Samstag, 28. Januar 2017

Quälende Fragen

Die Fragen, die mich seit etwa einem Jahr vor meiner Matura am meisten quälten:

Wie werde ich meinen Lebensunterhalt verdienen? Reichen meine Kenntnisse und Fähigkeiten aus, um als Informatiker arbeiten zu können? Werde ich (wie in der IT-Branche üblich) jeden Tag 10 bis 12 Stunden arbeiten müssen oder werde ich auch Freizeit haben?

Das alles waren Fragen, die nicht unmittelbar beantwortet werden konnten und mich daher viele Jahre lang quälten. Heute weiß ich: Ja, ich bin gut genug, um als Informatiker meinen Lebensunterhalt verdienen zu können, und nein, es gibt sehr wohl Firmen, wo man nicht gezwungen ist, Massen an Überstunden zu machen.

Seinerzeit beantwortete ich diese Fragen für mich aber negativ, was den Ausschlag dazu gab, dass ich mich von meinem Vater überreden ließ, Medizin zu studieren - in völliger Unkenntnis dessen, dass in dieser Branche noch längere Arbeitszeiten (80 bis 100 Stunden pro Woche) üblich sind.

Dann war in den Medien immer wieder zu lesen, die Wirtschaft suche nach "hochbegabten" Arbeitskräften. Naiv hatte ich bis dahin geglaubt, dass jeder Arbeitswillige auch eine Stelle bekommen würde. Wie ich nun weiß, gibt es tatsächlich Firmen, die nur hochbegabte Mitarbeiter einstellen, im Irrglauben, diese würden dann auch (quantitativ messbar) wesentlich mehr Leistungen erbringen, also in der gleichen Zeit mehr schaffen und mit den ihnen zugeteilten Aufgaben schneller fertig werden.

Dass man solche Missstände häufig dem "Neoliberalismus" zuschreibt, halte ich aber für falsch, denn bis auf die Jahre, in denen die christdemokratische Partei den Bundeskanzler gestellt hat, hatten wir immer eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung - nie aber eine "neoliberale". Zu kritisieren ist eher die Einstellung der Unternehmer, die neue Produkte möglichst schnell auf den Markt bringen wollen, um einen Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben.