Montag, 30. Dezember 2013

Sheldrake

Zu Weihnachten habe ich mir Rupert Sheldrakes Buch "Der Wissenschaftswahn" gekauft. Ein sehr gutes Buch, bis jetzt jedenfalls. In den ScienceBlogs haben sich einige Blogger aber eher verächtlich über Sheldrake geäußert und ihn als Esoteriker verunglimpft. Ich frage mich, ob sie dieses Buch gelesen haben.

Die ersten fünfzig Seiten enthalten meines Erachtens nichts, weswegen die Bezeichnung "Esoteriker" gerechtfertigt wäre. Sheldrake zeigt nur, dass die ganze Naturwissenschaft auf Hypothesen, also auf unbewiesenen Annahmen beruht, die zum Teil vielleicht gar nicht beweisbar sind. Er zitiert Thomas Kuhn, der von den Paradigmen sprach - ein Paradigma ist eine Sammlung von Grundannahmen und stellt das Rahmenprogramm der Wissenschaft dar. Arbeiten, die dem aktuell geltenden Paradigma widersprechen, gelten als Pseudowissenschaft. Im Laufe der Zeit kann es aber zu Paradigmenwechseln kommen. Dann wird auf einmal manches, das bislang als Pseudowissenschaft galt, in den Rang offizieller Wissenschaft erhoben.

Wie können die Leute auf ScienceBlogs die derzeit herrschenden Paradigmen verabsolutieren? Wer sagt, dass eine Annahme mit hundertprozentiger Sicherheit wahr sein muss? Wenn man die naturwissenschaftliche Methode in der Tradition Poppers auch auf die Grundannahmen anwendet, dann ist es sehr wohl möglich, dass sich Grundannahmen als falsch herausstellen könnten.

Wissenschaftler haben doch selbst jahrhundertelang überlieferte religiöse Dogmen kritisiert, weil sie das Denken einschränkten und den Fortschritt behinderten. Wenn es nicht erlaubt wäre, Dogmen zu kritisieren und unter Umständen zu verwerfen, dann müssten wir wohl noch immer daran glauben, die Erde wäre eine Scheibe.

Vielleicht bin ich meiner Zeit weit voraus; viele Zeitgenossen haben ja noch nicht einmal die Entwicklung zum Rationalisten durchgemacht, die mir quasi in die Wiege gelegt worden ist. Das starre Verteidigen von wissenschaftlichen Paradigmen scheint mir jedoch genauso bedenklich zu sein wie das Festhalten an überkommenen religiösen Lehren.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Demozoo

Eine neue Website ist online gegangen, die als Archiv von Werken der Demoszene dient. Nach dem ersten Besuch bin ich erstaunt darüber, mit welcher Akribie die Betreiber vorgegangen sind. Sorgfältig aufgelistet sind dort etwa die Namen all derjenigen, die an jeder einzelnen Hugi-Ausgabe mitgearbeitet haben. Über mich persönlich findet man auf dieser Website gar einige Sachen, die mir selbst beinahe peinlich sind. (Und von denen ich eigentlich gedacht hatte, dass sie gemeinhin nicht bekannt wären.)

So findet man etwa ein 256-Byte-Intro aus dem Jahr 2001, für das ich als einer der Entwickler genannt werde. Das hat sich damals so zugetragen: Ich wurde von Tomcat, den ich bis dahin nur aus dem Internet gekannt hatte, eingeladen, an der Demoparty Core in Zalaegerszeg, Ungarn, teilzunehmen. Für mich war das erst die zweite Demoparty in meinem Leben. Ich war damals ja noch relativ jung. Auf der Party traf ich einige Leute, mit denen ich schon im Internet zu tun gehabt hatte. Die meisten waren mir aber unbekannt. Irgendwann, es war schon spät am Abend, wanderte ich durch den Veranstaltungsort und sah, wie einige junge Leute etwas in Assembler programmierten. Das weckte mein Interesse, ich setzte mich hinzu. Da ich mich mit der Größenoptimierung von Assemblerprogrammen auskannte, fielen mir beim Anblick des Codes einige Dinge ein, die man eleganter lösen könnte. Obwohl ich die Leute gar nicht kannte, sagte ich ihnen, wie sie einzelne Codepassagen eleganter implementieren könnten. Im Gegensatz zu mir wussten sie, wer ich war. So ergab es sich, dass sie beim Einreichen des Intros angaben, dass ich an der Erstellung beteiligt gewesen sei. Auf diese Weise kam ich zu unverhofften Ehren. Naja, das Intro machte dann im Wettbewerb den dritten Platz - von drei Plätzen. Allerdings war der Abstand zum zweiten Platz relativ gering.

