Mittwoch, 28. August 2013

Nationalratswahlen 2013

Sowohl auf Wahlkabine.at als auch auf Politikkabine.at kommt bei mir die Piratenpartei Österreichs an erster Stelle heraus. Das Problem ist natürlich, dass die Piratenpartei wahrscheinlich nicht genügend Stimmen erhalten wird, um in den Nationalrat einzuziehen. Eine Stimme für die Piratenpartei könnte dann effektiv der stimmenstärksten Partei, also der SPÖ, zu Gute kommen. Andererseits: Wenn alle deswegen davon Abstand nehmen, die Piratenpartei zu wählen, dann hat die Partei erst recht keine Chancen, in den Nationalrat einzuziehen. Ich finde, man sollte die Hoffnung nicht verlieren, und werde deswegen am 29. September voraussichtlich die Piratenpartei wählen.

Sonntag, 25. August 2013

Eine noch höhere Stufe von Begabung

Mein Kollege meinte, wie unlängst berichtet, dass leicht Hochbegabte alles lernen können, stärker Begabte können darüber hinaus noch neue Zusammenhänge erkennen und beschreiben und die Allerbegabtesten könnten auch neue Probleme lösen.

Ich möchte nun einen noch höheren Grad von Begabung definieren:

Noch höher Begabte können Probleme erkennen, die andere gar nicht wahrnehmen. Möglicherweise sogar lange, bevor diese Probleme eine tatsächlich spürbare Auswirkung haben. Man könnte diese Leute als "Propheten" bezeichnen.

Natürlich werden diese von den allermeisten Menschen belächelt - zu Unrecht, klarerweise. Zudem werden die Probleme von den meisten Menschen möglicherweise nie wahrgenommen werden, weil die extrem Begabten ja schon vorgesorgt und die Probleme gelöst haben. Dass diese Menschen aber für die Entwicklung der Gesellschaft besonders wichtig sind, liegt auf der Hand.

Samstag, 24. August 2013

Das politische System Österreichs

Wir haben in Österreich im Wesentlichen ein Vier-Parteien-System mit jeweils zwei Parteien auf der Linken und zwei Parteien auf der Rechten. Das finde ich gar nicht einmal so schlecht, denn wenn ein Linker von seiner Partei enttäuscht ist, hat er eine andere Partei, die er als Alternative wählen kann, und das gleiche gilt auch für die rechte Seite. Als Liberaler ist man sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich für Freiheit; man muss sich daher entscheiden, was einem wichtiger ist, denn die gesellschaftliche Freiheit garantieren eher die Parteien der Linken, die wirtschaftliche Freiheit eher die Parteien der Rechten. Freilich kann die Politik nur bedingt die Gesellschaft verändern; aber sie kann gesellschaftliche Entwicklungen hemmen, und so ist es aus meiner Sicht besser, jene Parteien zu wählen, die diese gesellschaftlichen Entwicklungen weniger behindern.

Freitag, 23. August 2013

Fünf Bücher, die die Welt erklären

Meine Top 5 der Bücher, die die Welt erklären:

1. Philosophie des Abendlandes (Russell)
2. Logik der Forschung (Popper)
3. Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (Popper)
4. Nationalökonomie - Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Mises)
5. Das Buch vom Fürsten (Machiavelli)

Mit Google habe ich Quellen für alle Bücher gefunden (diese Bücher sind nicht mehr durch Copyright geschützt, also keine Sorge, das Herunterladen ist legal). Ich habe nicht überprüft, ob diese Quellen korrekt sind. Falls etwas falsch erscheint, informiert mich bitte.

1. Philosophie des Abendlandes (Russell)
http://cdn.preterhuman.net/texts/thought_and_writing/philosophy/A%20History%20of%20Western%20Philosophy%20-%20Bertrand%20Russell.pdf

2. Logik der Forschung (Popper)
http://s-f-walker.org.uk/pubsebooks/pdfs/popper-logic-scientific-discovery.pdf

3. Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (Popper)
http://www.inf.fu-berlin.de/lehre/WS06/pmo/eng/Popper-OpenSociety.pdf

4. Nationalökonomie - Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Mises)
http://mises.org/books/humanaction.pdf

5. Das Buch vom Fürsten (Machiavelli)
http://www.constitution.org/mac/prince.pdf

Und welche sind eure Lieblingsbücher?

Erziehung

Ich würde die Bedeutung der Erziehung nicht unterschätzen. Gewiss, manches ist den Menschen angeboren, aber wie ein Mensch dann letzten Endes sich entwickelt und was er aus seinen Anlagen macht, das ist schon durch die Erziehung bedingt.

Für wichtig halte ich vor allem, den Menschen zu Toleranz, Nachsicht und respektvollem Umgang mit anderen Menschen zu erziehen und seine Argumentationsfähigkeit zu schärfen. Denn ich denke mir, dass man eigentlich alles sagen darf, solange man es mit Argumenten begründen kann. Nur wenn man nicht argumentieren kann, dann kann das Gegenüber sich durch eine Meinung zu Recht beleidigt fühlen.

Was meint ihr?

Donnerstag, 22. August 2013

Geostrategische Überlegungen

Ich bin der Meinung, dass man weltweit gesehen vier verschiedene Kulturkreise unterscheiden kann:

1. Der Westen. Dazu gehören Europa, Nord- und Südamerika, Russland, die nicht-muslimischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion und Israel. Hier hat die Wissenschaft einen hohen Stellenwert, der Bildungsgrad der Bevölkerung ist relativ hoch; die universellen Grund- und Freiheitsrechte (Menschenrechte) werden am besten eingehalten, und die Menschen pflegen einen individualistischen, an Selbstverwirklichung orientierten Lebensstil.

2. Der arabisch-muslimische Raum. Die Menschen dort sind sehr fromm. Religion ist ihnen das Wichtigste. Wissenschaft hat keinen Stellenwert. Menschenrechte sind unbekannt und stehen im Widerspruch zur Religion.

3. Der asiatische Raum. Dieser ist uns Europäern am nächsten. Die Menschen sind auch in Asien sehr intellektuell, nur haben die Menschenrechte dort einen geringeren Stellenwert.

4. Der afrikanische Raum. Dieser ist uns Europäern am fremdesten. Wir wissen auch nur sehr wenig über ihn. In den westlichen Medien kommen immer wieder Berichte über Hungersnöte und Armut in Afrika, aber wie die Menschen dort wirklich sind, ist uns im Grunde nicht bekannt (zumindest mir nicht). Dem afrikanischen Raum wird von allen vier Kulturkreisen vom Westen am wenigsten Beachtung geschenkt. Dies mag einen strategischen Fehler darstellen.

Dienstag, 20. August 2013

Österreichische Verfassungsgeschichte

Ich lese gerade das Buch "Österreichische Verfassungsgeschichte" von Brauneder et al. (Auflage von 1987) und muss sagen: Dieses Buch öffnet Augen. Es zeigt, dass die politischen Verhältnisse hierzulande noch wesentlich komplizierter sind, als man es in der Schule lernt.

Gerade als Wiener neigt man ja dazu, Österreich als einen Einheitsstaat zu betrachten und nur die nationalstaatliche Ebene zu berücksichtigen. Dabei ist Österreich nicht nur ein Bundesstaat, der aus mehreren teilautonomen Ländern besteht, sondern es gibt auch noch Gemeinden, die durchaus gesetzgeberische Kompetenzen haben. Wenn man sich dieses Buch nun durchliest, wird man feststellen, dass es in der Geschichte sehr viele verschiedene, teilweise gleichzeitig existierende Rechtsformen gegeben hat. So hat es zum Beispiel quasi "Volksstämme" gegeben, die eine eigene Gerichtsbarkeit hatten, wie die so genannten Edlinger Bauern. Jede Stadt verfügte ebenfalls über ein eigenes Stadtrecht. Es gab und gibt viel mehr verschiedene Strukturen, als dies dem allgemein, aber nicht juristisch gebildeten Laien bekannt ist.

Dieses Buch hilft einem, gesellschaftliche Strukturen besser zu verstehen. Es gibt sehr viele Dinge, die in den Medien nicht erwähnt werden und eben auch nicht in der Schule gebracht worden sind - und von denen daher selbst die meisten Angehörigen "gut informierter Kreise" nie gehört haben. Ein heißer Tipp!

Von der Scheinheiligkeit der Christdemokraten

Ein Kollege vom österreichischen Hochintelligenzverein versuchte unlängst, Professor Dr. Wilhelm Brauneder ins rechte Eck zu stellen. Dieser Vereins-Kollege ist ein strammer Christdemokrat, dessen Vater durch die Partei Karriere gemacht hat. So gesehen, ist klar, dass er die Stellung der christdemokratischen Partei um jeden Preis verteidigen möchte. Die gleiche Person hat übrigens auch behauptet, Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky, dem wir viel zu verdanken haben (vor allem unseren Wohlstand), sei eine "böse" Person gewesen. Da merkt man wieder, dass Gut und Böse relative Begriffe sind, die vom Standpunkt des Betrachters abhängen. Denn in meinen Augen ist eher die christfemokratische Partei die Partei des Bösen.

Wie man bei Brauneder lesen kann, regierte in Österreich nach 1945 eine Große Koalition. Diese Große Koalition trat die Verfassung mit den Füßen. In der Verfassung ist eine Gewaltenteilung vorgesehen; das Parlament beschließt die Gesetze, und die Regierung führt sie nur aus. Tatsächlich hat aber die christdemokratische Partei zusammen mit ihrem Koalitionspartner seit 1945 die Gesetze meistens in informellen Gremien beschlossen, auf Initiative der Regierung und von Personengruppierungen, die der Regierung nahe standen. Das Parlament wurde seines eigentlichen Sinne, das Volk zu vertreten, beraubt; es wurde nur mehr verwendet, um die bereits beschlossenen Gesetze offiziell für gültig zu erklären. Da es kein freies Mandat gab, sondern Fraktionszwang, konnte ein Abgeordneter nicht gegen ein Gesetz stimmen, wenn seine Partei darüber anderer Meinung war. Im Prinzip waren Abgeordnete nur Stimmvieh. Sie hatten nichts zu sagen. Die Parteispitzen entschieden, und an die Entscheidungen der Parteispitzen mussten sich alle halten. Mit einer liberalen Demokratie hatte das nichts mehr zu tun.

Da ist in meinen Augen nur verständlich, dass sich Brauneder der Freiheitlichen Partei Österreichs angeschlossen hat, um dieses System aufzubrechen und eine tatsächliche liberale Demokratie im Sinne der Verfassung, mit einer echten Gewaltenteilung, umzusetzen. Mit "rechtem" Gedankengut hat das nichts zu tun.

Brauneder widmet natürlich auch dem Ständestaat, der autoritären Alleinherrschaft der Vorgängerpartei der christdemokratischen Partei unter den Bundeskanzlern Dollfuß und Schuschnigg, ein ausführliches Kapitel in seinem Buch über die "Österreichische Verfassungsgeschichte". Was ich daran besonders interessant fand: Immer wenn ein Posten zu besetzen war, dann erstellte eine Kommission einen Dreiervorschlag. Dann wurde abgestimmt, wer dieser drei Personen das Rennen machte.

Das kam mir doch irgendwie bekannt vor!

Tatsächlich erfolgt auch an Österreichs Universitäten - auch heute noch! - die Postenbesetzung oft nach diesem System, etwa bei der Rektorswahl. Man sieht also: An Österreichs Universitäten herrscht nach wie vor Austrofaschismus. Ich weiß, das ist logisch gesehen ein abduktiver Schluss, aber eine solche Art des Schließens ist ja eine Spezialität von uns Medizinern (und wir liegen damit nicht immer falsch).

Die Universitäten Österreichs sind durchsetzt mit Mitgliedern katholischer Studentenverbindungen, die Wissenschaftsminister hat schon seit Jahrzehnten fast durchgängig die christdemokratische Partei gestellt, und das passt alles gut dazu, was ich beobachtet habe: Wo die christdemokratische Partei das Sagen hat, herrschen anscheinend immer noch Strukturen wie zur Zeit des Austrofaschismus.

Das erkennt man aber auch an der Struktur der christdemokratischen Partei selbst, mit ihren "Bünden", die ja im Prinzip (Arbeiter- und Angestelltenbund, Bauernbund, Wirtschaftsbund usw.) Berufsständen entsprechen. Die christdemokratische Partei selbst ist also nach wie vor ständestaatlich organisiert. Und wenn die christdemokratische Partei in Österreich die absolute Mehrheit hätte, dann wäre die Gefahr groß, dass wir bald wieder Verhältnisse wie zwischen 1933 und 1939 hätten, wo der Bundeskanzler autoritär regierte, es kein Parlament gab, das Konkordat mit der römisch-katholischen Kirche geschlossen wurde, die Todesstrafe praktiziert wurde und so weiter. Wehret den Anfängen!

Montag, 19. August 2013

Gedanken zu Pathophysiologie und Medizin

Ich persönlich finde, dass die Pathophysiologie (oder Funktionelle Pathologie) die eigentliche beziehungsweise wichtigste Grundlage der Klinischen Medizin darstellt. Für viele meiner Studienkollegen war dieses Fach, das bei uns Pflicht war, ein Problemfach, und viele sind auch nur "irgendwie" durch die zugehörige Prüfung gekommen. Ich finde, dass dieses Fach sehr wichtig ist und aus diesem Grund jeder Mediziner sich damit gründlich beschäftigen sollte.

Die Pathophysiologie unterscheidet sich von der Physiologie dadurch, dass die Physiologie die Funktion des gesunden menschlichen Organismus beschreibt und die Pathophysiologie eben die Mechanismen, wie Krankheiten und sonstige Abnormität entstehen können.

Im Prinzip dient die Lehre in sämtlichen Fächern des ersten Studienabschnitts (Chemie, Physik, Biologie, Biochemie, Anatomie, Histologie, Physiologie) nur zur Vorbereitung dazu, dass man sich im zweiten Abschnitt mit der Pathophysiologie gründlich beschäftigen und den Stoff auch gut verstehen kann. All die Fächer des ersten Studienabschnitts stellen die Grundlagen dar, die man für das Verständnis der Pathophysiologie braucht. Die Pathophysiologie bildet zusammen mit der Pharmakologie die Theoretische Medizin. Im dritten Abschnitt lernt man dann, wie die Erkenntnisse der Theoretischen Medizin in der ärztlichen Praxis angewendet werden.

Grundsätzlich wird in der medizinischen Praxis in der Regel von bestimmten Symptomen auf bestimmte Krankheiten geschlossen. Diese Krankheiten werden dann entsprechend dem Lehrbuch behandelt.

Manche Kliniker mögen dabei bisweilen zu wenig an die Grundlagen aus der Pathophysiologie denken. Was in der Praxis oft gemacht wird, ist eben, dass aufgrund der Symptome eine Diagnose gestellt wird, aber nicht immer bedenkt man, wie die Symptome überhaupt zu Stande kommen und welche Konsequenzen das für die Therapie haben könnte.

Im Prinzip ist die Diagnosestellung zwar aus rechtlichen Gründen wichtig (die Krankenkassen wollen eine kurze und prägnante Diagnose haben, weil diese entscheidend dafür ist, wie viel sie bezahlen müssen), aber intellektuell gesehen handelt es sich um einen verkürzten Prozess. Tatsache ist, dass jeder Krankheitsfall ein bisschen anders ist. Intellektuell redlich wäre es, von den Symptomen nicht gleich auf eine kurze und prägnante Diagnose zu schließen, sondern zunächst einmal über die pathophysiologischen Prozesse nachzudenken, die sich da offenbar im Patienten abspielen. Dann kann man nämlich auch auf rationaler Basis Überlegungen anstellen, wie man die Krankheit behandeln könnte - beziehungsweise in manchen Fällen auch, ob eine Behandlung überhaupt nötig wäre. Viele Infektionskrankheiten beispielsweise sind ja eigentlich selbstlimitierend, wenn der Patient über ein gutes Immunsystem verfügt. Da müsste man dem Patienten eigentlich gar keine Medikamente verabreichen, sondern ihm einfach sagen, dass er sich einige Tage lang nicht anstrengen soll, bis die Symptome abgeklungen sind. Allenfalls bei bakteriellen Infektionen könnte es sinnvoll sein, Antibiotika zu geben, die dem Immunsystem helfen würden, die bakteriellen Erreger zu beseitigen. In manchen Fällen werden aber auch Medikamente gegeben, die eigentlich nur die Symptome bekämpfen und nicht die eigentliche Krankheitsursache. Das mag unter Umständen sogar kontraproduktiv sein. Ein in Pathophysiologie gut ausgebildeter Arzt würde das wissen.

Es ist halt auch zu bedenken, dass die WHO Krankheit vielleicht etwas anders definiert, als dies von vielen Menschen betrachtet wird. Krankheit hat nach der WHO damit zu tun, dass sich der Patient nicht wohlfühlt. Somit ist Krankheit eine subjektive Angelegenheit. Es kann im Prinzip auch sein, dass ein Patient beispielsweise im Beruf nicht die Leistungen erbringt, die von ihm erwartet beziehungsweise verlangt werden. Dennoch muss dieser Patient deswegen nicht unbedingt "krank" sein.

Sicher, nach der WHO-Definition sind es die Symptome, die dem Patienten Unwohlsein bereiten und daher Krankheitswert haben. Wenn jemand müde und kraftlos ist, dann ist das sicher etwas, das das normale Funktionieren des Organismus beeinträchtigt. Dennoch ist aus pathophysiologischer Sicht aber zu sagen, dass diese Symptome eigentlich oft Mechanismen des Organismus sind, um mit tatsächlich ernsten Bedrohungen, wie in den Organismus eingedrungenen Bakterien oder Viren, fertig zu werden. Die Symptome stören den Menschen, und sicher, er mag auch in seinem Aktionsradius beeinträchtigt werden. Er mag aufgrund von Müdigkeit und Kraftlosigkeit beispielsweise für einige Tage nicht arbeitsfähig sein. In Wirklichkeit sind diese Symptome aber nicht die eigentliche Gefahr für den Organismus, sondern Mechanismen, um die Gefahren abzuwenden, beziehungsweise zum Teil auch Seiteneffekte solcher Mechanismen. Man könnte sagen, der menschliche Organismus befinde sich in einem Ausnahmezustand. Er ist gefährdet, das stimmt, aber nicht wegen der Müdigkeit oder der Kraftlosigkeit, sondern wegen der eingedrungenen Krankheitserreger, die das Genom des Organismus und damit dessen Funktion verändern und unter Umständen auch Krebs auslösen könnten. Sicher, wenn man das Ganze mit der Politik vergleicht, dann hat ein Ausnahmezustand, auch wenn es sich dabei primär um eine innere Angelegenheit des jeweiligen Landes handelt, schon auch Auswirkungen auf die Fähigkeit, das Land gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Natürlich hat ein Mensch, dessen Organismus sich in einem Ausnahmezustand befindet, unter Umständen auch soziale Probleme, beispielsweise weil er nicht arbeitsfähig ist. Ein Land im Ausnahmezustand trägt ein größeres Risiko, vom Ausland angegriffen zu werden.

Wie gesagt, ich fand das Fach Pathophysiologie (oder Funktionelle Pathologie) in meinem Studium sehr interessant und sehr wichtig. Ich bin der Meinung, dass die Lehre in diesem Fach sogar noch ausgeweitet und intensiviert werden sollte. Dazu kommt, dass es sich um ein Fach handelt, das auch zum selbstständigen Nachdenken und zum Bilden eigener Hypothesen anregt. Das sollte man ausnützen und nicht nur einfach auswendig gelerntes Wissen abprüfen, sondern die Studierenden auch zum eigenständigen Nachdenken auffordern und über diese Hypothesen diskutieren und sie sowohl aus logischer als auch aus empirischer Sicht zu analysieren. So wäre das Medizinstudium meiner Träume, ein Medizinstudium, wie ich es mir vorstellen würde und immer gewünscht habe.

Zur Klassifikation von Hochbegabten

In diesem Blog habe ich mich bereits einige Male mit den Unterschieden zwischen Hoch- und Höchstbegabten beschäftigt. Ich habe auch die Klassifikation von Paul Cooijmans wiedergegeben und diskutiert.

Ein erfahrener Mediziner-Kollege, der sich auch mit Hochbegabtenforschung beschäftigt, hat mir nun seine Meinung über die verschiedenen Grade der Hochbegabung mitgeteilt. Ich denke, es wird ihm Recht sein, wenn ich sie hier in eigenen Worten wiedergebe.

1. Personen mit einem IQ zwischen 130 und 140 sind seiner Meinung nach in der Lage, vorhandenes Wissen zu erwerben und zu verstehen.

2. Personen mit einem IQ zwischen 140 und 150 sind seiner Meinung nach in der Lage, neue Zusammenhänge zu erkennen und zu beschreiben. In diese Kategorie fallen die meisten Nobelpreisträger.

3. Personen mit einem IQ über 150 sind seiner Meinung nach in der Lage, neuartige Lösungen für schwierige Probleme zu entwickeln.

Er glaubt, dass ich in die dritte Kategorie gehöre (was ja auch in den meisten Intelligenztests, die ich gemacht habe, herausgekommen ist), und hält deswegen große Stücke von mir.

Der Wahrheitsgehalt dieser Klassifikation ist mir freilich nicht bekannt. Jedenfalls halte ich sie für eine interessante Hypothese.

Sonntag, 18. August 2013

Von der Herrschaft der Intellektuellen

Wie andernorts bereits gesagt, finde ich, dass wir hier in Mitteleuropa keineswegs in einer Herrschaft der Intellektuellen leben, sondern eher in einer Diktatur des Kleinbürgertums. Unter einem Kleinbürger verstehe ich dabei einen, der in erster Linie ans Geldverdienen denkt und sich nur wenig Gedanken über philosophische, weltanschauliche, politische oder wissenschaftliche Fragestellungen macht. Im Unterschied dazu ist dem Intellektuellen das Geldverdienen weniger wichtig, während er sich eher für Philosophie, weltanschauliche Fragestellungen, Politik und Wissenschaft interessiert.

Der griechische Philosoph Plato, von dem eigentlich jeder mit rudimentärer Allgemeinbildung schon einmal gehört haben sollte, schrieb ja in seinem Werk "Der Staat" (Originaltitel: "Politeia"), dass die "Philosophen" die Macht im Staate haben sollen. Die "Philosophen" sind im Prinzip das, was wir unter Intellektuellen im von mir soeben geschilderten Sinn verstehen.

Ob man ein Intellektueller wird, hat sicher auch eine genetische Komponente. Es gibt Videoaufnahmen von mir, die mich als vierjähriges Kind zeigen. Schon damals pflegte ich, stundenlang auf- und abzugehen und dabei über verschiedene Dinge intensiv nachzudenken. Das mache ich auch heute noch. Das zeichnet einen Intellektuellen aus. Dazu wurde ich nicht erzogen, sondern das ist mir angeboren.

Dazu kommt natürlich auch das Wissen, das man erwerben muss, wenn man nicht ständig das Rad neu erfinden, sondern auf Basis des bereits Bekannten neue Erkenntnisse erlangen will. Das muss man sich natürlich aneignen. Dieses Wissen ist einem nicht angeboren. Allerdings ist das Wissen sekundär. Man wird nicht zum Intellektuellen nur, indem man sich Wissen aneignet. Man muss mit diesem Wissen auch umgehen können, es verarbeiten können.

Ich hätte an sich ja kein Problem mit den Kleinbürgern - wenn sie bescheiden wären und einsähen, dass sie uns Intellektuellen nicht überlegen sind. Aber das ist eben nicht der Fall. Im Gegenteil, die Kleinbürger sind so frech, uns Intellektuellen vorschreiben zu wollen, wie wir zu leben haben. Sie behindern dadurch den philosophischen, weltanschaulichen und wissenschaftlichen Fortschritt. Das nenne ich "die Diktatur des Kleinbürgertums".

Die Kleinbürger behindern den Fortschritt der Gesellschaft, der Technik und der Wissenschaft; ja, sie wirken ihm oftmals sogar entgegen und versuchen, bereits umgesetzte Errungenschaften wieder rückgängig zu machen.

Der große Widerspruch besteht nicht mehr zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen, wie es Marx noch behauptet hat (und Marx lebte ja im Zeitalter der Industralisierung, während wir bereits im Informationszeitalter leben), sondern zwischen den Gebildeten und den einfachen Menschen.

Mein Artikel für die Ärztezeitung

Folgenden Artikel habe ich vor einigen Wochen als Probeartikel für die Österreichische Ärztezeitung verfasst. Die Vorgaben lauteten: ein Thema, das niedergelassene Ärzte interessieren könnte, zwei habilitierte Gesprächspartner und etwa 7000 Zeichen Umfang. Das habe ich alles eingehalten. Dennoch wurde der Artikel nicht akzeptiert. Ein Bekannter von mir rief bei der Redaktion an und erfuhr, dass der Inhalt "zu revolutionär" sei. Zudem könnten sich die Redakteure nicht vorstellen, dass ein junger Mediziner wie ich so etwas geschrieben haben könnte. Nun, ich bin eben kein gewöhnlicher Jungmediziner. Die Vermutung allerdings, dass eine Pharmafirma oder kommerzielle Absichten dahinter steckten, ist falsch - ich bin lediglich gut informiert.

Hier der Artikel. Viel Spaß beim Lesen!

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Hormone und ihre Wirkung auf Stress und Immunsystem

Bekanntlich sind Hormone für zahlreiche Steuerungs- und Regelprozesse im menschlichen Organismus verantwortlich. Interessant und vermutlich nicht allen bekannt ist aber, dass einerseits Hormone Stress auslösen und damit das Immunsystem schwächen, andererseits aber auch Stress bekämpfen und das Immunsystem stärken können. Eine Wiener Forschergruppe um Priv.-Doz. DDr. Uwe Rohr und Dr. Anca Gocan beschäftigt sich mit den zugrundeliegenden Mechanismen. Das Erstaunliche: Durch Balancierung der Hormone eröffnen sich neue Therapiemöglichkeiten einerseits von schweren seelischen Störungen, wie Schizophrenie, andererseits aber auch von Krebs und anderen schweren körperlichen Erkrankungen.

Wie der Ulmer Professor Alfred S. Wolf ausführt, stellt Stress "eine lebenserhaltende Reaktionskaskade unseres Körpers dar, mit einem geeigneten Reaktionsmuster zu reagieren". Wenn man jedoch immer wieder in belastende Situationen gerate, ohne sich zwischenzeitlich zu erholen, komme es zu einer graduellen physischen und psychischen Erschöpfung, die sich unter anderem in Energieverlust und Depressivität äußere. Die Folgen des Stresses werden immer noch unterschätzt.

"Jeder weiß, dass seelischer Stress das Immunsystem beeinträchtigt", meint Rohr, "und Ärzte wissen zusätzlich, dass es zellulärer Stress ist, der das Immunsystem herabsetzt." Nur wie dieser Zusammenhang gesteuert wird, konnte bisher noch nicht schlüssig erklärt werden. Hier setzt Rohrs eigene Forschungsarbeit an: "Wir konnten nun beweisen, dass durch direkte Umwandlung von Stresshormonen wie Pregnenolon, 17-Hydroxy-Pregnenolonen und insbesondere Aldosteron in schützende Immunhormone Stress erniedrigt und die Immunität erhöht werden kann." Diese schützenden Immunhormone sind insbesondere die so genannten ADIOLE. Dabei handelt es sich um Metabolite von Dehydroepiandosteron (DHEA) und Testosteron.

"Im Gegensatz zu den Kortisonen regulieren die ADIOLE das Immunsystem des Menschen. Kortisone reduzieren zwar Entzündungen, können aber auch Infektionen hervorrufen und dürfen daher nur kurzfristig gegeben werden. Daneben behindern Kortisone auch die Bildung von neuem, gesundem Gewebe. ADIOLE hingegen fördern die Bildung von Muskeln, Haut und Knochen", erläutert Rohr. Dadurch gibt es auch eine Anwendungsmöglichkeit bei der Behandlung tödlicher Muskel- und Nervenerkrankungen.

Indem man die Bildung der schützenden ADIOLE aus den Stresshormonen anregte, konnte man schwerste therapieresistente seelische Krankheiten behandeln, wie Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), Schizophrenie und bipolare Erkrankungen, aber auch beschädigte Organe reparieren und positive Effekte bei Epilepsie, tödlichen Muskelerkrankungen, Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Multipler Sklerose erzielen. Durch die Stimulierung des Immunsystems ergaben sich zudem günstige Effekte bei der Behandlung von Allergien, viralen Erkrankungen und verschiedenen Formen von Krebs, wie bestimmten Gehirntumoren bei Kindern.

"Interessanterweise treten dabei keine Nebenwirkungen auf, weil lediglich ungünstige Hormonbalancen korrigiert werden, die diese Erkrankungen hervorrufen", meint Rohr. Die Gefahr einer Überdosierung scheint ebenso wenig gegeben zu sein, weil ja nur die Funktion der Hormonkaskade wiederhergestellt wird. "Das Wichtigste für den Arzt ist, dass man die Effekte nicht nur visuell bei seinen Patienten sehen kann, wie eine Verbesserung der Hautdurchblutung oder zunehmende Ruhe, sondern auch Marker im Blut messbar sind, nämlich Stressmarker und Immunitätsmarker", führt Rohr weiter aus. Die Konzentration mehrerer Blutlipide, darunter auch die der Triglyzeride, werde durch die Behandlung gesenkt. Das ist laut Rohr erstaunlich, weil es bisher kein Medikament gegeben habe, das in der Lage war, Triglyzeride abzusenken.

Rohr machte auch die Beobachtung, dass NATO-Soldaten, die in Afghanistan gedient hatten, dieselben Abweichungen in ihren Steroidhormonen aufwiesen wie Frauen, die unter postnataler Depression litten. Bei all diesen Patienten sei Stress die auslösende Ursache gewesen. "Stress vermindert nicht nur die Immunität, sondern verursacht oft auch eine Atemnot, weil das Lungenvolumen verringert wird", erklärt Rohr. Dies sei immer mit Ängstlichkeit verbunden. Bei der Wiederherstellung der steroidalen Hormonkaskade seien nicht nur alle Immunerkrankungen der Soldaten verschwunden, sondern auch ihre seelische Traumatisierung und der Stress. Eine weitere Studie habe gezeigt, dass eine Hospitalisierung von Schizophreniepatienten vermieden werden konnte, wenn die Hormonbalance wiederhergestellt wurde. Klassische Antipsychotika erzielten diesen Effekt nur in der Hälfte der Fälle. Zudem weisen klassische Antipsychotika sehr viele Nebenwirkungen auf, wie die Erhöhung der Triglyzeride; diese Nebenwirkungen werden auch für die im Durchschnitt um 20 Jahre reduzierte Lebenserwartung von Schizophreniepatienten verantwortlich gemacht.

"Die Erhöhung der ADIOLE förderte auch die Differenzierung von Stammzellen in funktionales Gewebe. Dies konnte an der Kinderklinik des Orange County in Los Angeles, Kalifornien, bestätigt werden. Nach der Transplantation von Knochenmarks-Stammzellen konnten die behandelten Kinder frühzeitig entlassen werden und zeigten weniger Abstoßungsreaktionen", schildert Rohr weiter.

Warum die Erhöhung von Estradiol und seines Metaboliten 2-Methoxyestradiol besonders bei Kindern mit Gehirntumoren zu einer erfolgreichen Behandlung geführt habe, erklärt Rohr wie folgt: "Im ersten Trimester der Schwangerschaft werden die ADIOLE und 2-Methoxyestradiol erniedrigt. Dadurch wird die Immunität supprimiert, was notwendig ist, damit der Embryo nicht von der Mutter abgestoßen wird. Hier weist die Mutter viele Ähnlichkeiten mit einem Krebspatienten auf. Der Appetit ist erniedrigt, die Schwangere muss sich manchmal Übergeben und klagt über Übelkeit. Das Wachsen des Fetus in den Uterus hinein ist dem Hineinwachsen des Tumors ins Gewebe ähnlich. Die ADIOLE aber stabilisieren Membran-Barrieren und wandeln Stammzellen in funktionales Gewebe um. Werden bei Kindern jene Hormone erhöht, die bei Schwangeren im zweiten und dritten Trimester erhöht sind, so kann der Tumor nicht in das Gehirn-Gewebe hineinwachsen. Da man in der Kindheit und Adrenarche von Natur aus zu wenig dieser ADIOLE hat, erklärt dies auch, warum Gehirntumore in diesem Lebensabschnitt häufig auftreten."

