Stelle kommen bereits die Informatikstudenten. So gesehen, halte ich die Aussage, Informatik sei ein "Studium zweiter Wahl", für sehr fragwürdig.

Man bedenke zudem, dass Computer heutzutage überall eine Rolle spielen, egal in welchem Wirtschaftszweig. Überall braucht man Leute, die sich mit Computern gut auskennen. Mir erscheint Informatik aus diesem Grund ein sehr universelles Studium zu seien, also alles andere als ein "Studium zweiter Wahl". Sicherlich ist man als studierter Informatiker aber für viele Positionen in der EDV überqualifiziert, weil dafür eine Lehre oder eine HTL völlig ausreichen würde und die Theorie, die man im Studium lernt, nicht in diesem Umfang gebraucht wird. Doch schaden kann es keinesfalls, wenn man die Theorie beherrscht.

Samstag, 27. Juli 2013

Aussagekraft von Intelligenztests

Wenn man nun erkannt hat, dass manche Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins nicht gut im Rechtschreiben sind, dann könnte man meinen: "Wenn jemand in einem Intelligenztest einen hohen Wert erreicht hat, bedeutet das nicht unbedingt, dass er deswegen gute Rechtschreibkenntnisse haben muss; daraus folgt, dass auch jemand mit nur mangelhaften Rechtschreibkenntnissen hochintelligent sein kann." Dieser logische Schluss ist aber nicht allgemein gültig, sondern lediglich erfüllbar; erfüllt wird er unter der Annahme, dass Intelligenztests tatsächlich geeignet seien zu bestimmen, wer (hoch)intelligent ist. Diese Annahme aber ist diskussionswürdig.

Freitag, 26. Juli 2013

Schockerlebnisse

Es ist immer wieder interessant, manchmal auch amüsant, zu welchen Schockerlebnissen es kommt, wenn Leute etwas ihr ganzes Leben lang für wahr gehalten haben und sich dann herausstellt, dass die vermeintliche Wahrheit eine Scheinwahrheit war.

Anstatt über andere Personen herzuziehen, gedenke ich aber, zunächst so fair zu bleiben, dass ich in erster Linie über meine eigenen Schockerlebnisse dieser Art sprechen werde. Früher dachte ich, kognitive Begabung hätte etwas mit Rechtschreibung zu tun. So war ich schockiert, als ich feststellte, dass es im österreichischen Hochintelligenzverein Leute gibt, die ich aufgrund ihrer mangelhaften Rechtschreibkenntnisse früher niemals für intelligent gehalten hätte. Aber ich habe rasch gelernt (was manche anscheinend bis heute nicht begriffen haben), dass es unzulässig ist zu glauben, alle Menschen wären im Großen und Ganzen ähnlich sozialisiert worden. Es gibt zum Beispiel Eltern, die ihre Kinder gar keine Bücher lesen lassen und statt dessen schauen, dass die Kinder ständig mit praktisch-handwerklichen Tätigkeiten beschäftigt sind. Dann ist natürlich klar, dass sich solcherart erzogene Menschen als Erwachsene gewaltig von jenen unterscheiden, die schon von klein auf immer sehr belesen waren, selbst wenn sie alle etwa die gleiche Intelligenzhöhe haben. Aber es reicht auch, einen Vereins-Kollegen zu zitieren, um den Unterschied deutlich zu machen. Er meinte: "Ich kenne auch Akademiker, aber die sind nicht intelligent." Das Entscheidende bei dieser Aussage ist das Wort "auch" - denn ich beispielsweise kenne (im echten Leben, außerhalb des Vereins) fast nur Akademiker.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf eingehen, dass manche Akademiker Mediziner nicht für intellektuell halten. Ich finde diese Verallgemeinerung unzulässig. Sicher gibt es viele Mediziner, die nur auswendig gelernt haben und so durch die Prüfungen gekommen sind, aber es gibt sehr wohl auch solche, die sich eigene Gedanken machen. Zudem sind sich Akademiker anderer Studienrichtungen oft gar nicht im klaren, wie hart das Medizinstudium tatsächlich ist - erst unlängst zeigte sich ein Gesprächspartner (viele Grüße!) darüber verwundert, als ich ihm erzählte, dass man im Medizinstudium für gewöhnlich schon durchfliegt, wenn man in der mündlichen Prüfung eine einzige Frage nicht beantworten kann.

Ich erinnere mich auch, wie eine Vereins-Kollegin, eine ältere Dame, die damals schon in Pension war, überrascht war, als ihr kolportiert wurde, jemand hätte im Diskussionsforum des Vereins "rechtes" Gedankengut vertreten - nie hätte sie gedacht, dass es auch Leute mit solchen Ansichten innerhalb des Vereins gäbe. Dabei war sie schon seit den 1960er Jahren in diesem Verein Mitglied. Auch das war wohl ein Schockerlebnis. Dabei war es wohl vor allem auf ihre eigene Naivität zurückzuführen. Denn in der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins hatten einige leitende Redakteure immer wieder Artikel gebracht, die entweder ausländerkritisch waren oder auf sonstige Weise dem gesellschaftlichen Konsens der "political correctness" widersprachen. Vermutlich verfügte die Vereins-Kollegin aber über zu wenig Bildung im Bereich politische Philosophie und wohl auch über zu wenig Interesse an der Thematik, als dass es ihr aufgefallen wäre.

In der Tat gehen viele Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins davon aus, dass alle Mitglieder ihren Idealvorstellungen entsprächen, was immer das auch wäre - zum Beispiel, dass Mitglieder dieses Vereins besonders ordentlich oder anständig wären. Dadurch, dass es in diesem Verein früher nur gelegentlich Treffen gab, hat man die Ansichten der einzelnen Mitglieder nicht so gründlich kennen lernen können. So ist es eben zu verstehen, warum auch langjährige Mitglieder ihren naiven Idealvorstellungen treu blieben. Erst die Foren, die es ab dem Jahr 2004 gab, zeigten deutlicher die Unterschiede zwischen den Mitgliedern und ihren individuellen Lebenswelten.

Ich finde das durchaus reizvoll, auch wenn es immer wieder ärgerlich ist, wenn einmal irgendjemand aus irgendwelchen Gründen glaubt, seine persönlichen Ansichten wären die einzig richtigen und alle anderen müssten sie übernehmen.

In diesem Zusammenhang sei auch gesagt, dass viele, die neu zu diesem Verein kamen, berichteten, früher immer die Erfahrung gemacht hatten, die intelligentesten zu sein, egal in welchem Milieu sie sich bewegten, und es ein ganz neues Erlebnis für sie war, in diesem Verein nur mehr einer von vielen zu sein. Das war bei mir anders! Ich habe schon vor meinem Beitritt zu diesem Verein sehr intelligente Leute gekannt, jedoch waren die meisten davon hochspezialisierte Computerfreaks, mit denen man sich über andere Themen schlecht unterhalten konnte. Im Verein fand ich dann auch reizvoll, dass man dort zu jedem Thema einen Gesprächspartner fand. Man sollte aber bedenken, dass ich dem Verein beigetreten bin, als ich 18 war. Da war ich noch recht jung. Ein anderes Mitglied mit einer ähnlichen Bildungs-Biografie wie ich trat dem Verein erst jetzt, mit 30, bei. Wie er schockiert war über die anderen Vereins-Mitglieder! Da stellte doch glatt ein Mitglied beim Vortrag über die Hominidenevolution die Frage, wie die verschiedenen Hautfarben entstanden seien - mein Kollege: "Das weiß man doch!" In der Tat, Wissen und kognitive Begabung sind eben zwei verschiedene Dinge. Intelligenztests messen nur die Denkfähigkeit. Sie messen nicht einmal, ob jemand davon Gebrauch macht. Man bedenke: Was ist, wenn sich jemand immer für dumm gehalten hat und auch von der Umwelt für dumm gehalten worden ist und sich deswegen nie mit geistig anspruchsvollen Dingen beschäftigt hat? Wenn so jemand dann im Alter von 50 Jahren einen Intelligenztest macht und so gut abschneidet, dass er dem Verein beitreten kann - ja, dann ist doch klar, dass so jemand selbst gegenüber Jüngeren, die sich ihrer Begabung stets bewusst waren und geistige Herausforderungen nie gescheut haben, im Hintertreffen sein wird! Dementsprechend darf man sich von Vereinen wie diesem auch nicht zu viel erwarten; natürlich, kognitive Begabung alleine, die Fähigkeit, Wissen zu verarbeiten, ist noch nicht viel wert, wenn es an Wissen mangelt, das man verarbeiten kann.

Dienstag, 23. Juli 2013

Das Allmachts-Paradoxon

Verschiedene Leute haben schon auf mehr oder wenige dilettantische Weise versucht, die Existenz eines allmächtigen höheren Wesens zu beweisen. Ich kann jedenfalls klar zeigen, dass die Annahme, ein Wesen sei allmächtig, zu einem Widerspruch führt, also paradox ist:

Nehmen wir an, der Allmächtige hat keine rechte Freude an der Menschheit mehr und beschließt: "Es soll keine Menschen mehr geben, und dieser Wunsch ist unwiderruflich." Die Menschen verschwinden vom Erdboden - und der Allmächtige verspürt Reue: "Eigentlich wäre es doch besser, wenn es wieder Menschen gäbe." Da der Allmächtige aber zuerst beschlossen hat, dass sein Wunsch, dass es keine Menschen mehr geben sollte, unwiderruflich ist, haben wir hier einen Widerspruch: Entweder ist der Wunsch unwiderruflich, dann hat sich der Allmächtige in seiner Macht selbst beschränkt, denn er kann ihn nicht rückgängig machen. Oder der Wunsch ist doch nicht unwiderruflich, dann heißt das aber, dass der Allmächtige nicht in der Lage ist zu bestimmen, dass etwas unwiderruflich sei - somit ist der Allmächtige doch nicht zu allem mächtig.

Kurz gesagt: Wenn jemand allmächtig ist, dann muss es auch in seiner Macht stehen, seine eigene Macht zu begrenzen. Tut er dies, ist er jedoch nicht mehr allmächtig. Dies ist ein Widerspruch, ein Paradoxon.

Ich nehme an, dass es schon vor mir jemanden gegeben haben wird, der auf diese Erkenntnis gekommen sein wird. Aber durch die Macht und gesellschaftliche Verankerung gewisser Institutionen wird solchen logischen Argumenten natürlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Eine Google-Recherche ergab, dass ich tatsächlich nichts Neues entdeckt habe: Mein Gedankengang ist sogar unter der von mir selbst gewählten Bezeichnung "Allmachts-Paradoxon" bekannt, und Wikipedia enthält eine Seite, die sich damit beschäftigt.

Popperschule

An die Popperschule habe ich nun eine Anfrage geschickt, weil ich selbst keine Popper-Absolventen kenne, die als Assistenten oder Assistentinnen an der Universität arbeiten und die Habilitation anstreben. Wenn es wirklich so ist, wie ich vermute, dass familiäre und persönliche Beziehungen bzw. die Mitgliedschaft in Organisationen wie katholischen Studentenverbindungen mehr zählen als die tatsächliche intellektuelle Begabung, dann finde ich es sehr schade, wie viel Potenzial hier nicht genützt wird.

Die Ehrentafel auf der Website der Popperschule zeigt nämlich sehr deutlich, dass die Popperschüler tatsächlich auf allen Gebieten, für die sie sich interessieren, zu den Besten dieser Republik gehören.

Link: https://www.popperschule.at/leben/ehrentafel.html

Stochastokratie

Und wieder stelle ich fest, dass ich nicht der Erste war, der eine Idee gehabt hat - aber soweit ich weiß, wurde sie noch nicht umgesetzt.

Die Rede ist von der Stochastokratie, der Herrschaft des Zufalls. Kurz gesagt: Politiker verwenden meist eine von zwei Heuristiken zur Entscheidungsfindung, die eine ist ideologisch (also weltanschaulich begründet) und die andere pragmatisch (man gibt gewisse weltanschauliche Ansichten auf, um realpolitische Ziele zu erreichen). Die dritte denkbare Heuristik wäre die Stochastik. Dabei würden Politiker aus einer vorgegebenen Menge von Optionen per Zufallsgenerator diejenige auswählen, die sie dann vertreten.

Eine stochastokratische Partei könnte beispielsweise wie folgt vorgehen: Man wählt ein Thema aus, zum Beispiel "Bildungspolitik", und lädt die Leute zu einer Brainstorming-Session ein. Jeder soll möglichst verrückte Ideen zum Thema vorschlagen. Diese werden dann nummeriert, zum Beispiel:

1. Es sollte keine Schulen mehr geben.
2. Der Unterricht sollte zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh stattfinden.
3. Jeder Schüler muss während des gesamten Unterrichts einen Kopfstand machen.
4. Die Lehrer sollten nichts mehr bezahlt bekommen und zölibatär leben.

Dann wird ein Computerprogramm gestartet, das eine Zufallszahl ausgibt, zum Beispiel die Drei. Und schon ist das bildungspolitische Programm der stochastokratischen Partei festgelegt: "Jeder Schüler muss während des gesamten Unterrichts einen Kopfstand machen."

Wenn jemand behauptet, der Libertarismus wäre die gefährlichste politische Ideologie der jüngeren Vergangenheit, dann kannte er die Stochastokratie noch nicht! Diese birgt allerdings nicht nur Gefahren, sondern auch ein gewisses Unterhaltungspotenzial.

Montag, 22. Juli 2013

Interessen

Als Kleinkind habe ich mich hauptsächlich für alterstypische Dinge interessiert, wie Comics und Cartoons. Ab dem Volksschulalter dann für Computer. Als Jugendlicher erwachte in mir das Interesse an Weltgeschichte, Politik und Geografie. Als junger Erwachsener beschäftigte ich mich dann mit Naturwissenschaften und damit verbundenen Bereichen der Philosophie wie der Erkenntnistheorie. Jetzt beginne ich mich den praktischen Dingen des Lebens zu widmen - womit andere vielleicht schon im Volksschulalter Erfahrungen gesammelt haben. Mir ist es halt immer so gut gegangen, dass diese Sachen für mich nicht so wichtig waren.

In diesem Zusammenhang: Ich habe heute "On physics and philosophy" von Bernard d'Espagnat gekauft. Obwohl der Autor sich immer eher für Philosophie und Geisteswissenschaften interessiert hat, hat er Naturwissenschaften (vor allem Physik) studiert, weil er der Meinung war, dass Fortschritte in der Philosophie nur mit guten Kenntnissen der Naturwissenschaften möglich seien. Ein kluger Mann. Ich habe es ähnlich gemacht, denn auch ich habe trotz Interesses an philosophischen Fragestellungen nicht Philosophie, sondern "Fachwissenschaften" studiert. Tatsächlich habe ich an der Uni auch einige philosophische Vorlesungen besucht und war aufgrund der hierdurch gewonnenen Erfahrungen letztlich froh, dass ich mich nicht für ein Philosophiestudium entschieden hatte.

Gespräch mit Renee Schroeder

Auf der Homepage der Zeitschrift "profil" befindet sich ein Interview mit der Molekularbiologin Renée Schroeder. Darin äußert sie sich kritisch über Religion und Religiosität.

Diese erfrischend unkonventionellen Ansichten für eine österreichische Forscherin, in einem Land, wo viele Posten an Unis durch erzkonservative Mitglieder von katholischen Studentenverbindungen besetzt sind, waren wohltuend zu lesen. Man muss aber beachten, dass Frau Schroeder vor allem ein "Darling" der politisch eher links orientierten Medien ist, während sie selbst in der wissenschaftlichen Landschaft, zum Teil sicher aus gleichermaßen politischen Gründen, einen schweren Stand hat. So war ja vor einigen Jahren davon zu lesen, dass ihr die ordentliche Professur trotz ihrer Prominenz und ihrer Leistungen (vom Österreichischen Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten wurde sie einst zur "Wissenschaftlerin des Jahres" gewählt) lange Zeit verweigert wurde; erst 2006 hat sie es endlich geschafft.

Kritisch muss ich aber ihre Aussage über die Studenten kommentieren, die dreimal bei derselben Prüfung durchfallen, sich dennoch durchquälen und nach 10 Jahren (also nach weit längerer Zeit als im Studienplan vorgesehen) schließlich fertig werden: Viele der wirklich "schlechten" Studenten fallen noch mehr als nur dreimal bei derselben Prüfung durch und sind dadurch gezwungen, ihr Studium abzubrechen, weil sie alle zulässigen Antritte ausgeschöpft haben. Unter denen, die 10 Jahre oder noch länger studiert haben und letztlich fertig geworden sind, gibt es auch durchaus gute Studenten mit einem passablen Notendurchschnitt, die bei keiner Prüfung je dreimal (ja in vielen Fällen nicht einmal zweimal) durchgefallen sind. Man darf also auf keinen Fall aus Frau Schroeders Aussage den Umkehrschluss ziehen, dass alle, die lange studiert hätten, derart schlechte Studenten gewesen wären. Zudem muss man bedenken, dass die Studiendauer auch mit dem Studienfach zusammenhängt.

Eine Person A, die es einer Person B zum Vorwurf macht, zu lange studiert zu haben, ist in den meisten Fällen als nicht Recht habend zu betrachten. Mediziner machen ihren Fachkollegen höchst selten solche Vorwürfe, weil sie genau wissen, wie viele verschiedene Gründe es gibt, warum jemand länger als vorgesehen studiert haben kann. Außerdem ist jemand, der relativ schnell studiert hat, fachlich nicht unbedingt besser qualifiziert als einer, der sich länger (und womöglich gründlicher) mit der Materie beschäftigt hat.

Hier in Österreich gibt es auch keine "Regelzeit" beim Studieren, sondern eine "Mindeststudiendauer". "Mindeststudiendauer" bedeutet, dass es theoretisch möglich sein muss, das Studium innerhalb dieses Zeitrahmens zu absolvieren; das stellt eine Verpflichtung für die Universität dar, die erforderlichen Lehrveranstaltungen über diesen Zeitraum anzubieten, aber keine Verpflichtung für die Studierenden. "Mindeststudiendauer" heißt nicht, dass man nicht länger brauchen darf. Es ist bedenklich, wenn manche Unternehmen von Bewerbern erwarten, ihr Studium in dieser "Mindeststudiendauer" absolviert zu haben.

Link: http://www.profil.at/articles/1329/560/362457/renee-schroeder-es-tabus

Sonntag, 21. Juli 2013

Sozialisation

Im Political Compass hat sich heute wieder gezeigt, dass meine Ansichten als "sehr liberal" zu klassifizieren sind; und auch einige meiner ehemaligen Mitschüler vom Gymnasium haben in dieser Hinsicht sehr ähnlich abgeschnitten wie ich. Ich vermute, dass meine liberalen Ansichten auf meine Sozialisation am Gymnasium zurückzuführen sind. Auch wenn ich mich in meiner Klassengemeinschaft nicht immer ganz wohl gefühlt habe, hat sie mich dennoch geprägt, und - Hand aufs Herz - meine ehemaligen Klassenkameraden gehören ganz bestimmt zu den angenehmsten Menschen, denen ich je begegnet bin und denen ich aller Voraussicht nach jemals begegnen werde.