Die zweite Sache ist die, dass ich als Mitglied der Gruppe 5711 gelistet werde. Auch diesem liegt eine lustige Begebenheit zugrunde. Im Jahr 2005 besuchte ich zwei Demopartys, Breakpoint und TUM. Auf einer dieser beiden Partys sprach mich Poti an und meinte, ich sei zum Mitglied der Gruppe 5711 ernannt worden. Nach welchen Kriterien die Mitglieder ausgesucht wurden, war mir nicht klar. Aber ich dachte mir, egal. Jedenfalls entwickelte ich im Jahr 2008 in einer kreativen Phase ein eigenes 256-Byte-Intro, "Indian Summer", und hatte die Idee, es für eine Party einzureichen. Im Internet stellte ich fest, dass gerade die Party 0a000h im Gange war. Auf dieser Party galt die Regel: Man darf auch an den Wettbewerben teilnehmen, ohne selbst physisch anwesend zu sein. Allerdings musste ein Mitglied der Demogruppe, welcher man angehörte, dabei sein. Von der Hugi-Redaktion war niemand auf der Party; aber der Organisator der Party 0a000h, Styx, war ebenfalls Mitglied der Gruppe 5711 und zeigte sich einverstanden, mein Intro als Werk dieser Gruppe zu zeigen. So ergab es sich also, dass mein Intro am Wettbewerb teilnahm - und den zweiten Platz machte. Allerdings: wiederum den zweiten von zwei Plätzen... Innerhalb der Gruppe 5711 sorgte das Intro für Kontroversen, weil es angeblich nicht den Qualitätsstandards dieser Gruppe entsprach, und Poti erklärte schließlich, ich sei nicht länger Mitglied der Gruppe 5711.

Naja. Das Resümee, das man ziehen könnte: Das Internet vergisst nie...

Donnerstag, 26. Dezember 2013

130 und 160

Jason Betts, der Betreiber des "World Genius Directory", ließ auf Facebook mit der folgenden Meldung aufhorchen: "160 is the new 130." Was damit gemeint war, war relativ klar: Während früher ein Intelligenzquotient von 130 als optimal galt, streben mittlerweile viele danach, im Intelligenztest noch besser abzuschneiden. Offenbar ist ein Intelligenzquotient von 160 nun der Wert, den viele gern erreichen würden.

Manchen ist das freilich suspekt. So ist es etwa in den vom österreichischen Hochintelligenzverein verwendeten Tests maximal möglich, einen Intelligenzquotienten von 145 zu erreichen. Mit diesen Tests ist also ein Intelligenzquotient von 160 gar nicht ermittelbar. Aus diesem Grund glauben manche, dass man gar nicht seriös feststellen könne, dass jemand einen Intelligenzquotienten von 160 habe.

Jedenfalls: Wenn man in der IQ Percentile and Rarity Chart [1] nachschlägt, dann wird man feststellen, dass jemand mit einem IQ von 130 nach der üblichen Skala intelligenter als 97,7249937964% der Bevölkerung sein soll. Jemand mit einem IQ von 160 wäre demnach intelligenter als 99,9968313965% der Bevölkerung.