Fazit: Wenn der Stress zunimmt, wird dies immer den zellulären Stress erhöhen. In weiterer Folge wird auch der seelische Stress zunehmen, was schwere seelische Störungen einerseits und schwere Immunstörungen andererseits verursacht. Und umgekehrt. Diese Verknüpfung gibt es schon, seit Frauen schwanger werden können.

Mit ihren Arbeiten stehen Rohr und Gocan jedenfalls in guter Tradition der Wiener Medizinischen Schule und setzen fort, was prominente Wiener Ärzte und Wissenschaftler wie Sigmund Freud oder Carl Djerassi begonnen haben.

Dr. Claus-Dieter Volko, Wien

Samstag, 17. August 2013

Ein neues Schulmodell

Durch die neuen Technologien (Internet) gibt es nun so viele Möglichkeiten, selbstständig Bildung zu erwerben, dass man meiner Meinung nach das Schulsystem überdenken sollte.

Ich wäre dafür, die Volksschule im Großen und Ganzen beizubehalten, aber die Gymnasien zu reformieren.

Mir persönlich wäre vor allem ein Anliegen, dass die Schulzeit am Gymnasium von derzeit 8 auf 6 Jahre reduziert würde. Dann könnte man schon im Alter von 16 Jahren zu studieren anfangen und hätte im Idealfall mit 19 seinen Bachelor. Ein allfälliger Militär- oder Zivildienst wäre dann erst nach Abschluss des Studiums abzuleisten. (Selbstverständlich bin ich auch für die Abschaffung der Wehrpflicht.)

Trotz der Reduktion der Dauer der Schulzeit sollte der Stoff nicht wesentlich gekürzt werden. Ich finde, dass unsere Gymnasien eine recht gute Allgemeinbildung vermitteln. Diese Stärke des österreichischen Schulsystems sollte erhalten bleiben.

Tatsache ist, dass an den Gymnasien in einigen Fächern, wie Geschichte oder Physik, der Stoff in der Unterstufe einmal und dann in der Oberstufe noch einmal (aber etwas gründlicher) durchgenommen wird. Warum kann man das System nicht so ändern, dass der Stoff nur einmal und dafür von Anfang an sehr gründlich durchgenommen wird?

Dadurch wäre es möglich, in Fächern wie Geschichte oder Physik die Schulzeit auf 6 Jahre zu verkürzen. In den anderen Fächern wäre das ebenfalls möglich. Man könnte Latein ab der 1. Klasse anbieten, dann hätte man die vollen 6 Jahre Latein wie im derzeitigen System. Die zweite lebende Fremdsprache, in meinem Fall war das Französisch, lernt man ohnehin nur 4 Jahre lang. Nur der Englischunterricht würde unter der Verkürzung der Schulzeit etwas leiden. Vielleicht könnte man das aber durch Erhöhung der Wochenstundenzahl des Englischunterrichts kompensieren.

Mathematik ist sowieso ein relativ leichtes Fach, das begabten Schülern keine Probleme bereitet. Da ist es möglich, den Stoff, der derzeit in 8 Jahren durchgenommen wird, in 6 Jahren durchzunehmen. Ich habe den Großteil dieses Stoffs bereits in der Volksschule beherrscht, also noch vor meinem Eintritt ins Gymnasium.

Man sollte in den Lernfächern zudem mehr Gebrauch vom Internet machen. Das könnte man erreichen, indem man einige Fächer wie Seminare oder Proseminare an den Universitäten abhielte: Die Schüler sollen den Stoff selbst anhand von Büchern und Internet erarbeiten und dann eine Seminararbeit schreiben und einen Vortrag halten.

Mir ist klar, dass meine Ideen insofern problematisch sind, als die Schulpflicht nur 9 Jahre beträgt und theoretisch jemand von der Schule gehen könnte, ohne beispielsweise den gesamten Stoff der Geschichte einmal gehört zu haben. Das kann man aber leicht beheben, indem man die wirklich wichtigen Kapitel der Geschichte, zum Beispiel die Zeitgeschichte, vorzieht.

Eine andere Möglichkeit wäre die Erhöhung der Schulpflicht auf 10 Jahre. Dann wäre die Schulpflicht exakt so lang, wie nach meinem Modell Volksschule und Gymnasium zusammen dauern. Mir scheint das ein durchaus gangbarer Weg zu sein, um dieses Modell zu implementieren. Auch andere Vordenker haben schon die Idee gehabt, die Schulpflicht auf 10 Jahre zu erhöhen.

Die Maturaprüfungen würde ich abschaffen. Sie verursachen nur Stress und bringen nicht viel. Die regulären Prüfungen im Verlauf des letzten Schuljahrs sollten reichen, um die Studierfähigkeit des Schülers abzuschätzen.

Die autoritäre Persönlichkeit

Adorno und Kollegen haben schon vor einigen Jahrzehnten versucht, einen bestimmten Persönlichkeitstyp zu beschreiben, den sie für viele Probleme der Menschheit verantwortlich machten. Sie nannten ihn "die autoritäre Persönlichkeit". Da damals noch nicht viel Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen war, brachten sie diesen Persönlichkeitstyp vor allem mit den Schrecken der damaligen politischen Systeme und deren Verbrechen an der Menschheit in Verbindung.

Ich denke, dass autoritäre Persönlichkeiten auch heute noch existieren, auch heute noch über Macht verfügen und auch heute noch anderen Menschen zu einem gewissen Grad das Leben schwer machen.

Ich verstehe darunter vor allem Leute, die jemanden zwingen, anders zu denken oder zu handeln, als dies dessen Naturell entspricht. Gewiss, in der Arbeit mag es vielleicht Strukturen geben, die aus rein pragmatischen Gründen gewahrt bleiben müssen, aber nicht außerhalb der Arbeitszeit. Manche Leute glauben aber, überhaupt den Lebensstil anderer Menschen bestimmen zu können.

Auch in der Arbeit ist es problematisch, wenn jemand zu autoritär ist. Manche Chefs überschreiten ihre Kompetenzen, indem sie ihre Untergebenen zu Dingen zwingen, die gar nichts mit der Arbeit zu tun haben, oder irrationale Entscheidungen treffen.

Auch wenn Menschen autoritär erzogen worden sind und eine schreckliche Kindheit hinter sich haben, sollten sie meiner Meinung nach anständig genug sein, nicht die gleichen Fehler zu machen, die ihre Eltern gemacht haben. Hier ist jeder gefordert, die Fähigkeit zu entwickeln, einen kühlen Kopf und Ruhe zu bewahren.

Montag, 12. August 2013

Kurt Gödel

Ein Leser dieses Blogs vertrat die Meinung, Kurt Gödel wäre nicht ernst zu nehmen, weil erwiesen sei, dass er an einer "Geisteskrankheit" gelitten habe. Dazu ist zu sagen, dass eine psychische Erkrankung keineswegs mit einer Intelligenzminderung einhergehen muss und es deswegen billig ist zu sagen, alles, was ein Mensch gesagt habe, sei Unsinn gewesen, nur weil er irgendwann im Verlauf seines Lebens psychisch erkrankt sei.

Ich frage mich eher, ob dieser Leser die Gödelschen Unvollständigkeitssätze überhaupt verstanden hat. Man muss nämlich bedenken, dass diese Sätze eine direkte Folgerung aus der Theoretischen Informatik (Berechenbarkeitstheorie und Theorie der Formalen Sprachen) ist. Das heißt, wenn die Gödelschen Unvollständigkeitssätze wirklich falsch wären, dann wäre auch die ganze Theoretische Informatik falsch. Und das ist doch eher unwahrscheinlich, wie ich finde.

Gödel hat diese Erkenntnisse der Theoretischen Informatik im übrigen noch nicht gekannt; er hat seine Unvollständigkeitssätze auf andere Weise hergeleitet. Aus heutiger Sicht sind die Unvollständigkeitssätze beinahe trivial, weil sie eben eine direkte Folgerung aus der Theoretischen Informatik sind.