Jedenfalls mögen meine liberalen Einstellungen auch Grund sein, warum ich nie einer Studentenverbindung beigetreten, sondern statt dessen zum österreichischen Hochintelligenzverein gegangen bin. Denn die Studentenverbindungen sind hierzulande meist eher konservativ. Da hätte ich nicht hineingepasst. Am Verein fand ich hingegen reizvoll, dass da jeder Mitglied werden kann, der in einem Intelligenztest gut abgeschnitten hat, egal wer er ist. Aber diese Unterschiedlichkeit der Herkunftmilieus der einzelnen Vereins-Mitglieder hat durchaus zu Konflikten geführt. Viele Mitglieder sind auch gar nicht liberal. Manche haben den kleinbürgerlichen "Leistungsgedanken" verinnerlicht, dass man ständig in erster Linie ans Geldverdienen denken müsse, und halten alle, die nicht so denken, für "Schmarotzer". Diese Leute sind für mich das Problem Nummer eins innerhalb des Vereins. Aber es gibt auch durchaus idealistisch(er) verlangte und teilweise hochgebildete Vereins-Mitglieder.

In diesem Zusammenhang ist mir bezüglich der oft gehörten Forderung, man solle möglichst schnell studieren, auch noch eines klar geworden: Es ist scheinheilig, wenn jemand sagt, dass einer, der bis 30 studiert hat, nichts Besonderes sei, weil "jeder Trottel" mit 30 Akademiker werden könne. In Wirklichkeit stellen diejenigen, die relativ lange studiert haben, nicht deswegen eine Gefahr dar, weil sie blöd sind, sondern weil man zu Recht annehmen kann, dass diese Leute weit über den Tellerrand hinausgeblickt und Kenntnisse erworben haben, die es aus Sicht der potenziellen Arbeitgeber bessser wäre, nicht zu haben. Etwa über Dinge, wie die Welt wirklich funktioniert, anstelle des Scheinwissens, das man durch unsere Bildungsinstitutionen vermittelt bekommt. Arbeitgeber hätten lieber Mitarbeiter, die zwar das können, wofür sie gebraucht werden, aber ansonsten eher naiv sind. Wichtig ist in erster Linie die Austauschbarkeit der Mitarbeiter, damit man unliebsame Zeitgenossen leicht entsorgen kann. Starke Persönlichkeiten oder gar "Universalgelehrte" sind etwas, an dem keine Firma interessiert ist. Deswegen - und meiner Meinung nach nur deswegen - werden Langzeitstudenten verabscheut.

Es ist auch so, dass es vom kleinbürgerlichen Hegemon hierzulande und auch anderswo gewünscht wird, dass man ständig einer Beschäftigung nachgeht und möglichst keine Auszeiten einlegt, damit man nicht auf "blöde" Gedanken kommt. Auch hier ist das Wort "blöd" ein Euphemismus, denn das Problem sind nicht wirklich dumme Gedanken, sondern eher grundvernünftige Gedanken, durch die jedoch die Autorität des Hegemons und dessen Weltbild, das er allen Bürgern dieses Landes oktroyieren will, in Frage gestellt werden.

Freitag, 19. Juli 2013

Unterschied Hochbegabung - Höchstbegabung

Eine Bekannte von mir hat sich schon als Jugendliche schriftstellerisch betätigt und inzwischen (sie ist etwa gleich alt wie ich - Jahrgang 1983 oder 1984) schon zahlreiche Romane, aber auch Sachbücher auf den Markt gebracht. Obwohl Finnin, spricht sie hervorragend Englisch. Sie kann auch recht gut zeichnen. Was sie dagegen nicht gerne macht, ist programmieren, denn diese Tätigkeit erfordert ihrer Meinung nach zu viel logisches Denken. Soweit eine Ferndiagnose möglich ist, schätze ich ihren IQ auf ungefähr 130 (auf einer Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15). Das ist ein sehr respektabler Wert, der von rund 98% der Bevölkerung nicht erreicht wird. Aber ein IQ von 130 darf auch nicht überschätzt werden. Mit diesem IQ ist man für die Anforderungen des täglichen Lebens gut gerüstet und wird eine höhere Schullaufbahn ohne Probleme bewältigen können, wenn man nur regelmäßig seine Hausaufgaben macht und mitlernt. Doch für wirklich anspruchsvolle Aufgaben benötigt man wahrscheinlich einen IQ von noch mehr als 130. Zum Beispiel wird ein wirklich guter Programmierer, also einer, der nicht nur 08/15-Datenbank-Anwendungen implementiert, sondern auch eigene Algorithmen entwickelt und effizienten Programmcode schreibt, wahrscheinlich einen IQ deutlich über 130, vielleicht sogar über 140 haben.

Was ist der Unterschied zwischen einem Hochbegabten mit einem IQ leicht über 130 und einem Höchstbegabten mit einem IQ von 145? Hierzu habe ich auf der Homepage von Paul Cooijmans etwas Interessantes gefunden. Er meint, mit einem IQ zwischen 130 und 140 sei man "gifted", also "begabt", wobei er das Wort "gifted" unter Anführungszeichen gesetzt hat. Aber erst mit einem IQ von 140 oder höher sei man wirklich "intelligent". Cooijmans unterscheidet also zwischen "Begabung" und "Intelligenz", wobei er diese beiden Begriffe als unterschiedliche Ausprägungsgrade auf derselben Skala, der IQ-Skala, auffasst. Wie ist das zu verstehen?

Nun, was heißt es, "begabt" zu sein? Ein "Begabter" verfügt über besondere Fähigkeiten, die er beruflich verwerten könnte. Zum Beispiel könnte jemand "begabt" genug sein, um unterhaltsame Kurzgeschichten zu verfassen oder "bescheidene" Romane, wie es Cooijmans ausdrückt. Ein "Begabter" kann, wenn er richtig gefördert wurde, beruflich sehr erfolgreich sein.

Ein "Intelligenter" ist ebenfalls "begabt", aber in besonderem Ausmaß. Vieles, das sich ein lediglich "Begabter" mühsam erarbeiten muss, fällt ihm so leicht, dass es dem "Intelligenten" gar nicht auffällt, dass er über eine besondere Fähigkeit verfügt. Dementsprechend neigt der "Intelligente" dazu, sich selbst zu unterschätzen bzw. sich auf dem Arbeitsmarkt unter seinem Wert zu verkaufen.

Was den "Intelligenten" aber vom bloß "Begabten" unterscheidet, ist seine Fähigkeit, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen, in größeren Zusammenhängen zu denken und selbstständig zu neuen Urteilen zu kommen. Das ist es, was "Intelligenz" eigentlich auszeichnet.

Freilich sind das aber Fähigkeiten, die sich nicht unbedingt beruflich verwerten lassen. Deswegen wird der "Intelligenz" in diesem Sinne von kaum einer Seite allzu große Beachtung geschenkt. Gefördert werden in erster Linie nur "Begabte". "Intelligente" braucht niemand. Eher im Gegenteil: Die "Intelligenten" stellen eine Gefahr dar, weil sie Zusammenhänge erkennen, die anderen Menschen verborgen bleiben. Während in Teilen der Gesellschaft "Begabtenförderung" also schon einigermaßen akzeptiert wird, gibt es so etwas wie "Intelligentenförderung" nicht, und man täte als "Intelligenter" nach wie vor besser daran, seine "Intelligenz" zu verbergen.

"Die Geschichte des Aronass" - Interpretation

In der Schule ist es üblich, dass die Schüler Gedichte und Geschichten interpretieren müssen. Dabei werden den Autoren oft Dinge in den Mund gelegt, die sie weder gesagt noch gemeint haben. Damit mir nicht dasselbe passiert, lege ich hiermit offiziell fest, wie mein Romanfragment "Die Geschichte des Aronass" zu interpretieren ist.

"Die Geschichte des Aronass" handelt von einem Jungen, der ausgewählt wird, um den Göttern geopfert zu werden. Von seiner Bestimmung erfährt er zunächst nichts, sondern kommt auf eine Eliteschule, die alle besuchen müssen, die als Opfer ausgewählt worden sind. In acht Jahren lernt er dort sehr viel vor allem über religiöse Lehren. Erst gegen Ende der Schullaufbahn erfährt er von seiner Bestimmung. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Schüler aufgrund der jahrelangen religiösen Indoktrinierung bereit, ihr Schicksal hinzunehmen.

Diese Geschichte ist eine Allegorie auf meine eigene Schulzeit. Ich wurde, weil ich in der Volksschule gute Noten schrieb, ausgewählt, das Gymnasium zu besuchen. Das Gymnasium dauerte acht Jahre, und ich hielt es zunächst für eine tolle Sache, weil man dort so viel lernte und seine Begabungen entfalten konnte. Erst im Lauf der Zeit wurde mir klar, dass das Gymnasium in erster Linie nicht uns Schülern diente, sondern der "Wirtschaft", und dass es die Bestimmung von uns Gymnasiasten war, nach der Matura in der Wirtschaft "verheizt" zu werden. Doch die meisten Schüler waren bis dahin bereits derart geprägt worden, dass sie ihr Schicksal, nach der Matura in der Wirtschaft "verheizt" zu werden, einfach hinnahmen.

So und nicht anders ist mein Romanfragment "Die Geschichte des Aronass" zu interpretieren.