Bei einer Bevölkerungszahl von 505,73 Millionen, wie sie die Europäische Union laut Wikipedia derzeit aufweist [2], gibt es rund 10 Millionen Menschen, die einen IQ von 130 oder höher haben. Nicht wenige! Einen IQ von 160 oder höher hätten hingegen nur rund 50.000 Menschen. Das wäre gerade einmal die Bevölkerung eines mittelgroßen Städtchens.

Da ein IQ von 160 also deutlich seltener vorkommt als ein IQ von 130, ist man mit einem IQ von 160 etwas noch "Besondereres".

Es stellt sich nur die Frage, warum man sein Selbstwertgefühl ausgerechnet vom Intelligenzquotienten abhängig machen sollte.

[1] http://www.iqcomparisonsite.com/iqtable.aspx
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Union

Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Lesern, die es betrifft, ein frohes Weihnachtsfest.

Als ich jung war, nahm ich wie selbstverständlich an, dass jeder Weihnachten feierte; erst im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass Weihnachten an sich ein christliches Fest ist und aus diesem Grund es auch Menschen gibt, die Weihnachten nicht feiern. In unserer Familie wurde Weihnachten einfach gefeiert, weil es hierzulande üblich ist, und nicht aus irgendwelchen religiösen Gründen.

In meiner Kindheit und Jugend hat Religion nie eine Rolle gespielt; dennoch war ich ein sehr guter Schüler und bekomme auch heute noch von meinem Umfeld, das mich persönlich kennt, immer wieder zu hören, dass ich ein sehr angenehmer Mensch sei. Folglich glaube ich nicht, dass eine religiöse Erziehung notwendig sei, um "ethisches" Verhalten zu erzwingen.

Erst im Medizinstudium habe ich die Erfahrung gemacht, dass Religion in unserer Gesellschaft doch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt; viele meiner Studienkollegen waren sehr gläubig, und es war anscheinend auch notwendig, das richtige Religionsbekenntnis zu haben, wollte man an unserer Universität Karriere machen.

Ich machte mir lange Zeit keine Gedanken, als was man wohl Menschen wie mich bezeichnen könnte; den Begriff "Atheist" fand ich zu stark, denn darunter verstand ich jemanden, der davon überzeugt ist, dass es keinen Gott gebe. Als "Agnostiker" wollte ich mich aber auch nicht bezeichnen, weil ich damit vor allem Leute assoziierte, die ursprünglich gläubig gewesen waren und im Laufe der Zeit der Religion gegenüber kritischer geworden waren. In diese Kategorie fiel ich ja auch nicht, denn ich war nie gläubig gewesen. Am ehesten trifft in meinem Fall wohl noch die Bezeichnung "Apatheist" zu - also dass es mir im Prinzip egal ist, ob es einen Gott gibt oder nicht. Ich bin mir inzwischen aber auch bewusst, dass es verschiedene Formen von Atheismus gibt und umgangssprachlich auch solche, die einfach nicht an Gott glauben, als Atheisten bezeichnet werden - deswegen habe ich mich letztendlich doch mit der Bezeichnung "Atheist" anfreunden können, wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob es nicht doch irgendetwas gibt, das über die Menschen wacht und ihre Schicksale bestimmt.

Freitag, 20. Dezember 2013

Intellektualität und Lebensstil

Schon als ich zur Schule ging, dachte ich mir, dass es in der Schule ja eigentlich nicht nur darauf ankomme, wie "gescheit" jemand ist, sondern man auch einen bestimmten Lebensstil pflegen müsse, um gut durch die Schule zu kommen. Man muss jeden Tag zur Schule gehen, sich im Unterricht ruhig verhalten und zuhören, außer man wird an die Reihe genommen, nach Schulende nach Hause gehen und Hausübungen machen und so weiter. Ich war schon damals der Meinung, dass ein Intellektueller nicht unbedingt diesen - sagen wir mal - konventionellen Lebensstil pflegen müsse, um intellektuell zu sein, und deswegen es wohl auch Intellektuelle geben müsse, die nicht einmal Matura haben.