Sonntag, 11. August 2013

Das Volk und die Intelligenz

In den letzten Tagen habe ich mich unter anderem mit den Sinus-Milieus beschäftigt. Ich halte diese Klassifikation der Bevölkerung für interessant. Ob sie zutrifft, ist eine andere Frage. Aber ganz sicher gibt es so etwas wie ein "Liberal-Intellektuelles Milieu". Das Sinus-Institut beziffert dessen Anteil an der Gesamtbevölkerung mit 7%. Ob diese Zahl stimmt, weiß ich nicht. Dieses Milieu wird jedenfalls als die "aufgeklärte Bildungselite" bezeichnet, der ein starker Drang zur Selbstverwirklichung innewohnt. Ich glaube, ganz gut da hineinzupassen; eventuell gehöre ich zur Schnittmenge dieses Milieus mit dem Milieu der Performer.

Für wichtig halte ich jedenfalls die Erkenntnis, dass vielleicht Außenstehende meinen könnten, die Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins müssten alle zu diesem Liberal-Intellektuellen Milieu gehören; wie aber die Beispiele zeigen, die ich im vergangenen Monat in diesem Blog gebracht habe, ist dem nicht so. Ich finde, man kann das Liberal-Intellektuelle Milieu sowie einige benachbarte Milieus, wie das Milieu der Performer, jedenfalls klar vom Rest der Bevölkerung abgrenzen. Die genannten Milieus bilden die "Intelligenz", die übrigen Milieus das "Volk".

Auch wenn die Mitgliedschaft im Verein nun einen hohen Intelligenzquotienten voraussetzt, gibt es auch viele Angehörige des "Volks", die in einem Intelligenztest eine entsprechend hohe Punktezahl erreichen; und manche von ihnen sind auch dem Verein beigetreten. Man muss also ganz klar die "Intelligenz" im soziologischen Sinn von einem solchen Verein trennen; das sind zwei verschiedene Dinge.

Nun ist mir auch klar, warum so viele Neumitglieder, vor allem jüngere und gebildetere, vom Verein so enttäuscht sind - Originalton: "Die sind doch gar nicht intelligent!" Viele Mitglieder sind eben nicht Angehörige der "Intelligenz". Intelligent sind diese Leute nur insofern, als sie in einem Intelligenztest gut abgeschnitten haben, aber um zu der "Intelligenz" im soziologischen Sinne zu gehören, bedarf es mehr als nur eines hohen Intelligenzquotienten. Vor allem gehören dazu: ein starkes Bestreben danach, Bildung zu erwerben (im Sinne von wissenschaftlichen Erkenntnissen), eine kritische Grundhaltung und Orientierung an Vernunft anstelle von Tradition, Konventionen und religiösen Vorstellungen. Das haben viele Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins nicht.

Was man dabei aber auch bedenken muss: Viele Angehörige des "Volks" wollen gar nicht zur "Intelligenz" gehören. Sie wollen gar nicht in die "Bildungselite" aufsteigen. Das ist mir erst jetzt klar geworden. So erschließt sich für mich auch, warum manche im Verein über meine eigene Grundhaltung so verärgert sind, denn sie wollen im Grunde genommen nur als Menschen anerkannt, respektiert und geschätzt werden; sie haben gar kein Interesse daran, dass man zu der Erweiterung ihres geistigen Horizonts und zur Anpassung ihrer Haltungen an wissenschaftliche Erkenntnisse beiträgt. Das wollen sie nicht.

Man muss nämlich auch dazu sagen: Es ist falsch zu glauben, dass die "Intelligenz" auf Abgrenzung bedacht wäre oder sich wegen ihrer Bildung für etwas Besseres hielte. Falls der geneigte Leser das geglaubt haben sollte, dann hat er etwas gründlich missverstanden! Vielmehr ist es so, dass die Angehörigen der "Intelligenz" tatsächlich glauben, dass ihre eigene Lebenseinstellung, ihre kritische Haltung gegenüber Normen, ihr Bestreben, den eigenen geistigen Horizont ständig zu erweitern, allen Menschen gut täten, also es am besten wäre, wenn alle Menschen diesen Lebensstil übernähmen. Gleichzeitig ist der "Intelligenz" aber auch bewusst, dass manche Mitbürger gar nicht über die geistigen Fähigkeiten verfügen, die für einen solchen Lebensstil erforderlich sind. Deswegen gibt es ja auch Intelligenztests: Sie dienen zu ermitteln, wer in der Lage wäre, ein "aufgeklärtes Weltbild" anzunehmen und Urteile vernunftgemäß zu fällen anstatt nur irgendwelchen Bräuchen zu folgen. Aus diesem Grund fühlen sich Angehörige der "Intelligenz", wenn sie Vereinen wie diesem beitreten, oft berufen zu "missionieren". Dagegen widersetzen sich aber die Mitglieder, die dem "Volk" entstammen und auch lediglich Angehörige des "Volks" bleiben wollen. So kommt es zu Konflikten und im Extremfall Austritten, Ausschlüssen und Spaltungen.

Man könnte über dieses Thema noch viel mehr sagen, aber ich höre jetzt auf zu schreiben und möchte, dass man das bisher Geschriebene als Denkanstoß betrachtet.

Sonntag, 4. August 2013

Mein Mediziner-Kollege

Bei einem Treffen des österreichischen Hochintelligenzvereins habe ich einen Mediziner-Kollegen kennen gelernt, der sich damit beschäftigt, wie man diverse schwere Erkrankungen durch Beeinflussung des Steroidhormonhaushalts behandeln könne. Von manchen Medizinstudenten, mit denen ich darüber gesprochen habe, wird er für einen Scharlatan gehalten. Ich meine aber, dass seine Hypothesen (soweit mir bekannt) nicht im Widerspruch zu dem stehen, was ich im Studium gelernt habe. Wenn man im Internet ein bisschen recherchiert, wird man auch feststellen, dass sein Ansatz gar nicht so revolutionär ist: Schon vor 20 Jahren wurden Nahrungsmittel auf den Markt gebracht, die einen ähnlichen therapeutischen Effekt haben sollen. Dass diese offenbar nicht vielen Menschen bekannt sind, mag damit zusammenhängen, dass die Hersteller einerseits nicht über ausreichende Mittel verfügen, dafür Werbung zu machen, und Ärzte andererseits selbst das Bestreben haben, möglichst teure Medikamente zu verschreiben, und ein solch billiges Nahrungsmittel daher ihren Interessen entgegen liefe. Vielleicht mag es hier im Internet Idealisten geben, die das gerne ändern würden; das überlasse ich euch. Ich selbst habe keine Ahnung, ob der Ansatz meines Kollegen wirklich so effektiv ist, wie er meint, und möchte mich deswegen aus dieser Sache vorerst heraushalten.

Samstag, 3. August 2013

Ein neues Buch von Marco Ripà

Gestern habe ich mir wieder neue Bücher gekauft, darunter das Buch "Retro-analytical Reasoning IQ tests for the High Range - ENNDT: The first dynamic IQ test for the high range" von Marco Ripà und Gaetano Morelli.



Das Thema dieses Buchs ist ein neuartiger Intelligenztest, bei dem die Aufgaben von einem Computerprogramm erzeugt werden, so dass bei jeder Test-Sitzung neue Aufgaben gestellt werden können. Dies verhindert, dass sich jemand die Lösungen besorgen und auswendig lernen könnte, wie dies bei bestehenden Intelligenztests leider zum Teil möglich ist.

Interessant ist der Test auch insofern, als die Art der gestellten Aufgaben meines Wissens nach neuartig ist und noch in keinem anderen Intelligenztest vorkam. Es ist ähnlich wie bei Schachrätseln: Oft werden in Schachzeitschriften aktuelle Spielstände abgedruckt, und die Leser sind gebeten zu überlegen, wie diese Spielstände zu Stande gekommen sein mochten, also wie man von der Ausgangslage Schritt für Schritt zu diesem Spielstand gelangen könnte. Genauso ist es auch in diesem Intelligenztest: Gegeben sind zehn Zahlenreihen. Der Computer wählt nun zufällig eine dieser zehn Zahlenreihen aus, dann eine zweite Zahlenreihe, und diese zweite Zahlenreihe verwendet er als Schablone, um Zahlen aus der ersten Zahlenreihe auszuwählen. Auf diese Weise entsteht eine neue Zahlenreihe. Je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgabe nimmt der Computer dann noch eine Zahlenreihe und verwendet sie wiederum zur Auswahl von Zahlen aus der neu entstandenen Zahlenreihe usw. Die Aufgabe des Probanden ist es herauszufinden, welche der gegebenen Zahlenreihen angewendet wurden und in welcher Reihenfolge sie angewendet wurden, um das in der Angabe enthaltene Ergebnis zu erzeugen.