Über Denktraditionen

Mein Artikel über den Unterschied zwischen Hochbegabung und Höchstbegabung stieß bei einigen Lesern auf Ablehnung; dazu möchte ich Folgendes sagen: Es mag schon sein, dass es im ersten Moment schrecklich klingt, wenn jemand sagt, dass nur Menschen mit einem IQ von 140 (also ca. 0,5% der Bevölkerung) wirklich intelligent seien. Sind denn nicht wesentlich mehr, im Prinzip sogar alle Menschen intelligent?

Ja, es stimmt schon, alle, oder zumindest fast alle, Menschen sind intelligent. Aber: Die wenigsten Menschen denken wirklich selbstständig. Oder wenn, dann nur von Zeit zu Zeit. Nur wenige Menschen kommen regelmäßig selbstständig zu neuen Konklusionen. Und das ist es meiner Auffassung nach, was Cooijmans unter "intelligent" versteht.

Viele Menschen wirken intelligent, sind aber keine selbstständigen Denker. Sie verfügen nur über tradiertes Wissen und tradierte Denkmuster. Denktraditionen würde ich hierbei unterteilen in Meinungstraditionen und Argumententraditionen. Einerseits werden Meinungen tradiert, andererseits auch Argumente, mit denen diese Meinungen begründet werden.

Wenn man mit anderen Menschen diskutiert, trifft man ständig solche wiederkehrenden Muster an. Manche wurden in der Familie weitergegeben, andere durch die Schule, einige durch die Kirche (bei religiösen Menschen) oder durchs Fernsehen, manche eventuell durch die Arbeit, und nur einige wenige Menschen erwerben Denkmuster durch den Konsum von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Die Menge derjenigen, die durch selbstständiges Nachdenken obendrein regelmäßig zu neuen Konklusionen kommen, dürfte verschwindend klein sein und ihre Größe möglicherweise tatsächlich nahe bei der Zahl der Menschen liegen, die einen IQ von 140 oder höher haben.

Nichts gegen Denktraditionen - aber man muss sich eben bewusst sein, dass es sich um Traditionen handelt und nicht um neuartige Erkenntnisse. Natürlich ist es auch wichtig, über tradiertes Wissen, tradierte Meinungen und tradierte Argumente zu verfügen, sonst müsste man ja ständig das Rad neu erfinden, was nicht gerade effizient ist. Aber wirklich intelligent sind nur diejenigen, die regelmäßig zu eigenen, neuen Schlussfolgerungen kommen. Wohlgemerkt: Das heißt nicht unbedingt, dass es nicht jemand anderen in der großen, weiten Welt gegeben haben dürfte, der bereits den gleichen Gedanken gehabt hat.

Menschen neigen ja auch dazu, einander in Schubladen zu kategorisieren - "Du bist ein Linker", "Du bist ein Rechter", "Du bist ein Katholik" usw. Diese Schubladen basieren in der Tat eben auf solchen Denktraditionen. Oft genügt es, wenn man irgend etwas sagt, was einer bestimmten Denktradition entspricht, und schon wird man schubladisiert. Dabei sind intelligente Menschen meistens Eklektiker, die nicht nur einer bestimmten Tradition folgen, sondern bereit sind, auch Gedankengut aus anderen Denktraditionen aufzunehmen, sofern sie ihnen in den Kram passen.

Was liberales Gedankengut betrifft, wird ja oft gesagt, dass es zumindest hier in Österreich keine liberale Denktradition gäbe. Somit müsste eigentlich jeder österreichische Liberale mehr oder weniger durch selbstständiges Denken zu seinen Ansichten gekommen sein. Insofern ist anzunehmen, dass viele Liberale einen IQ über 140 haben werden - was auch die bescheidenen Wahlerfolge liberaler Parteien erklärt (aber immerhin, 2% sind doch ein wenig mehr als 0,5%). Jedenfalls möchte ich jedem Leser raten, seine eigene kognitive Begabung nicht zu unterschätzen.

In diesem Zusammenhang noch eines meiner Lieblingszitate:

Anyone who in discussion relies upon authority uses not his understanding, but rather his memory.
- Leonardo da Vinci

Der Gebrauch dieses Zitats entbehrt natürlich nicht einer gewissen Selbstironie, weil man sich durch die Verwendung dieses Zitats ja auf die Autorität Leonardo da Vincis bezieht und dadurch genau das tut, was Leonardo in diesem Zitat kritisiert. :-) Aber wer nicht über sich selbst schmunzeln kann, hat ohnehin keinen rechten Sinn für Humor.

Über Denktraditionen - Teil 2

Früher war ich in einigen Diskussionsforen im Internet sehr aktiv, vor allem in internen Foren des Hochintelligenzvereins, in dem ich Mitglied war. Oft habe ich neue Threads gestartet, in denen ich meine eigenen Ansichten zur Diskussion stellte. Nun habe ich einerseits beschlossen, mich von diesen Foren fernzuhalten, um Stress zu reduzieren (siehe den entsprechenden Blog-Artikel vor einigen Tagen), andererseits bin ich durch mein Nachdenken über Denktraditionen darauf gekommen, dass es mir in der Tat wenig nützt, im Rahmen der Vereinsöffentlichkeit über meine Ansichten diskutieren zu lassen, denn:

Es hat sich über die Jahre gezeigt, dass ich relativ gut im schlussfolgernden Denken bin, besser noch als die meisten Vereins-Mitglieder. Es passiert recht selten, dass ich zu einer falschen Konklusion komme, weil ich einen Denkfehler begangen habe. Eher kann es sein, dass meine Konklusionen falsch sind, weil ihnen falsche Annahmen zugrunde liegen.

Das bedeutet aber, dass ich nicht unbedingt hochintelligente Menschen (also Menschen, die relativ gut im schlussfolgernden Denken sind) benötige, um meine Hypothesen logisch zu überprüfen. Eher brauche ich Menschen mit viel Lebenserfahrung, die eventuell aufgrund ihrer Erfahrung in der Lage sind, meine Annahmen (empirisch) zu widerlegen. Da ist möglicherweise die Vereinsöffentlichkeit das falsche Publikum; denn es ist nicht anzunehmen, dass sich Mitglieder, was ihre Lebenserfahrung betrifft, statistisch signifikant von der Gesamtbevölkerung unterscheiden, es sei denn, es handelt sich um Erfahrungen, die speziell mit der überdurchschnittlichen kognitiven Begabung zu tun haben. Andererseits trifft man in diesem Verein aber Menschen aus allen möglichen Lebenslagen an, vom Kellner bis zum Bankdirektor; so gesehen, ist der Verein vielleicht doch nicht so schlecht.

Wie dem auch sei, ich bin der Meinung, dass es in der Tat besser sein dürfte, wenn ich meine Ansichten allenfalls hier, in meinem Blog, veröffentliche und die Foren meide, um Zeit und Energie zu sparen und negativen Stress zu vermeiden.

In zweifachem Zusammenhang passt dazu die folgende Frage: Akademiker gelten in weiten Teilen der Bevölkerung als besonders gescheit; aber warum? Um Akademiker zu werden, muss man vor allem viel Wissen erwerben. Gelten Akademiker nun als gescheit, weil sie viel wissen? Oder hängt es mit dem Prozess des Wissenerwerbs zusammen, der vielen Menschen schwer fällt und dessentwegen sie Akademiker bewundern?

Diese Frage steht einerseits thematisch mit meinem ersten Posting über die Denktraditionen in Zusammenhang, andererseits aber sind diese Fragen an das geneigte Publikum gerichtet und stellen ein Beispiel für ein Thema dar, über das es sich, trotz allem, was ich hier, in diesem Posting, geschrieben habe, lohnt zu diskutieren; denn es geht nicht um die logische Widerlegung einer Hypothese, sondern um die Erfahrungen, die die Menschen in Bezug auf diese Frage gemacht haben.

Menschlich-soziale Reife

Eine Diskussion auf Facebook hat wieder einmal ein Vorurteil bestätigt, das viele Menschen Hochbegabten gegenüber haben: nämlich dass die Hochbegabten in ihrer menschlich-sozialen Reife gleichaltrigen Normalbegabten meist hinterher hinken. Ob das wirklich auf alle Hochbegabten zutrifft, ist zwar zu bezweifeln, aber zumindest gibt es einige Hochbegabte, für die dieses Vorurteil tatsächlich gilt. Sie glauben, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, und erheben den Anspruch, sogar deutlich ältere, zum Teil aber ebenfalls hochintelligente Personen belehren zu dürfen.

Meiner Meinung nach gäbe es eine Lösung, wie man erwirken könnte, dass auch Hochbegabte im Alter von 18 Jahren den altersüblichen Reifegrad erreichten, nämlich eigene Schulen speziell für Hoch- bzw. Höchstbegabte. Diese Schulen müssten vor allem zwei Anforderungen erfüllen:

1. Die Schüler müssten als das wahrgenommen werden, was sie sind, nämlich als besonders begabt.
2. Die Schüler müssten ihrer Begabung entsprechend herausfordernde Aufgaben gestellt bekommen.

Diese Punkte bedürfen möglicherweise einer Erklärung, vor allem Punkt 1.

Ich möchte Punkt 1 mit meiner eigenen Lebensgeschichte begründen: Ich war ein guter Schüler an einem neusprachlichen Gymnasium und wurde deswegen von den meisten Lehrern als "gescheit" wahrgenommen, aber nur wenige äußerten sich in dem Sinne, dass sie mich für hoch- bzw. höchstbegabt hielten. Tatsächlich meinte zum Beispiel meine Lateinlehrerin im persönlichen Gespräch nach der Matura, dass sie mich für "nicht so gescheit" hielt, aber vermutete, dass ich "die richtige Lerntechnik" gefunden hätte. Sie glaubte also, meine schulischen Leistungen seien auf eine spezielle Methode zurückzuführen, wie ich den Lehrstoff in mein Gedächtnis einspeicherte. Wirklich erkannt haben meine Begabung wohl nur die Lehrer in den Fächern, in denen man Aufsätze schreiben musste. Für meine Schularbeiten im Fach Englisch bekam ich oft nicht nur eine 1, sondern sogar eine 1+, weil meine Aufsätze eigene Gedanken enthielten und diese auch nicht nur in der Luft hingen, sondern stets logisch begründet waren. Dass meine eigentliche Stärke nicht im Merken lag, sondern in der Fähigkeit, logische Schlüsse zu ziehen, fiel eben nur wenigen Lehrern auf. Sogar der Mathematiklehrer war überrascht, als ich an einem landesweiten Mathematik- und Denksportwettbewerb teilnahm und einen herausragenden Platz erreichte. Für ihn war durch meine Leistung in diesem Wettbewerb klar, dass ich hochbegabt war; aber allein aufgrund seines Unterrichts (und ich hatte ihn zu diesem Zeitpunkt schon fast vier Jahre lang in Mathematik und Physik gehabt) wäre er nicht auf diese Idee gekommen.

Meinen ersten Intelligenztest machte ich erst im Alter von 18 Jahren, fast ein Jahr nach der Matura. Kognitive Begabung war also während meiner Schulzeit kein Thema. Aber in meiner Freizeit las ich immer wieder Zeitungen und Zeitschriften, und in diesen wurde damals oft über hochbegabte Kinder berichtet. Ich war von Neid erfüllt, dass ich nicht selbst als hochbegabt wahrgenommen wurde und keine Hochbegabtenförderung erhielt. Also machte ich dann, mit 18, den Intelligenztest, um zu beweisen, dass auch ich zu den Hochbegabten gehörte.

Wenn man in der Schule zwar als "gescheit", aber nicht als besonders begabt wahrgenommen wird, dann wird die Schule der Persönlichkeit des hochbegabten Schülers nicht gerecht. Der begabte Schüler wird in diesem Fall lediglich als einer von vielen wahrgenommen, der sich von der Masse nur dadurch unterscheidet, dass er besonders pflegeleicht ist, weil er stets gute Leistungen erbringt und nicht unangenehm auffällt. (Wohlgemerkt: Ich behaupte damit nicht, dass alle laut Intelligenztest Hochbegabten gute Schüler wären; ich gehe hier von einem bestimmten Persönlichkeitstyp aus.)

Wenn man einen Schüler hingegen nicht nur als pflegeleicht, sondern als begabt ansieht, dann ist klar, dass er einer ganz anderen Behandlung bedarf. Damit kommen wir zu Punkt 2. Begabte brauchen Herausforderungen. Ich habe mich während der Schulzeit immer auf das Studium an der Universität gefreut, weil ich erwartet hatte, an der Universität mit anspruchsvolleren Aufgaben (vor allem im Bereich der Mathematik) konfrontiert zu werden als in der Schule. Warum kann man hoch- und höchstbegabten Schülern nicht schon während der Schulzeit solche Aufgaben stellen? Die wenigsten wirklich Begabten würden solche besonders schwierigen Aufgaben als Belastung ansehen, die meisten würden sich darüber sogar freuen. Freilich darf sich der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben aber nicht negativ auf die Note auswirken. Wenn ein Schüler von besonders schwierigen Aufgaben nur einen bestimmten Teil (sagen wir: 80%) lösen kann, dann ist das genauso gut, wie wenn er von für ihn leichten, seiner Altersstufe entsprechenden Aufgaben 100% lösen kann. Wenn ein Schüler jedoch selbst ausgesprochen schwierige Aufgaben bewältigt, dann muss er dafür besondere Anerkennung bekommen.

Meiner Meinung nach könnte durch diese Art der Begabtenförderung eher bewirkt werden, dass der begabte Schüler am Ende, zum Zeitpunkt seiner Volljährigkeit, über den von der Gesellschaft gewünschten menschlich-sozialen Reifegrad verfügt.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Vom Können und Meinen

Der Umgang mit Normalbegabten fällt einem Höchstbegabten, der in dieser Beziehung keine speziellen Erfahrungen gemacht hat, meistens schwer, weil er sich aufgrund seiner verschiedenartigen Entwicklung nicht in diese hineinversetzen kann. Was mir aber aufgefallen ist:

Normalbegabte haben oft Probleme, weil sie bestimmte Dinge nicht können. Diese Frage stellte sich für mich nie, außer im Sport. Als Höchstbegabter verwendet man eigentlich die meiste Zeit und Energie damit, sich Gedanken über weltanschauliche Fragestellungen zu machen. Es geht also weniger darum, was man kann (man kann im Prinzip so gut wie alles), sondern zu welchen Konklusionen man kommt und welche Meinungen man vertritt.

Für mich war es erstaunlich, wie Anfang 2002 die Leute reagierten, als ich (naiv, wie ich war) auf meiner Homepage bekannt gab, mit welchen Noten ich meine Matura abgelegt hatte. Ich kann mich noch gut erinnern: "Adok! Dich mag keiner! Sag' mal, was kannst du nicht?" Dass es aufs Können ankommt und nicht auf die Meinungen, die man vertritt, war mir damals gar nicht (mehr) bewusst. In der Volksschule musste ich vielleicht noch manche Dinge lernen, weil ich sie noch nicht konnte; aber am Gymnasium stellte sich die Frage des Nichtkönnens nie.

Aber ich erinnere mich noch, wie ein Schüler einer Parallelklasse überrascht war, wie ich, der ja immer sehr schüchtern und gehemmt wirkte, einer Mitschülerin von mir etwas über Mathematik erklärte und er dann rief: "Clausi! Du kannst doch eh was! Warum bist du dann so? Wow! Wenn ich das könnte...!"

Als Höchstbegabter sollte man sich also merken: Andere haben vorwiegend Probleme wegen mangelnder Kenntnisse und Fähigkeiten. Das ist für die meisten Menschen das Entscheidende. Höchstbegabte machen sich eher über weltanschauliche Differenzen Sorgen. Die meisten Menschen sind aber, außer vielleicht im hohen Alter, gar nicht in der Lage, sich über weltanschauliche Fragestellungen allzu tiefsinnige Gedanken zu machen.

Das große Ganze

Ich habe festgestellt, dass ich mich zu sehr von Detailfragen ablenken lasse und nicht auf das große Ganze achte.

Auf die Frage "Wer hat Geld?" wird man nach einigem Überlegen vielleicht antworten: am ehesten der Staat. Tatsächlich hat der Staat aber kein Geld, weil er maßlos überschuldet ist. Die Schulden hat er bei diversen Geldgebern, vor allem Banken. Diese werden auch nicht ewig immer nur Geld hergeben, ohne Aussicht, jemals etwas zurückzubekommen. Irgendwann wird auch ihnen die Puste ausgehen.

Eher verfügen noch Großkonzerne wie Microsoft oder Google über Kapital.

Man muss das Ganze jedenfalls global betrachten, es reicht nicht, auf nationaler Ebene zu bleiben.

De facto leben wir ja auch gar nicht mehr in einer Demokratie, weil die meisten Gesetze von der Europäischen Kommission in Brüssel verabschiedet werden, die nicht demokratisch legitimiert ist.

Die Europäische Union als Superstaat verfügt vielleicht noch über Kapital, aber angesichts der gewaltigen Schulden ihrer Mitgliedsländer wahrscheinlich nicht über allzu viel. Das europäische Modell des starken Staats ist dem Untergang geweiht.

Eigentlich erstaunlich, angesichts all dessen, dass es uns noch so gut geht...

Gut und Böse

Klassische, aber auch moderne Märchen (Zeichentrickfilme!) teilen die Welt häufig in Gut und Böse ein. Dieser Einteilung liegt meiner Meinung nach eine archaische, kollektivistische Weltanschauung zugrunde. Gut sind diejenigen, die zum eigenen Kollektiv gehören und sich an die Gesetze halten, die in diesem Kollektiv gelten; alle Anderen sind böse. Ob aber die Gesetze, die im eigenen Kollektiv gelten, wirklich objektiv gut sind oder nur bestimmten Personen oder Gruppierungen nutzen und ob das eigene Kollektiv wirklich derart tugendhaft ist, wie es dargestellt wird, oder ob es vielmehr sehr wohl andere Menschengruppen oder Tiere und Pflanzen ausbeutet und unterdrückt, wird bewusst nicht thematisiert.

Somit vermitteln die Geschichten, mit denen wir als Kinder konfrontiert wurden, im Prinzip ein konservatives, xenophobes Weltbild. Und das wird von denjenigen, die diese Märchen und Cartoons auf den Markt gebracht haben, und denjenigen, die zugelassen haben, dass diese Geschichten unters Volk kamen, wohl auch so gewollt sein.

In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass Siegfried von Xanten in meinen Augen der prototypische deutsche Held ist: stark und tapfer, opfert er sich für sein Volk auf. Solche Figuren findet man auch in modernen Zeichentrickfilmen (man denke etwa an "He-Man"). Meiner Meinung nach sind diese Figuren nicht als Vorbild zu nehmen, weil in ihnen der gesunde Selbsterhaltungstrieb ausgeschaltet ist. Die Mentalität, sich für sein Volk zu opfern, entspricht nicht liberalem Denken. Dieser Kadavergehorsam ist ein Grundübel der Deutschen. Kein Wunder, dass die Helden in meinen eigenen Märchen, wie "Kachol, der Mörder" oder "Annika", meist eher asozial veranlagt sind.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Goyas Geister

"Goyas Geister" (im Original: "Los fantasmas de Goya") ist mein Lieblingsfilm. Ich habe diesen Film einmal im österreichischen Fernsehen gesehen und mir sofort gedacht: Das ist er. Dieser Film verdeutlicht vieles von dem, was mir damals durch den Kopf gegangen ist, über die Natur des Menschen und die Natur der Macht.