Für mich war die Mitgliedschaft im österreichischen Hochintelligenzverein anfänglich auch aus dem Grunde interessant, weil ich mir erwartete, dort auf Intellektuelle zu treffen, die einen alternativen Lebensstil pflegten und nur aus diesem Grund nicht den Grad formaler Qualifikation erreicht hatten, der ihnen aufgrund ihrer kognitiven Begabung zugestanden wäre. Tatsächlich habe ich in diesem Verein aber nur wenige Leute dieser Art angetroffen.

Man lasse mich ein wenig ausholen: Die bürgerliche Gesellschaft kennt, grob gesprochen, folgende Hierarchie:

Unterste Stufe: Kleinbürger. Das sind relativ ungebildete Menschen, die aber die bürgerliche Moral internalisiert haben.

Mittlere Stufe: Bildungsbürger. Diese folgen der bürgerlichen Moral und sind gebildet, aber nicht besonders reich.

Höchste Stufe: Großbürger. Diese weisen Moral, Bildung und Besitz auf.

Was mich persönlich besonders reizte, war der Kontakt zu Leuten, die außerhalb dieser Hierarchie standen. Nämlich solche, die gebildet waren, aber nicht unbedingt der bürgerlichen Moral folgten. Diese Leute glaubte ich in diesem Verein zu finden. Denn wenn ich an Bildungsbürgern im klassischen Sinne interessiert gewesen wäre, hätte ich dem Verein nicht beitreten müssen. Statt dessen hätte ich einfach zu einer Studentenverbindung gehen können, dort hätte ich Leute dieser Art angetroffen.

Ich wurde durch den Verein jedoch weitgehend enttäuscht, zumindest durch den österreichischen Ableger des Vereins. Denn die Leute dort sind zum Großteil keineswegs intellektuell, haben dafür aber in der Regel die bürgerliche Moral verinnerlicht. Kurz gesagt, es handelt sich beim Gros der österreichischen Vereins-Mitglieder um Kleinbürger in obigem Sinne.

Das sind eigentlich genau die Leute, mit denen ich am wenigsten zu tun haben will, denn das, was ich an Bildungsbürgern schätze (die Bildung), weisen sie nicht auf, dafür aber das, was ich an Bildungsbürgern nicht schätze (die Moral, das "Spießertum").

Tja, es ist schwierig, Menschen kennen zu lernen, mit denen man einigermaßen auf einer Wellenlänge ist, wenn man so ist, wie ich es bin...

Samstag, 14. Dezember 2013

Parthenogenese

Im Zuge einer Diskussion über ein "medizinisches Wunder" kam die Frage auf, ob eine unbefleckte Empfängnis beim Menschen möglich sei. Dabei bin ich darauf gekommen, dass das, was laut Wikipedia als offizieller Stand der Wissenschaft gilt, nicht ganz logisch ist.

Eine unbefleckte Empfängnis wird in der Medizin als "Parthenogenese" bezeichnet. Theoretisch könnte es passieren, dass im Körper einer Frau zwei Eizellen verschmelzen und sich daraus ein Kind entwickelt, ohne dass die Frau Beischlaf gehabt hat. Vor Jahren las ich, dass es zwar noch keinen bewiesenen Fall von Parthenogenese beim Menschen gegeben habe, aber angenommen werde, dass Parthenogenese mit einer Häufigkeit von eins zu einer Million vorkomme.

Wikipedia schreibt jedoch: "Parthenogenese wird nach derzeitigem Wissensstand für höhere Säugetiere und Beuteltiere als schwierig bis unmöglich angesehen."

Logisch betrachtet, ist es nur zulässig zu sagen, dass bisher kein einziger Fall von Parthenogenese nachgewiesen werden konnte. Rein logisch kann man aber nur schwerlich beweisen, dass etwas nicht möglich ist.

Wenn auch das "Imprinting" als Argument gegen die Möglichkeit einer Parthenogenese bei Säugetieren vorgebracht wird, dann muss man dazu sagen, dass es bewiesenermaßen sehr wohl vorkommen kann, dass Menschen in ihren Chromosomensätzen Anomalien aufweisen. Zum Beispiel drei statt nur zwei Chromosomen 21 (Down-Syndrom). Da stammen dann entweder zwei dieser Chromosomen von der Mutter und eines vom Vater oder umgekehrt. Trotzdem wird das überzählige Chromosom nicht "abgestoßen". Für mich ist das daher kein Argument, dass es nicht möglich sein sollte, jeweils zwei homologe Chromosomen von der Mutter zu haben.

Es gibt sogar Menschen, die von jedem Chromosom drei Exemplare haben. Man bezeichnet diese Kondition als Triploidie. Menschen mit Triploidie überleben meistens die Geburt nicht. Es soll aber vorgekommen sein, dass Menschen mit dieser Kondition das Erwachsenenalter erreicht haben.

Grundsätzlich kann man nach derzeitigem Wissen nicht mit Sicherheit sagen, ob ein durch Parthenogenese entstandenes Kind überhaupt überlebensfähig wäre. Vielleicht sind diese Kinder nicht überlebensfähig. Das bedeutet aber nicht, dass Parthenogenese beim Menschen nicht vorkommen könnte.

Zudem sollte man bedenken, dass es auch eine genetische Krankheit namens Ullrich-Turner-Syndrom gibt, bei der die Betroffenen nur ein X-Chromosom haben (meines Wissens das der Mutter). Das heißt, es ist gar nicht unbedingt notwendig, von jedem Chromosom auch ein Exemplar vom Vater zu haben, denn: Menschen mit Turner-Syndrom sind lebensfähig und in der Regel normal intelligent...

Montag, 9. Dezember 2013

Vier Stufen intellektueller Tätigkeit

Hier wieder eine laienhafte Theorie von mir:

1. Stufe: Auswendiglernen. Man liest einen Text und merkt ihn sich, so dass man ihn mehr oder weniger Wort für Wort nachplappern kann.

2. Stufe: Verstehen. Man erkennt, was mit dem Text gemeint ist.

3. Stufe: Anwenden. Man kann mit dem Wissen aus dem Text konkrete Probleme (Anwendungsfälle) lösen.

4. Stufe: Erweitern. Man kommt durch selbstständiges Denken zu neuen Konklusionen und erweitert das bestehende Wissen.

Die vierte Stufe ist das, was mich selbst am meisten reizt.

Ich bin nicht der Meinung, dass jede Stufe unbedingt die davorgehende Stufe voraussetzt. Man kann einen Text auch verstehen, ohne ihn auswendig wiedergeben zu können.

Aber: Das Niveau der intellektuellen Tätigkeit steigt von Stufe zu Stufe. Es gibt wahrscheinlich relativ viele, die einen Text auswendig lernen können, aber nur relativ wenige, die ihn verstehen, und noch weniger, die ihn anwenden können. Das Wissen zu erweitern, sind dann nur ganz wenige in der Lage.

Mich hat im Medizinstudium sehr gestört, dass fast nur die erste Stufe verlangt wurde und die Noten vornehmlich davon abhängig waren, wie genau man sich den Stoff gemerkt hatte, und nicht, ob man ihn auch verstanden hatte oder anwenden konnte. Das Informatikstudium war in dieser Hinsicht besser, hier wurde vor allem auf Verständnis und die Fähigkeit, die Materie anzuwenden, geprüft.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Computerwelt und Realität - Meine Jugend

