Montag, 28. Oktober 2013

Erzwingen von Fairness

Mich würde interessieren, ob es theoretisch möglich ist zu erreichen, dass sich Menschen von selbst fair zueinander verhalten. Es mag vielleicht einzelne Menschen mit einem gut entwickelten Gerechtigkeitssinn geben; möglicherweise handelt es sich dabei aber um eine Minderheit. Selbst um einfache Dinge wie einen fairen Umgang zu erreichen, scheint es unabdingbar zu sein, dass es eine höhere Instanz gibt, vor der sich die Menschen fürchten und die sie zwingt, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Wenn Liberale eine Ordnung ohne Zwang erreichen wollen, dann stellt sich die Frage, wie faires Verhalten sonst durchsetzbar wäre. Möglicherweise ist das, was sich konsequent Liberale vorstellen, eine reine Utopie und es geht nicht ohne Zwang - ich meine: dass Zwang notwendig sein könnte, um Gerechtigkeit durchzusetzen.

Um ein Beispiel zu nennen: Wenn ich zur Bank gehe und von meinem Konto Geld abheben will, dann könnte der Bankangestellte mir das Recht verweigern, auf mein eigenes Konto zuzugreifen. Deswegen bedarf es eines Vorgesetzten, der diesen Angestellten gegebenenfalls zur Vernunft bringt, oder im Extremfall eines funktionierenden Justizwesens. Man überlege sich, was wäre, wenn jeder Bankangestellte nach Belieben entscheiden könnte, ob ein Kunde auf sein Konto zugreifen dürfte. Sicher, es wäre unfair, diesen Zugang zu verwehren; ein Mensch, der über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügt, würde es nicht tun. Doch es gibt eben auch Menschen, die über einen solchen Sinn nicht verfügen. Möglicherweise ist das sogar die Mehrheit.

Aus diesem Grund halte ich Anarcho-Kapitalisten für naiv. Eine solche Ordnung würde nur funktionieren, wenn alle Menschen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügten. Man bedenke, dass Anarcho-Kapitalismus ja impliziert, dass eine kapitalistische Ordnung beibehalten wird. Aber wer sollte für Ordnung sorgen, wenn es keine Institutionen wie Exekutive und Justiz mehr gäbe?

Ganz allgemein scheint vieles im Zusammenleben der Menschen auf Vertrauen zu basieren; die Gewährleistung desselben ist jedoch schwerlich zu garantieren. Grundsätzlich kann man nur auf Vernunft hoffen.

Biografien

Früher habe ich sehr gerne Biografien gelesen; ich glaubte, auf diese Weise auch Lehren für meine eigene Lebensführung ziehen zu können. Allerdings bin ich inzwischen darauf gekommen, dass sich die Welt doch verändert hat und das, was in den Biografien von großen Männern steht, die vor hundert Jahren gelebt haben, nur bedingt auf heutige Verhältnisse übertragbar ist.

Dazu kommt, dass Biografien für gewöhnlich beschönigend ist; das, was peinlich sein oder jemandem zum Vorwurf gemacht werden könnte, wurde meistens weggelassen. Was auch fehlt, ist die Tatsache, dass große Persönlichkeiten in der Regel nur deswegen so groß geworden sind, weil sie einen oder mehrere Förderer hatten, manche - wie Einstein - sogar eine ganze Lobby. Wenn man zum Beispiel Karl Popper hernimmt, muss man auch feststellen, dass er ja von Berufs wegen Philosoph war; erst die relative Sicherheit einer festen Anstellung an der Universität hat ihm die Möglichkeit gegeben, seine erkenntnistheoretischen Überlegungen und seine Gedanken zur politischen Philosophie zu entwickeln. All diese Leute, über die Biografien geschrieben worden sind, waren mehr oder weniger in das System eingebunden - anders gesagt, es mag vielleicht auch einfache Arbeiter oder andere Menschen gegeben haben, die durchaus kluge Gedanken hatten, denen aber nie Beachtung geschenkt wurde, weil sie eben nicht die entsprechende Stellung in der Gesellschaft hatten. An den Schulen werden Leute wie Einstein oder Popper als die größten Denker des vergangenen Jahrhunderts propagiert; aber vielleicht hat es noch größere Denker gegeben, die lediglich unbekannt blieben, weil sie es nicht schafften, eine entsprechende Stellung in der Gesellschaft zu erreichen, dass man ihnen Beachtung geschenkt hätte.

Popper war sicherlich einer, der relativ klar formulieren konnte und dessen logisches Denkvermögen recht gut entwickelt war. Das heißt aber nicht, dass es eines Poppers bedurft hätte, um zu den Erkenntnissen zu gelangen, für die er berühmt geworden ist. Die Hauptthese, dass der Wissenschaftsbetrieb aus dem Formulieren von Hypothesen und hartnäckigen Versuchen, diese zu widerlegen, bestehen solle, ist eigentlich gar keine geistige Meisterleistung, denn jedem Menschen, der gut im logischen Denken ist, ist klar, dass sie sinnvoll ist; allerdings ist einem begabten Logiker auch klar, dass diese Vorgangsweise nur anwendbar ist, wenn man Wissenschaft auf allgemein gültige Aussagen (beziehungsweise auf Aussagen, die den Anspruch erheben, allgemein gültig zu sein) beschränkt, also auf universelle Aussagen, auch Allquantoren-Aussagen genannt. Es ist klar: Wenn man sagt, für alle x gilt, dass, dann kann man eine solche Aussage nur beweisen, wenn man jedes einzelne x kennt und von jedem einzelnen x zeigen kann, dass die Aussage zutrifft. Je größer die Menge dieser x ist, desto schwieriger wird es, eine universelle Aussage zu beweisen. Widerlegen kann man sie hingegen leicht: nämlich indem man für ein einziges x zeigt, dass die Aussage nicht zutrifft. So ist Poppers Falsifikationismus zu verstehen. Was dabei aber zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass grundsätzlich auch existenzielle Aussagen möglich ist - Aussagen, in denen anstelle eines Allquantors ein Existenzquantor vorkommt. Die Aussage "Es gibt einen Gott" ist beispielsweise eine existenzielle Aussage. Eine solche Aussage ist sehr, sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich zu widerlegen - wie soll man denn beweisen, dass es keinen Gott gibt? Wenn aber klar definiert ist, was man sich unter einem Gott vorzustellen hat, und es jemandem gelingt zu zeigen: "Sehr her, das ist ein Gott!", dann ist ein- für allemal bewiesen, dass es einen Gott gibt. Existenzaussagen können also nur schwerlich widerlegt, aber relativ leicht bewiesen werden. Nach Popper wären Existenzaussagen keine wissenschaftlichen Aussagen - ich selbst sehe aber keinen Grund, warum man so denken sollte. Warum sollte eine Existenzaussage nicht wissenschaftlich sein, nur weil sie nicht oder nur schwerlich falsifizierbar ist?

Das eigentliche Thema dieses Aufsatzes sind aber Biografien. Ich bin nur deswegen ein wenig ausführlicher auf Popper eingegangen, weil mich die Thematik, mit der er sich beschäftigt hat, selbst interessiert, ich davon auch viel Ahnung habe und weil es ein Beispiel ist, warum auch die Aussagen großer Philosophen und Wissenschaftler kritisiert werden können.

Ich bin mir sicher, dass es zu Poppers Zeiten viele andere Menschen gegeben hat, die ähnlich gedacht haben wie er. Und ich vermute auch, dass seine Popularität in den 1980er und 1990er Jahren darauf zurückzuführen ist, dass sich viele in ihren eigenen Ansichten durch ihn bestätigt sahen. Nur hatten sie keine Möglichkeiten, ihre Gedanken derart publik zu machen, wie es Popper in seiner Stellung als Professor der Philosophie konnte.

Interessant in diesem Zusammenhang ist freilich, dass Popper seit seinem Dahinscheiden an Bekanntheit ein wenig eingebüßt hat. Zumindest ist er nicht mehr in Mode. Es sind eher ältere Semester, die sich nach wie vor für seine Philosophie begeistern - und Leute wie ich, die quasi mit der Muttermilch die Philosophie Poppers als Ersatz für eine Religion aufgesaugt haben. Man muss auch bedenken, dass der Falsifikationismus nicht unbedingt Poppers Erfindung war, weil bereits der altgriechische Philosoph Zeno ähnliche Ansichten hatte. Daran erkennt man meiner Meinung nach, dass Philosophen immer wieder in Mode kommen und dann wieder in Vergessenheit geraten. So gesehen, sollte man sich vielleicht die Frage stellen, was Bestand hat. Was hat sich wirklich schon über Jahrhunderte erhalten und wird voraussichtlich noch Jahrhunderte bestehen bleiben?

Die Antwort ist ganz klar: die Religion. Hierzulande in erster Linie die römisch-katholische Religion. Ob die Lehren dieser Religion logisch sind, vermag ich nicht zu beurteilen; ich weiß zu wenig über sie. Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass sich die Religion schon so lange halten konnte, das ist die eigentlich interessante Frage. Möglicherweise geht es da gar nicht so sehr um Argumente intellektueller Natur, sondern um Mechanismen der Macht. Man darf ja nicht vergessen, dass die Kirche über viel Geld verfügt und sie in allen möglichen Ländern zahlreiche Anhänger hat. In ländlichen Gebieten soll es auch heute noch schwierig sein, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wenn man nicht an die etablierte Kirche glaubt. Auch die Trennung zwischen Staat und Kirche ist allenfalls eine Forderung der Liberalen des 19. Jahrhunderts, aber nicht Realität - ich habe recherchiert, es gibt in der österreichischen Bundesverfassung keine Passage, durch die festgelegt wäre, dass Staat und Kirche voneinander getrennt sein müssen. Wahrscheinlich sind sie es gar nicht. Seltsamerweise habe ich in der Schule gelernt, sie wären es. Aber meine Lehrer waren in dieser Beziehung wohl schlecht informiert.

Die Religion gibt den Menschen sicherlich einen gewissen Halt. Sie beantwortet Fragen, die sich viele Menschen sonst stellen und über die sie lang grübeln würden. Der in gläubigen Kreisen sicherlich wenig beliebte Philosoph Karl Marx meinte ja, die Religion sei "Opium fürs Volk". Man könnte auch sagen: "Valium fürs Volk" - Valium ist ein bekanntes Beruhigungsmittel. Es ist auch bekannt, dass Menschen, die regelmäßig in die Kirche gehen, weniger Stress haben und insgesamt glücklicher sind. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht.

Ich vermute sogar, dass gläubige Menschen im Studium besser sind, vor allem in Auswendiglernstudien wie Medizin. Denn gläubige Menschen sind unkritisch, sie lesen die Bücher und merken sich alles, ohne es zu hinterfragen oder gar in Frage zu stellen. Das Motto der Katholiken, "ora et labora", ist vielleicht gar nicht so schlecht; Menschen, die so leben, kommen gut durchs Leben, auch wenn - oder gerade weil - sie von vielen Dingen wenig mitbekommen.

Möglicherweise ist das der Grund, warum sich die Religion so lange halten konnte. Dass sich viele Menschen nicht für Philosophie interessieren, mag auch gar nicht unbedingt an mangelndem Verständnis für philosophische Gedankengänge liegen. Es kann auch einfach sein, dass man froh ist, eine Religion zu haben, an die man beruhigt glauben kann, und gar kein Interesse hat, irgendetwas zu hinterfragen oder gar in Frage zu stellen.

Zugegebenermaßen habe ich von den Lehren der christlichen Philosophen, die es ja auch gibt (beziehungsweise gab), wie Augustinus oder Thomas von Aquin, wenig Ahnung. Ich vermute aber, dass es gar nicht so wichtig ist, sich mit ihnen zu beschäftigen, weil sie höchstens zur Rechtfertigung der Politik der Kirche dienen und nicht, weil sie Prinzipien vorgeben würden, an die sich die Kirchenmänner zu halten hätten. In erster Linie geht es der Kirche um die Erhaltung stabiler Machtverhältnisse und um die Mehrung des eigenen Reichtums, wovon die Menschen im Lande insofern profitieren, als sie ein ruhiges Leben führen können und keine Angst vor Aufständen oder gar Revolutionen haben müssen. Das kann man der Kirche nicht verübeln.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Begabung und Macht

Begabte Menschen hätten es an sich nicht schwer, sich das Wissen anzueignen, das man braucht, um die Welt einigermaßen zu verstehen und selbst einigermaßen gut durchs Leben zu kommen. Die Schulzeit könnten Begabte in weit geringerer Zeit absolvieren als derzeit vorgesehen, wenn es erlaubt wäre. Das Hauptproblem der Begabten ist jedoch, dass es in der realen Welt viele Unbegabte gibt, die aber Machtpositionen inne haben, und an deren Denkweise, so merkwürdig sie auch sein mag, man sich zu einem gewissen Grad anpassen muss, wenn man im Leben wirklich Erfolg haben will.

Das wirklich Dumme ist, dass man im voraus nie wissen kann, an wen man im Laufe seiner Karriere geraten wird. Es bestehen Tausende Möglichkeiten, dass man irgendwann, irgendwo irgendetwas sagt, womit man irgendwann, möglicherweise sogar Jahrzehnte später bei irgendjemand Mächtigem aneckt und woraus einem dann ein Nachteil erwächst.

Die einfache Lösung "shut the fuck up" ist jedoch unbefriedigend. Viele seelische Konflikte begabter Menschen resultieren daraus, dass es diesen begabten Menschen eben nicht möglich ist zu sagen, was sie denken. Im Extremfall landen solche Menschen dann auf der Psychiatrie.

Sicherlich mag das nicht nur Begabte betreffen, sondern es mögen auch Unbegabte ähnliche Probleme haben. Bei Begabten liegen aber häufig Merkmale wie ein erhöhter Gerechtigkeitssinn vor, die Unbegabte in geringerem Ausmaß plagen; das ist der Grund, warum Begabte, die über kein Ventil verfügen, häufig psychisch zusammenbrechen.

Ich bin der Meinung, dass Begabte das Recht haben, selbstbewusst zu sein, und dass es ihnen auch zusteht, die Meinung zu vertreten, dass an Ungerechtigkeiten eben diejenigen schuld sind, die ihre Machtstellung ausnützen, und keineswegs die Leidtragenden sich irgendwelche Vorwürfe zu machen haben.

Warum sollte man gemäß echter Sklavenmentalität den Fehler immer bei sich selbst suchen? Warum sollte die Meinung irgendeines Vorgesetzten (oder auch eines Kollegen) mehr zählen als das, was man selbst denkt? Warum sollte ein gesundes Selbstbewusstsein etwas Schlechtes sein? Ich habe ja auch bereits in diesem Blog erklärt, warum ich der Meinung bin, dass Altruismus (Selbstlosigkeit) in Wahrheit ein Zeichen menschlicher Unreife ist.

Das oft beschriebene "nach unten Treten und nach oben Buckeln" ist ja nicht gerade ein Zeichen hoher sozialer Kompetenz. Ich finde auch, dass jemand, der jahrelang als Untergebener seelische Qualen erdulden musste, keineswegs das Recht hat, sich später, als Vorgesetzter, an seinen Untergebenen abzureagieren.

Samstag, 26. Oktober 2013

Genies

Früher gab es doch so herausragende Genies, die jeder gekannt hat und die schon zu Lebzeiten großen Ruhm erlangt haben, wie zum Beispiel Einstein. Heute gibt es niemand dergleichen. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, warum das so ist?

Kapitalismus

Ich glaube, dass Sozialisten die Lage der Welt falsch analysiert haben und zu den völlig falschen Schlüssen gekommen sind.

Die Sozialisten wollten eine bessere Welt schaffen, indem sie das Privateigentum an Produktionsmitteln abschafften, so dass alle Menschen gleichermaßen gezwungen wären, einer regulären Lohnarbeit nachzugehen. Ich finde, das ist genau der falsche Weg.

Richtig wäre aus meiner Sicht vielmehr:

Es sollte NUR Privateigentum an Produktionsmitteln geben.
Es sollte NUR Menschen geben, die über Privateigentum an Produktionsmitteln verfügen.
Es sollte NUR Menschen geben, die in der Lage sind, sich selbst am Leben zu halten, ohne einer Sklavenarbeit nachgehen zu müssen.

DANN wäre die Welt gerecht.

Freitag, 25. Oktober 2013

Sozialismus

Ich frage mich immer wieder, was eigentlich am "linken" Gedankengut menschenfreundlicher sein soll als am "rechten". Ich vermute sogar, dass viele, die sich selbst als "links" bezeichnen, schlichtweg naiv sind und gar nicht wissen, was das eigentlich ist.

Mein Anlass, darüber nachzudenken, war der folgende Gedankengang: Ich habe mich gefragt, wie es eigentlich zu verstehen ist, wenn ein Hochintelligenter (ein Mitglied des österreichischen Hochintelligenzvereins beispielsweise) sagt, er sei ein schlechter Schüler gewesen. Ich bin selbst Sohn einer Lehrerin, und durch meine Mutter habe ich immer die Anschauung vermittelt bekommen, dass Hochintelligente sogar verpflichtet seien, in der Schule gut zu sein. Wer begabt ist, aber keine Spitzenleistungen erbringt, der sei asozial. Bei Dummen könne man schlechte Leistungen tolerieren, sie können es halt nicht besser, aber bei Gescheiten nicht. So gesehen, müsste ein Mitglied des Hochintelligenzvereins, das von sich selbst sagt, dass es ein schlechter Schüler ist, dadurch doch ausdrücken, dass es asozial war. Oder aber es hat vielleicht zufälliger Weise einen hohen Wert im IQ-Test erzielt, ist in Wirklichkeit aber gar nicht so intelligent, wie es zu sein glaubt. Schließlich messen IQ-Tests ja auch nur einen Teil der intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen.

Das ist keineswegs meine Privatmeinung oder die Privatmeinung meiner Mutter, sondern so denken an sich alle Pflichtschullehrer hier in Wien. Worauf ist das zurückzuführen? In Österreich ist das Pflichtschulwesen Landessache. Und in Wien regiert schon seit Jahrzehnten die sozialistische Partei. Ergo ist anzunehmen, dass die von mir soeben geschilderte Denkweise in der Tat die Meinung der sozialistischen Partei ist.

Ist es wirklich menschenfreundlich, wenn man Begabte als asozial abstempelt, wenn sie nicht die von ihnen geforderten Leistungen erbringen?

Wenn sich jemand nicht für die Schule interessiert, kann das alle möglichen Gründe haben. Vielleicht hat die Person einfach andere Interessen. Das muss auch aus volkswirtschaftlicher Sicht gar nicht negativ sein. Vieles lässt sich beruflich verwerten, nicht unbedingt nur das, was man in der Schule lernt.

Ganz ehrlich, was ist daran menschenfreundlich, alle zu Leistungen zu zwingen und diejenigen, die das nicht wollen, als asozial zu bezeichnen? Warum wirft man den "Rechten" vor, Menschen auszugrenzen, wo man es doch offensichtlich selbst tut?

Im Sozialismus ist jeder verpflichtet, nach seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Ist das wirklich menschenfreundlich? Warum sollte nicht jeder selbst entscheiden dürfen, wie viel seiner Zeit und Energie er bereit ist, in die Arbeit zu investieren?

Was ist am Sozialismus menschenfreundlich?

Eine neue Ethik

In meinem Leben habe ich sicherlich schon einige Nachteile hinnehmen müssen, weil ich Atheist bin. Inzwischen habe ich wenigstens erkannt, dass zwar der Glaube an irgendwelche Götter oder Geister, die sich ein anderer Mensch ausgedacht hat, irrational ist, aber Religion die Funktion hat, eine innerhalb einer bestimmten Gesellschaft allgemein akzeptierte Ethik bereitzustellen. Dabei finde ich aber, dass die heutigen Religionen zu komplex sind. Das Judentum kennt mehr als 600 Gebote, das Christentum immerhin noch 10. Meiner Meinung nach reicht aber ein einziges Gebot aus, um das Leben der Menschen zu regeln und eine hohe Lebensqualität für jeden zu erreichen:

Das Gebot lautet: Strebe danach, so lange wie möglich am Leben zu bleiben, und unterlasse alles, was dein eigenes Leben oder das eines anderen Menschen verkürzen könnte.

Daraus lassen sich mehrere Gebote des Christentums logisch ableiten. Ich finde, dass mein einfacher Glaubenssatz eine gute Grundlage menschlichen Zusammenlebens wäre. Eine bessere Grundlage, als sie manche Religion mit ihren Zwängen und anderen Dingen, die das Leben künstlich schwer machen, darstellt.

Ich bin mir bewusst, dass ich die Gesellschaft nicht so leicht ändern kann und akzeptieren müssen werde, dass sich viele meiner Artgenossen weiterhin nach christlichen oder anderen Vorstellungen richten werden und es notwendig sein wird, sich zu einem gewissen Grad anzupassen. Aber vielleicht dient meine Idee als Anregung, und es entsteht eine neue Religion, die auf ihr basiert?

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Der Militärdienst als Euthanasie-Programm

Die folgende These wird manchen vielleicht zuerst provokant erscheinen, aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, dann wird man vielleicht darauf kommen, dass sie gar nicht so abwegig ist.

Ich selbst habe aus gutem Grund Zivildienst gemacht. Unter anderem deswegen, weil ich keinen Aufschub vom Bundesheer bekommen hätte. Aber auch einfach, weil der Wehrdienst sehr anstrengend ist und man den zum Teil als sadistisch geltenden Ausbildern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Es kommt nicht selten vor, dass junge Menschen während des Militärdiensts ihr Leben lassen. Das ist jedesmal eine sehr traurige Angelegenheit, die vermieden werden könnte, wenn man ein Berufsheer einführte. Dann würden nur Freiwillige diesem Risiko ausgesetzt sein.

Ich frage mich aber, ob es nicht zum Teil von manchen Kreisen gewollt ist, dass junge Menschen beim Militärdienst ihr Leben lassen. Schließlich handelt es sich um eine legale Methode, wie man missliebige Konkurrenten und Kritiker ausschalten kann. Gott sei Dank sind Tötungsdelikte strafbar - im Militärdienst ergeben sich aber viele Möglichkeiten, wie man sich eines Feindes entledigen und das Ganze wie einen Unfall aussehen lassen kann.

Dies möchte ich all jenen ins Stammbuch schreiben, die nach wie vor meinen, die allgemeine Wehrpflicht wäre eine gute Sache - vielleicht haben sie die Konsequenzen nicht bedacht, vielleicht haben sie bei der Volksbefragung dieses Jahr aber auch aus Boshaftigkeit für die Wehrpflicht gestimmt. Man sollte nicht so naiv sein, es gibt wirklich viele böse Menschen (und lustiger - oder trauriger - Weise haben sie meiner Erfahrung nach ein besonderes Talent darin, gerade den Anderen, den Guten, als den Oberbösewicht darzustellen).

Samstag, 19. Oktober 2013

Bildung wird überschätzt

So, und jetzt kommt ein Blogartikel, der vielleicht in eine etwas andere Richtung geht als die meisten davor:

Jahrelang habe ich so getan, als würde ich dieses System (in erster Linie meine ich das Bildungssystem) unterstützen und es für gut finden. Das war in Wirklichkeit nur eine gut geschauspielerte und mit viel Ausdauer durchgehaltene Tarnung. Denn ich war der Meinung, dass es besser ist, so zu tun, als würde man mitspielen, als gleich offen zu rebellieren, wie es viele tun. Die offenen Rebellen schießen sich nämlich selbst ins Out. Wenn man wirklich etwas ändern will, dann ist es am besten, wenn man selbst im System hochkommt und dann, an der Spitze angekommen, das System niederreißt.

Mich haben die meisten Lehrer einfach für einen guten Schüler gehalten, ich war "der besonders Gescheite". Warum ich in der Schule so gut war, konnten sie sich nicht erklären; manche dachten, ich würde daheim ständig lernen.

Was ich in meiner Freizeit wirklich gemacht habe, haben nur wenige derjenigen gewusst, die mit mir in der Schule zu tun hatten.

Ich fand viele Dinge in meiner Bildungslaufbahn unnötig. In der Schule habe ich gerade einmal Englisch gelernt - das war das einzige Fach, das ich mir nicht so leicht selbst hätte beibringen können, zumindest nicht auf diesem Niveau. Alles Andere habe ich entweder schon vorher gekonnt, oder es war uninteressant und ich habe nur für die Prüfungen gelernt und den Stoff nachher gleich wieder vergessen.

Das Studium war sehr mühsam, aber ich sah es als eine Notwendigkeit an, um den Status eines Akademikers zu erreichen, weil viele Menschen eher auf Status achten als darauf, ob das, was jemand sagt, logisch ist - das hängt damit zusammen, dass sie selbst nicht logisch denken und die Richtigkeit einer Aussage deswegen nicht beurteilen können. Es gibt im übrigen auch Menschen mit hohem IQ, die nicht logisch denken können - das logische Denkvermögen wird von den meisten IQ-Tests nicht ausreichend berücksichtigt.

