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Sir Francis Galton: "Hereditary Genius" (1869)

Der britische Universalgelehrte Sir Francis Galton (1822 - 1911), ein Cousin von Charles Darwin, gilt als einer der Begründer der Differentiellen Psychologie, jener Teildisziplin der Psychologie, zu welcher auch die Intelligenzforschung gehört. Sein Wirken wurde in den intellektuellen Kreisen Großbritanniens der damaligen Zeit mit großem Interesse aufgenommen und rezipiert. Aus diesem Grund lohnt es sich meiner Meinung nach, sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber auch mit den weltanschaulichen Ansichten Galtons zu beschäftigen. Im folgenden Beitrag möchte ich vor allem auf sein Hauptwerk "Hereditary Genius" aus dem Jahr 1869 eingehen. Kurz zur Person Galtons: Galton studierte Mathematik, Chemie und Medizin, erreichte aber "nur" den akademischen Grad eines "Bachelor of Arts". Er hat also keine klassische Hochschulkarriere gemacht, sondern sich eher als vielseitig interessierter Mensch mit guter Allgemeinbildung, weitem geistigen Horizont, durch

Der talentierte Schüler und seine Feinde

Dieses 2008 erschienene Sachbuch des österreichischen Managers und ehemaligen ÖVP-Politikers Andreas Salcher schlug in Österreich wie eine Bombe ein und wurde von vielen Menschen zum Buch des Jahres gewählt, obwohl diese Auszeichnung normalerweise belletristischen Werken vorbehalten ist. Eine kritische Rezension. Andreas Salcher selbst beschreibt sich als ein typisches Beispiel für einen erfolgreichen Schüler: intelligent, strebsam, rücksichtslos, immer nur aufs eigene Fortkommen bedacht. Nach der Matura studierte er BWL, schloss das Studium mit der Promotion ab, setzte ein Post-Graduate-Studium an der amerikanischen Eliteuniversität Harvard drauf und machte in Politik und Wirtschaft Karriere. So war er unter anderem der damals jüngste Abgeordnete zum Wiener Landtag. Nun, mit Abstand, sieht Salcher das Schulsystem kritischer. Er vertritt die Meinung, dass es zu sehr auf die Bedürfnisse des Industriezeitalters zugeschnitten sei: Das Ziel sei es, Massen an gut ausgebildeten Menschen zu p

Wer ist besser: AG oder GRAS + VSStÖ?

Meine bescheidene Meinung zu diesem Thema: Ich denke mir, dass die Mitglieder der AG, als bürgerlich orientierte Menschen, eher eine gute Gesprächsbasis mit dem bürgerlich orientierten Wissenschaftsminister haben werden als die Radikaloppositionellen von der Linken und daher die Wahrscheinlichkeit höher sein wird, dass man sich in Verhandlungen einig sein wird, wenn die Exekutive von der AG gestellt werden wird. Allerdings stellt sich die Frage, inwiefern die AG wirklich auf Seiten der Studierenden steht. Ich halte es jedenfalls für denkbar, dass es innerhalb der AG sehr wohl auch Menschen geben könnte, die die Hahn'schen Vorstellungen von Zugangsbeschränkungen zum Masterstudium und, allgemein gesprochen, einer eher "elitären" Bildungspolitik sympathisch finden. Ich persönlich bin grundsätzlich sehr wohl für Elitenförderung. Ich wage aber in Frage zu stellen, ob man an Kriterien wie Studiendauer und Notendurchschnitt erkennen kann, wer zu den Besten gehört. Die Studiendau

ÖH-Wahl 2009: Wen wählen?