Früher habe ich sehr wenig fern gesehen, nur als Kind gelegentlich Zeichentrickserien, aber als Jugendlicher fast gar nicht. Erst während des Studiums habe ich begonnen, mir zur Entspannung ab und zu das Hauptabendprogramm anzusehen. Dementsprechend kenne ich nur relativ wenige Filme. Als ich mich einmal fragte, welcher wohl mein Lieblingsfilm sei, war ich unschlüssig. Viele Filme hatte ich unterhaltsam gefunden, aber keiner hatte einen bleibenden Eindruck auf mich gemacht. Als ich dann aber "Goyas Geister" sah, dachte ich mir: Ja, das ist ein guter Film, diesen Film werde ich von nun an als meinen Lieblingsfilm betrachten.

Eine Lehre, die man aus "Goyas Geister" ziehen kann, ist jedenfalls, dass man niemals Macht missbrauchen, sondern immer möglichst fair bleiben sollte. Denn diejenigen, welche eine Machtposition in besonderem Umfang missbraucht haben, sind auch die, die nach einer Revolution (oder Konter-Revolution) als Erste geköpft werden. Wer immer fair blieb, hat bessere Chancen, einen Umsturz zu überleben.

Laut Wikipedia kam der Film in der Kritik nicht besonders gut weg, was meist mit dem "confused plot" begründet worden sei. Mag sein, dass der "Plot" ein wenig anspruchsvoll ist, aber im Gegensatz zu vielen anderen Filmen (bestes Beispiel: Matrix) ist die Handlung keineswegs unlogisch. Insofern kann ich mich dieser Kritik nicht anschließen.

Klasseneinteilung der Menschheit

Die Einteilung in fünf Stände (siehe eines der gestrigen Postings) ist sicherlich überholt. Ich überlege, wie man die Menschen nach ihrer Erwerbstätigkeit in Klassen einteilen könnte. Wichtig ist: Es soll sich um Klassen handeln, also um disjunkte Teilmengen. Daher darf es keine Schnittmengen geben.

Ein erster Versuch:

1. Erste Klasse: Menschen, die so viel Geld haben, dass sie davon leben, ohne einer Arbeit nachzugehen (zum Beispiel von den Zinserträgen), und auch keine Arbeitnehmer beschäftigen (Privatiers)

2. Zweite Klasse: Arbeitgeber (die andere Menschen beschäftigen und die Produkte der Arbeit dieser Menschen verkaufen)

3. Dritte Klasse: Arbeitnehmer (wer einer Arbeit nachgeht, um Geld zu verdienen), die nicht zugleich Arbeitgeber sind

4. Vierte Klasse: Menschen, die keine Einkünfte haben und von ihrer Familie oder von Bekannten erhalten werden

5. Fünfte Klasse: Menschen, die keine Einkünfte haben und nur von der Gemeinschaft bzw. dem Staat erhalten werden

6. Sechste Klasse: Menschen, die keine Einkünfte haben und von niemandem erhalten werden (also entweder in einem Land ohne Sozialsystem leben oder aus welchen Gründen auch immer ausgegrenzt werden)

"Extraordinäre" als absolute Randgruppe

Der Autor des Buchs "Talent-Management spezial: Hochbegabte erfolgreich führen" hat mir ein kostenloses Exemplar der ersten Auflage zukommen lassen, weil er gerne Zitate aus diesem Blog in der für dieses Jahr geplanten Neuauflage des Buchs verwenden möchte.

An diesem Buch ist mir vor allem aufgefallen, dass es sich fast ausschließlich an Hochbegabte mit einem IQ im Bereich zwischen 130 und 140 wendet und die Höchstbegabten mit einem IQ von 145 oder höher, die immerhin rund 0,1% der Bevölkerung ausmachen (also in Österreich etwa 8000 und in Wien etwa 1600 Personen), als "die Extraordinären" bezeichnet und sie als eine absolute Randgruppe darstellt, deren Bedürfnisse lediglich in einem knappen Kapitel kurz abgehandelt werden.

Gehöre ich mit meinem IQ von ca. 150 (Durchschnitt aller Testergebnisse) also einer absoluten Randgruppe an, die nicht einmal in einem Buch, das sich mit Hochbegabung beschäftigt, wirklich erwähnenswert ist?

Zumindest ist mir aufgefallen, dass selbst Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins oftmals nicht in der Lage sind, zu von mir begonnenen Diskussionen kompetente Beiträge zu liefern; manchmal verstehen sie selbst grundlegende Aussagen nicht. Dabei herrscht Konsens darüber, dass ich eine sehr klare Sprache verwende; Verständnisprobleme sind also nicht auf eine unklare Ausdrucksweise meinerseits zurückzuführen.

Natürlich weiß die Gesellschaft nicht recht mit Höchstbegabten umzugehen, weil es davon nur so wenige gibt, dass sie kaum über Erfahrungswerte verfügt. Oft hört man den Rat, man solle möglichst schnell studieren oder mehrere Studien parallel betreiben. Weder das Eine noch das Andere muss aber dem Naturell des Höchstbegabten entsprechen. Studienpläne sind oft sehr starr und unflexibel, es sind nur wenige Wahlfächer vorgesehen. Wenn sich aber ein Höchstbegabter in seinem Studium mit etwas beschäftigen muss, das ihn nicht interessiert, dann wird er weder schneller vorankommen noch bessere Leistungen erbringen als ein Normalbegabter.

Höchstbegabte brauchen aus meiner Sicht maximale Wahlfreiheit in ihrem Studium. In dieser Hinsicht war mein Masterstudium Computational Intelligence sehr gut: Es gab nur wenige Pflichtfächer, die allermeisten Fächer konnte man sich frei aus einem Katalog seinen individuellen Interessen entsprechend aussuchen. Das absolute Gegenteil davon war das Medizinstudium: Hier war alles vorgegeben, nur ein einziges Wahlfach im ganzen Studium konnte man sich frei aussuchen.

Was das Berufsleben betrifft, kann man ja ohnehin nie erwarten, sich selbst im Beruf völlig verwirklichen zu können. Für Höchstbegabte wäre wohl der Beruf eines Universitätsprofessors noch der am besten geeignete, weil er verschiedene Fähigkeiten erfordert und es erlaubt, auch eigenen Interessen geistiger Natur nachzugehen. Ein Höchstbegabter mag zwar auch in anderen Intelligenzberufen aufgehen, wie etwa dem Beruf des Schriftstellers, aber das sind bekanntlich alles recht brotlose Professionen. Die meisten Höchstbegabten wären wohl schon froh, wenn sie zumindest einen "normalen" Beruf hätten, der ihnen ein regelmäßiges Einkommen sicherte, auch wenn sie ihre Begabung nur zum Teil nutzen könnten. In diesem Fall bliebe dann eben die Freizeit, um geistig anspruchsvolleren Tätigkeiten nachzugehen.

Der Gesundheitsbegriff der WHO

Die vernünftigeren Leute, die verstanden haben, worum es geht, kritisieren an meinem Artikel "Über Genetik" vor allem, dass von "Idealvorstellungen" gesprochen und nicht nur die Beseitigung von Krankheiten gefordert wird. Dazu ist zu sagen:

Die World Health Organization (WHO), eine Teilorganisation der Vereinten Nationen (UN), definiert Gesundheit wie folgt: "Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen." (Original: "Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.")

Medizinisch anzustreben ist natürlich stets völlige Gesundheit und nicht nur das Fehlen von bestimmten Krankheiten. Freilich kann das Kind nicht selbst über seine genetischen Merkmale bestimmen, deswegen tun es nach meinem Modell die Eltern. Das ist nicht ideal, aber die beste mir möglich erscheinende Lösung.

Dienstag, 16. Juli 2013

Über Genetik

In der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins gab es ab Ausgabe 281 eine Debatte zu den Themen Genetik und Gentechnik, angeregt von Dr. Theresia Adelberger, der damaligen "Schriftleiterin" der Zeitschrift. Dadurch, dass diese alten Ausgaben der Vereinszeitschrift, die noch vor meiner eigenen Zeit als Vereins-Mitglied erschienen sind, nun elektronisch erfasst und allen Vereins-Mitgliedern via Internet zur Verfügung gestellt worden sind, besteht jetzt die Möglichkeit, diese alten Ausgaben zu lesen und über die auch heute noch relevanten Artikel, wie etwa die Beiträge über Genetik, zu diskutieren.

Frau Dr. Adelbergers Eingangsstatement in Ausgabe 282 zeugt leider von einer gewissen Naivität, wenn sie behauptet, genetische Diagnostik alleine sei völlig harmlos und lediglich Eingriffe ins Erbgut seien problematisch. Dies ist falsch: Durch genetische Diagnostik können besonders intime Informationen über Personen erfasst werden, einschließlich solcher Dinge, über die diese Personen selbst nicht Bescheid wissen, wie die Abstammung von bestimmten Volksgruppen oder die Prädisposition für bestimmte Erbkrankheiten. Dieses Wissen kann missbraucht werden, etwa von Versicherungen, die Personen mit bestimmten genetischen Prädispositionen ausschließen oder von ihnen erhöhte Prämien verlangen könnten.