Jetzt habe ich meinen Doktortitel und kann nun mit Fug und Recht das ganze Bildungswesen in diesem Land kritisieren. Denn jetzt kann mir niemand zum Vorwurf machen, dass ich nur deswegen Kritik ausüben würde, weil ich selbst zu blöd wäre, um im System zurechtzukommen.

Das Bildungswesen nimmt den Kindern mehr Freiheiten, als sie ihnen gibt. Kinder sind häufig wesentlich intelligenter, als sich Erwachsene es vorstellen. Sie brauchen nicht in diesem Maße bevormundet werden, wie dies derzeit geschieht.

Dass Erwachsene glauben, Kindern fehle es an Verstand, liegt oft daran, dass Erwachsene ja das Bildungssystem durchlaufen haben und nun glauben, sie hätten im Laufe dieser Jahre Wesentliches gelernt, dessen Kenntnis den Kindern fehlen würde. Das ist aber nicht der Fall. Das Bildungssystem ist sehr ineffizient; das, was wirklich wichtig ist, könnte man auch in viel kürzerer Zeit erlernen. Ein sechsjähriges Kind ist nicht viel dümmer als ein achtzehnjähriger Maturant. Bildung wird überschätzt.

Schulen dienen vor allem als Aufbewahrungsstätten, weil die Eltern arbeiten müssen und glauben, dass man Kinder nicht alleine lassen könne. Zudem geben Schulen die Weltanschauung der Älteren, zumindest der älteren Angehörigen der gerade herrschenden Klasse, weiter. Die Kinder sollen zu erwachsenen Menschen im Sinne dieser Ideologie herangezüchtet werden. Schule ist Gehirnwäsche.

Wenn jemand wirklich intelligent ist, kann er sich alles Wissen leicht aneignen. Auf viele Dinge kann er sogar selbst durch Nachdenken kommen, er muss sie gar nicht gelesen oder von einem Lehrer vorgetragen bekommen. Und die weniger Intelligenten werden auch durch die Schule nicht klug.

Meine Englischlehrerin meinte in einem Telefongespräch nach meiner Matura, sie habe sich gewundert, dass ich so gut in der Schule gewesen sei, weil ich "nie ganz da" gewesen sei. Ja, warum wohl? Weil mir eben vieles, das die Lehrer vortrugen, ohnehin klar war (und manches war zudem falsch - ich kritisierte es nur nicht, weil ich nicht anecken wollte). Nur Minderbegabte müssen ständig im Unterricht aufpassen und versuchen, sich alles zu merken, weil sie sonst nicht in der Lage wären, zu den im Unterricht präsentierten Erkenntnissen zu gelangen.

Und vielen geht es im gesamten System nur um den Status, nicht um tatsächliches Wissen. Viele studieren nur, weil sie einen Titel haben wollen, damit sie sagen können, sie sind jemand. Besonders unter Klinikchefs an Spitälern, vor allem an großen Spitälern, ist das weitverbreitet, was in der Psychiatrie als "narzisstische Persönlichkeitsstörung" bekannt ist. Zu Recht wird eine übertriebene Selbstverliebtheit als etwas gewertet, das andere Menschen stört. Sicher, eben weil es solche Leute gibt, ist man gezwungen, selbst einen hohen Status zu erlangen, als reine Selbstschutzmaßnahme. Weniger weil man es nötig hätte, um etwa ein Bedürfnis nach Macht über andere Menschen zu befriedigen. Der Doktortitel schützt einen. Das ist der Grund, warum man ihn erwirbt und jahrelanges sinnloses Auswendiglernen in Kauf nimmt. Alles liegt an der Natur des Menschen, die doch sehr zu wünschen übrig lässt.

Als ich Matura machte, meinte meine Englischlehrerin, es sei gut, dass ich "geistige Spitzenleistungen" erbracht hätte, aber die "menschlich-soziale Reife" würde mir fehlen. Damit spielte sie vermutlich darauf an, dass ich gegen Ende der Schulzeit meine im Grunde rebellische Haltung doch nicht mehr ganz unterdrücken konnte - so sehr war mir alles schon auf die Nerven gegangen, das sinnlose Buckeln gegenüber Menschen, die die Autorität des Amtes, aber nicht der Person hatten, das Vorspielen, ein braver Schüler zu sein, der noch lernen müsste und seinen Lehrern dafür dankbar wäre. Die Frage ist nur, ob in diesem Fall wirklich ich unreif war oder ob nicht eher das Bildungssystem hier in diesem Lande - oder vielleicht sogar noch allgemeiner: die Menschheit als Ganzes - das ist, dem es an Reife fehlt.

Hochbegabtenförderung

Wenn Erwachsene von "Hochbegabtenförderung" sprechen, dann meinen sie damit die Förderung der leicht überdurchschnittlich Begabten, die zwar leichter lernen als die meisten, aber noch nicht intelligent genug sind, die Lügen und Propaganda der herrschenden Klasse zu durchschauen. Die tatsächlich Intelligenten werden hingegen als Feinde betrachtet, und man versucht sie zu marginalisieren.

Freitag, 18. Oktober 2013

Im Geist der Aufklärung

Vor einigen hundert Jahren gab es eine Zeit, die sich Aufklärung nannte. Wir leben immer noch im Erbe dieser Zeit. Damals begann man, Normen und tradierte Meinungen zu hinterfragen, ja sogar in Frage zu stellen. Es entwickelte sich die rationale Wissenschaft, die auf Basis einer mehr oder weniger durchdachten Erkenntnistheorie zu mit möglichst großer Wahrscheinlichkeit richtigen Ergebnissen gelangte.

Auch heute noch wird von uns Menschen erwartet, dass wir kritisch sind und ja nichts einfach nur so glauben, weil es uns jemand sagt. Die ganze Erziehung folgt diesem kritischen Geist. Gerade deswegen werden analytische Fähigkeiten, auch Intelligenz genannt, so hoch gewertet. Sie erlauben es uns, zu richtigen Schlüssen zu kommen, vorausgesetzt, dass die Annahmen richtig sind. Das ganze Schulsystem ist darauf ausgelegt, in erster Linie Jugendliche zu selektieren, die in dieser Hinsicht besonders begabt sind.

Natürlich ist für diese Leute dann der Beruf des Wissenschaftlers sehr erstrebenswert, ermöglicht er doch, sich voll und ganz dem Erkenntnisgewinn zu widmen. Das ganze Wesen eines Akademikers ist es, nach theoretischem Wissen zu streben. All das Wissen, das er sich nicht durch Lesen von Büchern aneignen kann, versucht er, selbstständig zu erforschen. Immer nur geht es um das Mehren von Wissen. Jemand, der eher praktisch veranlagt ist, ist in diesem Sinne kein Akademiker.

Problematisch ist, dass im realen Leben nicht nur Akademiker dieser Art gebraucht werden und nicht jeder seinen Traum von einer wissenschaftlichen Laufbahn verwirklichen kann. Im realen Leben ist vieles noch so wie zu voraufklärerischen Zeiten. Was zählt, ist die Leistung, die man erbringt, um dem Ziel, Geld zu erwirtschaften, zu dienen. Da kommt es auf Bildung gar nicht so sehr an. Eher auf Fähigkeiten und Eigenschaften, die sich wirtschaftlich verwerten lassen.

Ein junger Mensch lebt aber ständig im Geiste der Aufklärung. Bis zu seiner Matura, bis zu seinem Studienabschluss ist er der Bildung verpflichtet. Erst danach ändert sich für viele radikal, was im Leben Priorität hat.

Es gibt immer mehr Menschen, die Matura machen und studieren. Allgemein besteht ein gesellschaftlicher Trend zu höherer Bildung. Man kann im Prinzip sagen, nur Asoziale, Ausländer und Minderbegabte verzichten auf ein Studium. Aber nur ein Teil der Studierten wird in seinem Erwerbsleben wirklich das in seinem Bildungsweg erworbene Wissen gebrauchen können.

Für mich stand immer fest, dass ich Akademiker sein würde - eine Alternative dazu war nie geplant. In Österreich entscheidet sich schon in sehr jungen Jahren, wer einmal studieren wird. Natürlich bin ich aufs Gymnasium gekommen, wohin denn auch sonst. Natürlich habe ich Matura gemacht und studiert. Keinesfalls wäre es möglich gewesen, dass ich mein Studium abgebrochen hätte. Was hätte ich denn sonst machen sollen? Ich war der geborene Akademiker. Wissenschaft ist meine Bestimmung. Ein anderer Lebensweg war für mich undenkbar.

Heute sitze ich im Büro und entwickle Software. In unserer Firma bin ich der Einzige, der sein Informatikstudium abgeschlossen hat. Nur wenig von dem Wissen, das ich erworben habe, setze ich in meinem beruflichen Alltag um. Dafür gibt es vieles, das ich lernen muss, bis ich genauso gut im Programmieren sein werde wie meine Kollegen. Aber mein Bildungsweg war nicht umsonst. In meiner Freizeit gehe ich meinen Wissenschaften nach, lese, schreibe, denke nach. Und produziere ständig neues Wissen. Meine Erkenntnisse veröffentliche ich, zwar nicht in einem wissenschaftlichen Journal, aber wenigstens so, dass sie für meine Bekannten leicht zugänglich sind. Ich bin ein echter Wissenschaftler im Geiste der Aufklärung. Das ist mein Wesen, das wird sich nicht ändern. Mein Beruf ist die Programmierung, die Wissenschaft meine Berufung. Wer weiß, was ich noch alles erschaffen werde. Und das ist gut so.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Die soziale Ader der Liberalen

Mir sind in den letzten Tagen einige Gedanken durch den Kopf gegangen, ohne dass ich dazu gekommen wäre, sie aufzuschreiben. Vielleicht werden mir einige davon im Laufe der Zeit wieder einfallen, so dass ich das Notieren nachholen kann.

Ein Gedanke jedenfalls betrifft die soziale Ader der Liberalen. Wenn Liberalen Egoismus und Gier unterstellt wird, dann glaube ich nicht, dass das zutrifft. Ich glaube sogar, dass Menschen, die sich für den Liberalismus begeistern, selbst in vielen Fällen in besonderem Maße sozial veranlagt sind.

Man kann das so erklären: Als sozial veranlagte Menschen sind sie bereit, Leistungen zu erbringen und für Andere zu arbeiten. Sie machen das von selbst, ohne extra dazu gezwungen zu werden. So ergibt sich einerseits ein fehlendes Verständnis für die Notwendigkeit von Zwangsmaßnahmen, die den sozialen Zusammenhalt erhöhen sollten (man ist auch ohne diese Maßnahmen sozial), andererseits aber auch eine Sehnsucht nach Freiheit - dass man endlich auch ein bisschen Luft hat und sich auch seinen eigenen Bedürfnissen widmen kann. Deswegen neigen diese Menschen zu liberalen Ideen.

Ob umgekehrt die Wähler sozialdemokratischer Parteien Egoisten sind, wage ich freilich nicht zu beurteilen.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Zeit investieren

Im Studium hatte ich einen Kollegen, der mir einmal sagte, beim Lernen für Prüfungen sei es immer eine Frage der Zeit, die man bereit sei, dafür zu investieren. Zwar verstand ich, was er meinte, aber ich fand diese Meinung ungewöhnlich. Denn ich war nicht erzogen worden, selbst zu entscheiden, wie ausführlich ich mich einer Aufgabe widmen möchte. Vielmehr hieß es in meiner Erziehung: "Was man macht, das macht man ordentlich." Koste es, was es wolle. Ich habe auch nie die Zeit gestoppt, die ich für meine Hausaufgaben gebraucht habe, oder gar beschlossen, nur eine bestimmte Zeit lang zu arbeiten und dann aufzuhören (und zu riskieren, eine schlechtere Note zu bekommen). Bei mir war es immer so, dass ich so lange gearbeitet habe, bis alles perfekt war. Freilich: Bei mir ging das immer recht schnell. Meistens war ich schon nach einer Stunde mit den Hausaufgaben fertig, selten brauchte ich länger als zwei Stunden. Aber wenn es wirklich nötig gewesen wäre, hätte ich auch bis Mitternacht gearbeitet. Meine Mutter, die wahrscheinlich nicht ganz so begabt war wie ich, hat das in ihrer eigenen Schulzeit so getan.

Die Haltung meines Kollegen ist sehr liberal und daher auch attraktiv für mich. Selbst zu bestimmen, was man für wichtig hält, und zu entscheiden, wie viel von seiner Freizeit man bereit ist aufzugeben, um für die Zukunft vorzusorgen, ist eine tolle Sache. Ich finde, wir würden in einer besseren Welt leben, wenn Eltern diese Einstellung ihren Kindern vermittelten.

Dem gegenüber sehe ich mit Entsetzen die aktuellen politischen Entwicklungen. Wenn es eine verpflichtende Ganztagsschule für jedes Kind in Österreich geben wird, dann werden Kinder schon von klein auf in ein "Laufrad" eingespannt, aus dem sie möglicherweise nie mehr hinauskommen werden. Ich habe mir schon überlegt, einen saftigen Text zu verfassen und ihn als Petition ins Internet zu stellen, die jeder unterzeichnen kann, der damit einverstanden ist. Vielleicht werde ich es tun, vielleicht auch nicht. Jedenfalls bin ich klar gegen die Ganztagsschule.

Paradies auf Erden

Ich stelle die Frage mal in den Raum: Leben wir im Paradies auf Erden oder sind wir auf dem Weg dazu?

Die meisten werden wahrscheinlich sagen: Nein, wir leben nicht im Paradies auf Erden, und Pessimisten werden weiters meinen, nein, wir sind auch nicht auf dem Weg dazu.

Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass der Zustand, den wir jetzt haben, das Gelbe vom Ei sein kann. Es kann doch nicht sein, dass sich die meisten Menschen ständig bemühen müssen, Geld zu verdienen, weil sie es brauchen, um für anfallende Ausgaben aufzukommen. Ausgaben, die notwendig sind, um am Leben zu bleiben, wobei der Lebensinhalt wiederum darin besteht, weiter wie bisher zu arbeiten, immer weiter, bis man endlich die wohlverdiente Pension erreicht hat.

In der idealen Welt könnte jeder machen, was er will, und müsste keine Sorgen um seine Existenz haben.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Idealzustand erreicht werden könnte, wenn man es schaffen könnte, dass alle Menschen unendlich lange am Leben bleiben, dass es nichts gibt, das ihr Leben beenden kann. Man überlege sich einmal, was die Konsequenzen einer unendlich lange dauernden Lebensspanne wären. Seid ihr intellektuell genug, um zu erkennen, dass eigentlich sehr vieles, das unser Leben auszeichnet, darauf zurückzuführen ist, dass das Leben der Menschen (wahrscheinlich) nicht unendlich lange dauert, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, vorzeitig dahinzuscheiden? Wenn man unendlich lange leben könnte, ohne Sorgen zu tragen, sterben zu müssen, müsste man keine Nahrung zu sich nehmen, denn der Grund, warum man dies tut, ist ja, um am Leben zu bleiben. Wenn man keinen Bedarf an Nahrung hätte, müsste man aber auch nicht Geld verdienen, um die Nahrungsmittel erwerben zu können. Wenn man nicht Geld verdienen müsste, müsste man wiederum nicht arbeiten. Ja, in der Tat hängt vieles im derzeitigen Leben der Menschen schlicht und ergreifend damit zusammen, dass Menschen bestimmte Dinge tun müssen, um am Leben zu bleiben. Wenn das nicht notwendig wäre, dann sähe die Welt ganz anders aus!

Dann würden Menschen nur freiwillig das tun, was sie für wichtig hielten. Und ich glaube auch gar nicht, dass es deswegen weniger kulturellen Reichtum gäbe, vielleicht sogar im Gegenteil. Denn die Menschen hätten die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, ohne jegliche Beschränkung. In einer solchen Welt würden wahrscheinlich sogar zahlreiche verborgene Talente zum Vorschein treten.

Sicherlich wäre eine solche Welt auf gewisse Weise nicht mehr so bequem wie die Welt, in der wir hier im Westen leben, wo man sich fast alles im Supermarkt oder in Fachgeschäften kaufen kann. Viele Menschen würden Produkte einfach für sich selbst und eventuell für ihre Lieben entwickeln. Nicht alles wäre frei erhältlich und leicht zugänglich. Schließlich wäre es nicht mehr lebensnotwendig, seine Produkte zu verkaufen. Allerdings gäbe es wahrscheinlich dennoch genügend Menschen, die gerne ihre Werke veröffentlichen würden, einfach weil sie zeigen wollen, was sie können und was sie geschaffen haben. Genau so, wie es ja auch jetzt Entwickler von freier Software und ähnlichen Dingen gibt.

Man denke mal darüber nach!

