Sonntag, 29. September 2013

Parlamentswahl in Österreich

Die Sensation des Tages: Mit voraussichtlich 5,2% der Stimmen hat erstmals seit Jahrzehnten eine neue Partei aus dem Stand heraus (also nicht als Abspaltung einer bereits existierenden, im Parlament vertretenen Partei) den Einzug ins Parlament geschafft.

Es handelt sich um die liberale Partei NEOS.

Schon eine Ironie der Geschichte, dass sich im bisher nicht gerade für Liberalismus bekannten Österreich nun genau das Gegenteil von dem zugetragen hat, was eine Woche zuvor in Deutschland passiert ist!

Besonders freue ich mich, dass nun mehrere meiner Facebook-Freunde Parlamentsabgeordnete sein werden. Ich war ja bis vor einigen Monaten Mitglied bei den Jungen Liberalen, einer der Organisationen, die an der Wahlplattform NEOS beteiligt sind. Nun verfüge ich über persönliche Kontakte zu Abgeordneten zum Österreichischen Nationalrat! Wer weiß, vielleicht werden nun sogar einige meiner politischen Ideen umgesetzt werden - oder zumindest darüber abgestimmt. Let's see what the future will hold!

Dienstag, 24. September 2013

Politik der Zukunft - Zukunft der Politik

Wir haben ja schon genügend oft gelesen, wie schlecht die Politiker ihren Job machen. Meine Frage, sehr ernst gemeint: Wie sollte man es besser machen? Wie sähe eine nachhaltige Politik aus, die ein gutes Zusammenleben auf lange Sicht ermöglichen würde?

Was ich mir denke:

Es ist halt so, dass jeder Mensch Geld verdienen muss, um das Lebensnotwendige kaufen zu können. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es möglich sein könnte, das Wirtschaftssystem so grundlegend zu reformieren, dass alles gratis wird.

Deswegen müssen die Leute irgendwelche Jobs haben, für die sie bezahlt werden. Es braucht also Ideen für sinnvolle Tätigkeiten, für die auch Kunden bereit wären zu zahlen.

Meiner Meinung nach kann die Politik nur die Rahmenbedingungen schaffen. Es ist also doch eher Sache der gewöhnlichen Menschen, dass sie Arbeitsplätze schaffen. Höchstens durch verstärkte Erziehung zu Innovativität an den Schulen könnte man als Staat da vielleicht unterstützend einwirken. (Ja, ich weiß, dass gerade Schulen oft vorgeworfen wird, Innovativität zu unterdrücken. Es stünde also tatsächlich ein Paradigmenwechsel an.)

Ich finde aber auch die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, wie es unter anderem die Piraten vorschlagen, gut, damit niemand existenzielle Ängste leiden muss.

In diesem Zusammenhang stellt sich aber auch die Frage: Wer soll ins Land einwandern dürfen? Denn wir können leider nicht die ganze Welt mit unserem bedingungslosen Grundeinkommen versorgen, oder? Das ist aus meiner Sicht eine sehr schwierige Frage.

Falls jemand der Meinung ist, dass gewisse Grundannahmen, die ich jetzt getroffen habe (dass Geldwirtschaft unabdingbar ist [bzw. Alternativen wie Subsistenzwirtschaft nicht erstrebenswert wären] und dass wir nicht alle Menschen dieser Erde versorgen können), falsch sind, bitte ich um Wortmeldung und nähere Erläuterung, denn gerade solche Meinungen fände ich besonders interessant. Wenn diese Annahmen wirklich falsch sein sollten, dann könnte man noch über ganz andere Dinge nachdenken. Dann könnte man das Leben der Menschen vielleicht sogar noch angenehmer gestalten, als ich bislang gedacht habe, dass es möglich ist.

Sonntag, 22. September 2013

Das Wesen der Konservativen

Ich glaube, man kann das Wesen der Konservativen auf folgenden gemeinsamen Nenner bringen: geringe Offenheit gegenüber Neuem. Im Big Five Personality Model handelt es sich um eine der fünf Variablen, die regelmäßig abgefragt werden. Ich habe in diesem Bereich meist überdurchschnittliche Werte. Konservative Menschen werden da wohl allesamt sehr geringe Werte erzielen.

Zum Konservativismus gehört auch eine gewisse Negativität. Das Eine ist mit dem Anderen verbunden. Konservative sind gegen Veränderungen, doch die Welt ändert sich ständig; deswegen sind Konservative immer unzufrieden.

So gesehen, ist es eigentlich verwunderlich, warum es so viele Konservative gibt - müssten diese nicht aufgrund ihrer negativen Lebenseinstellung gemäß Darwin mit der Zeit wegselektioniert werden? Es scheint sogar das Gegenteil zuzutreffen: Konservative haben mehr Kinder als aufgeschlossene Menschen. Das sieht man auch an den Umfragen unter Jugendlichen, wonach viele Jugendliche hier in Österreich besonders konservative Parteien bevorzugen.

Ich glaube gar nicht, dass sich die Welt in den letzten Jahrzehnten stärker geändert hat als in den Jahrhunderten davor; eher sogar im Gegenteil: Früher hat es immer wieder Kriege gegeben, und fremde Mächte annektierten Gebiete. Gerade in den Randgebieten mussten sich die Menschen sehr oft auf neue politische Umstände einstellen. Das gibt es hierzulande seit 70 Jahren nicht mehr. Die großen Veränderungen sind meines Erachtens zweierlei: Einerseits die technischen Neuerungen (Computer, Internet, Mobiltelefonie), die auch viele neue Möglichkeiten gebracht haben, vor allem im Bereich der Kommunikation. Andererseits die starke Zuwanderung, die dazu geführt hat, dass in Wien schon ungefähr die Hälfte der Bevölkerung Migrationshintergrund hat, was niemandem entgeht, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien unterwegs ist. Dass konservative Parteien gerade Zuwanderung bzw. Zuwanderer besonders stark ablehnen und dieses Thema in ihrer Wahlpropaganda in den Vordergrund stellen, bestätigt meinen Gedankengang. Dazu kommt noch die EU - diese gibt es ja auch erst seit etwa 20 Jahren in ihrer heutigen Form. Auch die EU stellt somit eine Veränderung dar und wird deswegen von betont konservativen Parteien stark abgelehnt.

