Dienstag, 26. November 2013

Rassenwahn

Heute habe ich ein Buch über die sozialistischen Studenten Österreichs in der Zeit der Ersten Republik (nach 1918) gelesen. In diesem Buch wird sehr ausführlich beschrieben, wie nationalistisch viele Professoren seinerzeit eingestellt waren. Nicht nur "einfache" Professoren, sondern auch hochrangige Angehörige der Universitäten, wie Rektoren, vertraten rassistische und antisemitische Ansichten. Es waren nicht einfach ein paar Einzelgänger, die Ideen hatten wie etwa, dass jeder Student einer bestimmten Nation zugeordnet werden und nur die Angehörigen der "deutschen" Nation das Wahlrecht für die Studierendenvertretung haben sollten. Nein, das zog sich bis in höchste Kreise und wurde auch - weit vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland - umgesetzt.

Höchst erschreckend auch, dass es damals sehr oft an Universitäten zu Krawallen kam und vor allem deutschnationale und katholische Studierende auf ihre sozialistischen oder jüdischen Kommilitonen einprügelten.

Hier in Österreich sagt man manchmal, Hitler sei zwar in Österreich geboren, aber erst die Deutschen hätten ihn zum Kanzler gemacht. Nun, wenn ich mir dieses Buch aber ansehe, dann scheinen mir in Österreich viele Menschen ähnlich wie Hitler gedacht und diese Ideen auch umgesetzt zu haben.

Ich glaube im übrigen gar nicht, dass das Aufkeimen von Rassismus und Antisemitismus nur auf die Niederlage im Ersten Weltkrieg und die beginnende Wirtschaftskrise zurückzuführen war. Vielmehr vermute ich, dass diese Haltungen im Volk schon lange Bestand hatten und sie nur durch die Monarchie unterdrückt wurden. Als dann die Monarchie ihr Ende hatte und in der Demokratie offiziell "das Volk regierte", setzte das Volk eben das um, das damals in seinen Köpfen spukte.

Montag, 25. November 2013

Hochbegabte und Stress

Mein Kollege vertritt die Meinung, dass eine intellektuelle Hochbegabung automatisch mit Stress einhergehe. Fast alle Hochbegabten, die er kenne, seien gestresst; die einzigen Ausnahmen seien eine ältere Frau und ich.

Ich meine dazu: Man muss über diese Hypothese diskutieren. Vielleicht hat er Recht, vielleicht auch nicht. Logisch erscheint mir persönlich, dass nicht die Hochbegabung an sich den Stress bedingt, sondern der Ehrgeiz, den viele Hochbegabte an den Tag legen. Dazu muss man auch sagen, dass diese Hochbegabten vor allem deswegen ehrgeizig sind, weil sie so erzogen worden sind, oder auch, weil sie von ihrer Hochbegabung wissen und - aus welchem Grund auch immer - glauben, dass sie verpflichtet seien, etwas aus ihrer Begabung zu machen. Ich glaube also nicht, dass die Hochbegabung den Stress auslöst, sondern eher das Wissen um die Hochbegabung. Es gibt aber auch viele Menschen, die laut Intelligenztest zu den Hochbegabten gehören, aber entweder von ihrer Hochbegabung gar nichts wissen oder sich nichts daraus machen. Mir erscheint es keineswegs logisch, dass jeder, der hochbegabt ist, automatisch gestresst sein müsse. Warum sollten jene, die hochbegabt sind, aber es nicht wissen oder ihrer Begabung keine Bedeutung beimessen, gestresst sein? Außer natürlich, sie werden in ihrem Beruf mit Problemen konfrontiert, die bei ihnen Stress auslösen.

Vielleicht neigen manche der Hochbegabten auch dazu, ihre Begabung zu überschätzen - wenn sie dann Probleme haben (etwa im Studium), meinen sie, sich nicht genug angestrengt zu haben; dabei sind vielleicht einfach die Anforderungen zu hoch. Als ich studierte, konnte man unter vielen Studierenden die Meinung antreffen, dass Leute umso schneller in ihrem Studium vorankämen, je intelligenter sie wären. Auch das ist meiner Meinung nach falsch; schnell kommen vor allem jene Studierenden voran, die bereits vor dem Studium über gute Fachkenntnisse verfügten. Bei einem Medizinstudium also vor allem solche, die selbst aus Ärztefamilien kamen (oder alternativ aus Familien, bei denen ein Elternteil einem verwandten Beruf nachging, wie Biologe oder Apotheker).

Man könnte als Fazit sagen: Es stimmt, dass kognitive Begabung oft überschätzt wird, und vor allem, dass intelligente Menschen ihre eigene kognitive Begabung oft überschätzen. Und das ist, was Stress auslöst.

Sonntag, 24. November 2013

Studentenleben

Wenn Studierende eigene Weblogs unterhalten, in denen sie ihr Studentendasein ausführlich schildern, dann ist das grundsätzlich eine schöne Sache - solche Blogs könnten auch später als Dokumentation des Studentenlebens zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach christlicher Zeitrechnung dienen, und sie könnten in biografischen Werken berücksichtigt werden, sollte sich der damalige Studierende im Verlauf seines weiteren Lebens zu einer bedeutenden Persönlichkeit mausern. Dass solche Weblogs auch missbraucht werden können, um jenen, die sich besonders offen darin präsentieren, zu schaden, ist ebenfalls klar; und mich persönlich stört das nicht, solange es nicht um mich selbst geht.

Allgemein lese ich aus solchen Blogs jedenfalls heraus, dass sich die heutigen Studierenden für eine Art Elite halten, auch wenn sie das wahrscheinlich nicht gerne zugäben, wenn man sie danach ausdrücklich fragte. Sie betrachten sich als auserwählt, weil sie in der Schule gut waren, jedenfalls gut genug, um sich für ein Studium an einer Hochschule zu qualifizieren. Die Bezeichnung "Elite" ist also gerechtfertigt. Dass viele nur deswegen dieser Elite angehören, weil sie das Glück hatten, in eine Familie geboren worden zu sein, die über eine entsprechende gesellschaftliche Stellung verfügte und dadurch ihren Kindern eine entsprechende Schulausbildung ermöglichen konnte, ist ihnen wahrscheinlich gar nicht bewusst.

Deutlich erkennbar ist der Einfluss der Schönwetter-Ideologie. Man zeigt sich weltoffen und tolerant, aufgeschlossen gegenüber Studienkollegen aus anderen Nationen und anderen Kulturkreisen; man gibt sich frei von Vorurteilen (hat möglicherweise auch tatsächlich keine, weil man naiv ist) und jedem gegenüber nett, freundlich, ja sogar freundschaftlich.

Im Political Compass wird der Proband unter anderem gefragt, ob er der Meinung sei, dass es primär die Nationalität sei, welche die Menschheit in verschiedene Lager trenne, oder eher doch die Zugehörigkeit zu einer Klasse. Diese scheinbar weltoffenen Studierenden werden wohl eher Anhänger der zweiten Alternative sein - auch wenn ihnen das vielleicht gar nicht bewusst ist. In der heutigen Zeit wird eine solche Vernetzung der Eliten durch supranationale Einrichtungen wie das ERASMUS-Programm der Europäischen Union gefördert. Es ist also auch von der Politik, zumindest von den derzeit hier in Europa herrschenden Parteien, gewünscht, dass Studierende aus verschiedenen Ländern zusammenkommen und sich verbrüdern. Dass dabei das einfache Volk, welches nie die Möglichkeit hatte, an einer Universität zu studieren, das Nachsehen hat und in Folge dessen gerade unter einfachen Leuten politische Strömungen Aufwind bekommen, die in Opposition zu diesem Kosmopolitismus stehen, ist ein beabsichtiger oder unbeabsichtigter, erkannter und erwarteter oder unerkannter und unerwarteter (welche dieser Alternativen zutrifft, weiß ich nicht) Seiteneffekt.

Auffällig ist auch, dass sich die Studierenden von heute gerne als besonders aktiv präsentieren, also weniger als Intellektuelle, die viel nachdenken, sondern eher als Aktionisten, die viel tun und ihr Hirn nur zu einem geringen Grade einschalten. Dazu passt auch, dass in der Freizeit verschiedenen gemeinsamen Tätigkeiten nachgegangen wird, deren Sinn einem vernunftbegabten Menschen mehr oder weniger schleierhaft ist - man bäckt zusammen Kuchen, man fährt Kanu und so weiter. Vielleicht ist es so, dass die Studierenden von heute zwar eine Leistungselite darstellen sollen, aber es noch eine darübergeordnete Schicht geben soll, jene, die echt intellektuell sind und dann letzten Endes ihre Fäden im Hintergrund ziehen. Solche Leute gibt es sicher; besser gesagt, man kann nur hoffen, dass es solche Leute gibt, denn ohne Intellektuelle wird eine Gesellschaft nicht funktionieren können. Die Frage ist nur, welchem Herrn diese Leute dienen - und wo man sie finden kann.

Samstag, 23. November 2013

Allegorie über die menschliche Hybris

Der Ueberreuter-Verlag veranstaltete in den 1980er Jahren einen Wettbewerb, in dem es darum ging, Science-Fiction-Kurzgeschichten zu schreiben. Ich habe als Kind den Sammelband der für diesen Wettbewerb verfassten Geschichten gelesen. Eine Geschichte ist mir besonders in Erinnerung geblieben:

Die Geschichte handelte von einem hochentwickelten Volk von Wesen, die optisch gewöhnlichen Hühnern ähnlich sahen, aber die kognitive Begabung von Menschen aufwiesen. Diese intelligenten Hühner lebten auf einem fernen Planeten. Ihre Technik war aber schon so weit entwickelt, dass sie in der Lage waren, das Universum zu erkunden. Dabei stießen sie auf den Planeten Erde. Diesen beobachteten sie über Monate hinweg aus der Ferne. Sie erkannten, dass dort eine Spezies lebte, eben wir Menschen, welche die Besonderheit aufwies, dass ihre Angehörigen zu verschiedenen Anlässen den Mund aufzumachen pflegten, selbst wenn sie nichts aßen. Da die Hühner nicht wie wir kommunizierten, sondern mit Hilfe von technischen Geräten, wunderten sie sich, warum die Menschen den Mund aufmachten, obwohl sie nichts aßen. Das war eines der großen Rätsel. Die andere Sache war, dass diese Menschen offenbar Hühner in Ställen hielten. Die intelligenten außerirdischen Hühner wunderten sich, wie ihre irdischen Artgenossen bereit sein konnten, sich einfach so einsperren zu lassen. Über die kognitive Begabung der Menschen herrschte die Ansicht vor, dass die Menschen in der Lage seien, Lebewesen und Gegenstände zu klassifizieren und ihnen Namen zu geben, aber sonst sei es mit der kognitiven Begabung der Menschen nicht weit her. Nun beschloss eines der intelligenten Hühner, ein hochrangiger, hochgebildeter Wissenschaftler, eine Expedition zur Erde zu wagen, um die Menschen aus der Nähe zu erkunden und auf diese Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das Ergebnis des Ganzen war, dass er von einem Menschen in einen Hühnerstall eingesperrt wurde. Erst dann erkannte er, dass die Menschen erstens nicht so blöd waren, wie er geglaubt hatte, und zweitens, dass die auf der Erde lebenden Hühner nicht so intelligent waren wie seine außerirdischen Artgenossen.

Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen, weil sie eine Persiflage auf die menschliche Hybris darstellte. Erstens habe ich ja selbst den Eindruck, dass Menschen dazu neigen, ihre eigene kognitive Begabung beziehungsweise die kognitive Begabung ihrer Spezies zu überschätzen und die kognitive Begabung von Tieren zu unterschätzen. Zweitens passt die Aussage dieser Geschichte gut zu der Arroganz, die Europäer im Umgang mit indigenen Völkern an den Tag legten. Man hielt etwa die Azteken früher für primitiv, erst im Laufe der Zeit kam man darauf, zu welchen Erkenntnissen die Azteken etwa auf dem Gebiet der Mathematik gelangt waren - Erkenntnisse, die man bis dahin nur dem europäischen Geist zugetraut hatte.

Mittwoch, 20. November 2013

Generationen von Informatikern

Berufsbilder ändern sich. Bei den Informatikern sind aufgrund der rasanten Weiterentwicklung der Technik in den letzten Jahrzehnten deutliche Unterschiede zu erkennen:

1. Informatiker, die in den 1960er Jahren geboren wurden, haben fast immer erst im Studium ihren ersten Kontakt mit einem Computer gehabt. Die damaligen Rechner waren raumfüllend, schwer zu bedienen (Lochkarten!) und wenig leistungsfähig. Im Studium beschäftigten sich die Informatiker fast ausschließlich theoretisch mit Algorithmen und Konzepten der Informatik.

2. Informatiker, die in den 1970er Jahren geboren wurden, hatten in ihrer Jugend die Möglichkeit, für die damalige Zeit sehr leistungsfähige Heimcomputer zu erwerben. Diese konnte man relativ leicht programmieren, und man konnte mit ihnen viel anfangen. Es war aber nicht einfach möglich, drauflos zu programmieren, ohne sich Gedanken über effiziente Algorithmen und Optimierung des Programmcodes zu machen. Diese Generation von Informatikern ist sehr praxisorientiert.

3. Informatiker, die in den 1980er Jahren geboren wurden, haben in ihrer Jugend die Anfänge des für Privathaushalte zugänglichen Internets miterlebt; dementsprechend interessieren sie sich sehr für die Entwicklung dieses Netzes, die Möglichkeiten, die es bietet, aber auch die Gefahren, die mit ihm verbunden sind. Netzpolitik ist eines der Hauptinteressensgebieten dieser Generation.

4. Informatiker, die in den 1990er Jahren geboren wurden, kennen von klein auf nur schnelle Rechner und schnelles Internet. Über diese Generation wage ich noch kein Urteil abzugeben; manche meinen, die große Neuerung, die auf diese Generation die größte Faszination ausübe, sei das Aufkommen der programmierbaren Smartphones. Dessen bin ich mir nicht sicher.

Ich wurde im Jahr 1983 geboren; damit gehöre ich der Generation der 1980er Jahre an, allerdings habe ich mit Computern so früh begonnen, dass ich noch vieles kennen gelernt habe, was die Generation der 1970er Jahre auszeichnete. Dass ich in meiner Jugend in Assembler programmiert und an Größenoptimierungs-Wettbewerben teilgenommen habe, ist für meine Generation schon ein wenig ungewöhnlich.

Ich vermute jedenfalls, dass die in den 1970er Jahren Geborenen im Großen und Ganzen die besten Programmierer sind. Meine Generation kann zwar grundsätzlich programmieren, hat daran aber weniger Interesse und dementsprechend weniger Übung als die Informatiker der 1970er Jahre. Uns interessieren mehr das große Ganze und die Rolle der Informatik im gesellschaftlichen Kontext.

