Sonntag, 16. März 2014

Gesellschaftliche Veränderungen

Als ich noch zur Schule ging, war ich der Meinung, es gäbe zwei Arten von Menschen: gebildete und ungebildete. Die Aufgabe der Ungebildeten wäre es, die Wirtschaft im Gang zu halten. Die Gebildeten würden vom Ertrag leben, den die Ungebildeten erwirtschafteten. Sie wären die Kulturträger und würden die Nation nach außen repräsentieren. Im Staat würden sie die Führungsrolle übernehmen. Sie würden Wissen weitergeben und neues Wissen erzeugen, kurz: das kulturelle Leben bereichern und für das sorgen, was man unter der wahren Größe einer Nation versteht.

Inzwischen habe ich dazugelernt. Ich weiß nun, dass "ungebildet" nicht unbedingt "blöd" bedeutet. Mir ist klar geworden, dass viele Arbeiter es nicht gerecht finden, wenn sie hart schuften müssen und andere Menschen dann vom Ertrag ihrer Arbeit leben. Auch Arbeiter haben oft ein Bedürfnis nach Bildung und nach Teilhabe am kulturellen Leben.

Mir ist aber auch klar geworden, dass es heutzutage auch für einen gebildeten Menschen nicht mehr so einfach ist, sich auf wissenschaftliche oder künstlerische Aufgaben zu konzentrieren und die weniger Gebildeten für einen arbeiten zu lassen. Sowohl in der Industrie als auch am Dienstleistungssektor besteht inzwischen Nachfrage nach Arbeitskräften, die bereits einen relativ hohen Bildungsgrad aufweisen. Und sofort nach dem Studium Beamter zu werden und für den Rest seines Lebens einen sicheren Posten zu haben, der mit wenig Anstrengung verbunden ist, ist inzwischen auch unmöglich geworden, denn die Pragmatisierung wurde ja abgeschafft.

Ist die Welt somit gerechter geworden? Meiner Meinung nach: nein. Es ist vielmehr so, dass immer weniger Anreiz dafür besteht, in seine Schulbildung viel Zeit und Energie zu investieren, denn man ist nachher ohnehin nichts Besseres. Dass ich mich während meiner Schulzeit sehr bemüht habe, in der Schule Spitzenleistungen zu erbringen, war ja mit der Hoffnung verbunden, nachher gewisse Privilegien zu genießen. Diese Motivation fällt heutzutage weg. Deswegen sinkt auch das Niveau an klassischer Bildung. Wer braucht heutzutage schon noch gute Rechtschreib- oder Latein-Kenntnisse?

Dafür nimmt eben auf dem Arbeitsmarkt die Nachfrage nach praktisch verwertbaren Skills zu, sei es in der Programmierung oder in anderen Bereichen.

Die Welt ist allenfalls egalitärer geworden, aber auch nur zu einem gewissen Grad. Wer das Glück hat, aus einer wirklich reichen Familie zu kommen, hat es immer noch leichter. Ein Stronach oder Mateschitz braucht sich gewisse Sorgen nicht mehr zu machen; wenn er es dennoch tut, macht er es aus artifiziellen Gründen.

Aber Bildung allein bringt keine Privilegien mehr. Das ist die bitterste Erkenntnis, die ich jetzt machen musste.

Montag, 10. März 2014

Normal-bürgerliches Leben

Aus welchem Grund auch immer, ist mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen, wie sich "normale", "bürgerliche" Leute das Leben so vorstellen - woran ich schon lange nicht mehr gedacht habe:

Gott hat die Menschen erschaffen; wir werden durch die Liebe unserer Eltern geboren; unsere Eltern erziehen uns; in der Schule beweisen wir, dass wir gut sind; wir erlernen einen Beruf und arbeiten fleißig in diesem Beruf, ein Leben lang; wenn wir alt sind, gehen wir in Pension; irgendwann verlassen wir diese Welt, und wenn wir gut waren, kommen wir in den Himmel.

Ich wette, "normal-bürgerliche" Menschen bekommen so manches gar nicht mit, das ich mitbekomme.

Aber ich glaube auch, dass "normal-bürgerliche" Menschen sowieso nicht diesen Blog lesen.