Insgesamt halte ich konservative Menschen tendenziell für unangenehme Zeitgenossen; ich gehe ihnen eher aus dem Weg.

Lustig ist im übrigen, dass gerade Menschen hier in Österreich, die mir irgendwie komisch vorkommen, politisch meistens recht eindeutig einer bestimmten Partei zuzuordnen sind... Ich werde wohl angesichts der in diesem Artikel gebrachten Ausführungen nicht mehr erwähnen müssen, welcher. (Nein, diesmal meine ich nicht die christdemokratische Partei.)

Arteriosklerose

Nicht erst seit bei meinem Vater eine Verengung der Herzkranzgefäße festgestellt worden ist, mache ich mir Gedanken, wie es in dieser Hinsicht um mich bestellt ist. Tatsache ist, dass ich seit Jahren übergewichtig bin und der Blutdruck im oberen Normbereich liegt; so gesehen, ist es wahrscheinlich, dass es auch bei mir schon zu einer Verengung mancher Gefäße gekommen ist. Auch wenn ich jetzt, nach dem Studium, mehr Zeit für körperliche Aktivität habe, wird das die Verengung nicht rückgängig machen. Behoben werden kann der Schaden nur durch eine Operation; hierfür scheint mir der Zeitpunkt in meinem Fall aber noch zu früh zu sein.

Die größte Gefahr bei Arteriosklerose ist die Herzinsuffzienz. Durch die Gefäßverengung steigt ja der Blutdruck, und das Herz gewöhnt sich an diesen höheren Druck. Dadurch baut es ab, weil es glaubt, nicht mehr so viele Muskelfasern zu benötigen. Wenn man dann die Gefäßverengung beseitigt und damit den Blutdruck normalisiert, kann es sein, dass das Herz schon zu schwach ist, um das Blut adäquat durch den Organismus zu pumpen.

Ich frage mich aber, warum es offenbar nicht möglich ist, arteriosklerotische Plaques chemisch aufzulösen. In der Fernsehwerbung heißt es doch: "Waschmaschinen leben länger mit Calgon!" Warum sollte das, was bei Waschmaschinen möglich ist, nicht auch beim Menschen möglich sein?

Abgesehen von Infektionskrankheiten und seelischen Störungen, muss ich sagen, dass die Arteriosklerose doch eines meiner Hauptinteressensgebiete in der klinischen Medizin ist.

Donnerstag, 12. September 2013

Medienhetze

Konservative Publizisten hetzen gegen den Kanzler. Sie weisen darauf hin, dass es keine Beweise dafür gibt, dass dieser überhaupt je Matura gemacht hat; die entsprechenden Akten der Schule seien vor einigen Jahren vernichtet worden, und der Kanzler selbst hülle sich über seine Matura in Schweigen. Ich finde diese Hetze gegen den Kanzler erbärmlich; selbst wenn er keine Matura hätte, so hätte er doch nach fünf Jahren im Amt schon längst bewiesen, dass er ein Land führen kann, womit er wiederum widerlegt hätte, dass die Matura für das Amt des Bundeskanzlers so wichtig wäre, wie dies die konservativen Publizisten anscheinend meinen. Meiner Meinung nach ist es widerlich, derart in der Vergangenheit eines Menschen zu wühlen. Wichtig ist, wie er in Gegenwart und Zukunft handeln wird.

Sonntag, 8. September 2013

Schule

Ich mache mir nun auch immer wieder Gedanken über die Schule, weil ich als fast 30-jähriger in einem Alter angekommen bin, in dem man langsam anfängt darüber nachzudenken, wie es wohl der nächsten Generation ergehen wird.

Ich selbst war ja ein sehr guter Schüler; im Maturazeugnis habe ich lauter Einser stehen.

Bei Schulnoten kommt es aber nicht nur auf das Wissen und Können an, sondern auch auf andere Dinge, wie etwa korrektes Betragen und Übereinstimmung der schriftlich und mündlich ausgedrückten Meinungen mit den Ansichten der jeweiligen Lehrer. Das Wissen und Können könnte ich leicht an ein ausreichend begabtes Kind weitergeben; die Frage ist nur, wie sich das Kind im Unterricht verhalten wird.

Ich war sehr angepasst, sehr zurückhaltend mit Meinungsäußerungen; zwar enthielten meine Schulaufsätze schon auch eigene Gedankengänge, aber ich bemühte mich immer, im Rahmen dessen zu bleiben, was ich für gesellschaftlich anerkannt hielt.

So konnte ich meine Persönlichkeit erst nach der Matura voll entfalten.

Das ist das Nachteil dieses Systems: Um weiterzukommen, muss man angepasst sein oder zumindest diesen Eindruck erwecken. Erst wenn man eine bestimmte Position erreicht hat, kann man auch von den Erwartungen der bislang übergeordneten Personen ein wenig abweichen und eigene Ideen entwickeln.