Marco Ripà kündigte zu Beginn dieses Kalenderjahres in diversen Foren an, eine Beta-Testing-Session dieses neuartigen Tests durchführen zu wollen. Insgesamt 86 Kandidaten meldeten sich zum Test an, wobei angeblich alle nachweisen konnten, laut standardisierten Intelligenztests einen IQ von 135 oder höher zu haben (auf einer Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15; sie gehörten also intelligenzmäßig zur Spitze der Gesellschaft und waren allesamt intelligenter als 99 Prozent der Bevölkerung ihres jeweiligen Landes). Von diesen 86 Kandidaten wurde der Test allen zugeschickt, deren E-Mail-Adresse bekannt war. 33 Personen gaben danach an, sich den Test angesehen und ihn zumindest probiert zu haben; möglicherweise hatten es tatsächlich noch mehr als 33 Personen getan. Jedenfalls gelang es nur 8 Personen, innerhalb des Zeitlimits von 160 Minuten drei oder mehr Aufgaben zu lösen.

Die beste Leistung erbrachte laut diesem Buch eine Person mit den Initialen V. K.; er konnte 14 Aufgaben lösen, darunter auch einige schwierigere, und erzielte damit 39,5 Punkte. Mit deutlichem Abstand folgte R. R.; Ripà wertete 9,5 Aufgaben als gelöst (also wahrscheinlich 9 als völlig richtig und eine als "halbrichtig"), und da darunter auch einige schwierigere Aufgaben waren, bekam R. R. dafür 20,5 Punkte. Äußerst knapp dahinter belegte den dritten Platz dann ein gewisser C. V. mit 10 gelösten Aufgaben, wofür ich aber etwas weniger Punkte bekommen hatte als R. R., nämlich nur 19 Punkte, weil ich die Aufgaben in der Reihenfolge bearbeitet hatte, in der sie im Test vorgekommen waren, während R. R. einige leichtere Aufgaben ausgelassen und dafür einige schwierigere Aufgaben bearbeitet hatte. Für schwierigere Aufgaben bekommt man selbstverständlich mehr Punkte als für leichtere Aufgaben. Der Abstand zum vierten Platz war dann jedenfalls wieder recht groß, der Viertplatzierte hatte nur 13,1 Punkte erreicht.

Die IQ-Werte, die Ripà daraufhin den einzelnen Probanden zugewiesen hat, stellen meiner Meinung nach nur grobe Schätzungen dar. Das Einzige, was man mit Sicherheit sagen kann: Wenn man von 33 Probanden als Drittbester abgeschnitten hat, dann war man besser als ca. 94% der Teilnehmer; da es möglicherweise sogar mehr als 33 Probanden gegeben hat, mag der wahre Prozentsatz sogar noch höher sein. Aber in einen IQ kann man das nicht umrechnen, weil die Intelligenzverteilung der Teilnehmer nicht bekannt ist (dass angeblich alle einen IQ von mindestens 135 hatten, sagt noch nicht viel über die Verteilung aus). Aus diesem Grund ist der neuartige Intelligenztest von Ripà und Morelli noch nicht für die Ermittlung eines Intelligenzquotienten geeignet. Dazu müsste er erst an einer großen und für die Gesamtbevölkerung repräsentativen Zahl von Teilnehmern erprobt werden. Oder, alternativ, an einer Population mit einem IQ von mindestens 135, die für die Gesamtheit der derart Hochintelligenten repräsentativ ist - aus meiner Sicht liegen jedenfalls keine Hinweise vor, dass die 33 Probanden bei diesem Test in diesem Sinne repräsentativ waren. Für ein repräsentatives Sample würde es nicht genügen, dass alle Probanden einen IQ von 135 oder höher hätten, sondern die Intelligenzverteilung innerhalb dieses Samples müsste der tatsächlichen Intelligenzverteilung in dem Teil der Bevölkerung entsprechen, der einen IQ von 135 oder höher hat.

Insgesamt ein sehr interessantes Buch, das ich nur empfehlen kann!

Freitag, 2. August 2013

Über das Denken

Meine Kollegin in mehrfacher Hinsicht, die seit kurzem unter der Bezeichnung "universeinanutshell" auf WordPress.com bloggt, hat sich zuletzt Gedanken über das Denken gemacht. [1]

Ich erinnere mich, noch in der Schulzeit ebenfalls etwas über meine eigenen Denkprozesse niedergeschrieben zu haben. Soweit ich mich erinnern kann, entsprach die Wahrnehmung meines eigenen Denkens nicht genau dem, was meine Kollegin hier schreibt. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass meine Gedanken immer zweimal gedacht wurden. Zuerst auf eine diffuse Weise, die ich nicht mit klaren Worten zu beschreiben in der Lage bin. Und dann als ausformulierter deutscher oder gelegentlich auch englischer Satz. Ich empfand es so, als "kochte" etwas in mir. Wenn es dann "fertig" war, wurde es quasi in den Suppenteller eingeschenkt und dadurch in Worte gefasst.

Vielleicht läuft das Denken tatsächlich eher unbewusst ab, und nur jene Gedanken, die einem Filter im Gehirn besonders sinnvoll erscheinen, werden eingefangen und bewusst gemacht. Die Bewusstmachung scheint gleichbedeutend mit der Formulierung in einer der erlernten Sprachen zu sein, meist der so genannten Muttersprache.

[1] http://universeinanutshell.wordpress.com/2013/07/27/was-ist-denken/

Traditionelle und moderne Lebensweisen

Seit ich mit meinem Studium fertig bin, habe ich mich noch nicht ernsthaft nach einem Arbeitsplatz umgesehen. Dennoch habe ich in den paar Wochen schon einige Angebote bekommen. Nicht alle Angebote stellten eine Fixanstellung in Aussicht, aber es handelte sich bei allen mehr oder weniger um Möglichkeiten zu arbeiten und dafür Geld zu bekommen.

Da habe ich mir gedacht: Es ist einerseits ein tolles Gefühl, wenn man endlich die Aussicht darauf hat, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und das unter Umständen, wenn man sich nicht ganz blöd anstellt, sogar für einen längeren Zeitraum. Andererseits ist aber in der heutigen Zeit keineswegs ein sicherer Arbeitsplatz mit gutem Einkommen das Höchste, das man sich vorstellen kann.

Denn ich bin der Meinung, dass ich etwa mit diesem Blog oder mit meinen Aktivitäten auf Facebook noch wesentlich mehr bewegen kann, als wenn ich nur einer geregelten Arbeit nachginge.

"Bewegen" ist in diesem Fall natürlich nicht im materiellen, sondern im ideellen Sinne zu verstehen. Durch meine Analysen kann ich nämlich Leute dazu bringen, über Dinge nachzudenken, über die sie sich davor noch gar keine Gedanken gemacht haben. Ich bereichere also das geistige Leben anderer Menschen und mag unter Umständen dazu beitragen, dass sie ihre Einstellungen zu diversen Dingen ändern.

Jetzt verstehe ich auch besser, worum es in dem hier oft erwähnten Konflikt mit dem alten Mann im Forum des österreichischen Hochintelligenzvereins eigentlich ging.

Web 2.0 ist eben etwas ganz Neues, und Leute wie dieser Vereins-Kollege haben ihr ganzes Leben lang nicht die Möglichkeiten gehabt, die ich nun habe. Sie haben all das gar nicht kennen gelernt, was für mich schon längst zum Alltag gehört. Klar, dass sie irritiert sind, weil die Jugend von heute eine andere Lebenseinstellung hat. Sie glauben, die Jugend sei fehlgeleitet und müsse zur Vernunft gebracht werden. Über die tollen Möglichkeiten, die die neuen Technologien erstmals in der Geschichte der Menschheit bieten, haben sie dabei wahrscheinlich noch gar nicht richtig nachgedacht.