Das Statement von Günther Kreil in Ausgabe 282 bezieht sich eher auf die "grüne Gentechnik", also die landwirtschaftliche Nutzung der Gentechnik. Diese interessiert mich persönlich weniger, mich interessieren in erster Linie medizinische Anwendungen. Hierzu schreibt Mag. Alexander Frey in seiner Stellungnahme in der gleichen Ausgabe:

(Zitat Beginn)

"Gentechnik in der Medizin:

Dieser Bereich steht Gott sei Dank auch bei Genetikgegnern weitgehend außer Diskussion. Lediglich ein paar Horrorgeschichten über 'Frankensteine im weißen Kittel', die Schweine mit Menschenlebern züchten und dergleichen, sind in Umlauf. Informiert man sich aber näher, so erscheinen auch diese Arbeiten in anderem Licht. Um den Mangel an menschlichen Spenderorganen zu beseitigen, versucht man Tieren menschliche Gene, die für die Immunreaktion bedeutend sind, einzusetzen. Das Schwein hat dann eine Leber mit menschlichen Immunitätsmerkmalen und diese kann gefahrlos verpflanzt werden ohne vom menschlichen Immunsystem abgestoßen zu werden. So können viele Leben gerettet werden.

Auch die Erbkrankheiten können durch Gentechnik besser diagnostiziert und vielleicht sogar geheilt werden, eine Revolution in der Medizin.

Gentechnisch manipulierte Bakterien produzieren wertvolle und künstlich nicht herstellbare Medikamente, wie Insulin, Blutgerinnungsfaktoren, Wachstumsfaktoren, etc. in großen Mengen zu geringen Kosten. Die früher zum Beispiel aus Blut gewonnenen Blutgerinnungsfaktoren bergen auch nicht mehr die Gefahr einer Infektion des Empfängers mit Aids, Hepatitis o.ä.

Außerdem wird künstlich hergestelltes menschliches Insulin besser vertragen, als Insulin aus Rinder- oder Schweineschlachtkörpern, das früher verwendet wurde.

Kein vernünftiger Mensch kann gegen Gentechnik in der Medizin eintreten."

(Zitat Ende)

Das ist ein sehr optimistisches Statement, das leider nicht zutrifft. Tatsächlich haben viele etwas gerade auch gegen Gentechnik in der Medizin. Erstens ist es, wie gesagt, problematisch, genetische Daten zu erheben, sind sie doch intimer als jegliche andere Art von persönlichen Daten. Und zweitens gehören zu den medizinischen Anwendungen der Gentechnik eben auch Dinge wie Eingriffe ins menschliche Erbgut (Keimbahntherapie), die zwar sehr effektiv wären, wenn sie in der Praxis umgesetzt werden könnten (man könnte damit Erbkrankheiten heilen, die bislang als unheilbar gelten), aber eben aus ethischen Gründen sehr umstritten sind (oft hört man den Vorwurf, solche Genetiker würden "Gott spielen"). Gleiches gilt auch für therapeutisches oder reproduktives Klonen.

In Ausgabe 284 findet sich ein weiterer Diskussionsbeitrag, diesmal von Brigitte Kunz. Die Autorin meint vor allem, dass Gentechnik sehr teuer und unsicher sei, man gewisse Eingriffe aus stochastischen Gründen mehrmals wiederholen müsse, bis sie tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigen, und zudem die Leistungsfähigkeit eines Organismus nur in Teilaspekten gesteigert werden könne, auf Kosten anderer Teilaspekte. Darauf antwortet Alexander Frey in Ausgabe 285, seine Antwort bezieht sich aber vorwiegend auf die grüne Gentechnik und ist daher für mich nicht von Interesse. Ebenso die Reaktion von Brigitte Kunz und Viktor Farkas (wobei nicht klar ist, wer eigentlich der Autor ist) in Ausgabe 286 und die Folgeartikel in Ausgabe 287.

Danach verschwand das Thema Genetik aus der Vereinszeitschrift. Ab Ausgabe 289 wurden wieder eher politische Themen, wie die Reaktionen des Auslands auf die Bildung der schwarz-blauen Bundesregierung und die Europäische Union, behandelt.

Erst in Ausgabe 301 findet sich wieder ein Artikel zum Thema. Alexander Platzer schlägt darin vor, sämtliche Gene aller Menschen zu katalogisieren, um irgendwann künstlich Menschen mit beliebigen Erbanlagen herstellen zu können. Das kommt schon dem näher, was mir selbst vorschwebt.

Was ich mir persönlich wünschte, wäre, dass Eltern mit Erbkrankheiten oder sonstigen nachteiligen Merkmalen gesunde, ihren eigenen Idealvorstellungen entsprechende Kinder bekommen könnten. Dies könnte beispielsweise durch die Keimbahntherapie erreicht werden. Derzeit sind viele Menschen von ihrem Traum, Eltern zu werden, praktisch ausgeschlossen, weil sie um das Risiko Bescheid wissen, dass bestimmte Krankheiten an ihre Kinder weitergegeben werden könnten, und sich als verantwortungsbewusste Menschen daher gegen die Reproduktion entscheiden. Diesen Missstand möchte ich beseitigen. Ich möchte jedem die Möglichkeit geben, Vater oder Mutter zu werden und sich keine Sorgen über eine Weitergabe unvorteilhafter Merkmale machen zu müssen. Anders gesagt, möchte ich die brutalen Selektions-Mechanismen der Evolution, die ja auch in der Menschheit wirken und manchen Zeitgenossen das Leben zur Hölle machen, aushebeln. Es geht mir schlicht und ergreifend um die Überwindung der Evolution, um das Leben für alle lebenswerter zu machen.

Was ist an diesem Ziel verwerflich? Ich lade gerne jeden Interessierten zur Diskussion ein.

Claus-Dieter Volko, Dr. med.

Factbox:

Unter Keimbahntherapie versteht man den Eingriff in das menschliche Erbgut durch Modifikation der Keimzellen (Samenzellen, Eizellen). Die Keimbahntherapie wird vor der Schwangerschaft im Rahmen einer künstlichen Befruchtung durchgeführt. Das Genom der befruchteten Eizelle wird untersucht, und gegebenenfalls werden Gendefekte mit Hilfe von viralen Vektoren korrigiert. Danach wird die Eizelle in die Mutter implantiert, und es kommt zu einer normalen Schwangerschaft. Das Kind wird genetisch von seinen Eltern abstammen, aber ohne die entfernten Erbkrankheiten geboren.

Ob jemand an einem genetischen Defekt leidet, weiß man entweder aufgrund seiner Familiengeschichte, oder man kann bei konkretem Verdacht einen spezifischen Gentest durchführen. Dazu geht man in der Regel zu einem Facharzt für Humangenetik. In Wien gibt es eine genetische Beratungsstelle am Institut für Medizinische Genetik der Medizinischen Universität (Währinger Straße), dort sind mehrere Fachärzte für Humangenetik (in Österreich: Fachärzte für Medizinische Genetik) tätig.

Bei der Keimbahntherapie geht es nicht um die Feststellung von genetischen Defekten während der Schwangerschaft und einen nachfolgenden Schwangerschaftsabbruch, sondern um eine Erkennung und Korrektur der genetischen Defekte vor der Schwangerschaft.

Fünf Stände

Ich lese gerade ein Buch über "Deutsche Rechtsgeschichte", und ein für mich sehr interessantes Kapitel war das über die ständische Ordnung. Im Mittelalter unterschied man vier Stände: den Adel, die Freien, die Minderfreien und die Unfreien. Das entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. Allgemein anerkannt ist, dass es in Frankreich (aber im Prinzip auch in Deutschland) bis zur Französischen Revolution drei Stände gab: den Klerus, den Adel und das Bürgertum. Das findet man sogar in der Wikipedia. Wie das Buch "Deutsche Rechtsgeschichte" schreibt, entwickelte sich nach der Industriellen Revolution ein "Vierter Stand": die Arbeiterschaft. Im Hinterkopf hatte ich freilich, dass es fünf Stände gäbe. Tatsächlich wurde ich im Internet fündig: Ein Schriftsteller postulierte die Existenz eines fünften Stands, und seine Definition entspricht dem, was ich mir gedacht habe.

Als eigene Leistung möchte ich angeben, dass ich nicht nur die Einteilung der Gesellschaft in fünf Stände geringfügig modifiziert, sondern auch jedem Stand eine charakteristische politische Ideologie zugeordnet habe. Meiner Meinung nach passen Stand und Ideologie wie Stecker und Steckdose zueinander. Hier meine Klassifikation der Menschheit:

Erster Stand: Hoher Adel und Klerus - Absolutismus
Zweiter Stand: Niederer Adel - Konservatismus
Dritter Stand: Bürgertum - Liberalismus
Vierter Stand: Arbeiterschaft (Proletariat) - Sozialismus
Fünfter Stand: Asoziale (Lumpenproletariat) - Anarchismus

Im Prinzip gibt es auch heute noch diese fünf Stände, nur ist die ständische Ordnung per Verfassung offiziell abgeschafft. Adelige organisieren sich aber nach wie vor in speziellen Vereinen, wie den so genannten Landsmannschaften.

Interessant ist natürlich auch, dass auch die Notenskala hierzulande fünfstufig ist - ob da ein Zusammenhang besteht? (Ich weiß, früher war sie sogar sechsstufig.)

Stress

Im Medizinstudium lernt man, dass negativer Stress (Disstress) eine der größten Gefahren für die Gesundheit darstellt. Negativer Stress schwächt das Immunsystem und macht anfälliger für Infektionskrankheiten, seelische Störungen und sogar Krebs.