Gerne würde ich meinen Kindern (sollte ich mich wirklich fortpflanzen) aber auch das Wissen vermitteln, das ich selbstständig erworben habe, durch das Internet, durch das Lesen von Büchern oder durch eigenes Nachdenken. Das Problem ist nur, dass es zum Teil im Widerspruch zu dem stehen könnte, was die Lehrer in der Schule erwarten. Wie sollte ich dieses Wissen also weitergeben, ohne zu riskieren, dass das Kind in der Schule unangenehm auffallen könnte? Das Problem ist nämlich vor allem eines: Ein Kind, das unangenehm auffällt, riskiert, nicht bis zur Matura zu kommen; die Folge ist, dass das Kind nur einen Beruf mit geringem Einkommen und geringem Prestige ergreifen kann, und das ist ein Schicksal, das kein verantwortungsbewusstes Elternteil seinen Kindern wünscht.

Am sichersten wäre es wohl, das Kind naiv sein zu lassen, bis es die Matura geschafft hat, und ihm erst dann zu erklären, wie die Welt wirklich funktioniert.

So gesehen, beeinträchtigt die Schule die Entwicklung eines Menschen aber gewaltig!

Deswegen bin ich persönlich im Grunde genommen sehr wohl für die Abschaffung der Schul- bzw. Bildungspflicht und dafür, dass jeder studieren dürfen soll, unabhängig davon, ob er Matura hat.

Mein eigener Lebensweg

Wenn man darüber nachdenkt, wie man eigene Kinder erziehen würde, dann ist das ein guter Anlass, um auch über den eigenen Lebensweg nachzudenken, damit man bei der nächsten Generation nicht die gleichen Fehler wie die eigenen Eltern macht.

Ich hatte Riesenglück, dass ich Eltern hatte, die beide nie gestresst waren und immer viel Zeit für mich hatten. So konnten sie schon sehr schnell sicherstellen, dass ich die wichtigsten Fähigkeiten erwarb, die in der Schule eine Rolle spielten. Auch wenn ich von Natur aus eher ein mathematischer Typ sein mag, hatte ich sehr rasch auch einen recht umfangreichen Wortschatz, eine gefestigte Grammatik und eine gute Rechtschreibung. Da ich rasch erkannte, dass es mir Freude bereitete, meine Gedanken niederzuschreiben, bekam ich auch Übung im Formulieren und entwickelte einen guten Stil.

Das haben meine Eltern auf jeden Fall richtig gemacht: Die wichtigsten Fähigkeiten, die man braucht, um gut durch die Schule zu kommen, waren schon früh gesichert. In Mathematik war ich meiner Zeit ja gegen Ende der Volksschule schon weit voraus; ich beherrschte damals schon die wichtigsten Regeln der Differentialrechnung. Bis auf die Geometrie hatte ich noch vor meinem 9. Geburtstag schon fast alles kennengelernt, das man an einem neusprachlichen Gymnasium im Fach Mathematik bis zur Matura lernt.

Was die Förderung weiterer Interessen betraf, zwangen mich meine Eltern zu nichts; vielmehr boten sie mir Verschiedenes an und ließen mich selbst entscheiden, was mich am meisten ansprach. Ab der Einschulung waren das hauptsächlich Computer. Mich faszinierte an diesen Geräten vor allem ihre Vielseitigkeit - man konnte mit ihnen praktisch alles machen.

Worüber man diskutieren könnte, ist die Entwicklung ab dem Ende der Pflichtschulzeit. Als Computerfreak hätte ich eine HTL besuchen können - dort hätte ich eine Berufsausbildung erworben, die meinen Interessen entsprach. Allerdings war ich meiner Zeit weit voraus und hätte mich in einer HTL vermutlich gelangweilt. Im Prinzip wäre ich mit 14 schon reif für ein Hochschulstudium gewesen. Das war rechtlich aber nicht möglich; so verbrachte ich noch vier weitere Jahre am Gymnasium.

Logisch wäre gewesen, gleich nach der Matura Informatik zu studieren - ich war mir aber unsicher, und als ich meine Eltern um Rat fragte, empfahlen sie mir ein Medizinstudium. Das war meiner Meinung nach der einzige Fehler, den meine Eltern gemacht haben. Denn da ich bis dahin keinerlei Anzeichen gezeigt hatte, dass ich Interesse an der Medizin hätte, war die Entscheidung für das Medizinstudium völlig inkonsequent. Wenn es meinen Eltern wirklich ein Herzensanliegen war, dass ich Medizin studiere, dann hätten sie besser daran getan, mir die Medizin schon in meiner Jugend irgendwie schmackhaft zu machen. Grundsätzlich finde ich aber ihre Philosophie schon gut, dass sie mich während meiner Schulzeit in keine Richtung gedrängt haben. Falsch war nur, dass sie dann nach der Matura praktisch auf einem Lebensweg bestanden haben, der keineswegs zu dem passte, wie ich mein bisheriges Leben verbracht hatte.

Wenn ein Kind sich wirklich für Computer und deren Programmierung interessiert, dann sollte es auf jeden Fall eine entsprechende Ausbildung absolvieren. Ein Informatikstudium ist immer gut. Es gibt im Bereich der Informatik in Wien so viele verschiedene Studiengänge, dass jeder etwas findet, das seinen ureigensten Interessen entspricht.

Ein zukünftiger Mediziner sollte sich eher für zwei Dinge interessieren: Menschen und deren Krankheiten. Nur wenn jemand diese Interessen zeigt, dann ist es sinnvoll, ihm zu einem Medizinstudium zu raten. Mich haben zwar Menschen immer interessiert, Krankheiten aber nicht. Das Einzige, was mich an meinem Medizinstudium interessiert hat, waren die naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer, weil diese Materie relativ kompliziert war und es mich immer schon reizte, Dinge zu verstehen, die nicht ganz so leicht zu verstehen sind. Alles Andere in diesem Studium hat mich wenig bis gar nicht interessiert.