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Österreichs Nobelpreisträger

Ich nehme an, dass die Medien früher oder später darauf kommen werden, dass einer der diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger österreichisch-amerikanischer Doppelstaatsbürger ist. Daher bin ich gespannt, ob sie wieder hinausposaunen werden "Österreicher bekommt Nobelpreis!", wie sie dies vor etwas mehr als zehn Jahren bei Eric Kandel gemacht haben, woraufhin dieser dann empört zurückgewiesen hat, ein österreichischer Nobelpreisträger zu sein.

Wenn gebürtige Österreicher Nobelpreise abräumen, aber ihre Karriere weitgehend im Ausland gemacht haben, dann zeigt das vor allem zwei Dinge: einerseits, dass der Genpool in Österreich nicht so schlecht ist - es gibt doch Menschen, die von Natur aus begabt genug sind, um nobelpreiswürdige Leistungen zu erbringen. Andererseits zeigt es aber auch, dass es offenbar nur möglich ist, diese Leistungen zu erbringen, wenn man ins Ausland geht. Der Fehler liegt also im System.

Ich habe es schon oft gesagt: Hier in Österreich ist das System zu sehr von politischen und ideologischen Seilschaften bestimmt. Da zählt mehr das Parteibuch als die Begabung. Wer, wie ich, zwar begabt ist, aber ein "Nobody", hat kaum Chancen, etwas zu werden. Viele Professoren sind Mitglieder einer katholischen Studentenverbindung, und wer dort Mitglied ist, ist verpflichtet, andere Mitglieder bei der Postenvergabe vorzuziehen. Ich selbst hätte einer katholischen Studentenverbindung nur beitreten können, wenn ich bereit gewesen wäre, mich katholisch taufen zu lassen, und diesen Schritt wollte ich nie gehen, weil mir meine Meinungsfreiheit wichtiger ist als die Karriere. So habe ich also Pech gehabt - denn an den mich interessierenden Universitätsinstituten haben eben die Mitglieder katholischer Studentenverbindungen das Sagen.

In diesem Zusammenhang fand ich auch sehr interessant die Aussage eines Kollegen von mir, der meinte, dass berühmte Wiener Mediziner und Wissenschaftler wie Sigmund Freud oder Carl Djerassi von vielen, die hierzulande das Sagen haben, nicht anerkannt werden, weil sie Juden gewesen seien. Mein Kollege meinte, indem wir die Arbeiten Freuds und Djerassis fortführten, könnten wir (als Nichtjuden) eventuell erreichen, dass ihnen endlich die Anerkennung zuteil würde, die sie verdient haben. Ich muss sagen, dass ich mich diese Aussage nachdenklich gemacht hat. In meiner Schule wurde Freud eigentlich als großer Entdecker gepriesen. Aber immer mehr komme ich darauf, dass viele Menschen in diesem Land nicht so denken wie die Lehrer an meiner Schule. Mich stimmt das traurig, sogar etwas wütend. Haben diese Leute denn nichts gelernt? Oder waren sie an falschen Schulen? Wie ich bereits einmal geschrieben habe, war ich ja an einer "roten" Schule. Vielleicht sind "schwarze" Schulen in der Tat anders. Möglicherweise bekommen Menschen, die an einer "schwarzen" Schule ihre "Bildung" erlangt haben, ein ganz anderes Weltbild vermittelt.

Die "Schwarzen", also die Christlich-Konservativen, sind mir wesensfremd. Ebenso die "Blauen", die Deutschnationalen. Sie haben Ansichten, die ich nicht nachvollziehen kann. Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, wie ein intelligenter junger Mensch zu solchen Konklusionen kommen kann. Wahrscheinlich hat er es auch gar nicht, sondern er hat einfach die Meinungen seiner Eltern übernommen - welche diese wiederum von wem auch immer übernommen haben. Tradition eben. Der ursprüngliche Grund, warum diese Meinungen vertreten wurden, ist in der Zeit verlorengegangen. Irgendeinen logischen Grund wird es ganz am Anfang vermutlich schon gegeben haben, aber dieser ist in Vergessenheit geraten, und nur die Konklusionen - womöglich auch nur halb verstandene Konklusionen - sind in Erinnerung geblieben. Am Ende bleibt, wie es der derzeitige Bundesparteiobmann der "Schwarzen", Dr. Michael Spindelegger, formuliert hat: "Es ist so, weil es immer schon so war."

Wenn gerade das österreichische Bürgertum antisemitisch eingestellt sein soll, wie mein Kollege meinte, dann vermute ich, dass es sich um einen Reflex handelt: Die Bürgerlichen glauben, sie seien die Besten, sie machen alles richtig. Juden jedoch haben eine andere Religion und damit verbunden andere Wertvorstellungen. Wenn Juden im Leben, unter anderem in der Wissenschaft, erfolgreich sind, dann weckt das einerseits Neid, andererseits aber auch schlichtwegs Ablehnung, weil die Bürgerlichen glauben, dass die Juden nicht den richtigen Weg gegangen seien. Ihre Erfolge seien wohl eher auf Zufall als auf korrekte Lebensführung zurückzuführen. Überhaupt dürfte es den Konservativen sehr wichtig sein, den richtigen Lebensstil zu pflegen. Ich habe ja auch erst vor kurzem in diesem Blog über die Denkweise religiöser Menschen geschrieben: Sie glauben, die Unsicherheitsfaktoren, die es im Leben ja immer gibt, weitgehend ausschalten zu können, indem sie sich an die Vorschriften ihrer Religion halten. So gesehen, hat Religion sehr viel mit Lebensweise zu tun. Natürlich ist es dann auch logisch, dass religiöse Menschen anderen, die zwar erfolgreich sind, aber einen anderen Lebensstil haben, Letzteres zum Vorwurf machen könnten (natürlich ohne objektive Rechtfertigung).

Mich macht die Haltung dieser christlich-konservativen Menschen schon ein bisschen wütend. Vermutlich vor allem deswegen, weil eine sachliche Diskussion mit ihnen unmöglich ist; sie wähnen sich in Besitz der absoluten Wahrheit. Da denke ich mir oft, es wäre besser, wenn es solche Menschen nicht gäbe oder sie irgendwo weit weg in einem anderen Land lebten und ich mit ihnen nichts zu tun haben müsste.

Wie auch immer: Ob es mir vielleicht doch möglich sein wird, hier in Österreich eine nobelpreiswürdige Leistung zu erbringen, wird man noch sehen.

Montag, 7. Oktober 2013

Denken und Wissen

Von Pädagogik habe ich zwar nicht so viel Ahnung, aber mir scheint es so zu sein, als hätte es in den letzten Jahrzehnten einen Trend in die Richtung gegeben, im Schulunterricht mehr auf kognitive Fähigkeiten (also aufs Denken) Wert zu legen und weniger auf reines Wissen (Auswendiglernen). Nutznießer dieser Umstellung war bereits ich. Das Medizinstudium stellte deswegen einen großen Kontrast für mich dar, weil es dort genau umgekehrt war. Man erkennt das deutlich an meinen Noten: Matura mit 1,0, Medizin-Doktorat mit 2,5. Dass ich nicht unbedingt blöder geworden bin, wird dadurch bewiesen, dass ich gleichzeitig mein Informatikstudium mit 1,5 abgeschlossen habe. Das Medizinstudium stellte eben ganz andere Anforderungen als alles Andere, das ich gemacht habe.

Ich fragte mich, warum das so ist, und hatte folgenden Einfall: Gerade in konservativen, religiös geprägten Gesellschaften wird das selbstständige Denken zum Teil sogar unterdrückt statt gefördert; wenn wirklich das durchschnittliche Intelligenzniveau in arabischen Ländern niedriger ist als hier in Europa, könnte das auch daran liegen. Und an der Medizin-Uni haben halt Konservative das Sagen. Wenn man ein bisschen recherchiert, kommt man schnell darauf, wie viele Professoren einen katholischen Hintergrund haben und Mitglied einer katholischen Studentenverbindung sind.

Eigentlich schon merkwürdig, wenn zwar Gymnasiallehrer in moderner Pädagogik ausgebildet worden sind, Universitätsprofessoren aber nicht - oder zumindest den Trends nicht folgen.

Aber daran erkennt man auch, dass es selbst in einem Land unterschiedliche Milieus gibt. Ich habe ja auch Bekannte aus dem christlich-konservativen Umfeld; mich erstaunt immer wieder deren Autoritätsgläubigkeit, sogar bei Leuten, die schon wesentlich älter sind als ich. Sie glauben, es gäbe über alles und jedes "offizielle Meinungen", die man zu befolgen hätte. Blöd nur, dass das nicht der Realität entspricht. Zum Glück haben wir hierzulande so etwas wie Meinungsfreiheit - und auch die politischen Parteien und Religionsgemeinschaften, denen man eventuell angehört (ich gehöre derzeit weder einer Partei noch einer Religion an), haben nicht über alles vordefinierte Meinungen, denen man unbedingt folgen muss.