Bei der ÖH-Wahl 2009 geht es vor allem darum, wer künftig die Exekutive der ÖH-Bundesvertretung stellen wird. Es treten zwei Blöcke gegeneinander an: Einerseits die konservative Aktionsgemeinschaft (AG), die die Probleme der Studierenden durch Gespräche mit dem Wissenschaftsminister lösen will. Andererseits die linken Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) und der Verband der Sozialistischen StudentInnen Österreichs (VSStÖ), die eine "kämpferische ÖH" wollen, was Demonstrationen miteinschließt. Bei der letzten Wahl hat keiner der beiden Blöcke die absolute Mandats-Mehrheit erlangt. Dazwischen standen nämlich die parteiunabhängigen Fachschaftslisten Österreichs (FLÖ). Diese gingen mit den linken Fraktionen eine Koalition ein, kündigten sie aber nach einem Jahr auf. Daraufhin bildete die AG eine Minderheits-Exekutive. Wenn die FLÖ dieses Jahr wieder ähnlich stark abschneiden werden, so werden sie auch diesmal ein unsicherer Kantonist sein. Es wird an ihnen liegen, welcher

"Das Prinzip Gier: Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann."

Der Spiegel vom 11. Mai 2009, Titelstory: "Das Prinzip Gier: Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann." Wie üblich, eine aufgeblähte Story mit vielen Redundanzen, interkaliert mit einigen interessanten Aussagen. Die meiner Meinung nach wichtigsten Passagen: "Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden." Das ist ein Zitat von John Maynard Keynes. Er setzt Unternehmer also mit "widerwärtigen Menschen" gleich und meint, der Kapitalismus hätte den Anspruch, "für das allgemeine Wohl zu sorgen", tue es aber nicht. Meiner Meinung nach unzulässige Verallgemeinerungen. Jetzt weiß ich wenigstens, was ich von Keynes zu halten habe. "Das Grundproblem des Kapitalismus, so formuliert es der neue US-Präsident, sei 'eine Kultur, in der Leute enorm viel Geld damit verdienen, die gesamte Wirtschaft aufs Spiel zu setzen'

Zum aktuellen Vorschlag des ÖVP-Bildungssprechers

http://orf.at/090516-38357/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F090516-38357%2F38358txt_story.html Ein "Prognoseverfahren" für die AHS, wie ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon es fordert, halte ich für sinnlos. Denn meiner Erfahrung nach werden diejenigen, die für die AHS nicht geeignet sind, spätestens im ersten Schuljahr aussortiert. Wer das erste Schuljahr hinter sich gebracht hat, schafft meistens auch die Matura. Wenn es im Interesse der AHS-Lehrer ist, dass möglichst viele Schüler die AHS besuchen, damit ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt, verstehe ich Amons Vorschlag erst recht nicht. Denn das Prognoseverfahren sollte ja von AHS-Lehrern durchgeführt werden. Also käme es erst recht nicht zu einer verstärkten Selektion.

Über Sinn und Unsinn des Eignungstests für medizinische Studiengänge (EMS)

In der Ausgabe 5/2008 der Zeitschrift "ÖH-UniVersum" schreiben Julia Straub und Johannes Forster, warum die Einrichtung des EMS notwendig gewesen wurde. ( http://www.oeh.ac.at/fileadmin/user_upload/pdf/PROGRESS/OeH_PROGRESS_Okt08_endversion.pdf ) Sie erklären, dass es in der Medizin nicht möglich sei, einen unbegrenzten Zugang zum Studium zu gewähren, weil Bedside-Teaching Grundbestandteil des Medizinstudiums sei und es hierfür nur begrenzte Ressourcen gebe. Der Artikel schließt mit einem Appell an verantwortliche Stellen, die budgetären Mitteln aufzubessern, um diese Ressourcen auszuweiten und auf diese Weise mehr Menschen den Zugang zu einer medizinischen Ausbildung zu ermöglichen. Das ist meiner Meinung nach nicht richtig. Es ist vielmehr so, dass das Medizinstudium und die damit verbundenen Berufe gewisse intellektuelle, mentale, motorische und soziale Fähigkeiten erfordern, die nicht jeder hat. Aus diesem Grund ist es meiner Meinung nach notwendig, eine Selektion durchzu