Ich würde also meinen: Ein Kind so zu erziehen, wie es meine Eltern mit mir bis zur Matura getan haben, ist ein guter Weg; man sollte aber danach konsequent sein und seinem Kind zu einem Beruf raten, der dessen Talenten entspricht.

Samstag, 7. September 2013

Das Libertäre Manifest

Ich schreibe gerade an einem Text, den ich "Das Libertäre Manifest" genannt habe (Arbeitstitel). Darin beschreibe ich meine eigene politische Philosophie. Kommentare sind gern gesehen (aber bitte nicht "tl;dr").

Das Libertäre Manifest

Einleitung

Das Leben des Menschen ist zu einem großen Teil von der Befriedigung von Grundbedürfnissen bestimmt, wie dem Bedürfnis nach Nahrung, nach Schlaf, nach einem Dach über dem Kopf oder nach einem Partner beziehungsweise einer Partnerin. Die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von Menschen, die sich im Verlauf der Jahrtausende entwickelt haben, basieren allesamt darauf, den Angehörigen der jeweiligen Verbände ein gutes Leben zu ermöglichen, in dem diese Grundbedürfnisse gesichert werden. Erst durch die Sicherung der Grundbedürfnisse entstehen in den Menschen sekundäre Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung, nach deren Befriedigung er dann ebenfalls strebt. Ohne Sicherung der Grundbedürfnisse aber gibt es gar kein Streben nach Befriedigung sekundärer Bedürfnisse.

Das Leben des Menschen ist aus diesem Grund zu einem großen Teil durch ökonomische Zwänge bestimmt. Freiheit ist die Abwesenheit von ökonomischen Zwängen. Ein Mensch kann nur dann wirklich frei sein, wenn er sein Leben gestalten kann, ohne auf ökonomische Zwänge, nach denen er sich richten muss, Rücksicht nehmen zu müssen.

Der grundlegendste Verband von Menschen ist die Familie; sie besteht im Normalfall aus einer Mutter, einem Vater und einem oder mehreren Kindern. Es ist klar: Die Eltern sind dafür verantwortlich, die Grundbedürfnisse ihrer Kinder zu sichern. Aber wie sichern sie ihre eigenen Grundbedürfnisse? In der Steinzeit waren die Menschen Jäger und Sammler; später betrieben sie Ackerbau und Viehzucht. Mit der Zeit zeigte es sich, dass Menschen unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Die Einen spezialisierten sich auf den Anbau von Getreide, die Anderen auf die Zucht von Rindvieh; und ihre Erzeugnisse tauschten sie gegenseitig aus. So entstand das, was man Tauschwirtschaft nennt. Die Menschen produzierten Erzeugnisse nicht mehr nur für den Eigenbedarf (das nennt man Subsistenzwirtschaft), sondern auch für Andere. Schließlich kam man auf die Idee, ein universelles Zahlungsmittel, eine Währung, zu definieren, das es ermöglichte, die Tauschgeschäfte indirekt abzuwickeln. Anstatt Produkt gegen Produkt zu tauschen, tauschte man nun Produkt gegen Geld, um zu einem späteren Zeitpunkt wiederum Geld gegen Produkt tauschen zu können.

Im Laufe der Geschichte erwuchsen Ungleichheiten zwischen den Menschen. Manche verfügten über Besitz, andere nicht. Letztere bezeichnete man zu einem späteren Zeitpunkt als Proletarier. Die Proletarier hatten ein hartes Los, weil sie ihren Lebensunterhalt durch Lohnarbeit verdienen mussten. Sie waren also von anderen Menschen, von Besitzenden, voll und ganz abhängig. Es gab immer wieder Philosophen, die überlegten, wie man das Los dieser Besitzlosen verbessern könnte. Einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen dieser Art war sicherlich Karl Marx, aber es gab auch andere. Karl Marx war in seinen Ansichten sehr radikal. Er glaubte, das Problem der Proletarier lösen zu können, indem er das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffte, also jeden Besitz verstaatlichte, mit dem Güter erzeugt werden konnten. Dadurch wurden effektiv alle Menschen zu Besitzlosen, also zu Proletariern. Im Marx'schen Sozialismus gäbe es keine Unterschiede mehr zwischen den Menschen; alle müssten regelmäßig einer Arbeit nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Prinzip ist der Marxismus aus diesem Grund meiner Meinung nach eine perverse Ideologie: Denn anstatt das Leben der Menschen, denen es schlecht ging, zu verbessern, strebte Marx die Gleichheit der Menschen an, indem er das Leben der Menschen, denen es gut ging, verschlechterte. Mir geht es genau um das Gegenteil: Ich möchte das Leben aller Menschen verbessern.

Die Marx'schen Lehren wurden in Osteuropa umgesetzt, und wenn man sich mit Menschen unterhält, die in diesen Systemen gelebt haben, dann wird man von den meisten hören, dass sie sehr froh darüber sind, dass man nach 1989 in diesen Ländern vom Marxismus als Staatsideologie abging. Marxismus ist also keinesfalls erstrebenswert.

Der Begriff der Freiheit

Wie eingangs kurz erwähnt, betrachte ich Freiheit als die Möglichkeit, sein Leben unabhängig von Zwängen, vor allem von ökonomischen Zwängen, zu gestalten. Von Natur aus halte ich den Menschen für ein nach Freiheit strebendes Lebewesen. Im übrigen zeigt sich auch am Marx'schen Begriff der Freiheit, wie pervers der Marxismus ist: Denn Marx definierte Freiheit genau anders herum, nämlich als die Einsicht in eine Notwendigkeit. Echte Freiheit, wie sie mir vorschwebt, ist im Marxismus nicht vorgesehen.

