Donnerstag, 20. Februar 2014

Meine Erfahrungen mit dem Hochintelligenzverein

Als ich im ersten Semester meines Medizinstudiums stand, las ich gelegentlich die Zeitschrift "Gehirn und Geist". Einmal war dort eine Anzeige eines bekannten Hochintelligenzvereins, die mich ermutigte, doch einmal den Aufnahmetest zu wagen; es hieß, man werde wahrscheinlich besser abschneiden als erwartet. Da ich wissen wollte, ob meine Erfolge in Schule und Studium nur auf Fleiß zurückzuführen waren oder ich doch auch begabt war, meldete ich mich beim österreichischen Ableger dieses Vereins. Per Post bekam ich den Vortest zugeschickt, diesen bearbeitete ich innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits. Das Ergebnis war: Ich sei intelligenter als 99 Prozent der Bevölkerung. Mit Zuversicht ging ich zum Haupttest; dieser enthielt einige Aufgabenarten, die ich gar nicht erwartet hatte, aber auch in diesem Test war ich gut genug, um dem Verein beizutreten. Ich war also offiziell als intellektuell hochbegabt identifiziert.

Der Verein hat mich anfangs gar nicht so recht interessiert, aber ich ging gelegentlich zu einigen der Veranstaltungen, weil die Themen recht spannend klangen. Der erste Vortragsabend bei diesem Verein, den ich besuchte, handelte von Parapsychologie. Auch den Spieleabenden wohnte ich immer öfter bei, obwohl ich zunächst Hemmungen hatte, weil ich ja erwachsen war und ich damals dachte, dass Erwachsene eigentlich nicht mehr ihre Zeit mit Spielen verschwenden sollten. Bei den Spieleabenden erkannte ich jedenfalls erstmals, dass auch Hochbegabte Fehler machen; offenbar hatte ich zu viel erwartet.

Im Laufe der Zeit sah ich, dass viele Mitglieder Schwächen aufwiesen. Es gab nur wenige, die wirklich alles konnten. In meiner Jugend war ich besonders auf meine Programmierkenntnisse stolz gewesen, und später, im Informatikstudium, zeigte sich auch, dass ich darin sehr gut war - in der Einführungsübung schnitt ich auf der nach oben offenen Skala als Viertbester von mehr als 500 Studienanfängern ab, weil ich in der Lage war, die schwierigsten Aufgaben zu lösen, und meine Lösungen so sauber waren, dass sie von anderen Studierenden in höheren Übungsrunden als Vorlagen verwendet wurden. Im Verein lernte ich Leute kennen, die sich ebenfalls mit Programmierung zu beschäftigen versucht hatten und daran gescheitert waren. Noch offenkundiger wurden die Mängel vieler Mitglieder durch die schriftliche Kommunikation in den Internetforen; es zeigte sich, dass viele Mitglieder die deutsche Rechtschreibung nicht besonders gut beherrschten. Auch an Englischkenntnissen mangelte es. Das waren alles Dinge, die man eigentlich in der Schule lernte. Ich hatte nicht erwartet, dass Hochintelligente diese Schwächen aufweisen würden. Aber manche hatten ja nicht einmal Matura. Auch das wunderte mich. Wie konnte es sein, dass jemand mit einem IQ jenseits der 130 die Matura nicht schafft?

Damals hatte ich wohl noch zu wenig Lebenserfahrung, um zu begreifen, dass ich nicht nur gute Anlagen hatte, sondern auch unter besonders günstigen Umweltbedingungen aufgewachsen war und dadurch Möglichkeiten gehabt hatte, meine Talente zu entfalten, die vielen, auch Begabten, fehlten.

Was mich aber ebenfalls wunderte, war die Aggressivität, die manche Mitglieder in den Diskussionsforen zu Tage treten ließen, und auch ihre fehlende Einsicht darin, dass man es mit ihnen nur gut meinte. Ich war offenbar ein herausragendes Mitglied dieses Vereins; denn jedes Mal, wenn ich etwas ins Forum schrieb, zog ich die gesamte Aufmerksamkeit auf mich - alle anderen Teilnehmer gingen auf mich los. Interessanterweise zeigte es sich nach einer einjährigen Forenabstinenz, dass viele derjenigen, die zuvor mich beschimpft hatten, inzwischen aus dem Verein ausgetreten oder ausgeschlossen worden waren; die Streitereien waren also von ihnen ausgegangen, und als ich fehlte, zerfleischten sich die Streithähne gegenseitig.