Im Fernsehen laufen derzeit Sendungen über die österreichische Geschichte ab dem Jahr 1945. Ich sehe mir diese Sendungen gerne an, weil ich mich dafür interessiere, in was für einem Land ich eigentlich lebe. Die Eindrücke von der Armut, die nach dem Krieg hierzulande herrschte, sind für mich schockierend. Auch, wie viele Regelungen nur provisorisch beschlossen wurden und die Zukunft des Landes immer ungewiss blieb. Besonders beeindruckt hat mich, dass es nach dem Krieg ein Student war, Kurt Schubert, der die Wiener Universität neu organisiert hat und - ohne selbst offiziell beauftragt worden zu sein - einfach zu den ehemaligen Professoren gegangen ist und ihnen Ämter zugeteilt hat - "Du bist Dekan dieser Fakultät", "Du bist Dekan jener Fakultät" und so weiter. Dass in Österreich nach 1945 viele Dinge relativ informell und wahrscheinlich oft auch in einem rechtlichen Graubereich erfolgt sind, hat in meinen Augen auch ein neues Licht auf meine eigene Jugend geworfen.

Als Kind des Jahres 1983 war für mich der Krieg beinahe schon 40 Jahre her, als ich das Licht der Welt erblickte. Die Wunden, die der Krieg und alles damit Verbundene der Gesellschaft zugefügt hatten, wären wahrscheinlich dennoch deutlich zu erkennen gewesen, wenn ich mich dafür interessiert hätte. Für mich allerdings war die äußere Welt nur von geringem Interesse. Ich lebte gern in Fantasiewelten, las Comiczeitschriften und Kinderbücher, die von Märchenwelten handelten. Der Bezug zur Realität war für mich nicht offensichtlich, und er interessierte mich auch nicht.

Ich weiß nicht, ob ich nicht den Eindruck gewonnen hätte, dass das Leben als Ganzes langweilig sei, wenn ich nicht kurz vor meiner Einschulung mit der Computerei in Berührung gekommen wäre. Die Computerspiele gestatteten es nicht nur, passiv über Fantasiewelten zu erfahren, sondern aktiv in solche einzutauchen. Sie übten aus diesem Grund eine große Faszination auf mich aus. In weiterer Folge las ich intensiv Fachzeitschriften über Computer, vor allem solche über Computerspiele, und nahm selbst Stift und Papier in die Hand, um mir eigene Computerspiel-Welten auszudenken und zu skizzieren.

Als dann in mir der Wunsch erwachte, meine Ideen umzusetzen, fing ich endlich an, mir das Programmieren beizubringen. Es gab dazu seinerzeit Zeitschriften, die Einführungskurse enthielten, sowie Listings, die man einfach abtippen und ausführen konnte, um auf diese Weise zu lernen. In der Buchhandlung wurden zudem umfangreiche Bücher angeboten, die einen noch tiefergehenden Einstieg in die Materie ermöglichten.

Erst durch die Computerzeitschrift PC-Heimwerker, die ausschließlich aus von Lesern zugesandten Beiträgen bestand, kam ich als Elfjähriger in (brieflichen) Kontakt mit Gleichgesinnten; auf diese Weise lernte ich besonders viel dazu. Dann ergab es sich, dass mich ein Junge aus Ostdeutschland anschrieb, der gerne eine eigene elektronische Zeitschrift, ein Diskmag, herausgeben wollte, aber leider über keine Programmierkenntnisse verfügte. Damals war es noch notwendig, gut genug programmieren zu können, um eine eigene grafische Benutzeroberfläche zu entwickeln, wenn man eine elektronische Zeitschrift herausgeben wollte. Glücklicherweise verfügte ich bereits über diese Kenntnisse, und so konnte ich nach einer Programmierarbeit, die etwa ein Wochenende in Anspruch nahm, meinem neuen Brieffreund eine fertige Oberfläche präsentieren.

In weiterer Folge wurde ich Mitherausgeber dieser Zeitschrift, später alleiniger Herausgeber. Wie ich irgendwann las, darf man in Österreich per Gesetz eigentlich erst nach dem Erreichen der Volljährigkeit als Herausgeber einer Zeitschrift fungieren. Trotzdem wurde meine Tätigkeit toleriert. Hier liegt also die Verbindung zu den eingangs gemachten Bemerkungen vor, dass in Österreich vieles nicht so streng gehandhabt wird, wie es vielleicht in anderen Ländern der Fall wäre.