Damit ein Mensch sein Leben frei, also unabhängig von Zwängen, vor allem von ökonomischen Zwängen, gestalten kann, muss die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse gesichert sein. Es gibt Menschen, die es sich leisten können, frei zu leben: Wenn sie sehr wohlhabend sind, so dass ihre Ersparnisse reichen, um über einen längeren Zeitraum Nahrung und übrige essenzielle Dinge erwerben zu können, ohne einer Arbeit nachzugehen, dann sind sie im Prinzip frei. Allerdings mit einer Einschränkung: Diese Menschen sind von anderen Menschen, die einer Berufstätigkeit nachgehen, abhängig. Würde jeder zu arbeiten aufhören, so würde das System nicht funktionieren.

Im Prinzip ist es jedenfalls möglich, Wohlstand anzuhäufen, um irgendwann ein Leben frei von ökonomischen Zwängen führen zu können. Dazu muss es aber erlaubt sein, Privatbesitz zu akkumulieren. In einem sozialistischen System Marx'scher Prägung wäre dies nicht möglich oder zumindest nicht legal.

Da im Kapitalismus westlicher Prägung das Anhäufen von Privateigentum erlaubt ist, kann man hierzulande also sein Leben über einen gewissen (in der Regel relativ langen) Zeitraum so gestalten, dass man arbeitet, um Besitz zu erwerben, von dem man irgendwann (in der Regel erst in recht hohem Alter) frei von ökonomischen Zwängen leben kann.

Was im derzeitigen System freilich nicht möglich ist, ist, sein Leben von Anfang an frei von ökonomischen Zwängen zu gestalten. Es sei denn, man stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie, so dass man es sich leisten kann, von Anfang an zu leben, ohne auf ökonomische Zwänge Rücksicht zu nehmen. Dies ist aber nur relativ wenigen Privilegierten möglich.

Es gibt jedoch verschiedene Lösungsvorschläge, wie man auch finanziell schlechter gestellten Kreisen ein sorgenfreies Leben ermöglichen könnte. Milton Friedman, der bekannteste Ökonom der Chicagoer Schule, hat beispielsweise etwas vorgeschlagen, das von diversen politischen Parteien unter Begriffen wie Grundsicherung oder Bedingungsloses Grundeinkommen propagiert wird. Die Idee ist einfach, dass der Staat nach wie vor Steuern eintreibt, aber einen Teil dieser Steuern an alle Bürger - also auch an die, die gar keine Steuern zahlen - zurückgibt. Dadurch hätte dann jeder Bürger ein regelmäßiges Einkommen, mit dem er seine Grundbedürfnisse befriedigen könnte, unabhängig davon, ob er einer Arbeit nachginge.

Auch dieses System setzte aber voraus, dass manche (eher: viele) Menschen nach wie vor einer Berufstätigkeit nachgingen, denn sonst wäre dieses System nicht finanzierbar.

Dazu ist zu sagen, dass es keineswegs das Ideal jedes Menschen ist, Arbeit möglichst zu vermeiden. Es gibt Menschen, die gerne arbeiten - vielleicht gar nicht so wenige. Es kommt in erster Linie darauf an, ob der Beruf zu der jeweiligen Persönlichkeit passt. Deswegen ist es wichtig, dass es Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten gibt: damit sich möglichst für jeden Beruf, der gebraucht wird, jemand findet, der diesen Beruf gern ausübt. Wenn jemand von seiner Persönlichkeit her eine bestimmte Tätigkeit gerne ausübt, sie ihm Spaß macht, dann empfindet er insgesamt weniger Arbeitsleid als jemand, der ständig einer seinem Wesen fremder Tätigkeit nachgehen muss.

Es ist davon auszugehen, dass die meisten Menschen irgendeine Tätigkeit finden würden, die ihnen Freude bereitete, und der Zustand, dass sie nur vom Grundeinkommen lebten, nur zeitlich begrenzt wäre.

Der Begriff der Arbeit

Was ist überhaupt Arbeit? Es gibt verschiedene Definitionen von Arbeit; beginnen wir mit Marx: Marx definierte Arbeit als eine "gesellschaftlich anerkannte Tätigkeit". Das bedeutet erstens, dass Arbeit eine Tätigkeit ist; zweitens, dass sie gesellschaftlich anerkannt werden muss. Aber was heißt gesellschaftliche Anerkennung? Das ist im Grunde genommen ein recht vager Begriff; in der Realität sieht es wohl so aus, dass all das, womit man Geld verdienen kann, als gesellschaftlich anerkannt zu betrachten ist und alles andere als gesellschaftlich nicht anerkannt.

In der Physik wird Arbeit als das Produkt von Kraft und Weg definiert, wobei Kraft wiederum das Produkt von Masse und Beschleunigung ist; physikalische Arbeit hat also damit zu tun, dass man einen Gegenstand, der eine gewisse Masse hat, in Bewegung versetzt (ihn beschleunigt), und je weiter man ihn bewegt, je größer der Weg, desto mehr Arbeit hat man geleistet. Dieser physikalische Begriff der Arbeit beschreibt an sich manche Berufe recht gut, möglicherweise sogar alle Berufe; denn auch bei intellektuellen Berufen, beim Denken, wird physikalische Arbeit verrichtet. Selbst Marx betrachtete das Denken als eine Form der Bewegung (sogar als die höchste Form der Bewegung). Aber: Physikalische Arbeit impliziert nicht gesellschaftliche Anerkennung.

Meiner Meinung nach ist in diesem Zusammenhang doch die Frage zu stellen, ob eine Tätigkeit, die gesellschaftlich nicht anerkannt ist, nicht doch als Arbeit zu betrachten sei. Ich persönlich erachte es als unfair, eine mitunter anstrengende Tätigkeit nicht als Arbeit zu betrachten, nur weil man mit dieser Tätigkeit kein Geld verdient (sie also nicht aus ökonomischen Motiven betrieben wird).

Der Begriff der Leistung

In der Physik wird Leistung als Quotient aus Arbeit geteilt durch Zeit definiert. Das bedeutet: Je mehr Arbeit verrichtet wird, desto höher die Leistung. Aber auch: Wenn zwei Personen gleich viel Arbeit verrichten, dann hat die Person, die weniger Zeit dafür gebraucht hat, mehr Leistung erbracht.

Im täglichen Leben wird oft Leistung als ein wichtiges gesellschaftliches Prinzip hochgehalten. Dabei ist Leistung aber nicht unbedingt im physikalischen Sinne gemeint. Eher ist gemeint, dass man grundsätzlich die Einstellung haben sollte, Arbeit verrichten zu wollen. Honoriert wird keineswegs, wenn jemand gleich viel Arbeit leistet, aber dafür kürzer braucht. Von solchen Menschen - man könnte sie begabt nennen - wird eher erwartet, dass sie die gewonnene Zeit nutzen, um noch mehr Arbeit zu verrichten.

Die "Leistungsgesellschaft" ist ein geflügeltes Wort. Meiner Meinung nach zeugt es aber eher von Unreife, wenn ein Mensch sich in erster Linie durch die erbrachten Leistungen definiert. Es gibt im Leben viel mehr als nur Arbeit. Menschen sind nicht deswegen interessant, weil sie arbeiten, sondern aufgrund ihrer Persönlichkeiten und Kenntnisse - das sind Merkmale, die zwar auch beim Geldverdienen eine Rolle spielen können, die aber nicht nur wegen der ökonomischen Aspekte interessant sind. Dementsprechend bin ich der Meinung, dass sich die Gesellschaft in die Richtung weiterentwickeln sollte, dass Menschen nicht nur aufgrund ihrer Leistungen geschätzt werden, sondern auch aufgrund ihres Charakters und anderer Dinge.

Autoritäre Strukturen

Ökonomisch gesehen, betrachten Menschen in erster Linie nach der Nützlichkeit. Die Hauptfrage lautet: Was habe ich von meinem Mitmensch? Was kann er mir bringen? Das spielt auch in den privaten Bereich hinein. Aber in erster Linie ist das Nützlichkeitsprinzip ein ökonomisches. Der Unternehmer entscheidet, welche Mitarbeiter er einstellt, aufgrund ihres Potenzials, dass sie seinen Zwecken dienen könnten. Wie gesagt, ist die potenziell erbrachte Leistung nicht alles, was einen Menschen ausmacht; in der Arbeitswelt ist sie aber das hauptsächliche Kriterium bei der Auswahl von Mitarbeitern.

Aufgrund der Verschiedenheit der Interessen der Menschen haben sich im Laufe der Zeit autoritäre Strukturen ausgebildet. Ein Mitarbeiter muss ja nicht unbedingt die Interessen seiner Vorgesetzten teilen. Aber im Betrieb wird von ihm in erster Linie erwartet, diesen Interessen zu dienen. Vorgesetzte haben daher verschiedene Mechanismen entwickelt, ihre Untergebenen zu zwingen, sich so zu verhalten, wie es ihren eigenen Interessen entspricht. Unternehmen, die so aufgebaut sind, sind autoritär strukturiert. Im Prinzip ist jedes Unternehmen autoritär strukturiert; Mitarbeiter werden schließlich nicht bezahlt dafür, dass sie ihren Privatinteressen nachgehen. Problematisch ist nur, wenn das Autoritätsprinzip auch in Bereiche hineinspielt, in denen es keine Rolle spielt, etwa in das Privatleben. Auch in der Familie herrschen oftmals autoritäre Strukturen. Besonders in traditionellen Familien gab es oft ein Familienoberhaupt, das den anderen Familienmitgliedern selbst in ihrer Freizeit glaubte sagen zu dürfen, wo es langging.

Meiner Meinung nach sind autoritäre Strukturen weitestgehend abzubauen. Autoritäres Gehabe ist nur dort zu gestatten, wo es wirklich notwendig ist; etwa um Mitarbeiter dazu zu bringen, den Interessen des Unternehmens zu dienen. In allen anderen Bereichen sollte autoritäres Verhalten nicht erlaubt sein.

Im Idealfall sollten auch die Interessen der Mitarbeiter mit denen des Unternehmens weitgehend übereinstimmen oder zumindest sehr kompatibel sein; dann wird autoritäres Gehabe auch am Arbeitsplatz überflüssig.

Autoritäre Strukturen und auch autoritäre Persönlichkeiten - solche, die besonders zu autoritärem Gehabe neigen, selbst wenn es rational nicht geboten ist - sind in meinen Augen ein Hauptübel der Menschheit. Sehr viele Probleme, wie Kriege oder Völkermorde, sind auf solche autoritäre Strukturen zurückzuführen. Man überlege sich einmal: Ohne autoritäre Strukturen gäbe es wahrscheinlich gar keine Kriege! Schließlich dient kaum ein Soldat freiwillig in der Armee, sondern die meisten werden zum Kriegsdienst gezwungen.

Fortsetzung folgt.

Überwachung

Das Thema Überwachung ist seit einigen Wochen eines der heißesten Themen in den Medien. Zu diesem Thema möchte ich sagen: Man muss damit rechnen, dass alles, was im Internet geschrieben wird, aufgezeichnet wird. Man weiß nun, dass es der amerikanische und der britische Geheimdienst tun, aber es gibt sicherlich noch weitere Geheimdienste, die solche Aufzeichnungen machen, und wahrscheinlich auch Privatunternehmen.