Was mich immer noch wundert, ist die mangelnde Fähigkeit vieler Mitglieder, sich in die Lage anderer Menschen hineinzuversetzen; nur zu häufig trifft man im Verein Rechthaber an, die sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnen und nicht einmal bereit sind, ihre Sicht der Dinge in Frage zu stellen. Da frage ich mich schon, inwiefern diese Leute eigentlich als intelligent zu betrachten seien. Allzu viel an kognitiver Begabung ist jedenfalls nicht erkennbar.

Wie auch immer: Früher war ich der naiven Ansicht gewesen, intelligente Menschen würden zueinander halten; diese Ansicht musste ich aufgrund meiner Erfahrungen mit dem Verein revidieren. Zumindest sofern die Intelligenztests wirklich das messen, was sie zu messen vorgeben.

Samstag, 15. Februar 2014

Persönlichkeitstest




Die Website www.learnmyself.com enthält einen Persönlichkeitstest, der auf dem Big-Five-Modell beruht. Dieser Test scheint mir ziemlich aussagekräftig zu sein. Interessant ist vor allem, dass ich derart hohe Werte in der Kategorie "Agreeableness" erreiche. Das war vor zehn Jahren noch anders. Offenbar habe ich mich verändert. Dafür ist es ein bisschen traurig, dass ich in der Kategorie "Conscientiousness" nachgelassen habe, weil es sich im Berufsleben um eine wichtige Kategorie handelt. Offenbar besitze ich relativ wenig Ehrgeiz. Das ändert aber nichts daran, dass ich die mir zugeteilten Aufgaben stets mit großer Sorgfalt erledige.

Interessant fand ich auch die Detailanalyse in der Kategorie "Openness". Ich rechnete mir in dieser Kategorie an sich immer hohe Werte zu, denn ich bin neuen Dingen doch sehr aufgeschlossen, und ich weiß aus meiner näheren Umgebung, dass nicht alle Menschen so sind. Offenbar habe ich vor allem in den Unterkategorien "Intellect" und "Progressivism" außergewöhnlich hohe Werte. Dagegen ist mein Wert in der Unterkategorie "Emotionality" unterdurchschnittlich. Das entspricht an sich meinem Selbstbild. Wobei ich mich noch gut daran erinnern kann, dass meine damalige Freundin in einem ähnlichen Test ein ganz anderes Bild von meiner Person angab. Sie projizierte ihre eigene Nicht-Aufgeschlossenheit auf mich, weil sie glaubte, dass ich ihr ähnlich sei, was aber zumindest in diesem Aspekt nicht zutraf.

Der hohe Wert für Introversion ist sicherlich eine der Eigenschaften, die im Alltag am stärksten auffallen. Die hohe emotionale Stabilität ist jedenfalls ein positives Merkmal. Insgesamt scheinen also Stabilität, Aufgeschlossenheit und angenehme Umgangsformen die gute Seite an mir zu sein, während es an Extravertiertheit, Ehrgeiz und Emotionalität mangelt.

In dem Intelligenztest auf der gleichen Website erreichte ich heute einen IQ-Wert von 143. Ich erinnere mich, dass ich den gleichen Test schon vor einigen Monaten gemacht und damals 144 erreicht habe. Anscheinend ist meine geistige Leistungsfähigkeit also stabil.

Sonntag, 9. Februar 2014

Noch einige Bemerkungen zum Thema "Kognitive Begabung"

Es gibt kein Thema, über das ich im Lauf der Jahre einander so widersprechende Aussagen (auch von Fachleuten) gehört habe wie das Thema "Kognitive Begabung".