Montag, 18. November 2013

Tradition vs. Belesenheit

Ich lese gerade ein Buch über die Geschichte politischer Ideen. Die ersten Kapitel sind dem alten Griechenland gewidmet. Dabei zeigt sich, dass im alten Griechenland bei Gott nicht alles so demokratisch zuging, wie in der Schule behauptet wird. Vielmehr gab es unter den Philosophen Streit darüber, welche Staatsform die beste sei; viele Philosophen lehnten die Demokratie ab und sprachen sich für eine Aristokratie aus, also für die Herrschaft einer Elite, wobei oft das folgende Argument gebracht wurde: Um vernünftige Urteile treffen zu können, genüge nicht der Hausverstand, über den das Volk verfügt, sondern es bedürfe auch einer Tradition, also eines Erfahrungsschatzes, der von Generation zu Generation weitergegeben werde; deswegen seien nur hervorragende Männer aus herausragenden Familien als Führungspersönlichkeiten geeignet.

Diese Überlegung hat mich zu folgendem Gedankengang veranlasst: In der heutigen Zeit ist es relativ problemlos möglich, Bildung zu erwerben, wenn man Interesse und Zeit dazu hat. Man kann sich sehr viel Wissen aus Büchern aneignen, manches sogar aus dem Internet, was noch einfacher, schneller und unproblematischer geht. Dadurch ist eine Schicht entstanden, die nicht über die Tradition der klassischen "Elite" verfügt, aber sich viel Wissen aus schriftlichen Quellen angeeignet hat. Welche soziale Schicht wäre denn für Führungsaufgaben im Staat besser geeignet? Was meint ihr?

Ich habe ja den Eindruck, dass im Hochschulwesen sehr auf Tradition Wert gelegt wird. Einen "Emporkömmling" macht man nicht ohne Weiteres zum Universitätsprofessor. Gut erinnere ich mich noch daran, wie ich zu Beginn des 3. Semesters meinen Anatomielehrer mit "Guten Tag" begrüßte; er verzerrte zunächst das Gesicht und äffte mich dann nach. Warum? Den Grund erfuhr ich erst später: In Österreich gilt "Guten Tag" als Gruß der Sozialdemokraten; dieser Professor war aber ein Konservativer. Konservative grüßen in Österreich mit "Grüß Gott". An meinem Gruß hat er also erkannt, dass ich nach seinen Maßstäben ein Emporkömmling war. Im Weltbild der Konservativen ist sozialer Aufstieg nicht vorgesehen; die Schule hat einzig die Aufgabe, auf scheinbar objektive Weise die Menschen niederer Herkunft auszusortieren, um ihnen den Zugang zu Schlüsselfunktionen zu verwehren.

Freitag, 8. November 2013

Erkenntnistheorie und Autorität

Mir ist fremd, wenn Menschen sich auf das Recht des Stärkeren berufen.

Nun gibt es auch in der Erkenntnistheorie Strömungen, die sich auf das Recht des Stärkeren berufen.

Meiner Meinung nach ist das unvereinbar. Ein Wissenschaftler beruft sich nicht auf das Recht des Stärkeren. Ein Wissenschaftler kann logisch denken und vernünftige Urteile treffen.

Im Prinzip war es Popper, der die autoritären Verhältnisse im Wissenschaftsbetrieb kritisierte. Sein kritischer Rationalismus war durchaus ein Fortschritt im Vergleich zu dem, was damals herrschte.

Ich verstehe nicht, wie auch heute noch Menschen glauben können, aufgrund der Stellung in der Gesellschaft, die sie innehaben, immer Recht zu haben und den ihnen Untergeordneten ihre Meinung aufzwingen zu können.

Donnerstag, 7. November 2013

Die aktuelle Diskussion

Hier in Wien findet gerade wieder ein Kongress zum Thema Begabtenförderung ein. Dabei geht es vor allem darum, wie man begabte Kinder und Jugendliche motivieren kann, ihrer Begabung entsprechend gute Leistungen in der Schule zu erbringen.

Meiner Meinung nach schießt diese Fragestellung am Ziel vorbei. Was bringt es denn, wenn Kinder in der Schule gut sind? Das bringt höchstens den Kindern Befriedigung, wenn sie sich über gute Noten freuen, und vielleicht auch den Lehrern, aber sonst? Welchen Sinn hat diese Art der Begabtenförderung? Was haben Schulnoten mit dem echten Leben zu tun?