Ich habe eigentlich immer damit gerechnet, dass nichts, was ich im Internet schreibe, geheim bleibt und alles von irgendjemandem ausgewertet werden kann (und höchstwahrscheinlich auch wird).

Wenn man aber getreu dem Motto "Alles, was man sagt, kann gegen einen selbst verwendet werden" handelt und sich komplett von der Außenwelt verschließt, ist das meiner Meinung nach auch nicht richtig.

Die Frage ist nicht, ob Daten gesammelt werden, sondern es stellen sich vor allem zwei Fragen:
1. Welche Daten werden ausgewertet und
2. werden sie korrekt ausgewertet?

Gerade wenn Daten nicht korrekt ausgewertet werden, kann das problematisch sein. In natürlichsprachige Texte beispielsweise kann man vieles hineininterpretieren, das der Autor gar nicht gesagt und auch nicht gemeint hat.

Insgesamt gesehen muss man wohl auf den guten Willen der Datensammler hoffen und dass diese mit den Daten nichts anrichten werden, das einem schaden könnte.

Freitag, 6. September 2013

Der Begriff "Persönlichkeitsstörung"

Ich bin der Meinung, dass der Begriff "Persönlichkeitsstörung" semantisch falsch ist. In einzelnen Bereichen der Medizin gibt es verschiedene Störungen, zum Beispiel in der Kardiologie Herzrhythmusstörungen. Diese Bezeichnung ist korrekt, denn was ist gestört? Der Herzrhythmus - eben. Aber bei einer Persönlichkeitsstörung ist keineswegs die Persönlichkeit gestört, sondern der Betroffene hat einfach eine Persönlichkeit mit gewissen Zügen, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Ich würde vorschlagen, den Begriff der Persönlichkeitsstörung durch die Bezeichnung "Abweichung von der Norm" zu ersetzen. Ähnlich problematisch ist der Begriff "Angststörung": Denn es ist nicht die Angst des Patienten, die gestört ist, sondern die Störung besteht darin, dass der Patient ängstlich ist. Es handelt sich eher um eine Verhaltensstörung bedingt durch Angst.

Dienstag, 3. September 2013

Akademikerquote

Die zunehmende Anzahl von Akademikern hat aus Sicht eines arbeitenden Akademikers nicht unbedingt nur Vorteile: Es nimmt auch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu; es ist nichts Besonderes mehr, Akademiker zu sein; Akademiker sind keineswegs mehr die "Könige", sondern Arbeitnehmer wie andere auch, genauso austauschbar und genauso "at risk", den Job zu verlieren, weil es auch andere Menschen gibt, die das Geforderte leisten können. Das sollte man vielleicht auch bedenken, wenn man über das Thema "Akademikerquote" liest oder schreibt.

Geistige Aktivität und Weisheit

Was mir heute auch noch durch den Kopf gegangen ist:

Eigentlich könnte jemand, der in seinem Beruf weder geistig noch körperlich sonderlich beansprucht wird, schneller zu einem "weisen Menschen" werden als solche, die wirklich hart arbeiten (müssen). Denn derjenige, der weniger gefordert wird, hat mehr Gelegenheiten zum Nachdenken. Ich erinnere mich noch an meinen Zivildienst: Da habe ich auch hauptsächlich sehr einfache Routinearbeiten im Büro erledigt. Da konnte ich wirklich den ganzen Tag geistig mit anderen Dingen beschäftigt sein, weil diese Tätigkeiten nicht meine volle intellektuelle Kapazität erforderten. (Wir hatten im Büro auch eine geistig behinderte Mitarbeiterin, die exakt das gleiche gemacht hat wie ich - so viel also zum intellektuellen Anspruch der Tätigkeiten, die ich im Zivildienst durchgeführt habe.)

Möglicherweise sind gerade Nicht-Akademiker oftmals besonders weise - natürlich auch nur solche, die über entsprechende geistige Anlagen verfügen, solche, die sehr nachdenklich sind und so weiter. Selbstverständlich ist es in diesem Fall aber auch wichtig, dass die Leute über genug Zeit verfügen, in denen sie Wissen erwerben können, denn nur mit Wissen lässt sich klarerweise auf einem höheren Niveau nachdenken.

"Den Lebensunterhalt verdienen"

Viele Menschen arbeiten, um sich ihren "Lebensunterhalt" zu verdienen - oder behaupten das zumindest. Auch wenn es vielleicht nicht in jedem Einzelfall stimmt, weil es sicher auch viele Leute gibt, die arbeiten, obwohl sie das Geld nicht unbedingt benötigen würden, um Miete und Nahrung zu bezahlen, so gibt es sicherlich doch Menschen, die wirklich arbeiten müssen, um zu überleben.

Ich frage mich manchmal schon, wie das Ganze aus moralischer Sicht zu betrachten ist. Sind diejenigen, die nicht arbeiten, es wirklich nicht wert zu leben? Das ist doch schon gefährlich nahe einer hierzulande verbotenen Ideologie, und es widerspricht auch unserer Bundesverfassung, in der (wenn ich richtig informiert bin) das Recht auf Leben garantiert ist - zumindest ist das eine liberale Grundforderung, und da wir (offiziell) in einer liberalen Demokratie leben (oder uns das zumindest in der Schule so gesagt wurde; wie ich inzwischen in Erfahrung gebracht habe, mag die Realität etwas anders aussehen, weil ich zum Beispiel festgestellt habe, dass die Religionsfreiheit - auch so ein liberales Grundrecht - hierzulande nicht in der Verfassung verankert sein dürfte), müsste der Staat eigentlich jedem Einwohner das Recht auf Leben garantieren.

Mag schon sein, dass es in früheren Zeiten so war, dass auch hier in Mitteleuropa Menschen täglich um ihr Überleben bangen mussten, aber heute? Verfügen wir, trotz des Schuldenbergs, nicht über genügend Mittel, um zumindest jedem das Überleben zu garantieren?