Ende der Neunziger Jahre wurde ja viel Trara zum Thema Hochbegabung gemacht. Dass Hochbegabte angeblich auch am Gymnasium unterfordert seien und sie spezieller Förderung bedürfen. Dabei war ich eigentlich immer der Meinung gewesen, jeder Akademiker sei hochbegabt und das Gymnasium, das ja auf ein Hochschulstudium vorbereiten soll, eben eine Schule für Hochbegabte. Es gibt auch zitierfähige Quellen, die meine Meinung stützen. Man kann etwa nachlesen, dass in den 1950er Jahren nur 1,5% der Bevölkerung einen Hochschulabschluss hatten. Man vergleiche das mit der mutmaßlichen Zahl von 2%, die hochbegabt seien. Sicher, vielleicht wird nicht jeder Akademiker zu diesen 2% gehört haben, aber es ist anzunehmen, dass es das Gros gewesen sein wird. In einer Statistik las ich auch neulich, dass Akademiker in den 1950er Jahren im Schnitt einen IQ von 135 gehabt haben. Das bestätigt meine Ansicht. Ergo ist es nichts Besonderes, hochbegabt zu sein, wenn man Akademiker ist.

Aber viele denken dieser Tage anders. Ich erinnere mich noch daran, wie beim Sohn einer Professorin der Medizinischen Universität Wien Hochbegabung diagnostiziert wurde. Welches Trara dann gemacht wurde. Dabei wäre doch beim Sohn einer Professorin zu erwarten, dass er intellektuell sehr leistungsfähig sein würde. Schließlich ist kognitive Begabung doch erblich, oder etwa nicht?

Auch das ist ein Thema, das sehr kontrovers diskutiert ist. Ich möchte mich dazu gar nicht äußern.

Dr. Werner Kuich schreibt in seinem jüngst erschienenen Artikel zum Thema "Kognitive Begabung", dass ein IQ von 130 Voraussetzung sei, um ein Studium der Mathematik, Physik oder Technik erfolgreich zu absolvieren. Wenn er Recht hat, entspricht das meiner ursprünglichen Annahme. (Tatsächlich kenne ich aber Informatiker, die keinen IQ von 130 haben.)

Jedenfalls bin ich der Meinung, dass ein hoher Intelligenzquotient allein einen noch nicht zu einem besonderen Menschen macht.

Ist Wirtschaft kindisch?

Ich begreife noch immer unser Wirtschaftssystem nicht ganz; meines Erachtens geht es davon aus, dass Menschen schlecht bzw. einander feindselig gesinnt sind. Man schließt ein Geschäft ab, indem man eine Leistung gegen Entlohnung anbietet; dabei versucht die eine Seite, die Entlohnung zu maximieren, die andere, sie zu minimieren. Durch Argumente kann die eine Seite vielleicht die andere Seite von ihrem Standpunkt überzeugen; schließlich einigt man sich. Warum diese Konfrontation? Wieso ist es notwendig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dafür zu kämpfen? Offenbar betrachten Menschen einander als Feinde, selbst wenn sie im gleichen Land leben. Warum muss das Leben ein Kampf sein? Ist das denn nicht kindisch?

Samstag, 8. Februar 2014

Die Unsinnigkeit von Intelligenztests

Vor einigen Jahren war im Fernsehen eine Dokumentation zu sehen, in der einige Mitglieder eines bekannten Hochintelligenzvereins zu sehen waren. Ein Bekannter erzählte mir damals, er habe in einem Gasthaus einem Gespräch über diese Sendung beigewohnt, wobei einer der am Gespräch Beteiligten gemeint habe, die in der Sendung gezeigten Personen seien seiner Meinung nach nicht intelligent und die Tests hätten keine Aussagekraft und sollten verboten werden.

Im Laufe der Jahre habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese Person wohl nicht ganz Unrecht gehabt haben dürfte. Denn man kann in Vereinen wie diesem sehr gut beobachten, was Intelligenztests aussagen und was nicht. Über eines sagen sie jedenfalls wenig aus: nämlich über den geistigen Horizont. Sie sagen nichts über Bildung und Wissen aus, sie messen auch nicht, wie gut jemand in der Lage ist, sich in ihm unbekannte Materie einzuarbeiten, oder ob er dazu überhaupt bereit ist. Im Grunde genommen messen Intelligenztests nur eines: nämlich die Fähigkeit, bestimmte Arten von Denksportaufgaben zu lösen. Das ist aber nicht das, was ich unter kognitiver Begabung verstehe - und ich denke, andere Menschen werden meine Meinung teilen.