Es ist aber nicht einfach ein Generationenkonflikt. Es gibt durchaus auch jüngere Leute, die eine eher traditionelle Einstellung zum Leben haben, wie den 1977 geborenen Vereins-Kollegen, über den ich vor kurzem berichtet habe, aber vermutlich auch das 18-jährige Mädchen, das mich veranlasste, über "Menschlich-soziale Reife" zu schreiben. Deswegen ist es schon richtig, wenn ich die Möglichkeit ins Spiel bringe, dass man verschiedenen sozialen Schichten angehören könnte. Ob die von mir verwendete Terminologie die richtige ist, ist eine andere Frage. Vielleicht wäre es besser, nicht von Ober- und Unterschicht zu sprechen, sondern eher von materiell und ideell orientierten Menschen, von Konservativen und Progressiven oder von Traditionalisten und Modernisten, wobei all diese Begriffe den Kern der Sache nicht ganz treffen und auch falsch verstanden werden könnten. Vielleicht haben die Soziologen Recht, die die Einteilung der Bevölkerung in die Sigma- und Sinus-Milieus vorgeschlagen haben. Wobei mir aber nicht ganz klar ist, welchem der Sigma- bzw. Sinus-Milieus ich zuzuordnen wäre.

Jedenfalls wäre es aus meiner Sicht sicher nicht optimal, wenn ich fixe Arbeitszeiten hätte und in dem Fall, dass mir etwas einfiele, das ich gerne hier in diesem Blog oder anderswo niederschriebe, bis zum Abend warten müsste. Umgekehrt birgt ein fixes Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten aber auch große Vorteile, vor allem in Bezug auf Kranken- und Pensionsversicherung. Warten wir's ab.

Donnerstag, 1. August 2013

Ein anderes Vereinsmitglied

Ein anderer Vereins-Kollege von mir ist in meinen Augen deshalb eine interessante Persönlichkeit, weil er ziemlich genau dem entspricht, wie ich mir den Durchschnitts-Österreicher seiner Altersklasse vorstelle. Jahrgang 1977, lernte ich ihn 2002 kennen. Damals war er also 24 oder 25, ein paar Jahre jünger, als ich es jetzt bin. Er stand schon damals fest im Berufsleben, als Mechaniker, war verheiratet und hatte ein kleines Kind.

Mir müsste schon damals klar gewesen sein, dass kognitive Begabung nicht dasselbe wie Intellektualität bedeutet (und wahrscheinlich war es mir auch klar). Wie er selbst sagte, kam er "gut durchs Leben". Alles, was er ernsthaft anging, schien ihm zu gelingen. Das spricht für seine kognitive Begabung. Aber ein Intellektueller war er freilich nicht.

Ich frage mich, ob ich wirklich Recht habe, wenn ich ihn als den Prototyp eines Durchschnitts-Österreichers betrachte. Immerhin ist er ja doch überdurchschnittlich intelligent. Ein wirklicher Durchschnitts-Österreicher wird vielleicht im täglichen Leben mehr mit Problemen zu kämpfen haben, die er gar nicht hat. Aber natürlich entspricht er nicht in der Kategorie "Intelligenz" dem Durchschnitt, sondern in anderen Dingen, die eher mit seiner Persönlichkeit zu tun haben. Ich sehe jedenfalls derzeit keinen Grund zu glauben, dass er von seiner Persönlichkeit her kein typischer Österreicher in einem noch relativ jungen Erwachsenenalter wäre.

Die neue Zeitung des Hochintelligenzvereins

Die neue Ausgabe der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins, Nummer 367, ist heute bei mir per Post angekommen. Optisch sehr schön. Beim Lesen habe ich mich diesmal vor allem gefragt, was die Leute eigentlich veranlasst haben mag, die Artikel einzusenden. Dabei scheinen mir vor allem drei Dinge eine Rolle zu spielen:

1. Manche Autoren wollen ihren eigenen Beliebtheitsgrad im Verein erhöhen. Das sind vor allem die, die über das Jahrestreffen geschrieben haben. Es ist augenfällig, dass diese nämlich sonst nichts schreiben.

2. Manche Autoren wollen sich selbst darstellen, ihren eigenen Bekanntheitsgrad erhöhen und Werbung für sich machen. Ich werde hier bewusst keine Namen nennen.

3. Manche Autoren schreiben einfach gerne und haben keine persönlichen Absichten. Sie schicken ihre Artikel nur ein, damit sie auch irgendwo abgedruckt werden und nicht nur in der eigenen Schublade verschwinden.

Mein eigener Artikel über die "Essenz der Medizin" (auch in diesem Blog veröffentlicht) fällt wahrscheinlich in eine vierte Kategorie, denn er ist eher edukativ und will die "Weisheit" seiner Leser erhöhen.

Aus Sicht der Chefredakteurin kann es natürlich egal sein, warum jemand einen Artikel beisteuert - Hauptsache, sie bekommt Material für ihre Zeitung.

Innere Emigration

Als ich aus Hugi ein Demoszene-Magazin machte, meinte einer der bisherigen Leser, es fände es schade, dass sich Hugi nun vom realen Leben entfernt hätte. Dazu meine ich, dass es richtig war, diesen Weg zu gehen. Es war der Weg der inneren Emigration.

Der Grund ist einfach der: Hugi hätte zwar durchaus Potenzial gehabt, ein Forum zu werden, in dem Leute ihre Gedanken zu Problemen der realen Welt äußern könnten. Damit hätten wir etwas wirklich Innovatives geschaffen, zu einer Zeit, als das Internet in der Normalbevölkerung noch wenig verbreitet war. Für mich als Herausgeber von Hugi wäre das aber sehr problematisch gewesen, weil ich bis 2001 Schüler war und man als Schüler in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt ist. Bei strenger Auslegung des österreichischen Rechts hätte ich meine Zeitschrift eigentlich gar nicht herausgeben dürfen, denn hierzulande dürfen nur volljährige Personen offiziell als Zeitschriftenherausgeber fungieren. Dass das bei mir toleriert wurde, mag (abgesehen davon, dass die meisten Menschen, mit denen ich im realen Leben zu tun hatte, nichts von meinen Aktivitäten wussten) damit zusammenhängen, dass ich absichtlich auf kontroversielle Inhalte verzichtete. Die Demoszene hat gegenüber "harten" Themen wie Politik den großen Vorteil, keine Bedeutung für das reale Leben zu haben. Man kann daher über die Demoszene schreiben, was man will - man braucht keine Furcht zu haben, dass man daran Schaden nehmen könnte. Bei politischen Themen wäre das anders gewesen.

Als Schüler ist man gezwungen, in Schulaufsätzen nur solche Meinungen zu vertreten, die vom jeweiligen Lehrer entweder erwünscht oder zumindest geduldet werden. Was geduldet wird, kann man dabei a priori nur schlecht abschätzen, so dass man jedenfalls besser daran täte, sich mit allzu unkonventionellen Ansichten zurückzuhalten. Es genügt nicht, wenn ein Gedankengang logisch und wohlbegründet ist. Wer sich zu weit aus dem Fenster lehnt, eckt an, und das kann für einen Schüler von großem Nachteil sein. Schließlich ist es ja vom Wohlwollen seiner Lehrer abhängig, ob er den Aufstieg in die jeweils nächste Klasse schafft und seine Matura ablegen darf. Während man zwar Rechtschreibung und Regeln der Mathematik noch relativ leicht erlernen kann, so dass man Fehler solcher Art vermeiden kann, ist es bei Meinungen nicht so leicht einzuschätzen, was tolerabel ist und was nicht, denn da gibt es auch eine starke subjektive Komponente.

Wenn man nun als Schüler eine Zeitschrift herausgibt (was man, wie gesagt, hierzulande streng genommen gar nicht darf), dann können einem alle darin enthaltenen Artikel negativ ausgelegt werden. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen, deswegen begab ich mich in die innere Emigration und beschränkte mich auf die Demoszene.

Auch heute ist es für viele Menschen noch nicht so selbstverständlich, über alle möglichen Dinge so offen zu diskutieren, wie das einige meiner Bekannten auf Facebook und in diversen Foren tun. Für Schüler schon gar nicht!