Ich habe festgestellt, dass ich mich hauptsächlich dadurch stresse, dass ich im Internet Diskussionen starte oder öffentliche Äußerungen tätige, die dazu führen, dass ich von anderen Menschen angegriffen werde. Die meisten Angriffe entbehren jeglicher Grundlage, aber man muss auf jeden einzelnen Angriff reagieren und klarstellen, dass man falsch verstanden wurde oder einem etwas in den Mund gelegt wurde, das man gar nicht gesagt hat. Das verursacht Stress.

Im Studium hatte ich einen Kollegen, der sich sehr wenig mit anderen Menschen abgab. Zu seinen Gesprächspartnern zählten lediglich ich und einige weitere Studienkollegen. Er wirkte stets gut gelaunt und nie gestresst. Dieser Studienkollege hat sein Medizinstudium in nur sieben Semestern hinter sich gebracht. Für die Zeit nach dem Studium hat er einen Beruf angestrebt, in dem man möglichst wenig Kontakt zu Patienten hat: den Beruf des Gerichtsmediziners. Wie ich weiß, ist es ihm tatsächlich gelungen, diesen Weg einzuschlagen: Heute arbeitet er als Gerichtsmediziner. Ich nehme an, er ist im Großen und Ganzen glücklich. Direkten Kontakt habe ich freilich nicht mehr zu ihm, so dass ich über sein Wohlbefinden nur eine Vermutung anstellen kann.

Es wäre wohl gut, sich diesen Mann zum Vorbild zu nehmen: lieber wenige soziale Kontakte, die aber angenehm sind, als viele soziale Kontakte, von denen einige Stress verursachen. Und selbst weniger nach Anerkennung und öffentlicher Wahrnehmung streben, sondern sein Glück eher im Privaten suchen. Das scheint mir das Vernünftigste zu sein, um den Stress-Pegel abbauen und ein gutes Leben führen zu können.

Samstag, 13. Juli 2013

Liberalismus und Religiosität

Der Zusammenhang zwischen der politischen Einstellung und der Religion eines Menschen ist sicherlich ein interessantes Thema für die empirische Sozialforschung. Ich bin aber weder Sozio- noch Politologe und werde deswegen nur einige theoretische und teilweise eher subjektive Überlegungen anstellen. Zudem werde ich mich auf die politische Richtung des Liberalismus beschränken, weil ich hauptsächlich Menschen kenne, die dieser Denktradition nahe stehen.

Den Begriff Liberalismus habe ich bereits in [1] definiert, ergo werde ich dies an dieser Stelle nicht nochmals tun. Ich bitte daher den geneigten Leser, kurz meinen früheren Artikel anzulesen, bevor er mit diesem Artikel fortsetzt.

Ich machte im Laufe der Jahre die Erfahrung, dass manche Liberale keineswegs Religionen gegenüber grundsätzlich skeptisch und so "freidenkerisch" eingestellt sind, wie ich es bin. Das war für mich interessant, denn ich hatte Anderes angenommen. Im folgenden Text werde ich darlegen, worin meiner Vermutung nach die Gründe für diese Religiosität mancher Liberaler bestehen. Zunächst aber noch zu meinem eigenen Hintergrund.

Ich selbst bin nicht religiös und entstamme einem Elternhaus, in dem Religion so gut wie keine Rolle gespielt hat. Ich wurde daher auch nicht religiös erzogen, wurde nicht getauft, und in meinen Schulzeugnissen findet sich seit jeher der Eintrag: "Religiöses Bekenntnis: ohne religiöses Bekenntnis". Mein Vater ist ebenfalls konfessionslos, nur meine Mutter wurde katholisch getauft, doch ich empfand sie nie als tief religiös. Meiner Mutter zuliebe feierten wir zwar jedes Jahr Weihnachten und aßen zu Ostern gefärbte Eier, aber das waren auch schon alle Handlungen, die im entferntesten Sinne mit Religion zu tun hatten. Weder gingen wir je in die Kirche noch beschäftigten wir uns mit irgendwelchen religiösen Lehren. Zu Hause haben wir tausende Bücher, aber die Bibel ist nicht darunter.

Statt einer Religion lehrte mich mein Vater von klein auf den Kritischen Rationalismus Karl Poppers, und er brachte mir auch Verschiedenes über die Philosophie des Marxismus-Leninismus bei, von der er recht viel Ahnung hatte, wenngleich er ihr kritisch gegenüberstand. Meine Mutter hielt sich mit Äußerungen über weltanschauliche Fragestellungen zurück.

Ich bin somit nicht religiös geprägt; anders als bei vielen Religiösen gibt es bei mir daher keine religiösen Vorstellungen, an die ich mich zwanghaft klammere und nach denen ich mein Leben ausrichte. In unserer Familie galt lediglich das Streben nach Bildung als oberste Tugend; und dieses Streben entsprach auch meinem Naturell. Somit tat ich nie etwas aus Zwang, sondern immer aus eigenem, aber keineswegs religiös motivierten Antrieb.

Als Jugendlicher fand ich, dass die Lehre des Liberalismus recht gut zu meiner Lebenseinstellung passte, und während meines Studiums begann ich, mich näher mit der Ideengeschichte und der Umsetzung dieser Denktradition zu befassen. Der Liberalismus wurde für mich somit zu einer Art Ersatzreligion, allerdings zu einer sehr großzügigen Ersatzreligion, die sehr viele Freiräume und Interpretations-Spielräume zuließ. Außer Popper, den ich schon durch meinen Vater kannte, wurde nun auch Ludwig von Mises zu einem meiner liebsten Denker. Bei Karl Marx, dem Begründer des Kommunismus und somit eher einem großen Gegner des Liberalismus, gefielen mir einige Sachen gut, andere weniger, und statt Marx gänzlich zu verteufeln, wie es manche politisch eher rechts stehende Menschen tun, betrachte ich mich selbst als Eklektiker, der an jedem Denker etwas Gutes findet und das, was ihm passt, in sein eigenes Weltbild aufnimmt.

Nun sind viele im liberalen Lager tatsächlich, ähnlich wie ich selbst, nicht religiös, manche sogar stark atheistisch. Nicht umsonst engagierten sich führende Vertreter der Jungen Liberalen (JuLis) unlängst auch im Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien. Aber es gibt auch Liberale, die gleichzeitig Anhänger einer Religion sind. Wie das zusammen passe, darauf habe ich mir einen Reim gemacht.

Beginnen wir zunächst beim Liberalen Forum (LIF). Das Liberale Forum wird in den Medien ja häufig als die Partei der Homosexuellen und der Drogenkonsumenten dargestellt. Was jedoch von den Medien regelmäßig verschwiegen wird, aus welchen Gründen auch immer, ist die Tatsache, dass im Liberalen Forum vor allem zwei ethnische Minderheiten stark überrepräsentiert sind: die Kärntner Slowenen auf der einen Seite und die Juden auf der anderen Seite. Wenn man sich ansieht, wer alles in den letzten Jahren im Liberalen Forum Spitzenfunktionen eingenommen hat, wird man feststellen, dass beide Gruppen sehr stark vertreten waren und es nach wie vor sind. Nun sind natürlich die Kärntner Slowenen keine religiöse Minderheit, die Juden aber sehr wohl. Warum finden sich gerade beim Liberalen Forum verhältnismäßig so viele Juden?

Die Antwort liegt meiner Meinung nach auf der Hand: weil das Liberale Forum die einzige bürgerliche Partei Österreichs ist, in der Juden willkommen sind. Die größte bürgerliche Partei Österreichs ist ja eine katholische Partei. Wer nicht Katholik ist, wird vielleicht an der Parteibasis geduldet werden, aber es schwer haben, innerhalb der Parteihierarchie aufzusteigen. Und die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) wird ja aus gutem Grunde von Menschen jüdischer Herkunft mit Argwohn beäugt. Sonst gab es, bis zur Gründung von Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) und Team Stronach, ja keine nennenswerten bürgerlichen Parteien. Viele Juden engagierten sich daher in erster Linie bei der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ), manche auch bei den Grünen. Für eher bürgerlich gesinnte Juden war dann das Liberale Forum eine willkommene politische Heimat.

So gesehen, sind möglicherweise manche im Liberalen Forum selbst gar nicht so liberal (wohlgemerkt: das müsste man in jedem Einzelfall überprüfen, darüber kann man kein allgemein gültiges Urteil fällen), sondern einfach Bürgerliche, die aus verschiedenen Gründen bislang keine politische Heimat hatten.

Interessant ist aber auch, dass es auch Anhänger der katholischen Mehrheitsreligion gibt, die sich dem Liberalismus nahe stehend fühlen. Manche davon sind sogar radikal-liberal und bezeichnen sich selbst als libertär. Was mag einen Katholiken dazu führen, sich dem Liberalismus zuzuwenden? Wäre er nicht in der christdemokratischen Partei gut, vielleicht sogar besser, aufgehoben?

Ich vermute, dass diese Leute eine spezielle Art von Liberalismus vertreten, die fast schon in Richtung Sozialdarwinismus geht. Aber nicht in Richtung eines biologistischen, sondern eines ethischen Sozialdarwinismus in dem Sinne: Wer moralisch richtig lebt, soll belohnt werden; wer moralisch falsch lebt, der soll dahinscheiden. Das erinnert an die calvinistische Variante des Protestantismus, in der sich ja während des irdischen Lebens erweist, wer ein guter Mensch ist und im Jenseits ins Paradies kommen wird. Der Calvinismus ist eine moralisierende Religion, aber er predigt nicht Altruismus, sondern Eigennutz. Insofern scheint mir der Liberalismus für calvinistisch geprägte Menschen attraktiv zu sein. Natürlich ist Calvinismus nicht katholisch, sondern protestantisch, aber es mag da auch gewisse Schnittmengen geben.

[1] C. Volko (2012): Liberalismus versus Sozialdarwinismus