Möglicherweise klaffen Idealzustand und Realität aber durchaus auseinander. Es mag vieles anders sein, als es allgemein geglaubt und sogar an Schulen gelehrt wird. Als studierter Mediziner verfüge ich ja auch über einen Einblick in gewisse Bereiche des Lebens, in denen so manches anders ist, als man es sich gemeinhin vorstellt. Mediziner sind nett und menschenfreundlich? Nur im Schulbuch und in den Köpfen einfacher Leute. Aber darum geht es hier natürlich nicht.

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ich früher eine Freundin mit einer leichten körperlichen Behinderung hatte (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte), schon öfter gefragt, wo eigentlich die behinderten oder an einer Erbkrankheit leidenden Leute sind. Mir begegnen auf der Straße wirklich nur sehr selten Erwachsene, die einen der Phänotypen aufweisen, von denen ich im Studium gelernt habe. Vom Down-Syndrom beispielsweise ist einer von 300 Neugeborenen betroffen. Manchmal sieht man Kinder mit Down-Syndrom, aber Erwachsene? Erwachsene mit Down-Syndrom sehe ich sehr selten. Dabei versterben die Patienten keineswegs schon im Kindesalter, sondern haben zwar aufgrund eines angeborenen Herzfehlers eine verminderte Lebenserwartung, aber an die fünfzig Jahre werden sie schon alt. Meine Ex hat, als Betroffene, natürlich vor allem auf die Leute mit Lippenspalten geachtet; auch was diese Behinderung betrifft, hat sie diverse Kinder gekannt, die davon betroffen waren, aber kaum Erwachsene. Gut, man kann diese Entstellung zum Teil durch operative Maßnahmen korrigieren, aber nicht bei jedem. Wo sind diese Leute?

Um noch einmal zum Ausgangsthema zurückzukehren: Wenn man das Ganze aus darwinistischer Perspektive betrachtet, dann ist im Prinzip alles Leben Selektion. Mag schon sein, dass das nur natürlich ist, aber ob es gut ist - das wage ich zu bezweifeln. Sollten nicht Politik und Gesellschaft alles daran setzen, diese natürlichen Auslesevorgänge zu eliminieren, so dass jeder Mensch ein glückliches Leben führen kann, egal wie er von Natur aus sein mag? Manche werden auf diese Frage sicher antworten: nein. Mir ist schon klar: Natürliche Ausleseprozesse haben in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt; durch diese Prozesse sind gewisse Menschengruppen zu dem geworden, was sie heute sind. Nur: Ich wage zu bezweifeln, dass das optimal sei. Ich bin eigentlich der Meinung, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, so zu leben, wie er oder sie will, solange er oder sie niemand anderen in seiner Lebensführung grob beeinträchtigt. In der Vergangenheit war es halt immer so, dass diejenigen überlebt haben, die sich an die Umweltbedingungen (die nicht nur durch die Natur, sondern auch durch die menschliche Gesellschaft hervorgerufen wurden) am besten angepasst haben; alle Anderen sind zu Grunde gegangen. Das will ich aber nicht. Ich finde es eher reizvoll, eine Welt der Vielfalt zu haben; wie man sich denken kann, habe ich grundsätzlich auch kein Problem mit "Ausländern". Dass viele Menschen mit "Ausländern" ein Problem haben, scheint allerdings sehr wohl der Fall zu sein; ansonsten könnte man sich die Beliebtheit bestimmter politischer Parteien allenfalls dadurch erklären, dass diese in Opposition zu der (aus welchen Gründen auch immer) unbeliebten Regierung stehen. Vielleicht sind meine Ansichten auch naiv; mag sein, aber das heißt auch nicht unbedingt, dass die Gegenseite Recht haben muss. Für sachliche Diskussionen bin ich jedenfalls offen.

Montag, 2. September 2013

Gedächtnis

Im Moment bin ich dabei, ein fremdsprachiges Lied zu lernen, das in einer Sprache vorliegt, die ich selbst nicht spreche. Ich beherrsche bereits die erste Strophe:

Achimun pinnara i kangsan
Ungume chawondo kadukhan
Samcholli arumdaun nae choguk
Panmanyon oraen ryoksae
Challanhan munghwaro charanan
Sulgiron inmunui yongwang
Mongwa mam ta pachyo i Choson
Kiri pattuse

Nun ist mir eingefallen, dass eine Zeile der zweiten Strophe - die ich noch nicht gelernt habe - "Chilliro mung chojin oksen ttut" lautet. Ich habe nachgesehen, es stimmt (phonetisch, nicht orthografisch). Das zeigt, dass im Gedächtnis wahrscheinlich weit mehr gespeichert bleibt, als einem oft bewusst ist. Wahrscheinlich käme ich durch intensives Nachdenken noch auf weitere Zeilen der zweiten Strophe, ohne sie bewusst gelernt zu haben.

Ich finde das sehr interessant.

Sonntag, 1. September 2013

September

Ein neuer Monat beginnt. Bisher hat es sich immer zufällig ergeben, dass ich am Monatsersten auch etwas in diesem Blog gepostet habe; das habe ich dann zum Anlass genommen, dass ich das Archiv dieses Blogs (erhältlich auf meiner Homepage) aktualisiert habe. Heute ist mir (noch) nichts eingefallen, über das ich gerne hier schreiben würde, aber wenigstens dieses Posting gibt mir die Möglichkeit, das Blog-Archiv zu aktualisieren. Eine Aktualisierung des Archivs einmal im Monat scheint mir ein sinnvoller Rhythmus zu sein. Ob mein Archiv überhaupt heruntergeladen wird, weiß ich freilich nicht.