Die ganzen Jahre bis zu meiner Matura lebte ich dann in einer Welt der Freaks und Künstler, die entdeckt hatten, wie man die Computertechnik nutzen konnte, um kreativ tätig zu sein. Denn von dieser Welt handelte meine Zeitschrift. Über die reale Welt da draußen machte ich mir wenig Gedanken.

Heute muss ich mich notgedrungen auch mit der realen Welt beschäftigen, denn ich bin längst im Erwachsenenalter angekommen und werde wohl über kurz oder lang danach streben müssen, Geld zu verdienen, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten - ganz zu schweigen davon, dass vielleicht einmal eine Familie auf mich angewiesen sein wird.

Dabei hat gerade in den Neunziger Jahren, als ich mit meiner Zeitschrift anfing, die Computertechnik enorme Fortschritte gemacht. Insbesondere die Computergrafik, die davor eine rein akademische Disziplin gewesen war, war nun etwas, mit dem sich jeder normale Mensch, der daheim einen Computer stehen hatte, beschäftigen konnte. Deswegen wurden auf diesem Gebiet viele Fortschritte auch außerhalb von Universitäten gemacht. Hobbyisten und Autodidakten haben vor allem gezeigt, wie man bestimmte Algorithmen auch auf technisch noch relativ beschränkten Geräten umsetzen kann, so dass Dinge dargestellt werden konnten, die man nicht für möglich gehalten hatte.

Diese faszinierende Welt der Computer hat einen vergessen lassen, an die Welt da draußen zu denken.

Heute ist vieles, das in den Neunziger Jahren faszinierend wirkte, schon so alltäglich geworden, dass es kaum jemanden vom Hocker reißt. Ich frage mich auch, was die Jugend von heute fasziniert - das, was zu meiner Zeit die Jugend beschäftigte, ist es jedenfalls nicht mehr.

Dafür fangen Leute in meinem Alter - zumal wenn sie gebildet sind - wieder an, sich Gedanken über das Land zu machen, in dem sie leben; über den Krieg und seine Nachwirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft; wie sehr gewisse Vorurteile und Klischees immer noch das Zusammenleben der Menschen prägen; welche Herausforderungen das tägliche Leben bietet und in Zukunft bieten wird; wie sich die Gesellschaft gerechter gestalten ließe und ob das überhaupt möglich und erstrebenswert ist.

Eines steht jedenfalls fest: So schön wie manche Märchenwelten, die man als Kind kennen- und lieben gelernt hat, ist die Realität bei weitem nicht.

Montag, 2. Dezember 2013

Epistemischer Verständnistest

Hier ein Intelligenztest von mir, der grundlegendes Verständnis von Erkenntnistheorie (Epistemologie) überprüft. Die Antworten sind in ganzen Sätzen zu formulieren.

1. Was ist der Unterschied zwischen Analyse und Synthese in der Philosophie?
2. Was ist der Unterschied zwischen einem Urteil a priori und einem Urteil a posteriori?
3. Was ist der Unterschied zwischen Korrelation und Koinzidenz?
4. Was ist der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität?
5. Was ist der Unterschied zwischen Syntax und Semantik?
6. Was ist der Unterschied zwischen logischer Konsistenz und logischer Kohärenz im strengen Sinn?

Sonntag, 1. Dezember 2013

Urteilsfähigkeit

Die Urteilsfähigkeit eines Menschen kann in zweierlei Hinsicht getrübt sein: einerseits aufgrund falscher Annahmen, welche die Person für wahr hält, und andererseits aufgrund des Unvermögens, folgerichtig zu denken.

Da Intelligenztests - wenn überhaupt! - nur die Fähigkeit zu folgerichtigem Denken überprüfen, kann es also sehr leicht sein, dass jemand in einem solchen Test gut abschneidet, dessen Kopf voll von falschen Annahmen ist.