In der Tat ist es ärgerlich, wenn Menschen sich selbst für hochintelligent halten, wenn sie es nicht sind; und durch solche Tests wird das unter Umständen sogar gefördert. Ein gutes Testergebnis kann dazu führen, dass die Getesteten mit sich selbst zufrieden werden und nicht mehr bereit sind, an sich zu arbeiten und dazuzulernen. Insofern ist die Forderung des Gesprächsteilnehmers nach einem Verbot von Intelligenztests verständlich.

Gefährlich ist andererseits aber die Perspektive einer Gesellschaft, in der kognitive Begabung überhaupt nicht objektiv gemessen, sondern nur nach mehr oder minder willkürlichen Kriterien geschätzt wird. Der Sinn der Intelligenztests ist ja die Objektivierung der Beurteilung der kognitiven Begabung. Wenn Intelligenztests verboten wären, könnte es sein, dass - wie vor 70 Jahren - die Menschen willkürlich in verschiedene Begabungsklassen eingeteilt würden. Dem fälschlich einer niederen Klasse Zugewiesenen fehlte dann die Möglichkeit zu beweisen, dass er falsch eingeschätzt wurde.

Möglicherweise ist es ein Fehler, dass Intelligenztests ausschließlich mit abstrakten Mustern, Figuren, allenfalls Zahlen und Wörtern arbeiten. Vielleicht sollte ein Intelligenztest auch konkrete Fragen stellen, über Dinge, die gemeinhin als bekannt angesehen werden, wie über Geld, zwischenmenschliche Beziehungen, politische Ordnung. Möglicherweise haben manche derjenigen, die derzeit als hochintelligent eingestuft werden, hier grundlegende Lücken. Interessant fände ich beispielsweise, was die Probanden auf die Frage "Sind Menschen Tiere?" antworten würden.

Jedenfalls sollte man nicht den Wert der Schulbildung negieren. Wenn jemand laut Intelligenztest zwar hochintelligent ist, aber über keine AHS-Matura verfügt, dann ist es eben doch so, dass man sich mit ihm nicht über alle Dinge auf hohem Niveau unterhalten kann. Es stellt sich auch die Frage, welchen Sinn es überhaupt hat, über die Fähigkeiten, die durch Intelligenztests gemessen werden, zu verfügen, wenn einem die Grundlagen fehlen, die einen sinnvollen Einsatz dieser Fähigkeiten erst ermöglichten.

Samstag, 1. Februar 2014

Durchzählen

Ich weiß nicht, ob es jemanden interessieren wird, zumal ich in diesem Blog selten über Programmierung schreibe und es daher vielleicht nicht ganz hineinpasst. Aber: Ich stehe oft an, wenn ich ein kombinatorisches Problem habe und alle Möglichkeiten systematisch durchprobieren will. Da habe ich anscheinend einen Knoten im Kopf, dabei geht es eigentlich ganz einfach. Hier der Code, den ich heute geschrieben habe, aus einem Programm, mit dem ich ein Beispiel aus www.brilliant.org zu lösen versucht habe:

int countup (int x)
{
  number[x]++;

  if (eval (price) > max_price)
  {
    if (x == n - 1)
      return -1;
    for (int i = 0; i <= x; i++)
      number[i] = 0;
    return countup (x + 1);
  }

  return 0;
}

Dieser Code dient dazu, den Array number systematisch hochzuzählen, wobei es hier nicht so ist, dass man genau weiß, bis zu welcher Zahl man jedes einzelne Element des Arrays hochzählen kann, sondern dass dies vom Ergebnis der Funktion eval, aufgerufen mit dem Parameter price, abhängt. Das macht das Ganze etwas komplizierter. Im Normalfall wird man anstelle von eval (price) > max_price möglicherweise mit einer anderen (einfacheren) Bedingung arbeiten können.

Im Hauptprogramm verwende ich diese Funktion in der folgenden Schleife:

 do
 {
    if (sum_numbers () <= 3)
    {
      e = eval (yummy);
      if (e > max)
      {
        max = e;
        print_selection ();
      }
    }
    ptr = countup (ptr);
  } while (ptr != -1);

Hierdurch gehe ich systematisch alle möglichen Kombinationen durch und überprüfe, ob sie die gegebenen Anforderungen erfüllen, beziehungsweise stelle fest, welche die Zielfunktion (eval (yummy)) maximiert.

Ich hoffe, der Code werde manchen nützlich sein, die ähnliche Probleme zu lösen haben wie ich.