Entscheidend ist vor allem, was die Kinder nach dem Ende ihrer Schullaufbahn tun sollen. Ein Hochschulstudium ist sicherlich nicht die schlechteste Idee; es ist gut, dass das Studium hier in Österreich die Studierenden nichts kostet. Aber Hochschulen bilden halt die Leute nur in bestimmten Gebieten aus, in denen sich die Professoren gut auskennen, und das sind nicht unbedingt die Dinge, die vom Markt nachgefragt werden. Was nützt es, zum Experten für Künstliche Intelligenz ausgebildet worden zu sein, wenn dann in der Praxis die Firmen ohnehin nur fertige Softwarepakete verwenden, die die relativ einfache Methode "Naive Bayes" implementieren - eine einfache Methode, die aber in den meisten Anwendungsfällen völlig ausreicht? Solche Pakete kann jeder Idiot verwenden - dazu braucht er keine Spezialausbildung.

Die Universitäten bilden am Arbeitsmarkt vorbei aus. Aber das ist nicht unbedingt schlecht. Vielleicht wird mancher Absolvent auf die Idee kommen, selbst ein Unternehmen zu gründen - wenn es schon auf dem Arbeitsmarkt keine Nachfrage nach dem gibt, was man gut kann, dann kann das eine Möglichkeit sein, sein Wissen dennoch sinnvoll anzuwenden. Die Frage ist dann freilich, welche Produkte man entwickeln möchte und wer diese abkaufen sollte. Dazu bedarf es einer intensiven Marktbeobachtung - das ist etwas, das man an der Uni nicht lernt, das aber grundsätzlich erlernt werden kann. In dieser Hinsicht ist dann wohl echte kognitive Begabung gefragt.

Dienstag, 5. November 2013

Autoritarismus vs. Laissez-faire

Immer wieder mache ich die Feststellung, dass Menschen, die "cool" wirken, gar nicht so "cool" sind, und umgekehrt diejenigen, die "uncool" wirken, in Wahrheit viel "cooler" sind. "Cool" im Sinne von: lässig, nicht im Sinne von "kaltherzig".

Ein bekannter Demoszener schrieb unlängst auf Facebook, dass er bis zum Alter von 24 Jahren nicht selbst entscheiden durfte, was er tat und was er ließ. Ich hatte gerade von Demoszenern nicht erwartet, dass sie derart autoritär sozialisiert worden wären.

Vielleicht hängt mein falscher Eindruck damit zusammen, dass viele von diesen Leuten nur über relativ schlechte Rechtschreibkenntnisse verfügen - ich dachte, wer nicht gut rechtschreiben kann, der nimmt's halt locker und scheißt auf die Normen. In Wahrheit ist es wohl nicht so, es ist wahrscheinlich sogar eher umgekehrt. Menschen aus einfachen Verhältnissen, beispielsweise solche aus Arbeiterfamilien, sind oft besonders autoritär sozialisiert worden. Dass sie nicht rechtschreiben können, liegt nur daran, dass es ihre Eltern auch nicht konnten - nicht daran, dass sie sich geweigert hätten, sich von ihren Eltern die Rechtschreibung beibringen zu lassen.

Man trifft auch bei Demoszenern manchmal die Vorstellung an, dass ein Mensch umso wertvoller sei, je bessere Leistungen er erbringe. "Look, these guys are better than you!" Das ist völliger Quatsch - und zeugt von mangelnder Bildung auf dem Gebiet der politischen Philosophie. Diese Leute haben möglicherweise gar nichts von den universellen Grund- und Freiheitsrechten (Menschenrechten) und von der grundsätzlichen Gleichwertigkeit aller Menschen gehört.

Ich habe sogar den Eindruck gewonnen: Je weniger ein Mensch gebildet ist, umso mehr ist er ein Spießer. Gerade hochgebildete Menschen sind nicht derart spießig und nicht derart streng im Umgang miteinander.