Meine Schule hatte einen sozialdemokratischen Direktor und viele durchaus progressiv eingestellte Lehrer (wobei "progressiv" in diesem Fall keineswegs bedeutet, dass sie nichts verlangt hätten - eher das Gegenteil). Ich bin also durch die Schule eher in progressivem Sinne erzogen worden. Dass an der Medizin-Uni ganz andere Sitten herrschten, war für mich ein gewaltiger Schock, der auch nur zum Teil dadurch gelindert wurde, dass ich aufgrund der konservativen Ansichten meines Vaters mit einigen dieser mir wesensfremden Betrachtungsweisen bereits bekannt war.

Ich erinnere mich noch gut, dass mein Vater mir, als ich Kind war, vorzuschreiben versuchte, wie ich zu sein, zu handeln und zu denken hätte - was bei mir nicht wirklich fruchtete, weil mir vieles von dem, was er sagte, völlig fremdartig erschien - oft nicht einmal logisch. Nun, als fast Dreißigjähriger, bin ich in der Situation, dass ich unlängst von einer Bekannten die Rückmeldung bekommen habe, dass ich ganz anders sei als alle Menschen, die sie kenne, sozusagen eine "eigene Rasse". Ja, das kann durchaus sein. Eine eigene, logisch konsistentere und tiefgründigere "Rasse" als die meisten Menschen, die man hierzulande und anderswo anzutreffen pflegt. Morgen habe ich dann meinen Geburtstag - da werden wir feiern, dass es diesen außergewöhnlichen Menschen gibt.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Global Village

In den Anfangszeiten des Internets in seiner heutigen Form wurde in den Medien immer wieder die von Marshall McLuhan geprägte Metapher vom "global village", also vom weltumspannenden Dorf, zitiert. Das war meistens in positivem Sinn gemeint - wenn man darüber aber ein wenig nachdenkt, kommt man darauf, dass ein globales Dorf auch gewaltige Nachteile hätte: Denn in jedem Dorf gibt es unangenehme Menschen, mit denen man, wenn man in diesem Dorf lebt, zwangsläufig zu tun hat. Bisher gab es in solchen Fällen immer die Möglichkeit wegzuziehen. In einem globalen Dorf ist das aber nicht mehr möglich. Hier ist man den unangenehmen Menschen ausgeliefert.

Viele Menschen scheinen nicht klar zu denken, selbst angeblich Hochintelligente nicht. Fast alle Menschen, die ich kenne, sind mehr oder weniger von Vorurteilen durchdrungen, die sie durch ihr Elternhaus, durch ihre Schullaufbahn oder sonstwie vermittelt bekommen haben. Ironischerweise bezeichnen manche diese Ansammlung von Vorurteilen, denen sie nachhängen, als ihre "Bildung".

Da muss man gar nicht erst aktiv jemanden beschimpfen, um Missfallen zu erregen; ich persönlich kann mich auch gar nicht erinnern, jemals irgend jemanden im Internet aktiv beschimpft zu haben. Allenfalls wenn ich selbst beschimpft wurde, habe ich es den Leuten mit gleicher Münze heimgezahlt. Aber ich habe sicher niemals jemanden angegriffen. Wodurch ich oft angeeckt habe, ist vielmehr einfach meine Meinung - meine eigene, ehrliche Meinung, die ich ohne Scheuklappen geäußert habe und die eben manche Menschen vor den Kopf gestoßen hat, weil sie selbst ganz anders denken. Man bedenke, dass es aber nicht einmal meine Absicht war, jemanden zu schockieren. Es stimmt auch nicht, dass ich, wie manche glauben, des Öfteren versuchen würde zu provozieren. Die Beiträge von mir, die als echte Provokationen gedacht waren, halten sich äußerst in Grenzen.

Auch wenn ich selbst nicht religiös bin, kann ich im übrigen die Denkweise religiöser Menschen nachvollziehen. Man muss sich aber im Klaren sein, dass es von dieser Sorte auch unter Hochintelligenten mehr gibt, als man vielleicht vermutet hätte. Religiöse Menschen sind nicht einfach auf dem Papier gläubig. Vielmehr glauben sie tatsächlich, dass sich alles zum Guten wenden wird, solange sie die Vorschriften ihrer Religion einhalten. Da spielt die Unsicherheit eine Rolle, die zum Leben unvermeidlich dazugehört: Man kann sich nie sicher sein, dass das, was man anstrebt, auch tatsächlich gelingen wird. Zwar mag man aufgrund seiner kognitiven Begabung und seiner bisher gemachten Erfahrungen in vielen Fällen den Ausgang eines Vorhabens abschätzen können, hundertprozentig sicher wird man sich aber nicht sein. Religiöse Menschen wägen sich nun in falscher Sicherheit oder hoffen zumindest, dass die Einhaltung der ihnen anerzogenen Lehre letzten Endes zum Erfolg führen wird. Wenn dann letzten Endes alles ganz anders kommt, mögen vielleicht Zweifel an der Religion aufkommen, aber nur bei manchen. Andere wiederum glauben dann, die Religion nicht streng genug befolgt zu haben, widmen sich dem intensiven Studium der religiösen Schriften, reglementieren ihren Tagesablauf noch strenger als bisher, strengen sich noch mehr an - und wenn das alles nichts nützt, dann igeln sie sich immer mehr ein, bis sie schließlich zugrunde gehen.

Wofür ich überhaupt kein Verständnis habe, ist die Vorstellung eines Rechts des Stärkeren - tatsächlich dürften sich aber manche Menschen damit recht gut arrangiert haben. Man überlege einmal: Worauf ist der Flynn-Effekt wirklich zurückzuführen? Ich meine die Beobachtung, dass das durchschnittliche Intelligenzniveau der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, zumindest in der westeuropäischen Bevölkerung. Meiner Meinung nach ist die Antwort ganz klar: Weniger intelligente Menschen haben es zunehmend schwerer gehabt, sich im Leben zu behaupten. Übrig geblieben sind eben die Intelligenteren. Das heißt, niemand ist wirklich intelligenter geworden, aber die weniger Begabten sind einfach vermehrt zugrunde gegangen, und so hat sich, statistisch gesehen, das Intelligenzniveau der Bevölkerung erhöht. Es ist genau wie mit dem "global village": Dass die kognitive Begabung gestiegen ist, wird von vielen wohl ebenfalls als etwas Positives angesehen werden, dabei ist der wahre Grund dahinter eher ein Anlass zur Besorgnis. Jedenfalls ein Anlass zur Besorgnis für einen wirklich mitfühlenden, "menschlichen" Menschen.

Mir scheint es, als spielten jedenfalls in der realen Welt familiäre Beziehungen die wichtigste Rolle. Wer deine Eltern sind, entscheidet über so viele Dinge... Manchmal frage ich mich schon, ob es nicht besser wäre, auf Kinder zu verzichten, solange man sich nicht in einer gesellschaftlich wirklich herausragenden Position befindet, denn: Welche Perspektiven könnte man seinen Kindern sonst geben? Tatsache ist: Wer über Besitz, vor allem von Produktionsmitteln, verfügt, der hat ein relativ leichtes Spiel, seinen Besitz zu mehren. Er muss dafür gar nicht allzu viel tun. Wer hingegen nichts hat, der wird auch nur sehr schwerlich im Laufe seines Lebens etwas anhäufen können.

Freitag, 4. Oktober 2013

Unnötiger Idealismus

Im Grunde genommen hänge ich einem unnötigen Idealismus an. Ich habe mir in den letzten Jahren beispielsweise mehrmals darüber Gedanken gemacht, wie die für mich ideale Schule aussehen würde. Dabei habe ich wohl nie bedacht, dass meine Schulzeit schon längst vorbei sind und ich kein zweites Mal mehr zur Schule gehen werde. Außer ich werde wiedergeboren; und ich habe den Eindruck, dass ich wie selbstverständlich annehme, wiedergeboren zu werden. Denn anders lässt es sich nicht erklären, dass ich mir Gedanken über die für mich ideale Schule mache. Auch wenn ich Kinder in die Welt setzen sollte, ist nicht gesagt, dass diese genauso sein werden wie ich. Die für mich ideale Schule wäre also für meine Kinder möglicherweise nicht ideal. So gesehen, sind viele der Gedanken, die ich mir mache, wirklich unnötig.

Es ist eher so, dass ich bisher wenig "echt gelebt" habe. Viel habe ich mich mit Theorien und Modellen beschäftigt, aber wenig mit Dingen, die ich selbst praktisch anwenden könnte, um konkrete Ziele zu erreichen.

Auch die Schulzeit war in meinem Fall nicht so, wie die Schulzeit typisch verläuft, weil ich ja schon durch mein Elternhaus viel mitbekommen habe und es relativ wenig gibt, das ich wirklich der Schule zu verdanken habe. Das mag auch der Grund sein, warum ich mit den bildungspolitischen Vorstellungen der mir nahe stehenden Partei NEOS wenig anfangen kann, denn ich selbst hätte (fast) keiner formale Bildung bedurft, um meinen derzeitigen Wissensstand (der sicherlich nicht gering ist) zu erreichen. Rechtschreibung und Mathematik haben mir meine Eltern beigebracht, Programmieren ich mir selbst, und das Wissen über die Dinge, die mich besonders interessiert haben (Computer, Geografie, Geschichte, Philosophie, Psychologie, Logik,...), habe ich mir zum Großteil mit Hilfe von Büchern und Internet selbst angeeignet.

Wirklich interessant ist, sich Gedanken über die Zukunft der Menschheit zu machen. Meiner Meinung nach sollte man hauptsächlich darüber nachdenken, welche Möglichkeiten es in Zukunft geben wird, Geld zu verdienen. Auch über das Geldsystem könnte man diskutieren; die meiner Meinung nach entscheidende Frage ist aber, welche Perspektiven es überhaupt für die Menschen gibt, die hierzulande und anderswo leben. Heute ist mir nämlich das Folgende durch den Kopf geschossen: Würde ein Kind mich fragen, warum manche Länder arm und andere reich seien, so würde ich wohl antworten: Es gibt in jedem Land arme und reiche Menschen. Nur ist der Anteil der Armen unterschiedlich groß. Eine Faustregel ist, dass in größeren Ländern auch der prozentuelle Anteil der Armen größer ist. Wenn in Österreich jeder Zehnte arm ist und in Indien ebenfalls, dann wäre allein schon durch die größere Bevölkerungszahl Indiens die absolute Anzahl der Armen dort größer; in Wirklichkeit ist in Indien aber auch der prozentuelle Anteil der Armen größer, es gibt dort also überproportional viele Arme. Ich würde das damit begründen, dass es nur relativ wenige berufliche Positionen gibt, in denen man wirklich gut verdient, und oft die absolute Anzahl dieser Positionen relativ unabhängig von der Größe der Gemeinschaft ist. Beispielsweise gibt es sowohl in Österreich als auch in Indien nur einen einzigen Staatspräsidenten.

Diese Erklärung dafür, warum in größeren Ländern der prozentuelle Anteil der Armen größer ist, illustriert aber auch ein grundlegendes Problem der Menschheit:

Es gibt einfach nicht genügend Bedarf an Arbeitskräften, um alle Menschen mit Arbeitsplätzen zu versorgen. Wenn in Österreich 30 Prozent der Bevölkerung 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften, wie in der Wikipedia zu lesen ist, dann bedeutet das, dass es der Wirtschaft wohl auch noch relativ gut ginge, wenn viele Menschen gar nicht arbeiteten. Ich könnte mir vorstellen, dass manche Arbeitskräfte durchaus in der Lage wären, mehr als bisher zu leisten, und dadurch einige Posten eingespart werden könnten.

Manche meinen ja, die Welt sei übervölkert, es gebe zu viele Menschen. Meiner Meinung nach ist das eine fragwürdige These, aber man kann darüber diskutieren. Tatsache ist: Es gäbe nicht so viele Menschen, wenn die Lebensumstände der meisten nicht gut genug wären, um ein Alter zu erreichen, in dem sie sich fortpflanzen können. Sooo schlecht kann es den Menschen, weltweit gesehen, also gar nicht gehen. Natürlich ist der Lebensstandard etwa in Afrika nicht mit dem hier in Europa vergleichbar; vermutlich wird man aber auch in Afrika unter Umständen ein relativ glückliches Leben führen können (vielleicht sogar glücklicher als manche Menschen in Europa).

Ich finde, die Erde ist durchaus in der Lage, 7 Milliarden Menschen und mehr auszuhalten; wenn sie das nicht wäre, so wäre die Weltbevölkerung schon längst wieder im Schrumpfen begriffen.

Wirklich wohlhabend werden aber nur jene Menschen sein, die entweder reich geerbt oder eine gute Ausbildung absolviert haben und damit ihr gutes Geld verdienen.

Sicherlich werden Ärmere es in vielen Fällen als ungerecht empfinden, dass gerade sie das Schicksal, arm zu sein, getroffen hat. Meiner Meinung nach ist es durchaus geboten, dass die Wohlhabenderen bereit sind zu teilen. Die Ärmeren sollten zwar vernünftig genug sein, keine Aufstände durchzuführen; die Reicheren sollten aber trotz Ruhelage erkennen, dass der Wohlstand gerecht verteilt werden muss.

Nationalstaaten könnten zur Umverteilung genutzt werden, wie dies derzeit geschieht; schöner wäre es aber, wenn die Umverteilung freiwillig erfolgte.

Der einzige echte Sinn eines Nationalstaats besteht meiner Meinung nach in der Landesverteidigung, also im Schutz des Lebens und der Freiheit der Einwohner vor Aggressionen von außen. In einer Welt ohne Nationalstaaten gäbe es allerdings wohl auch keinen Grund mehr, warum man Angst vor staatlichen Aggressionen haben müsste. So gesehen, sind Nationalstaaten solange sinnvoll, solange nicht alle Staaten der Erde bereit sind, sich selbst abzuschaffen.

Das waren einige der Gedanken, die ich mir in den letzten Tagen gemacht habe.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Oktober

Wieder hat ein neuer Kalendermonat begonnen; wenn man frühmorgens unterwegs ist, begegnet man nun mehr Leuten als sonst, was wohl ganz klar daran liegt, dass das Wintersemester begonnen hat und diese Leute hauptsächlich Studenten sind. Und Studentinnen. Ich hatte heute die Gelegenheit, eine sympathische Pharmazie-Studentin kennenzulernen - mal sehen, vielleicht wird man einander ja öfter begegnen.

Ich habe im übrigen festgestellt, dass bei mir dann, wenn ich mich gestresst fühle, meist tatsächlich der Blutzucker daran schuld sein dürfte - heute hatte ich in der Arbeit kurz Probleme, mich zu konzentrieren. Als ich dann im Supermarkt einige Bonbons erworben und verzehrt hatte, ging es mir bald wieder blendend. Als Mediziner vermute ich, dass der niedrige Blutzucker die Ursache sein dürfte und der Stress die Folge. Ich erkläre es mir so: Ein niedriger Blutzucker führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Glukokortikoiden, die ja unter anderem die Funktion haben, den Blutzuckerspiegel zu heben, gleichzeitig aber auch Stress verursachen. Was jedoch die Ursache des niedrigen Blutzuckers sein könnte, ist eine andere Frage; Tatsache ist jedenfalls, dass ich mich in der Tat recht zuckerarm ernähre (natürlich auch um die schädlichen Folgen von zu viel Zucker - Stichwort Diabetes - zu vermeiden). So gesehen, ist es also durchaus plausibel, dass Perioden einer leichten Unterzuckerung entstehen könnten. Ich habe aber gelesen, dass regelmäßige Unterzuckerung angeblich die geistige Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen könne. Es ist also wichtig, auch nicht zu wenig Zucker zu sich zu nehmen.

In einer Woche werde ich dann meinen 30. Geburtstag feiern. Mit 30 sollte man wohl endlich erwachsen sein. Ja, eigentlich schon mit 18, aber bis zum 30. Geburtstag findet dann meist doch noch ein weiterer Reifungsprozess statt. Aber was heißt überhaupt "erwachsen"? Wenn damit "angepasst" gemeint ist, dann möchte ich doch widersprechen, dass es erstrebenswert sei, erwachsen zu werden. Ich bin ja ein großer Freund von Freiheit und Individualismus. Ich finde, das sollte man jedem zugestehen, anstatt zu erwarten, dass er sich stets so verhält, wie man es die Gesellschaft von ihm erwartet. Zudem war ich mein ganzes bisheriges Leben lang sehr angepasst, habe an mich selbst stets zuletzt gedacht; man gestehe mir zu, nun endlich auch ein bisschen auf mich selbst zu schauen und das Leben zu genießen.